Swiss Ladies Drive GmbH
Haufen 201 | 9426 Lutzenberg
Schweiz
___________________________________
Chief Editor & Publisher
Sandra-Stella Triebl, Lic.Phil.I
sst[at]swissladiesdrive.com
___________________________________
General Manager
Sebastian Triebl
st[at]swissladiesdrive.com
__________________________________
Sekretariat
info[at]ladiesdrive.tv
+41 79 88 44 373
__________________________________
Redaktion
redaktion[at]ladiesdrive.tv
+41 79 88 44 373

Inserate
Sandra-Stella Triebl, Lic.Phil.I
stella[at]ladiesdrive.tv
__________________________________
Franchise
Swiss Ladies Drive GmbH is licensing the magazine Ladies Drive worldwide now.
For conditions please contact:
Sebastian Triebl
seb[at]ladiesdrive.tv
__________________________________
Disclaimer
Die Swiss Ladies Drive GmbH und das Magazin Ladies Drive sind
nicht verantwortlich für die Funktionalität und Inhalte externer Links!

3

ZWÖLF RICHTIGE!

ChampagneMit Aston Martin auf Grand Tour von London nach Le Mans
Text: Sebastian (James) Triebl
Fotos: Nick Dimbleby & Sebastian (James) Triebl

Ich hörte einen Schrei aus dem Büro, das meinem gegenüber liegt. Als ich Schlimmes ahnend durch die Tür schoss, um meiner Frau zu Hilfe zu eilen, sass diese allerdings sehr gefasst wirkend in ihrem Sessel. „Schatz, was ist los?“, fragte ich. Ein knappes „Ach, vergiss es … du fährst!“, kam mir entgegen. Und schon bald stellte sich ein Gefühl von sechs Richtigen im Lotto bei mir ein.
Eine Fahrt von London nach Le Mans, in einem brandneu „facegelifteten“ Aston Martin DB9 und im Anschluss das 24­Stunden­Rennen direkt an der Strecke erleben. Das musste sogar für nicht PS­affine Menschen verführerisch klingen, denn das Programm versprach eine atemberaubende Reise durch die Champagne, nicht nur vorbei an, sondern wohnend in verträumten französischen Châteaux und Schlössern. Und dank des übervollen Kalenders meiner lieben Frau und ihrer Kenntnis meiner Affinität für Autos, die für Männer Namens „James“ gebaut werden, durfte nun ich die Fahrt mit ca. zehn weiteren Männern, die sich in den nächsten fünf Tagen ebenfalls „James“ nannten und aus allen Kontinenten nach London reisten, antreten.

Tag 1:
Ich fliege von Zürich nach London. Von da aus gehts in einer Limousine Richtung Küste, wo wir in einem kleinen Städtchen namens Turnbridge Wells im Château Hotel du Vin im untypisch englischen dafür urtypisch französischen Stil unterkommen. Vor dem bezaubernd kleinen Château parken schon unsere Fahrzeuge (allesamt DB9 Coupé und DB9 Volante), der rechtsgelenkte, in Mintgreen getauchte DB9 des Aston­ Designchefs Marek Reichmann sowie ein 4­türiger Rapid. Dort treffe ich dann auch die anderen Fahrer aus England, Amerika, Frankreich, Spanien … Nach einem wundervollen Abendessen, welches mit Champagner begann, und mit einem obligatorischen Gin Tonic und einem Toast auf die Queen (zumindest eine nächtigte auch schon hier) endete, gehts ab ins Bett. Der Gin bleibt allerdings bei den meisten im Glas. Wir wollen früh raus.

Tag 2:
Wie soll es in England auch anders sein – gleich nach dem Aufstehen erwarten uns die ersten Regentropfen. Also wird das Cabrio, das zu Demonstrationszwecken offen vor dem Hotel stand, schnell geschlossen. Und los gehts in Zweierteams mit den linksgelenkten teuren Schmuckstücken – auf der falschen Strassenseite. Um die ersten Gehversuche auf englischen Strassen mit einem Fahrzeug dieser Preisklasse zu machen, braucht man Nerven. In den ersten Kreisverkehr wären wir fast verkehrt rein gefahren. Doch nachdem sich das Adrenalin nun langsam im Körper verteilt hatte, waren wir uns einig, dass in diesem Gefährt ohnehin jede Strassenseite die richtige sei. Nach einer malerischen Fahrt durch Kent kommen wir ans raue Meer.
Was mich sowie Laurent, meinen französischen Co­Piloten, gleichermassen verwundert, ist, wie viele Engländer sich in ihren teils sündhaft teuren Sportwagen so wie wir auf den Weg zum Rennen nach Le Mans machen.
Später erfahren wir, dass dies unter den Le­Mans­Anhängern eine alte Tradition darstellt und es die Engländer entsprechend nicht im Traum wagen würden, ihren Fuss in ein Flugzeug zum 24­Stunden­ Rennen zu setzen.
Nach einem kurzen Boxenstop in der Hospitality­Lounge des Eurostars, in der uns ein Lunchpack für die bevorstehende Reise unter dem Meer überreicht wird, fahren wir mit unseren Astons in den Bauch des Zuges. Der Eurostar versprüht im Inneren einen Hauch von Star Wars und schon bald setzt sich der mächtige Unterwasserzug in Gang. Und da nirgends ein Bullauge oder Seerohr zu finden ist, sinnieren wir über die Millionen Hektoliter Wasser, die über unseren Köpfen sein mögen. „Das Spannendste, was einem hier passieren kann, ist, wenn der Zug stehenbleibt“, scherzen wir. Ja, bis … genau das passiert.
Der Zug hält an, die Klimaanlage ebenso. Technische Probleme heisst es. Über eineinhalb Stunden sitzen wir in der durch unsere heissen V12­Motoren aufgeheizten „englischen Sauna“ und tun genau das, was man in einer Sauna so pflegt zu tun. Wir schwitzen.
Nachdem uns der Zug auf dem Festland wieder ausspuckt, fahren wir über die regennasse Autobahn, bevor sich das Wetter langsam beruhigt und sich uns eine szenischere Route durch eine malerische Gegend in Richtung Champagne offenbart. Laurent und ich unterhalten uns so angeregt über die Historie dieser wundervollen Region, dass wir unsere Roadmap ganz vergessen und uns zu guter Letzt vom Navigationssystem ins Hotel Royal Champagne Epernay bringen lassen müssen. Dort angekommen, können wir die wunderschöne Aussicht aus unseren Suiten auf die Weinberge und auf das charmante Tal, das vor uns liegt, gar nicht geniessen. Auch die freistehende Badewanne wird zu Gunsten der schnelleren Dusche links liegen gelassen. Wir müssen uns sofort in Schale werfen und gleich weiter …
Michel Janneau, Executive Vice President von Louis Roederer, bittet uns nach einer Privatführung durch Roederers Cham­ pagnerhimmel, der allerdings tief unter der Erde liegt, zum Gala­ dinner in seine gleich vis­à­vis der Kellerei liegenden Privatresidenz.
Nach einem exquisiten Champagner­Dinner in umwerfenden Räumlichkeiten und in Gesellschaft von Michel Janneau und dem Aston­Martin­CEO Dr. Ulrich Bez bleibt uns nach Rückkehr ins Royal Champagne noch etwas Zeit, die Eindrücke des Tages bei einem weiteren Glas Christal Revue passieren zu lassen.

Louis RoedererTag 3:
Am Morgen stehen unsere DB9 frisch geputzt in Reih und Glied zur Abfahrt Spalier. Und heute spielt auch das Wetter mit. Mein französischer Freund und ich öffnen das Verdeck, drücken den Start­Knopf und düsen los. Die wundervolle Landschaft mit Feldern voll rot blühendem Klatschmohn fliegt an uns vorbei. Wir kommen durch winzige, uralte Dörfer, die aussehen als würde jeden Moment Louis de Funès auf einem klapprigen Fahrrad mit Baguette und Rotwein unter dem Arm um die Ecke biegen. Einfach herrlich!
Da wir ganz in der Nähe des Wochenendhäuschens von Laurents Familie sind, fragt er mich, ob es mir was ausmachen würde, einen kleinen Umweg zu fahren. Denn seine Tante, sein Onkel, Grossmutter, Geschwister oder Eltern … irgendjemand sei am Wochenende jedenfalls immer dort, um sich vom Pariser Stadtleben zu erholen. Die Familie hatte vor Jahren das völlig verfallene Anwesen gemeinsam erstanden und über die Zeit nach und nach renoviert. Und genau dieser Familiensinn kommt mir in dem Moment, wo ich in das kleine Landhaus eintrete, überschwänglich entgegen. Tante, Onkel und Grossmutter kümmern sich rührend um die unerwarteten Gäste. Natürlich muss auch unser fahrbarer Untersatz von der Motorhaube bis zum Kofferraum bestaunt und erkundet werden. Fazit der französischen Familie: „Très chic“. Und das will in Frankreich bei einer englischen Automarke was heissen!
Wir setzen unsere Fahrt nach Le Mans fort. Die eindringliche Warnung vom Aston­Martin­Team war: „Um Le Mans herum gibts viele Polizisten, die sich über zu schnelle englische Sportwagen sehr freuen würden.“ Also gehen wir es gemütlich an und lassen uns von Serge Gainsbourg durch die Bang & Olufsen Speakers, die wie kleine Ufos aus dem Armaturenbrett kommen, ein Liedchen trällern.
An der letzten Mautstation vor der Abfahrt nach Le Mans stehen dann auch zwei Dutzend neongelbe Gendarmen und kontrollieren scheinbar wahllos anstehende Fahrzeuge. Und natürlich, auf uns kommt auch einer der Herren zu, um „nach dem Rechten zu sehen“. Ich bitte Laurent sein Französisch erst mal zu unterschlagen und entgegne dem Mann in Gelb auf die Frage nach meinem
Führerschein: „Please monsieur, can we talk in english?“ Worauf mir dieser etwas genervt ein französisches „Non“ entgegenschmettert und mit seinen Händen einen Führerschein gestikuliert. Auf die französische Polizei kann man sich eben verlassen. Als ihm bei Ansicht des Dokuments dann dämmert, dass ich vom Alter her eher den unteren Bereich der Kernzielgruppe für den Kauf solch eines Aston Martins repräsentiere und er somit einen englischen Luxussportwagen mit deutschem Kennzeichen und einem mit Schweizer Führerschein ausgestatteten, sprachunbegabten Langhaarigen vor sich hat, sieht er etwas verzweifelt aus. Er murmelt auf Französisch: „Hhmmm, das wird nicht einfach!“, streckt mir meinen Führerschein entgegen und winkt uns mit starrer Miene grusslos weiter.
Standesgemäss wohnen wir in Le Mans auch in einem Château. Dem Château Grand Luce, das etwa 25 Minuten von der Rennstrecke entfernt und als eines der schönsten von über 400 anderen Schlössern im Tale der Loires liegt. Ein bezauberndes, altes Schloss an einem kleinen See, das wir ganz für uns alleine haben. Im Inneren befinden sich uralte Kunstschätze, Bilder und Jagdtrophäen, die wohl aus der ganzen Welt hierher gebracht wurden. Die Zimmer sind sehr charmant, ohne Schlüssel und noch viel schöner: ohne Fernseher. Das versetzt uns sofort zurück in eine vergangene Zeit, während wir im grossen Salon einen kleinen Nachmittagssnack zu uns nehmen. Abends kommt beim traditionellen Le Mans Welcome Barbeque des Club Tertre Rouge allmählich Rennfeeling auf.

Le MansTag 4:
Endlich gehts an die Rennstrecke des legendären 24­Stunden­ Rennens von Le Mans. Auf dem Areal des Circuit de la Sarthe herrscht Volksfeststimmung. Neben der kleinen Strasse, die uns zur Aston Martin Hospitality Lounge führt, campen unzählige Menschen neben ihren Autos. Und verblüffend: Auch Astons, Ferraris und weitere Super­ sportwagen stehen unter den Bäumen mit einem kleinen Zelt daneben. In den nächsten 24 Stunden kommen die Enthusiasten ohnehin nicht ins Bett.
Heerscharen von Helikoptern fliegen über das Areal. Schon 1923 kamen britische Fans zum allerersten 24­Stunden­Rennen von Le Mans. Inzwischen pilgern 35’000–40’000 von ihnen nach Frank­ reich.
Und um Punkt 15 Uhr geht es los. Ohrenbetäubende Motoren heulen auf, ganze Salven von Fehlzündungen beim Reduzieren der Geschwindigkeit vor der nächsten S­Kurve klingen, als ob sich eine Jagdgesellschaft unter uns befinden würde. Flammen kommen aus den Auspuffrohren, gleich drei Glastische bersten wegen der Vibrationen neben der Strecke in tausend Stücke. Und für die nächsten 24 Stunden essen, trinken und atmen wir neben dem Champagner und den lukullischen Köstlichkeiten aus der Aston­Martin­Hospitality­ Küche (die wir übrigens stilecht auf der Tribüne zu uns nehmen) nur eines: Benzin. Und dann ist alles viel zu schnell vorbei. Nach einer kalten Nacht, in der die Fahrzeuge mit glühenden Bremsscheiben an uns vorbeizogen und einem malerischen Sonnenaufgang über der Rennstrecke ist das Material am Ende und Fans, Teams und Fahrer gleichermassen todmüde. So manch ein Koch oder Fotograf trifft man in den Morgenstunden erschöpft auf einem Stuhl schlafend an. Und am Ende kommt es genau so tragisch, wie es der Mythos verlangt. Die Franzosen scheiden mit allen drei Fahrzeugen in der 23. Stunde aus und sind den Tränen nahe, die Deutschen gewinnen auf ganzer Linie und Aston Martin fährt mit der an James Bond angelegten Startnummer 007 auf einen soliden 6. Platz. Ein unwahrscheinlicher Nervenkrieg endet und der Mythos Le Mans, Aston Martin und die Fahrt durch Frankreich lassen mich und all die anderen Fahrer unserer Grand Tour de France auch im Shuttle zum Flughafen nach Paris nicht los. Ich hatte dem Aston­Team noch angeboten, den DB9 eigenhändig zurück nach Frankfurt zu überstellen. Aber die Warteliste für die nächste Grand Tour war viel zu lang.

Fazit:

Frankreich ist immer eine Reise mit dem Auto wert. Champagner schmeckt noch besser, wenn man ihn dort trinkt, wo er gemacht wird.
Der Name James taucht in der französischen Namensstatistik 2010 nicht auf.
In England liegt er auf Platz 9 der beliebtesten Jungennamen.
Und ich hatte nicht wie am Beginn gedacht sechs, sondern zwölf Richtige … nämlich Zylinder unter der Motorhaube eines der aufregendsten derzeit gebauten Automobile überhaupt.

Weiterführende Informationen:
www.astonmartin.com
www.lemans.org
www.clubtertrerouge.co.uk
www.chateaugrandluce.com
www.royalchampagne.com
www.hotelduvin.com

Leave a Comment