Der ehrgeizige Slogan, der die brandneue Kampagne für die Lancierung der Diorskin Forever Natural Nude Range begleitet, soll verdeutlichen, dass Dior alle Frauen ansprechen will. Zu dem Zweck lud Dior Influencerinnen zu einem Fotoshooting in der Carezza Suite des The Dolder Grand in Zürich ein. Eine gute Gelegenheit, uns von der Tiefe dieses Vorhabens zu überzeugen und zu hören, was denn Diversität für das Unternehmen tatsächlich bedeutet.

Slogans sind leicht gefasst. Und gerade wenn es um so sensible Themen wie Diversity und Inclusion geht, werden schnell mal Alibiaktionen bemüht, um zu demonstrieren, „Schaut her, wir sind uns des Problems bewusst“. Parfums Christian Dior jedoch hat sich auf die Fahne geschrieben, mehr als nur an der Oberfläche zu kratzen. Die Pariser Couture-und-Beauty-Maison hat fünf starke Frauentypen aufgeboten, um die Kampagne #FOREVER SISTERHOOD mit lokalen Vorbildern nachzubilden. Wir spielen den Advocatus Diaboli: Sind das einfach nur eine Handvoll schöne Frauen, oder stehen sie tatsächlich auch hinter dem tieferen Sinn der Dior-Aussage? Influencerin Elvira Legrand (sie heisst wirklich so, 465k Follower): „Ich bin davon überzeugt, dass Erziehung nicht innerhalb eines Tages passieren kann“, weiss die junge Mutter eines Sohnes. „Man muss sich täglich damit befassen.“ Das tut sie zu den Themen Diversity und Inclusion, informiert sich bei Plattformen wie @shityoushouldcareabout, reposted wichtige Messages und Informationen zu den Themen Body Positivity und Feminismus und hofft, damit ihre Follower zu inspirieren. Das vergangene Jahr hat Elvira positiv für sich nutzen können, weil viele Brands, die sie für ihre Posts bezahlen, ihr Budget in die digitalen Medien verschoben haben. Ihr Tipp, um nicht träge zu werden durch die Beschränkungen: „Eine neue Passion entwickeln. Ich hab versucht, endlich Italienisch zu lernen!“

Die Schere muss aufgehen
Beauty-Bloggerin Katrin Roth sieht sich ebenfalls auf der positiven Seite, trotz der Geschehnisse der vergangenen Monate: „In meiner klitzekleinen Bubble ging’s mir eigentlich immer gut. Ich weiss, das ist ein Privileg, ich hab noch mehr Dankbarkeit empfunden als sonst schon, mir ist täglich bewusst geworden, wie gut es mir geht. Ich vergegenwärtige mir immer, was hat die aktuelle Situation an Positivem?“ Auf ihrem Blog sonrisa.ch versucht die Journalistin, eine Normalität herzustellen, was die Themen Diversity und Inclusion betrifft: „Ich bemühe mich, bei den Beauty News nicht immer die junge weisse Frau zu suchen, sondern die Schere aufzumachen. Ich merke erst jetzt, worum es geht, was systemischer Rassismus ist und ob ich ein Teil davon bin.“ Aktiv war sie auch schon, für Black Lives Matter ging sie auf die Strasse, es war die zweite Demonstration in ihrem Leben. Dass „die Schere aufgeht“, merkte auch Model Dami Jang gerade im vergangenen Jahr ganz besonders. „Ich bin erst im November 2019 buchstäblich auf der Strasse entdeckt worden, als ich während eines Verwandtenbesuchs an die Seoul Fashionweek ging“, erzählt sie während des Dior-Shootings. Lange habe sie sich hüben wie drüben fehl am Platz gefühlt, sie sei in der Schweiz immer „die mit den Schlitzaugen“ gewesen, in Korea galt sie als „die aus der Schweiz“. Dass die Modewelt jetzt nach Diversity strebt, begrüsst Dami sehr. Die derzeitigen Auswüchse in den USA in Form von Asian Hate Crimes machen ihr Sorgen, und sie tut was: „Ich engagiere mich, war an Black-Lives-Matter-Streiks, weil ich finde, jeder Mensch sollte gleich behandelt werden. Was in Amerika passiert zurzeit, ist sehr schlimm, ich versuche, Leute auf Social Media (@jang.dmi auf Instagram) auf das Problem aufmerksam zu machen und zu spenden, wenn ich es kann. Ich hoffe, dass irgendwann alle Menschen gleich angesehen werden, aber ich denke, die Menschheit wird noch lange dafür brauchen, leider.“


Aktiv werden
Modelkollegin Naomy denkt gleich: „Ich lebe Diversity und Inclusion und engagiere mich, ich protestiere, ich informiere mich, ich gebe mich so positiv wie möglich. Ich werde verbal aktiv, kämpfe mit Wörtern und Artikeln. Ich versuche, so gut wie möglich auf Social Media (@itsnamomym auf Instagram) und im Real Life mit Freunden und Familie viel Awareness zu generieren.“ Dazu gehört auch etwas, was sie besonders in den Monaten seit Ausbruch der Pandemie gelernt hat: Man muss sich auch sichtbar machen; etwas, wobei die Dior-Kampagne sicher helfen wird, davon ist sie überzeugt. Sie hat erst kürzlich beschlossen, als Vollzeitmodell zu arbeiten, macht nebenbei Musik als Sängerin und als DJane und versucht jeden Tag, mehr aus sich herauszukommen. Um ihren eigenen Fortschritt zu dokumentieren, hat Naomy begonnen, ein Diary zu führen, und gibt das als Tipp weiter an alle, die jetzt Schwierigkeiten haben, ihre Emotionen zu sortieren: „Schreibt. Wenn man etwas aufschreibt, verlässt es den Kreisel im Kopf, und man kann besser an positiven Veränderungen arbeiten.“ Mit dem Aus-sich-Herauskommen hat Influencerin Sindi Arifi (@sindiarifi, 326k Follower) null Probleme, sie ist seit vier Jahren aktiv in diesem Business, mit steigender Tendenz. Als ehemalige Miss-Schweiz-Aspirantin fiel ihr der Gang an die Öffentlichkeit leicht, jetzt zahlt es sich aus; auch für sie ist die Dior-Kampagne eine richtiger Schritt in Richtung mehr Diversity und Inclusion. „Ich beobachte, dass sich die Follower im vergangenen Jahr viel mehr engagiert haben“, erklärt die Zürcherin, „Ich ermuntere alle über meine Plattform, mehr Selfcare zu üben und sich selbst zu feiern. Jede und jeder von uns.“

Alle sind gleichberechtigt
Für die Crew von Parfums Christian Dior Schweiz ist es jetzt der logische Schritt der Brand Parfums Christian Dior, allen Frauen auch mit Worten und Taten zu signalisieren, dass die Produkte für jede sind. „Jede Frau, die an unsere Counter kommt, soll wissen, dass sie bei uns das passende Produkt findet“, konkretisiert Céline Gambs, Marketing- und PR-Direktorin Parfums Christian Dior Schweiz, die aktuelle Kampagne. „Als Teammanagerin und Teil der Geschäftsleitung ist es mein ständiges Bestreben, dafür zu sorgen, dass jedes Mitglied der Dior-Familie fair und gleichberechtigt behandelt und anerkannt wird. Ich habe mich dafür engagiert, dass ein Preis für die Anerkennung von Talenten im Büro eingeführt wurde, da lange Zeit nur die Verkaufsteams gefeiert wurden.“ Im Team erhalten neu nicht nur die erfahreneren Teammitglieder, sondern auch junge Praktikanten die gleichen Chancen, sich zu bewähren und auszudrücken. Was wir live beim Shooting im The Dolder Grand miterleben durften: Pauline Belloin, Marketing- und PR-Praktikantin, hatte am Shooting den Lead, eine grosse Aufgabe, die sie mit Bravour meisterte. „Was die Rekrutierung angeht, versuche ich, die Vielfalt von Geschlecht und Herkunft zu begünstigen“, erklärt Céline Gambs. „Leider sind die Bewerbungen, die wir erhalten, sehr begrenzt, wir haben noch einen langen Weg vor uns.“ Und auch privat setzt sie sich für Diversity und Inclusion ein: „Als Mutter verpflichte ich mich, meinen Töchtern einen offenen Blick für die Vielfalt der Herkunft eines jeden Menschen sowie für die Vielfalt der Persönlichkeiten zu vermitteln, indem ich die Stärken hervorhebe, die uns komplementär machen und die wir alle voneinander lernen können.“

Vielfalt steckt im Inneren
Lernen ist das Stichwort für Michelle Fischer, National Makeup Artist Dior Schweiz und ganz besonders in den letzten Monaten ein engagierter Fels in der Brandung beim Online-Schooling für die unzähligen Salespeople und Auszubildenden des Hauses, für Stylisten und Make-up-Kreative. „Es war eine Challenge“, gibt Michelle Fischer unumwunden zu. „Aber ich habe die digitalen Tools intensiv eingesetzt, um der ganzen Dior-Familie zu zeigen, dass wir da sind, für sie da sind, dass wir unsere Stärken nutzen und eine Familie sind.“ Diversity und Inclusion ist für die Disziplinierte, die aus Mangel an Models während der langen Zeit der virtuellen Schulungen sich selbst als Modell nahm, um die Anwendung neuer Produkte zu demonstrieren, täglich Brot: „Die Arbeit mit so vielen verschiedenen Arten von Menschen in diesem Geschäft hat es einfach gemacht, wirklich zu schätzen, was Menschen unterschiedlich macht, in Bezug auf Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion, Behinderung, sexuelle Orientierung, Bildung und nationale Herkunft. Am Ende sind wir alle gleich geschaffen, eine Einzigartigkeit für uns.“ Und Michelle Fischer bekräftigt auch persönlich, was das Haus Parfums Christian Dior für sie vertritt: „Ich glaube, dass das Eintreten für jeden, der ungerecht behandelt wird, einfach Teil dessen ist, wer ich bin. Mein persönliches Leben hat eine solche Vielfalt an Menschen, das Wichtigste für mich ist, was im Inneren ist, nicht im Äusseren.“

Weiterführende Informationen findet Ihr hier:

@diorparfums
www.dior.com

Text: Dörte Welti      Fotos: Dior Press