Alles begann mit einer Woche Kranksein und der DVDKollektion von SATC. Niedergestreckt von einer Darmgrippe – ein Geschenk der Kinderkrippe meiner Tochter – hatte ich endlich die lang ersehnte Ruhe und somit Zeit, meine Gedanken schweifen zu lassen.

Mit den Serienqueens Carrie, Sam, Miranda und Charlotte gedanklich im Gespräch fröne ich der Vergangenheit und frage mich: „Sch*!?>*: Was kommt jetzt?“ Es gibt noch keine Staffel von Carrie, ihrem Mann Big und ihren Vielleicht- Kindern; Patchwork wird nur im Ansatz vorgeführt, durch Charlottes Familie; es gibt noch keine Exfrauen- Problematiken, keine soziokulturellen Unterschiede, keine ach so schönen Differenzen in Erziehungsfragen vor dem Hintergrund der weiblichen Berufstätigkeit, keine chronische Geldknappheit trotz einem Kopf voll von Wünschen und Träumen. Und auch das Ehe-Sexleben oder das, was davon übrig ist, bleibt in der Serie aussen vor.

Wie wär’s mit einer neuen Fernsehserie, mit mir als Protagonistin? Ich, die alle vier SATC-Charaktere in sich vereint? Bin ich nicht das neue iPhone 6, schneller, besser und noch multifunktionaler? Wie kann man sich dem allgemeinen Fortschritt entziehen, wenn man sich der Umwelt quasi unbewusst anpasst und mutiert? Nach reiflicher Überlegung hat sich mein Kopf der Migräne verschrieben und ich musste mich übergeben, um festzustellen, dass es besser ist mich zu rebooten und einen Gedanken nach dem anderen zu verfolgen…

Um nicht bei ungefähr zu beginnen, handeln wir doch mal metaphorisch die sechs Staffeln SATC ab. Wir schreiben das Jahr 2009. Seit zwei Jahren bin ich in der schönen Schweiz beim mittlerweile zweiten Job angelangt. Schon lange war ich nicht mehr so glücklich und so bei mir wie jetzt. Seit mehr als fünf Jahren single – hab ich mich gutgelaunt zu einer Affäre hinreissen lassen. Fazit – es war kurz, extrem und hat mit Terror geendet. Nebenwirkungen: Versauter Traumurlaub auf Mauritius, rasante Gewichtsabnahme (von meiner Seite her gesehen gar nicht so negativ) und der Beginn eines Teufelskreises. Wenn man glaubt, es geht nicht mehr, dann beginnt es auch im Job nicht mehr zu laufen, und Todesfälle im nahen Umfeld häufen sich. Mir ist klar, dass ich nun den Kopf nicht in den Sand stecken kann, denn auf der Couch würde sich mein Gemüt mit Comedy-Serien nicht sehr nachhaltig erheitern und meinen „Traumtypen“ treffe ich sicher auch nicht…, oder doch?

„EP“ ist das liebliche Kürzel für eine exklusive Online-Partnervermittlung, welche durch den Zusatz eines happi gen Mitgliederbeitrags viel leicht qualitativ hochwertige Teilnehmer haben könnte. Ich weiss noch, ich hab nicht lange überlegt, sondern alle Analysen über mich ergehen lassen und mein Profil online gestellt. Ich entschied mich für den passiv-aktiven Weg: nicht direkt anschreiben, sondern nur Posts erhalten.

Auweia, die Nachrichten der Männer haben mich in die Realität zurückgeholt. Niemand darunter mit Topausbildung, Modelaussehen, super Charakter oder wenigstens soziokulturellem Interesse Topqualität eben. Vier Tage später erreichte mich dann doch meine heutige „bessere“ Hälfte. Kurz, knackig, leicht provokativ…, und nur zehn Jahre älter als ich. Nach 20 Nachrichten hin und her treffen wir uns während zwei Tagen. Ein Lunch an einem Samstag, welcher bis zum Abend dauert. Ein Sechs-Stunden-Date voller Kuriositäten und genügend Warnmalen. Was passiert nächstes Mal, wenn man nicht auf seine Intuition vertraut?

Von Miss Patchwork Nathalie Rehak*, Fotos: FotoPro Bären

1) US-TV-Serie „Sex and the City“

Nathalie Rehak*Nathalie Rehak (36) ist gebürtige Österreicherin, lebt und arbeitet in Zürich. Sie ist für die Young Talents bei einem amerikanischen Grossunternehmen verantwortlich, hat sich immer eine grosse Familie mit vielen Kindern gewünscht und hat stattdessen den interkulturellen Patchworksalat.


Text: Nathalie Rehak