„Style has nothing to do with size“, sagt der Designer Adam Brody, der in seiner Wahlheimat Zürich ein Geschäft mit Plus-Size-Mode betreibt. Mit dieser Meinung ist er in der Modeindustrie nicht alleine. Immer mehr Designer erweitern ihre Kollektionen um qualitativ hochwertige Stücke in Übergrössen oder entwerfen eigene Plus-Size-Linien. Und die Nachfrage ist gross, denn durch das Umdenken in der Modeszene löst ein realistisches Frauenbild endlich das Size-Zero-Schönheitsideal ab.

Schönheitsideale im Wandel

Martina Zellweger, amtierende Miss Plus Size Switzerland, und Curvy-Model Lori Hoffmann sind die Schweizer Antwort auf Ashley Graham. Das US-amerikanische Model schaffte es 2016 als erstes Plus-Size-Model auf das Cover der Sports-Illustrated-Bademoden-Ausgabe und entfachte eine Debatte um unrealistische Schönheitsideale in den Medien. Seitdem hat sich in der Modeindustrie einiges getan. Nicht nur das Angebot an Mode in grossen Grössen ist vielfältiger geworden, auch auf den Laufstegen sind immer mehr Models zu sehen, deren Äusseres von der bislang gängigen Norm abweicht: So zeigte etwa die Pulp Fashion Show in der Modemetropole Paris, dass auch kurvige Frauen ein Recht auf Mode haben. Mit dabei war auch Adam Brody, dessen Entwürfe die femininen Rundungen der Plus-Size-Models perfekt in Szene setzen.

Während Brody aus Liebe zu seiner Frau Kollektionen im Plus-Size-Bereich entwirft, inspirierten die Designerin Anna Scholz ihre eigenen Erfahrungen als grosse Frau mit Rundungen. Schon als Jugendliche fand sie selten passende Kleidung und kaufte sich stattdessen Stoff, aus dem sie sich das nähte, was ihr gefiel. Als sie am berühmten Central Saint Martings College of Art and Design in London angenommen wurde, konzentrierte sie sich vollständig auf Mode in grossen Grössen. Mittlerweile finden sich ihre Entwürfe weltweit in über 40 Läden sowie im Internet. So bietet auch der Onlineshop der Marke Emilia Lay viele Kleidungsstücke der Designerin an, unter anderem Blusen, Kleider und auch Bademode in Kollektionsgrösse 40 aufwärts.

Diversität in der Modewelt

Auch wenn sich immer mehr Schweizer Designer um mehr Diversität in der Mode bemühen – in den USA besteht der Trend zur Plus-Size-Mode schon viel länger. Die Nachfrage ist grösser, die Schnitte anders. In Grossbritannien etwa ist Kleidung, die die Kurven von vollschlanken Frauen in Szene setzt, gefragter als in der DACH-Region – nicht zuletzt auch durch Prominente wie die Sängerin Beth Ditto oder die Schauspielerin Queen Latifah. Wie die Designerin Anna Scholz in einem Interview verriet, musste sie deshalb kürzlich ihr Geschäft in Berlin schliessen: „In Deutschland kleiden sich Frauen in grossen Grössen doch eher sportiver. Sie verhüllen und verstecken sich mehr, wollen einem gesellschaftlichen Ideal entsprechen“.

Die Vielfalt von Schönheit, insbesondere der von Frauen, spiegelt sich zudem noch nicht auf den internationalen Laufstegen wider. So hat das US-amerikanische Online-Magazin The Fashion Spot insgesamt 241 Fashion-Shows im Frühling 2017 in New York, London, Paris und Mailand untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass nur 0,43 Prozent Plus-Size-Models waren. Und diese Unausgeglichenheit betrifft auch die Hautfarbe, das Alter und Transgender. Die meisten farbigen Models gab es der Umfrage zufolge mit 31 Prozent in New York. Nichtsdestotrotz lassen die Bemühungen in der Modeindustrie eine positive Tendenz erkennen und ermutigen Frauen auf der ganzen Welt, zu ihrem Körper zu stehen.


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