Volvo hat sein erstes vollelektrisches Modell in Europa enthüllt. Der Volvo XC 40 wurde bereits in Los Angeles dem amerikanischen Markt präsentiert, die europäische Präsentation fand im Volvo Designstudio Mailand statt.

Auffälligster Fakt an der Präsentation, an der Medienvertreter aus ganz Europa teilnahmen: Die Farbe Pastellpink. Nicht für das Auto, sondern für das Ambiente, sogar das Ladekabel war in Rosa. Wo andere Autofirmen sich auf Grün für die gleichfarbige Ideologie oder kühles Blau stützen, um ihre Verbundenheit zur Natur zu symbolisieren, setzt man beim Schwedischen Autobauer (ja, trotz Chinesischem Eigentümer Geely Holding bleibt das Headquarter in Göteborg, dort werden die Volvos erdacht und konzipiert) auf das sanfte Rosé als strategische Farbe für die Kommunikation. Auf die Frage, wieso, antwortete Volvo: «Weil wir aus der Masse rausstechen wollen».

Nun, das gelingt. Auch mit dem neuen Volvo XC40 P8 als erstem vollelektrischen Modell, der in China gebaut wurde, in Luqiao, wo eine der drei Fabriken steht und die die Serienmodelle der 40er Range herstellt. Volvo hat kein komplett neues Auto für die Elektrifizierung designt, sondern sich dem identischen Aufbau des bereits existierenden XC 40 Kompakt SUV bedient. «Auf die Art und Weise geben wir den Kunden, die sich sowieso schon für unsere Modelle entschieden haben und speziell den XC 40 gerne fahren die Möglichkeit, sich nicht für ein neues Modell entscheiden zu müssen», erklärt Beatrice Simonsson, Senior Product Manager bei Volvo. Die dreifache Mutter führt weiter aus, dass so ein XC 40 Recharge ideal wäre für die Distanzen, die sie für Job und Familie mit dem Auto in Göteborg bewältigen muss: «Ich müsste das Auto höchstens zwei Mal die Woche aufladen!». In den nächsten fünf Jahren will Volvo jedes Jahr ein neues vollelektrisches Auto auf den Markt bringen. Sie werden unter der Bezeichnung Recharge geführt, zu der auch aufladbare Plug-in-Hybridfahrzeuge gehören. Bis 2025 soll die Hälfte der verkauften Volvo-Modelle elektrisch angetrieben sein. Zusätzlicher Anreiz: Am Ende des ersten Jahres bekommt man von Volvo die durchschnittlichen Stromkosten für das Aufladen der Batterie zurückerstattet.

Den Volvo XC 40 Recharge P8 AWD, wie das Auto mit vollem Namen heisst, konnten wir noch nicht fahren, aber er soll eine Reichweite von über 400 Kilometern haben, leistet 408 PS und schnurrt von 0 auf 100km/h in 4,9 Sekunden. Ein kritischer Punkt ist immer die Produktion der Batterien: Im November letzten Jahres verkündete Volvo, der erste Autohersteller zu sein, der Blockchain Technologie für die Produktionskette des Kobalts, der in Batterien verbaut wird, nutzt. Damit soll lückenlos nachverfolgbar sein, woher und wie das Kobalt in die Batterien kommt. Volvo bezieht seine Batterien wie viele andere Autofirmen auch von LG Chem, Südkorea, dazu noch von CATL of China. Beide Firmen sprechen sich auf ihren Websites strikt gegen die Verletzung der Menschenrechte aus und versprechen, dafür zu sorgen, dass sie die Überwachung der international geltenden Richtlinien unter anderem bezüglich Kinderarbeit unterstützen.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob individuelle Autos wirklich die Lösungen unser Probleme sind oder ob man nicht die Mobilität an sich neu definieren muss. Björn Anwall, Leader Volvo Cars, sagte dazu: «Wir denken in viele Richtungen. Wir haben die Subscription Care by Volvo* mit einem einfachen Zugang zu Premium Cars entwickelt. Wir haben mit unserem Mobility Brand M** eine Car Sharing Lösung, die es möglich macht, Volvos genau nur dann zu buchen, wenn man ein Auto braucht. Und wir arbeiten eng mit Städten zusammen, um Lösungen zu finden.» Björn Anwall zeigte auf, dass man sich gemeinsam mit den Städten auch Gedanken mache über die Flächen, die von parkenden Autos eingenommen werden. Ein wichtiger Punkt, denn die meisten Autos stehen die meiste Zeit ihres Lebens still: «Wenn man den Menschen das Auto genau nur dann zugänglich macht, wenn sie es brauchen, kann man viel Platz frei machen und neu für mehr grüne Flächen in den Städten nutzen.» Ein Gedanke könne auch sein, den öffentlichen Verkehr von Volvo designen zu lassen, immerhin gibt es ja bereits elektrische Volvo Busse. Aber das seien Langzeitprojekte.

Fazit: Es tut sich was. Volvo-Liebhaber kommen auf jeden Fall mit dem Volvo XC Recharge voll auf ihre Kosten, einen Preis gibt es derzeit für das Auto, das man bereits ordern kann, und das im vierten Quartal in der Schweiz erhältlich sein soll, noch nicht.

Weiterführende Informationen:

volvocars.com

*Care by Volvo ist in der Schweiz noch nicht verfügbar.

**M ist im Moment in Schweden und in den USA aktiv.


Text: Dörte Welti Fotos: Volvo Press