Die Stadt platzt aus allen Nähten. Allein um vom Flughafen JFK in unser Hotel in Midtown Manhattan zu kommen, benötigen wir knapp fünf Stunden. New York City im Herbst ist nach wie vor “The Place To Be“ und hat an Anziehungs- und Strahlkraft trotz all der Schläge unter die Gürtellinie, die es in den letzten Jahrzehnten einstecken musste, kein bisschen verloren.
Der Big Apple ist dabei wie ein Sportwagen, in jeder Faser laut und schnell, … und man sollte sich besser schon im Vorfeld auf das bevorstehende Tempo einstellen um nicht aus der Bahn zu fliegen.
Genau das richtige Setting für Pirelli, um seinen Kalender 2018 vorzustellen.

Seit 1964 legt der italienische Reifenhersteller den Kalender, der seit je her nur an einen exklusiven Kreis von Kunden, Celebrities und Freunden des Unternehmens verschenkt wird, streng limitiert, auf. 
Die Überlegung etwas, in der langläufigen Perzeption, so banales wie Autoreifen mit jährlichen Bildstrecken, die kreativer und sinnlicher kaum sein könnten zu ergänzen, ging von Anfang an auf und macht auch absolut Sinn. Man darf nicht vergessen, die DNA des Unternehmens ist italienisch, und die Passion der Italiener für das Schöne im Leben und den Genuss desselben, spürt man beim Imageträger „Pirelli Kalender“ sehr deutlich. 
Und wohl auch deshalb reiht sich das „Who Is Who“ der Top-Fotografen wie Peter Lindbergh, Annie Leibovitz, Helmut Newton und dieses Jahr Tim Walker in die Liste der Kreateure des Kalenders ein. Diese geniessen dabei übrigens stets vollkommene künstlerische Freiheit. 
Und da sich der Zeitgeist gerade etwas von zu viel nackter Haut wegbewegt (ich erinnere daran, dass hier in der USA selbst der Playboy mittlerweile lieber bekleidete Frauen am Cover zeigt), seit dieser neuen „Angezogenheit“ also, zählt man auch A-Lister aus dem Bereich Schauspiel, Musik und Sport wie Nicole Kidman, Yoko Ono, oder Serena Williams zu den Motiven des Kalenders.

 Für die 2018 Ausgabe gaben sich nun unter anderem die Schauspielerin Whoopie Goldberg, der Rapper Sean „Diddy“ Comps und eine in der medialen Aufmerksamkeit alle überstrahlende „Supermodel-Grossmutter“ und Diva vor dem Herrn, Naomi Campell, die Ehere, gemeinsam mit Tim Walker, Lewis Caroll’s fantastische Geschichte der Alice im Wunderland umzusetzen.

Als Grundlage für die insgesamt 28 entstanden Fotografien, dienten aber nicht die optischen Interpretationen von Disney oder Tim Burton, sondern ausschliesslich John Tenniel’s Illustrationen der Erstausgabe des Literaturklassikers aus 1854.
Für Tim Walker ist die Geschichte der Alice im Wunderland die „Blueprint of Fantasy“, die er allerdings zeitgemäss erzählen wollte: „Jeder von uns hat sein eigenes Bild vom Wunderland. Und im Laufe der Zeit, ändert sich auch dieser Ort.“
Das laut Tim Walker „immens aufwendige Shooting“, welches auf diese Erkenntnis folgte, gibt der Geschichte von Alice immer wieder kleine, unvorhergesehene Twists.
 Der Cast an Models besteht ausschliesslich aus einer „All Black – Besetzung“ und selbst der berühmte „Weisse Hase“ ist in diesem Fall schwarz und sieht irgendwie gar nicht mehr so sehr gestresst aus wie zuletzt im Kino.
Edward Enninful, der diesjährige Kostümdesigner der Produktion, bringt es auf den Punkt: „Es ist wichtig, dass die Geschichte von Alice an eine neue Generation überliefert wird. Ihre Abenteuer im Wunderland spiegeln die Welt wider, in der wir leben, die Hindernisse, die wir zu überwinden haben, sowie den Gedanken, das anzuerkennen, was anders ist.“
Und Sean „Diddy“ Combs, der sich übrigens vor mehreren Jahren schon Zitate aus Alice im Wunderland auf die Oberarme tätowieren lies, zeigt diese stolz vor und rezitiert eines davon: „Bin ich etwa verrückt geworden?“ fragte der Hutmacher traurig. „Ich fürchte, ja“ sagte Alice „Du bist total durchgeknallt. Aber soll ich dir ein Geheimnis verraten? Das macht die Besten aus!“

Ausgetretene Pfade würden gerade bei dieser Geschichte also kontraproduktiv wirken und genau diese kleinen Abweichungen gefallen an Tim Walker’s Bildern.

Für diejenigen, die nun in New York eins der begehrten Exemplare des Pirelli Kalenders ergattern konnten, bleibt wie jedes Jahr nur noch die Frage, wie man das wertvolle Stück in voller Grösse, und ohne die Kunst des Origami anwenden zu müssen nun am besten nach Hause transportieren soll. Man tut gut daran ihn, einmal bekommen, nicht mehr aus den Händen zu geben. Und den etwas törichten Gedanken an den praktischen Versand per Post in die Heimat sollte man sich, laut versierten Kalenderbesitzern, lieber gleich aus dem Kopf schlagen (Wie konnte ich nur?!…) Denn selbst, Top-Manager des Unternehmens, die sonst für ihre Effizienz bezüglich der Grösse ihrer Gepäckstücke bekannt sind, um diese am Flughafen nicht einchecken zu müssen, reisen für diesen Event mit Koffern an, die das Gepäck der Herzkönigin und ihres Hofstaates tragen könnten. Ein Tröpfchen „Schlupflutsch“ aus Alice’s „Trink Mich“ Fläschchen wäre da wirklich praktisch gewesen. Deshalb lassen auch wir unseren begehrlichen Pirelli-Kalender keine Sekunde mehr aus den Augen.

Weitere Informationen findet ihr auch hier:
pirellicalendar.pirelli.com

 


Text: Sebastian Triebl
Fotos: Tim Walker, Pirelli, Stefan Binder, Sebastian Triebl