UND DAS IST ERST DER ANFANG

Vielen von uns ist das Ausmass der Transformation, in der wir uns zurzeit befinden, wohl noch nicht zur Gänze klar geworden. Klar hingegen scheint: Die Welt verändert sich. Das ist ganz offensichtlich. Für manche etwas mehr, für andere etwas weniger. Aber sie verändert sich nicht nur – sie transformiert sich. Während sich die einen nun die Rückkehr zu ihrer „Normalität“ wünschen und mit der Unplanbarkeit und Ungewissheit dieser Zeit ihre Welt aus den Angeln gehoben sehen, blicken andere unserer „neuen Normalität“ argwöhnisch entgegen. Doch wir tun gut daran, anzuerkennen, dass sich die Welt und wir mit ihr eben nicht nur verändert, sondern transformiert. Was bedeutet das, und worin liegt der Unterschied? Wenn sich etwas transformiert, führt kein Weg mehr zurück, eine Transformation ist irreversibel, eine nicht umkehrbare, langfristige Veränderung. Das erschreckt viele von uns. Die psychiatrischen Kliniken und Notfallstationen platzen aus allen Nähten – in Österreich sprach man jüngst bereits von einer Triage: auf der Abteilung der Kinderpsychologie im grössten Krankenhaus in Wien. Und ich kann das so gut verstehen, dass man sich in dieser dauerhaft verändernden Welt nicht mehr automatisch zu Hause fühlt. Aber so ist die Welt. So ist die Natur. Und wir Menschen darin sind adaptiver und anpassungsfähiger – und nebenbei bemerkt auch leidensfähiger –, als wir manchmal denken. Transformation und Veränderung sind der eigentliche „Normalzustand“ dieser Welt. Alles andere ist Wunschdenken.

Der ehemalige Senior Advisor des WEF und Chief Learning Officer der Weltbank (und übrigens unser Keynote Speaker an der League of Leading Ladies Conference im Juni 2021 in Interlaken) Paolo Gallo hat mir erklärt, dass der Effekt einer „Veränderung“ auf die Situation bezogen ist. „Transformation“ hingegen ist die psychologische Seite. Ein Umstand kann sich also verändern, transformieren können wir uns aber nur selbst. Das Tao-Te-King (von Laotse) spricht bei Transformation von einer „Neuschöpfung“ hin zu einem höheren, weiter entwickelten Ich.
Was uns das denn nu’ sagen soll? – Dass wir selbst alles in der Hand haben. Dass die grundlegende Weiterentwicklung in uns selbst liegt – und niemals im Aussen zu finden ist. Man kann jeden Tag meditieren, aber wenn man sich deshalb „besser als die anderen“ fühlt, ist man genauso unbewusst wie ein Coladose. Werden wir uns also bewusst, wie viel Stärke und Kraft in uns wohnt. Und gewöhnen wir uns an diese Transformation, denn sie geschieht mit oder ohne euch. Also keine Angst. Ihr wisst nicht, wie man das – als Mensch und als Manager*in, als Unternehmer*in – schaffen soll? Indem ihr euch dieser Transformation hingebt und versucht, sie aktiv mitzugestalten. Mein Appell ist also nicht: Akzeptiert alles wortlos. Sondern kämpft nicht dagegen an, dass ihr aus der Komfortzone geschleudert werdet. Werdet euch klar darüber, dass das Leben uns ohnehin mit jeder Erfahrung, mit jeder Zeile, die ihr lest, wie eben gerade, transformiert. Ihr bleibt nicht euer Leben lang ein und dieselbe Person! Jedes Erlebnis, jede Erfahrung, jedes neue Wissen, verändert euch. Nicht nur eure Psyche, sondern auch nachweisbar euer Gehirn. Denn mit jedem neuen Wissen verknüpfen sich auch neue Nervenzellen miteinander. Wir verändern uns also sogar körperlich – und sind somit nicht mehr dieselben.

In dieser Ausgabe No 53 (Frühlingsausgabe 2021) haben wir uns dem Thema Veränderung und Transformation auf vielfältige Weise angenommen. In einem herzerwärmenden Fotoshooting haben wir fünf Mütter und ihre Töchter vor die Kamera geholt, um die generationenübergreifende Transformation zu dokumentieren. Und in all unseren Interviews und Kolumnen beleuchten wir das Thema aus unterschiedlichster Perspektive – mal etwas analytischer, mal etwas emotionaler. Möge euch somit auch diese Ausgabe bereichern, inspirieren und „food for thought“ geben.

Und ein grosses Dankeschön an „meine“ Business Sisterhood, die uns so stolz und mutig durch diese wilde Zeit trägt. Wir erleben gerade einen wahren Boom bei den Neuabonnent*innen. Das ist grosses Kino! Von Herzen: Danke!

Fühlt euch umärmelt, ihr Lieben.

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Text: Sandra-Stella Triebl   Fotos: Tomek Gola