Frauen sind nichts ohne Männer. Eine gewagte These, die heute so gut wie jeder mit vehementem Kopfschütteln quittiert. Vor wenigen Jahrzehnten aber sah es anders aus in der Gesellschaft. Mit wirtschaftlichen Trends wie „Female Shift“ und auch dem Wandel des Soziallebens aber kommt Bewegung in die Sache. Im Raum steht nun die Frage: „Brauchen wir einen Mann?“ Kategorisch abstreiten lässt es sich nicht, dass Beziehungen Halt geben können. Statt des Brauchens jedoch etabliert sich nun eine Kultur des Wollens.

„Female Shift“ verdeutlicht weibliches Potenzial

Ein Blick in die Schweizer Unternehmens- und Politikwelt verrät: Hier haben immer mehr Frauen das Sagen. Wir von Ladies Drive stehen seit 2007 für eine „BusinessSisterhood“ und setzen uns für Empowerment jenseits von Quoten ein. Und doch bleibt die Anzahl weiblicher Führungskräfte und Entscheider deutlich zurück hinter der männlichen Konkurrenz. Warum das so ist, lässt sich pauschal kaum sagen. Unbewusste Vorurteile und veraltete Rollenbilder jedoch dürften eine massgebliche Rolle spielen. Auch heute noch kommt mancher Arbeitgeber nicht umhin, Frauen weniger Kompetenz, Motivation und Durchsetzungsvermögen zu unterstellen, weswegen Männer bei der Besetzung wichtiger Positionen Vorrang gewährt wird. Auch die Tatsache, dass Frauen Kinder bekommen können, erleichtert die Angelegenheit nicht. Es scheint stets das Risiko eines plötzlichen Ausfalls mitzuschwingen.

Doch ein Trend namens „Female Shift“ nimmt sich der Sache schon seit geraumer Zeit an. Schon 2011 berichtete suedostschweiz.ch über eine Veranstaltung in Chur, deren Inhalte sich rund um die Bewegung drehten. Und trotz aller Aufmerksamkeit mahlen die Mühlen langsam. Knapp sieben Jahre dauerte es nun, bis sich die grosse Kammer offiziell für eine Einführung der Frauenquote bei grossen Börsen-Unternehmen ausgesprochen hat.

„Demnach soll der Anteil der Frauen in Verwaltungsräten von grossen börsenkotierten Aktiengesellschaften mindestens 30 Prozent betragen. Für Geschäftsleitungen gilt eine Schwelle von 20 Prozent.“

 (Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/nationalrat-knapp-fuer-frauenquote-ld.1395011)

Das es lange gedauert hat, bis Frauenquoten auch in der Schweiz zum Thema wurden, mag einerseits ärgerlich erscheinen. Andererseits jedoch beweist es, dass sich auch bei äusserlicher Stagnation hinter den Kulissen etwas bewegt.

Denn weibliches Potenzial ist nicht zu unterschätzen. Wer sich mit Female Shift befasst, weiss um die Grundsätze des Trends und die Tatsache, dass es nicht um den Ersatz von Männern geht, sondern um die Ergänzung. Frauen müssen also keineswegs zu Abziehbildern ihrer maskulinen Kollegen werden, um in der Wirtschaft oder auch in der Politik etwas erreichen zu können. Vielmehr geht es darum, weibliche Potenziale und Ressourcen zu erkennen und sie im Unternehmensalltag gewinnbringend und fair einzusetzen. Frauen an die Macht also? Ja, durchaus. Aber eben nicht überall im gleichen Tempo und keineswegs in Kombination mit der Herabwürdigung männlicher Potenziale.

 

Rollenverteilung in der Partnerschaft: Gleich oder nicht?

In einer Gesellschaft, die Frauen und ihren Fähigkeiten immer mehr Bedeutung beimisst, tut sich so einiges. Das ist wie in der systemischen Therapie: Sobald sich ein Aspekt verändert, löst das Reaktionen in anderen Bereichen aus. Female Shift, mehr berufstätige Frauen und steigende Verantwortung wirken sich auf das Alltagsleben aus. Auch Beziehungen sind hiervor nicht gefeit. Die klassische Abhängigkeit der Frau von ihrem Mann und seiner Finanzkraft hat in zahllosen Fällen längst ein Ende genommen. Worauf also kommt es nun an bei der Partnerwahl?

Auch hier wird deutlich, dass Frauen ihre Interessen und Bedürfnisse abseits finanzieller Belange immer wichtiger nehmen. Eine Studie von ElitePartner unterstreicht das: Hier gaben rund 78 Prozent der befragten Frauen an, Männer besonders attraktiv zu finden, wenn sie sich emotional öffnen und über Gefühle sprechen können. Etwa drei Viertel der Befragten schätzten auch Verantwortungsbewusstsein in Bezug auf Haushaltstätigkeit als attraktiv ein. Nur 34 Prozent finden Wissen und Fähigkeiten rund um Finanzen attraktiv – das nämlich können viele Frauen inzwischen problemlos alleine managen.

Die Partnersuche und auch das Beziehungsleben verändern sich im Zuge der gesellschaftlichen Wandlung. Gut für Frauen, die nun berufstätig UND Mutter, Alleinverdienerin oder auch engagiert im Job sein können, ohne dass es als unangebracht gilt. Nicht leicht für Männer, die dem klassischen und durchaus patriarchalischen Rollenbild nur langsam entwachsen.

 

Selbstbewusstsein macht Geduld leicht

Frauen mit eigenem Leben und klaren Vorstellungen sind freier für echte Liebe ohne Kompromisse.

Was also passiert, wenn sich Frauen mit starkem Selbstbewusstsein auf Partnersuche begeben? Eine paradoxe Frage, denn im Grunde suchen diese Frauen nicht. Sie stehen mit beiden Beinen fest im Leben, entwickeln sich weiter und bauen ihre Komfortzone mutig aus. Auf einen Mann zu warten und das Leben rund um Partnersuche und Beziehung zu gestalten, kommt für modern denkende Frauen nicht in Frage. Männer also müssen so einiges tun, um auch weiterhin attraktiv zu bleiben.

Wer jedoch dazu in der Lage ist, die Bedürfnisse einer Frau zu respektieren und ihr eine gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe zu bieten, kann sich auch an ihrer Seite einen Platz sichern. Das ist verbunden mit einem grossen Umdenken, vollkommen neuen Erfahrungen und funktioniert nur, wenn Offenheit und Flexibilität zur eigenen Lebensphilosophie gehören. Für Frauen bedeutet das häufig, längere Zeit ohne Beziehung zu bleiben. Einen Partner nur um der Zweisamkeit Willen zu haben, kommt nur noch in den seltensten Fällen gut an.

Auch das Sehnen nach einem verlässlichen Partner in einsamen Stunden kommt immer seltener vor. Frauen sind aktiv, pflegen Sozialkontakte und gestalten ihr Leben inklusive Job nach eigenen Massgaben. Das wiederum liefert optimale Voraussetzungen für den Moment, in dem die Liebe ganz ohne Hintergedanken, Gehaltszettel und Kompromisse zuschlagen kann.


Text: Ladies Drive-Redaktion

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