Sarra Ganouchi lebt seit jeher in einer Welt der Gegensätze: Aufgewachsen in Tunesien und in der Schweiz verbindet die Inhaberin von fouta traditionelle tunesische Handwerkskunst mit Schweizer Design- und Qualitätsansprüchen. Die hochwertigen Baumwolltücher, die fouta, haben ihren Ursprung in der arabischen Badekultur und sind multifunktionale Allrounder. Geeignet sind die schnell trocknenden Foutas (arabische Bezeichnung für Hamamtuch) beispielsweise für den Strand, die entspannende Sauna oder als Unterlage für ein Picknick, besonders aber im heimischen Bad. Ein Produkt, das man jeden Tag benutzen kann und das dank seinem klassischen und ruhigen Design zeitlos ist. „Das Tuch ist wie ein Chamäleon, es passt sich immer an die Umgebung und die Person an“, erzählt die 34-Jährige begeistert in ihrem Zürcher Atelier.

Bei fouta dreht sich alles um das Konzept der Nachhaltigkeit. „Es steht nicht das Produkt, sondern der Mensch, die Natur und die Kultur im Vordergrund.“ Anspruch und Ziel von Sarra Ganouchi ist es, dass „alle Beteiligten an der Wertschöpfungskette als Gewinnerinnen daraus hervorgehen.“ Ihr ist wichtig, dass alle involvierten Personen einen fairen Lohn erhalten, auch wenn sie sich selbst noch keinen auszahlen kann. Alle Tücher bestehen aus G.O.T.S-zertifizierter Bio-Baumwolle, die einen ökologischen Anbau, faire Arbeitsbedingungen und ein höheres Einkommen der Biobauern ermöglicht. Die Tücher werden in einem tunesischen Kleinbetrieb gewoben und anschliessend von Frauen traditionell in heimischer Handwerkstradition geknüpft. Doch die Fertigung in Tunesien birgt auch viele Herausforderungen, die Sarra Ganouchi so einiges an Energie kostet: Zu Zeiten der Revolution, des Ramadan oder im Sommer bei Hochzeiten lief teilweise gar nichts mehr. Auch Essensflecken oder Ameisen fanden sich anfangs in den Tüchern, verrät Sarra lachend und fügt weiter ernst an: „In Tunesien kriegt man das, was man bekommt. Für mehr muss man hartnäckig bleiben.“ Für die Qualitätssicherung sorgen Mitarbeitende der sozialen Werkstätte Drahtzug in Zürich, welche jedes einzelne Tuch auf einwandfreie Qualität überprüfen.

Doch wie wurde die Geschäftsidee von fouta geboren? Bei einem Ferienbesuch beim nach Tunesien zurückgekehrten Vater entdeckte die damals 13-jährige Sarra Ganouchi in seinem Schrank ein Tuch, in das sie sich gleich Hals über Kopf verliebte. Schon bald stöberte sie in den Basaren und brachte stolz ihren Freundinnen in der Schweiz solche Tücher aus ihrem Heimatland mit – denn auch die Schweizerinnen waren von den farbigen Alleskönnern restlos begeistert. Über die Jahre keimte die Geschäftsidee langsam auf, getrieben vom Wunsch zum Erhalt der vom Aussterben bedrohten Handwerkstradition, bis schliesslich im Februar 2011 die fouta gmbh erblühte.

Daneben hat sich Sarra Ganouchi dem Marketing-und Kommunikationsbereich verschrieben. Ihre berufliche Laufbahn begann mit einer kaufmännischen Lehre bei LEGO und führte über weitere Stationen zur Marketing Planerin mit eidg. Fachausweis. Schliesslich folgte sie ihrem Herzenswunsch, dem Design, und absolvierte den Bachelor of Arts in Produktund Industriedesign an der Zürcher Hochschule der Künste. Danach fügte sie einen master in design an und gründete die Agentur für Branding und Design Past.Present.Future., welche ihr zweites Standbein ist und die fouta gmbh querfinanziert. fouta wird derzeit von einem Netz von verschiedenen engagierten Personen getragen, die das Unternehmen projektweise weiterentwickeln.

Mit fouta erzählt Sarra Ganouchi eine wunderschöne Geschichte von ihrer interkulturellen Herkunft und hält die Tradition der Handwerkskunst in Tunesien ein stück weit am Leben. Obwohl man Sarra Ganouchi in Tunesien für „wahnsinnig“ hält, weil sie teure Bio-Baumwolle einkauft, anstatt bei den lokalen tunesischen Händlern konventionelle Baumwolle zu beziehen, so eröffnet dies dort doch auch ein neues Bewusstsein.

Die Tücher von fouta sind in über 30 Verkaufsstellen in der Schweiz oder unter www.fouta.ch für CHF 95,00 erhältlich.

Weiterführende informationen www.fouta.ch / Kontakt: [email protected]


Text: Linda Roniger
Fotos: Sabrina Brunner (portrait von inhaberin Sarra Ganouchi), Michel Gilgen

Save

Save