„Ich stelle mir gerne vor, wie sich die Lage darstellen würde, wenn wir als Explorer der Zukunft dereinst neue
Planeten bewohnen werden. Dann wären wir plötzlich eine Einheit, wir wären einfach alle Erdlinge.“
Jil Lüscher, Redaktionsleiterin Schweizerischer Autound Motorradfahrerverband SAM

Jil Lüscher ist Medienschaffende, sie leitet die Redaktion des Schweizerischen Auto- und Motorradfahrerverbandes SAM,
sie gehört zur Sportredaktion von Radio SRF 1, und sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin Publikationen beim
Institut Dialog Ethik. Bei der Geburt wurde ihr das Geschlecht „männlich“ zugewiesen.

„Es gibt so viele Dinge, die uns trennen – statt zu verbinden. Das Geschlecht ist nur einer dieser Faktoren, die die Menschheit teilen. Was den gegenseitigen Respekt betrifft, sind wir in vielen Lebensbereichen noch weit entfernt von Inklusion. Deshalb stelle ich mir gerne vor, wie
sich die Lage darstellen würde, wenn wir als Explorer der Zukunft dereinst neue Planeten bewohnen werden. Dann wären wir plötzlich
eine Einheit, wir wären einfach alle Erdlinge. Ich bin zwar eine Trans-Frau, aber eigentlich mag ich diese Bezeichnung nicht. Um genau zu sein, in meinem Selbstverständnis war ich immer eine Frau, eine, die die Gesellschaftsbühne verkleidet als Mann betrat. In meinem Selbstverständnis war ich immer weiblich, meine Hardware hat einfach nicht zu meiner femininen Software gepasst. Mit 56 Jahren habe ich begonnen, dies zu ändern. Die körperlichen Anpassungen sind aber nur die sichtbaren Merkmale meiner Identität. Bedeutender für mich ist, dass ich kein Doppelleben mehr führen muss, dass ich endlich zu mir stehe. Ich fühle mich frei und authentisch, Körper, Geist und Seele sind in Harmonie. Ja, ich habe ein Leben als Mann gehabt. Ich bin als Mann sozialisiert und domestiziert worden, und das hat auch viele Vorteile gebracht. Eine Eigenschaft, die ich mir angeeignet habe, ist, dass ich mir vieles zutraue. Frauen, so finde ich, „verkaufen“ sich oft zu defensiv oder gar unter Wert, sei es im Beruf, sei es in der Politik und vermutlich auch in der Beziehung. Männer hingegen sind diesbezüglich weniger zurückhaltend und neigen eher zu Hybris. Aufgrund meiner eigenen Geschichte begegne ich den Menschen mit Demut. Ich sehe in ihnen nicht eine Herkunft, nicht eine Religion, nicht eine Hautfarbe oder ein Geschlecht – ich versuche, in ihr Herz zu blicken. Von Quoten halte ich übrigens nicht viel – dafür mehr von Chancengleichheit. Nicht das Geschlecht sollte entscheidend sein, sondern das Talent und der Wille, ob jemand fähig ist, einen Job auszuführen oder eben nicht. Wir müssen die Menschen fördern und unterstützen, die den Willen haben, etwas zu tun, die aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht dieselben Chancen haben wie andere. Der negativ konnotierte Ausdruck Diskriminierung kommt von ,discriminare‘ und bedeutet im ursprünglichen Sinn lediglich separieren. Wir empfinden eine Trennung, eine Diskriminierung offenbar als ungerecht. Das Problem bei einer Separierung, einer Trennung, einer Diskriminierung ist immer, dass sie mindestens zwei Gruppen zurücklässt. Beide Gruppen sind dabei in der einen oder anderen Weise diskriminiert. Wenn ich zum Beispiel einem Mann sage, dass wir für einen Job eine Frau suchen, weil die Frauen diskriminiert sind, diskriminiere ich automatisch den Mann. Deshalb macht es aus meiner Sicht mehr Sinn, sich auf Chancengleichheit zu fokussieren, wo jede und jeder das tun kann, was er oder sie liebt. Dann verschwindet auch automatisch die Radikalisierung, die wir heute vermehrt antreffen und die für niemanden wirklich ein besseres Leben bringen kann, sondern eine Gegenradikalisierung provoziert. Aufklärung, ein offener Dialog und Bildung sind zielführender auf einem Weg zu einem respektvolleren Umgang miteinander. Wenn jemand mehr wissen möchte über Transgender, bin ich absolut offen, euch teilhaben zu lassen an meinen Erfahrungen, denn nur Offenheit löst Barrieren und baut Vorurteile ab.“

CREDITS
Redaktion: Sandra-Stella Triebl
Lektorat: Lektornet Hamburg
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Location: Polo Park & Country Club Seuzach
Fotograf: Markus Mallaun