Es heisst doch, da wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder. Da wo man designt, da sollte man sich aber erst Recht niederlassen, und zuhören. Man ist umgeben von Menschen, die nur das Eine wollen: Den Nutzer/User/Verbraucher/Konsument rundum glücklich machen.

Der wahre Luxus ist, sich die Zeit zu nehmen und über das, was um uns herum geschieht, mit Gleichgesinnten zu reflektieren. Nichts weniger als das hat der BMW Design Talk, der regelmässig im BMW Brand Experience Center in Dielsdorf mit spannenden Zeitgenossen abgehalten wird, zum Ziel. Ein Schelm, der denkt, dahinter stecke auch noch das Interesse, einen der blau-weissen Autos an Mann und Frau zu bringen…

An der letzten Ausgabe, an der wir zugegen sein durften, waren zu Gast Christopher Weil, seit Juli 2019 Head of Exterior Design, BMW, und Alfredo Häberli, vielleicht einer der eigenwilligsten Designer unserer Zeit. Häberli ist eigentlich auch Markenbotschafter der Bayerischen Motoren Werke, gehört aber zu den Zeitgenossen, die nicht unbedingt linientreu sind, sondern immer ihre eigene Meinung vertreten, wortwörtlich ihre eigene Linie fahren. In 2015 forschte der smarte Südamerikaner für BMW über die Zukunft der Mobilität und entwarf das Konzept «Sphère». Ob man sich bei BMW ein pfannenfertiges Auto gedacht hatte, ist nicht (mehr) überliefert, jedenfalls hat Alfredo Häberli damals ein spektakuläres eiförmiges Gebilde entworfen, dass in Mailand dann am Salone del Mobili gezeigt wurde. Seine Gedankenschritte in der Entwicklung waren Mensch, Raum, Mobilität. Spannenderweise hat Häberli, der immer davon träumte, mal ein Auto zu entwerfen, 2015 dann eigentlich in letzter Konsequenz keines gezeichnet, sondern eine Vision, in die man hinein interpretieren konnte, was man wollte. Die Gedanken sind frei.

Es gab dann noch einen Versuch einer gestalterischen Zusammenarbeit: Alfredo Häberli war involviert in das Design eines Elektro-SUV von BMW. Die Entwürfe hat er geliefert, umgesetzt davon wurde nichts, zumindest bis jetzt nicht, sehen darf man sie aber auch nicht. Der BMW-Vorstand war mit der Interpretation und den Variationen, die Häberli mit ikonischen Elementen der Münchner vorhatte, nicht einverstanden. Das ist sein gutes Recht. Bei BMW gäbe es Schlüsselelemente, die den BMW als BMW charakterisieren und die unumstösslich sind, erklärte Christopher Weil im Verlauf des Talks. Er muss es wissen, er ist seit fast 20 Jahren bei BMW, MINI und Designworks, einer BMW-Tochter, in verschiedenen Designfunktionen beschäftigt. Zur optischen DNA des Autos gehört die «Niere», also die doppelte Kühlergrillform, und gewisse Linien entlang des Wagens, die Geschwindigkeit symbolisieren, auch wenn das Auto sich gar nicht bewegt. Die grosse Aufgabe der Designer bestehe darin, alles wie immer und doch ständig neu aussehen zu lassen.

Nach dem Talk durfte man sich einen BMW aussuchen (und als Goodie Bag mit nach Hause nehmen … nein!) und Richtung Lunchlocation fahren. Unsere Wahl fiel auf einen 7er BMW, weil er laut Konzern das meist verkaufte Auto der GKL+ Klasse (Grosse Klasse Limousine plus) in der Schweiz (354 verkaufte Einheiten in 2018) ist. Der 7er ist so was von einer Limousine. Massiv, kompakt, wenn man auf dem Fahrersitz Platz nimmt, hat man das Gefühl von richtig viel Auto um einen herum. Sie wird in der kurzen Version, in der wir sie fahren durften, durchaus selbst gesteuert, in der längeren Version aber gerne mit einem Executive Lounge-Paket (ab CHF 12′ 560 Aufpreis) geordert, wenn man in der Situation ist, sich chauffieren lassen zu wollen/können. Bisher hatte ich zumindest BMW nicht als Chauffeurs-Limo abgespeichert, BMW hat für mich immer eine sportliche Note gehabt, ein rasanter, meist eckiger eigenwilliger Flitzer, gerne mit Draufgängern am Steuer oder als offenes Cabriolet mit schicken lässigen Frauen oder Männern am Volant, die ungeniert zwischen Aprés-Surf und Einkaufsmeile hin- und herpendeln.

Das Feeling in der Limousine: Grossartig. Aber würde ich sie kaufen, wenn ich könnte? Darüber wollte ich eigentlich nachdenken beim Essen. Aber bei Heiko Nieder, 19 Gault Millau-Punkte-Koch im Dolder Grand „The Restaurant“ und ebenfalls auf der Liste der Ambassadoren von BMW (der Familienvater fährt derzeit einen BMW X5) lässt man das Denken lieber beim Portier des Luxushotels und geniesst nur noch. Nieder gewährte zum Warmschmecken einen Blick in die Küche, wo mit höchster Präzision miniaturkleine Geschmacksexplosionen gezaubert werden. Die wir auch probieren dürfen, eines galaktischer als das andere. Design in der Küche? Ja, denn zum einen hat Heiko Nieder eigens für seine Apéro- und Amuse-Bouche-Créationen Geschirr entwerfen lassen, auf dem die Wunderwerke präsentiert werden. Zum anderen designt auch er seine Menüs, er sucht die Zutaten nach Geschmack und Farbe aus, die Kompositionen sind legendär. Und wie in jedem Bereich geht es in der High End-Gastronomie auch darum, Trends zu setzen. Heiko Nieder ist ständig auf der Suche nach neuen Ideen, neuen Looks, neuen Highlights, um seine Gourmet-Fans glücklich zu machen. Der Lunch bei ihm: Ein Erlebnis. Beim Essen gesellte sich übrigens noch Paul de Courtois zu unserer kleinen Runde. Swiss Ladies Drive hatte den smarten CEO der BMW Group Switzerland bereits beim Female Innovation Forum 2019 begrüssen dürfen, welches ebenfalls im BMW Brand Experience Center in Dielsdorf stattfand und er somit Gastgeber und auch persönlich anwesend war.

Fazit: Design hat viele Facetten, bereichert unser Leben, beeinflusst, wie wir was wahrnehmen und ob wir uns wohl fühlen. Ob wir etwas mögen oder nicht, ist vielleicht Geschmackssache, aber für gutes Design wird sich so ziemlich jeder erwärmen können, auch wenn sie oder er es nicht immer konkret an etwas festmachen kann, warum.

Der 7er BMW beginnt ab CHF 113′ 300 (als 730d xDrive). Es gibt auch eine M-Version, den M760Li xDRive ab CHF 212′ 800 mit 585 PS/430 kW. Als 745Le xDrive gibt es den 7er BMW als Hybrid mit Benzin-/Elektromotor (ab CHF 136′ 800).

Weiterführende Infos:
www.bmw.ch
www.thedoldergrand.com
www.alfredo-haeberli.com


Text: Dörte Welti    Fotos: BMW Press