Das Schweizer Flugsicherungsunternehmen Skyguide zeigt am 8. März 2022, am Weltfrauentag, dass selbst in der mehrheitlich männlich dominierten Aviatik-Branche Frauen eine wichtige Rolle spielen: Der Schweizer Luftraum wird am Internationalen Frauentag überwiegend von Flugverkehrsleiterinnen geführt. Skyguide fördert seit knapp zehn Jahren die Vielfalt, die ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie ist.

Wir zeigen die Frauen von Skyguide – von der Verwaltungsrätin bis zur Flugdaten-Ingenieurin.

Im Gespräch mit Myriam Käser (Chief Communications & Public Affairs Officer – GL-Mitglied)

Ladies Drive: Könnten Sie sich bitte kurz in 2-3 Sätzen vorstellen, Ihre Funktion und wie Sie dazu gekommen sind?
Ich begann als Junior Consultant in Public Affairs und strategischer Kommunikation, wurde später Consultant und schliesslich Senior Consultant und Mitglied der Geschäftsleitung einer Zürcher Beratungsagentur. Anschliessend wurde ich CCO der NZZ-Mediengruppe, bevor ich vor vier Jahren die gleiche Funktion bei Skyguide übernommen habe.

Sie arbeiten auf Führungsebene und haben Kinder zu Hause. Wie ist das möglich?
Das ist eine Frage, die niemand meinem Mann stellt. Er ist ebenfalls in einer leitenden Position und hat zu 80% gearbeitet, als wir Eltern wurden. Ich arbeite 100%. Wir lieben beide unsere Arbeit und wir lieben beide unser Familienleben. Ich denke, wir sind ein starkes Team und haben ein starkes Unterstützungsnetz. Mein Mann hat schon früh Mitverantwortung für unser Familienleben übernommen, als wir beschlossen, die Elternzeit zu gleichen Teilen zwischen uns beiden aufzuteilen. Das hat den Grundstein für eine wirklich nachhaltige und belastbare Konstellation gelegt.

Stossen Sie auf Widerstand, wenn Sie Männer führen?
In der Abteilung, die ich leite, sind 50% Frauen und 50% Männer. Ich arbeite gerne mit allen zusammen, und die männliche Hälfte leistet sicher keinen Widerstand.

Wurden Sie von männlichen Vorgesetzten anders behandelt?
Ich hatte das Glück, dass ich immer Vorgesetzte hatte, die an mich glaubten und echte Mentoren waren, von denen ich lernen konnte. Die meisten von ihnen waren männlich, und sie alle haben mir viel Arbeit anvertraut. Ich habe sie nicht im Stich gelassen, und so bin ich gewachsen.

Was war das Schwierigste, das Sie in Ihrer Karriere als Frau erlebt haben, und wie haben Sie es überwunden?
Wie die meisten Frauen wurde ich manchmal unterschätzt. Aber ich habe mich davon nie abhalten lassen. Ganz im Gegenteil: Es gab mir oft einen zusätzlichen Energieschub, um ihnen das Gegenteil zu beweisen.

Wenn Sie mit einer inspirierenden Frau zu Abend essen könnten, tot oder lebendig, wer wäre das und warum?
Davon gibt es viele. Eine von ihnen ist die Schweizer Schriftstellerin, Journalistin und Fotografin Annemarie Schwarzenbach. Ich habe ihre Furchtlosigkeit schon als Teenager bewundert. Sie reiste um die Welt zu einer Zeit, als dies für jeden abenteuerlich und für Frauen fast unmöglich war.

 

Im Gespräch mit Nadja Keist (ATCO Bern)

Könnten Sie sich bitte kurz in 2-3 Sätzen vorstellen, Ihre Funktion und wie Sie dazu gekommen sind?
Ich bin 23 Jahre alt. In der Luftfahrt zu arbeiten, war schon immer mein Kindheitstraum. Im Jahr 2018, direkt nach der Schule, begann ich die Ausbildung zur Flugverkehrsleiterin und erhielt 2020 meine Lizenz für Bern Tower/Approach. Seither verbringe ich den grössten Teil meiner Freizeit auf dem Flughafen, um meine Privatpilotenlizenz zu machen.

Wie sind Sie auf den Flugverkehrsleiter (ATCO)-Beruf aufmerksam geworden und was hat Sie dazu bewogen, sich für diesen Beruf zu bewerben?
Während meiner Schulzeit flog ich als Hobby Segelflugzeuge im Jura. Ein Fliegerkollege schlug vor, dass ich perfekt für diesen Job geeignet wäre. Nach einigen Recherchen beschloss ich, dass ich mich einfach bewerben musste. Ich hatte keine Lust, noch einmal fünf Jahre in einem Klassenzimmer zu verbringen, und der Gedanke an einen Beruf mit Praxisbezug und abwechslungsreichen Arbeitstagen faszinierte mich.

Wir hören oft, dass für den Beruf des Fluglotsen technische Fähigkeiten erforderlich sind und sich daher mehr Männer für diesen Beruf bewerben. Was ist Ihre Meinung dazu?
Als Skyguide-Botschafterin habe ich diesen Beruf schon oft jungen Menschen vorgestellt. Oft reagieren Männer mit „Cool, wo kann ich mich bewerben?“, während Frauen antworten „Wow, das klingt cool – aber das könnte ich nie machen.“ Ich stimme zu, dass dieser Beruf technische Aspekte beinhaltet. Die Aussage, dass sich deshalb weniger Frauen bewerben, ist jedoch eine sehr vereinfachte Herangehensweise an dieses Thema. Ein Controller muss zum Beispiel auch über gute Kommunikationsfähigkeiten verfügen, eine Eigenschaft, die oft als stereotype Stärke von Frauen angesehen wird. Meiner Meinung nach bewerben sich weniger Frauen, weil sie sich dieses Berufsbild weniger bewusst sind und weil die Gesellschaft ihnen beigebracht hat, nicht an sich selbst zu glauben und so selbstbewusst wie Männer zu sein.

Welches ist der wichtigste Ratschlag, den Sie einer jungen Frau geben würden, die eine Karriere als ATCO anstrebt?
Sie werden nie wissen, wie stark und fähig Sie sind, bis Sie versuchen, Ihre Träume zu verwirklichen. Die meisten Menschen in der Luftfahrtindustrie sind unendlich freundlich und werden Sie mit offenen Armen empfangen. Andere werden jede Gelegenheit nutzen, um Sie niederzumachen. Es kann manchmal schwierig sein, aber ich kann Ihnen versichern, dass die Entscheidung, Fluglotsin zu werden, eine der besten ist, die ich je getroffen habe, und Sie werden nie allein sein. Gemeinsam können wir das System ändern.

Wenn Sie mit einer inspirierenden Frau zu Abend essen könnten, tot oder lebendig, wer wäre das und warum?
Das wäre Helene Niedhart, denn sie ist eine absolute Ikone. Nachdem sie in den 1980er Jahren ihre Pilotenausbildung abgeschlossen hatte, wollte keine Schweizer Fluggesellschaft eine Pilotin einstellen. Also gründete sie ihre eigene Fluggesellschaft Cat Aviation. Heute beschäftigt sie 70 Mitarbeitende, betreibt sieben Businessjets und hat ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von vielen Millionen. Bis heute ist sie die erste und einzige weibliche Besitzerin einer Fluggesellschaft in der Schweiz.

 

Im Gespräch mit Anastasia Ebbinghaus (Praktikantin – Compliance)

Könnten Sie sich bitte kurz in 2-3 Sätzen vorstellen, Ihre Funktion und wie Sie dazu gekommen sind?
Ich bin Trainee im Bereich Compliance und habe kürzlich einen Master in Sustainable Development & Energy Management absolviert. Ich habe im September 2021 bei Skyguide angefangen und helfe seither unter anderem bei der Einführung des neuen Compliance Management Systems. Ich arbeite auch an der sozialen Verantwortung des Unternehmens, was sich gut mit meinem Masterabschluss und meiner persönlichen Leidenschaft für Nachhaltigkeit vereinbaren lässt.

Sie sind eien junge Absolventin und stehen am Anfang Ihres Berufslebens. Weshalb haben Sie sich für ein Praktikum bei Skyguide entschieden?
Die Arbeit bei Skyguide hat mich gereizt, weil ich die Möglichkeit sah, in einem sehr interessanten Bereich mit Menschen zu arbeiten, die mit grosser Leidenschaft bei der Sache sind. Ich war auf der Suche nach einem Unternehmen mit starken Grundwerten, was ich sofort nach Beginn des Vorstellungsgesprächs erkannte. Die Stelle war für mich auch sehr interessant und ich habe gesehen, dass bei Skyguide jeder Mitarbeiter für das Funktionieren des Unternehmens und des Schweizer Luftraums wichtig ist, was zu einem Gefühl der Wichtigkeit und des Zusammengehörigkeitsgefühls führt, das ich in meiner kurzen Zeit hier schon erleben durfte.

Welche Erwartungen haben Sie als junge Berufstätige an zukünftige Arbeitgeber und was sollte ein Arbeitgeber tun und anbieten, um weibliche Mitarbeiterinnen zu motivieren?
Ich glaube, dass Vielfalt und Integration für jeden zukünftigen Arbeitgeber, den ich in Zukunft haben werde, wichtig sind. Die Arbeitgeber haben einen langen Weg zurückgelegt, um Frauen am Arbeitsplatz zu motivieren. Bei künftigen Arbeitgebern würde ich auf Chancengleichheit für Männer und Frauen achten, was sich dadurch zeigen könnte, dass sowohl Männer als auch Frauen die Möglichkeit haben, flexibel zu arbeiten, um Kinderbetreuung und familiäre Verpflichtungen zu bewältigen. Ich denke, dass es für mich wichtig wäre, Frauen in sichtbaren oberen Führungspositionen zu haben, um zu sehen, dass die Stimme der Frauen genauso geschätzt wird wie die der Männer, und ein Diversity-Team, das sich mit sichtbaren und unsichtbaren Diversity-Herausforderungen befasst, wäre ein Muss für jeden zukünftigen Arbeitgeber von mir.

Was ist die grösste Herausforderung, wenn man in der heutigen Welt eine Frau ist?
Frauen auf der ganzen Welt stehen heute vor vielen verschiedenen Herausforderungen. Die Herausforderungen, mit denen ich als junge, weisse, gebildete Frau konfrontiert bin, sind ganz anders als die einer Frau, die ohne diese Privilegien geboren wurde. Die Herausforderungen, mit denen ich und Frauen wie ich konfrontiert sind, sind meiner Meinung nach meist unbewusst. Ein Beispiel für diese Herausforderung ist die Sprache, die in Bezug auf Frauen verwendet wird und die oft negativ sein kann, auch wenn es nicht absichtlich ist. Frauen, die als entschlossen und unumwunden sich selbst sind, können als stur oder schwierig angesehen werden, während Männer mit der gleichen Veranlagung als stark und mächtig gelten können.

Wenn Sie mit einer inspirierenden Frau zu Abend essen könnten, tot oder lebendig, wer wäre sie und warum?
Ich glaube, meine Antwort auf diese Frage würde sich jeden Tag ändern, da es mir unmöglich erscheint, mich auf eine einzige inspirierende Frau zu beschränken, mit der ich zu Abend essen würde. Wenn ich mich heute für eine inspirierende Frau entscheiden müsste, dann wäre es wohl Marie Curie, eine berühmte Wissenschaftlerin, deren Forschung Millionen von Menschenleben gerettet hat. Obwohl sie zunächst daran gehindert wurde, als Frau an der Universität zu studieren, weigerte sie sich, ein Nein als Antwort zu akzeptieren, und ist das perfekte Bild einer Frau, die Grenzen überschreitet, um ihre Leidenschaften zu verfolgen und etwas zu bewirken. Ich denke, ich und viele junge Frauen wie ich könnten viel von einem Gespräch mit ihr lernen.

 

Text: Ladies Drive-Redaktion & Skyguide    Fotos: Skyguide Presse

Schweizer Luftraum in Frauenhand

Das Schweizer Flugsicherungsunternehmen Skyguide zeigt am 8. März 2022, am Weltfrauentag, dass selbst in der mehrheitlich männlich dominierten Aviatik-Branche Frauen eine wichtige Rolle spielen: Der Schweizer Luftraum wird am Internationalen Frauentag überwiegend von Flugverkehrsleiterinnen geführt. Skyguide fördert seit knapp zehn Jahren die Vielfalt, die ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie ist.

Pilotinnen und Piloten, die am Mittwoch, 8. März 2022, an einem der 14 Flughäfen beziehungsweise Flugplätze in der Schweiz landen und starten, werden grösstenteils von weiblichen Stimmen geleitet. Denn am Internationalen Frauentag arbeiten in der Luftraum-Überwachung, in den Towers der internationalen Flughäfen Zürich und Genf sowie in den Kontrolltürmen der regionalen Flugplätze mehrheitlich Frauen. So sind am 8. März 2022 über den ganzen Tag 50 Fluglotsinnen im Einsatz.

Der Frauenanteil bei Skyguide ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. So ist aktuell fast jede vierte Stelle von einer weiblichen Person besetzt. Ausserdem gehören der Geschäftsleitung zwei und dem Verwaltungsrat drei Frauen an. Diese Zahlen zeigen, dass Chancengleichheit bei Skyguide gelebt, gefördert und gesteigert wird, beispielsweise mit Teilzeitarbeit, Home-Office oder Job-Sharing.

„Wir stellen fest, dass Diskussionen in gemischten Teams dynamischer und ausgewogener sind. Dadurch entstehen abgestimmtere Diskussionen und diese führen schliesslich zu besseren Entscheidungen. Je grösser die Vielfalt, desto höher ist die Erfolgschancen eines Unternehmens“, sagt Alex Bristol, CEO von Skyguide.

Weiterführende Informationen: skyguide.ch

Über Skyguide:  Skyguide engagiert sich für ein sicheres, effizientes und nachhaltiges Flugverkehrsmanagement in der Schweiz und den angrenzenden Gebieten der Nachbarländer. Mit 1’500 Mitarbeitenden an 14 Standorten leitet das Unternehmen zivile und militärische Flüge durch den verkehrsreichsten Luftraum Europas. Durch Innovation und vertrauensvolle Partnerschaften steigert Skyguide die Attraktivität der Schweiz als Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort. Das Unternehmen befindet sich mehrheitlich im Besitz der Schweizerischen Eidgenossenschaft und hat seinen Hauptsitz in Genf.