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WHERE THE WILD THINGS ARE

Ausspannen und Loslassen in Südafrika und BotswanaWhere The Wild Things Are - Foto: www.wilderness-safaris.com / Collin Bell

Sie sind gestresst? Haben Mühe loszulassen, sogar in den Ferien? Sie möchten mal was „anderes“ erleben? Dann sind Sie hier goldrichtig. Eigentlich hätten wir uns nie und nimmer freiwillig für einen Safari- oder Natur-Urlaub entschieden oder sowas wie Aktivferien. Irgendwie erschien das nicht so richtig entspannend und so gar nicht sexy. Selten hatten wir uns so sehr geirrt.

Nur wenn man sich im Weg irrt, lernt man den rechten Weg kennen. (Afrikanisches Sprichwort)

Unsere Reisereportage für diese Ausgabe begann wieder einmal recht chaotisch. Das Programm erhielten wir eine Stunde, bevor uns die Sixt-Limousine von Legends Travel zu Hause aufpickte, also drei Stunden vor Abflug. Während der Fahrt im schwarzen Mercedes Richtung Flughafen Zürich-Kloten breiteten wir alle Unterlagen auf dem Rücksitz aus. Johannesburg, Durban, dann mit dem Auto in den Norden ins Naturschutzgebiet, im Anschluss zurück, Flug von Richards Bay nach Johannesburg, danach von da aus nach Maun in Botswana und dort jeden zweiten Tag in ein anderes Camp mit einer kleinen Maschine. Hm … wie bitte? Nochmal! Irgendwie klang das für uns als Afrika-Nichtkenner, ziemlich kompliziert und anstrengend. „Da brauch ich ja gleich nochmal eine Woche Urlaub nachher“, so mein erster Gedankenblitz. Sorgenvoll blickte ich unserer Reise für die nächsten 16 Tage entgegen. Doch wie gesagt – es sollte alles anders werden, als ich es mir gedacht hatte.

Nach unserer Ankunft in Johannesburg (Jo’Burg, wie die Einheimischen es liebevoll nennen) liessen wir uns ins erste Hotel chauffieren. Im „Tintswalo“, wo wir zum Ausspannen die erste Nacht verbrachten, hiess es erst mal: Umpacken! Denn, so erfuhren wir, sind Rollkoffer in Botswana wegen der kleinen Flugzeuge nicht praktikabel. Also kauften wir kurz entschlossen im erstbesten Laden ein paar schwarze Soft Bags. „Na, Bravo“, dachte ich mir, und die Sorgenfalten auf meiner Stirn wurden tiefer und tiefer. Doch spätestens beim Dinner und dem ersten Schluck eines umwerfenden südafrikanischen Cabernet-Sauvignons war alles vergessen – der exzellente Weingenuss stimmte mich etwas versöhnlicher. Abgesehen davon ist das „Tintswalo“ ein wunderschönes urbanes Hideaway, eine ehemalige Stallung mit hervorragender Küche und Zimmern, die mit Pferderassen statt Nummern beschriftet sind (wir nächtigten daher im „Mongolian Pony“).

Am nächsten Tag gings gleich in der Früh wieder Richtung Flughafen, wo uns eine Maschine der South African sicher nach Durban, ins bekannte südafrikanische Badeparadies, brachte. Ein Guide erwartete uns hier bereits gut gelaunt. „O.K., fahren wir los! Dauert etwa … na sagen wir mal … gut fünf Stunden!“ – „Achduliebesbisschen“ schoss es mir durch den Kopf, denn ich wähnte mich in Gedanken bereits an einem schönen, weissen Sandstrand, schlafend und relaxed. Aber, was solls. „Der Weg ist das Ziel“, dachte ich mir und so liessen wir uns auf die weichen Rücksitze fallen. Die Fahrt führte vorbei an Eukalyptus- Wäldern, die wie Riesen-Zahnstocher in den Himmel ragten, Ananas-Plantagen, privaten Wildreservaten, winzigen Dörfern mit lehmfarbenen Hütten und pastelligen Mauern, wir beobachteten bunt bekleidete Frauen, die das Wasser von den oft weit entfernten Quellen ins Dorf tragen, durchquerten erst saftig grüne dann zusehends trockenere aber stets fruchtbare Savanne. Wir sind in Kwazulu-Natal, dem Land der Zulus und berüchtigtsten Krieger des afrikanischen Kontinents. Fünf Stunden Fahrt vergehen so im Nu und ehe wir uns versahen, bog der Fahrer auf den Parkplatz einer Cashew-Farm ein, bereits nah an der Grenze zu Moçambique. „Hier holt euch gleich jemand mit einem 4×4 ab. Ab hier ist Naturschutzgebiet. Have fun, guys!“, sprachs, setzte unsere Taschen auf einen Grünstreifen und düste davon.
Nur einen Wimpernschlag später tuckerte das Allrad-Taxi um die Ecke. Gemeinsam mit zwei jungen deutschen Weltenbummlern holpern wir über eisengetränkte, rote Erde, weite Savannenlandschaften und Wälder Richtung Meer, dessen salziger Duft schon bald die Luft schwängerte. Als wir eine Stunde später auf dem Parkplatz des Rocktail Beach Camps halten und der schwere Dieselmotor des Land Rovers endlich in Schweigen verfiel, war das gewaltige Meeresrauschen bereits eindrücklich wahrnehmbar. Fern, aber mächtig grollte und grummelte der Indische Ozean irgendwo hinter dem dichten Gehölz, welches sich vor unseren Augen aufbäumte.

Über schmale Wege und dichtes Gehölz führt man uns zu unserem Zuhause für die nächsten fünf Tage. „Das ist ja ein Zelt!“, denke ich mir, wenn man auch betonen muss, eines der äusserst luxuriösen Sorte mit einer grosszügigen Holzveranda – inmitten des Waldes von Mazengwenya, dem Naturschutzgebiet des iSimangaliso Wetland Park und schlicht entzückend eingerichtet. Mit weiss gebeizten Möbelstücken, blau-gelb-weissen Kissen und grossen Stofflampen sowie einem eleganten Holzboden und einer Dusche mit Blick ins Freie. „Wow, das ist mal was anderes als das Sheraton“, sage ich unbedarft, und Sebastian schaut mich mit grossen Augen an. „Schön, nicht?!“ – „Doch. Wunderschön!“ Das Zelt, der Wald – ich muss zugeben, ich war kurz mal etwas irritiert. Einmal richtig eingeatmet wurde mir jedoch schnell klar, dass wir an einem ganz besonderen Fleckchen Erde gelandet sein müssen.

Where The Wild Things AreDer nächste Morgen begann um fünf Uhr – und eher unfreiwillig. Seltsame Laute, Getappsel und Getrampel auf unserem Blechdach weckten uns auf, während die Sonne ihre ersten zarten Strahlen durch die Büsche und Bäume schickte. Süsse Meerkatzen (wie wir später erfahren „Südliche Grünmeerkatzen“), eine putzige kleine Affenart mit tiefschwarzen Gesichtern (als hätten sie eine Moorschlacht veranstaltet), turnte über den Wipfeln unseres Zeltes, trank Tau aus den Wasserrinnen und spielte ganz offensichtlich Fangen. Nachdem wir dem Schauspiel fast eine Stunde lang amüsiert zugeschaut hatten, entfaltete der Wald allmählich seine morgendliche Natur-Beschallung mit all den zirpenden, pfeifenden und gluckernden Lauten, dem Rauschen der Blätter, dem Knarren der Bäume. Der zweite Morgen in Südafrika war schlicht herrlich!

Endlich hatten wir die Musse das Rocktail Beach Camp etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Unterkunft ist unprätentiös, bietet einem jedoch alles, was man braucht, um zu entspannen: Gute Luft, weiche Betten, kein Fernseher oder Radio und vor allem kein Handynetz. Ich wurde nach dem reichlichen und leckeren Frühstücks- Buffet, welches auf einer Holzveranda serviert wurde, die von einem riesigen Gummibaum mit dicken, knuffigen Blättern überschattet war und den Blick auf den kleinen Pool nahezu versperrte, fast schon ein bisschen nervös. Was mache ich bloss mit so viel Zeit und ohne Handy? Zum Tauchen, Schnorcheln, Reiten oder gar Lesen war ich eigentlich viel zu hibbelig, wie immer zu Beginn eines jeden Urlaubs. „Wir gehen zum Strand!“ Sebastians Plan war meine Erlösung.
Über gut 700 Meter engste Pfade schlängelte sich der Weg zum Meer. Vorbei an knorrigen Bäumen führte ein sandiges Weglein zu einer kleinen Bretterwand, während das Rauschen des Meeres immer ohrenbetäubender wurde. Als wir dieses hinter uns liessen, offenbarte sich ein atemberaubender Blick auf einen Strand, der links und rechts am Horizont im Sandnebel verschwand. Vor uns entfaltete sich der tosende Ozean, der in schweren Wellen gegen den Strand fegte. Über eine kleine Holztreppe, vorbei an unzähligen blühenden Sukkulenten, erreicht man den goldgelben Strand, wo es sich anschickt, sogleich unter einem der lediglich vier hölzernen Sonnenschirme Schatten zu suchen, bevor man, noch winterlich käseweiss, in den südafrikanischen Sommer eintaucht. Wir breiteten die Badetücher aus und blickten etwas verdutzt umher. Vor uns lagen insgesamt 40 km Strand. Doch weit und breit war keine Menschenseele zu erblicken! Es war der unangetastete und breiteste Strand, den ich je gesehen hatte! Ich war schlicht atemlos. Keine Liegestühle, keine Volleyballnetze. Keine Bars. Nur das Meer, ein 60 Meter breiter Strand, die Sukkulenten und wir. Irgendwie fast schon surreal! Der einzige Nachteil, den wir hier entdecken konnten war der heisse Sand. Man wird unweigerlich zum Supersprinter auf dem Weg vom Sonnenschirm zum kühlen Nass (jemand hätte mal unsere 60-m-Zeit stoppen sollen – wirklich rekordverdächtig!), denn der Sand ist dermassen heiss, dass man trotz Körperbeherrschung auf kurz oder lang mit einem „Eieieieieieiei“ auf den Lippen zu hüpfen beginnt und froh ist, wenn die kühlende Brandung die Fusssohlen beginnt zu umspielen.

So hielten wir es dann über die gesamte Zeit im Rocktail Beach Camp: Nach dem leckeren Frühstück nahmen wir den gut halbstündigen Naturmarsch unter die Füsse und legten uns überglücklich mit einem Buch unter den Holzschirm. Den wilden Wellen zuzuschaun, wie sie gegen den Strand preschen, sich weiss kräuselnd wie eine Schildkröte wieder in den Ozean zurückziehen, war Entspannung genug. Wenn man seinen Popo in den Sand reingedrückt, sich einen sanften Haufen als Ruhekissen zurechtgeschaufelt hatte und vom Grollen des Meeresrauschens in den Schlaf wiegen liess, war alles andere vergessen.
Auf dem Rückweg vom Strand trafen wir ab und zu einen unseren deutschen Mitbewohner im Camp. Ab diesem Zeitpunkt war es Ingos Strand. Vorher der Sandrastellaundsebastian-Strand. Exklusiver gehts wohl nimmer!

46-LDT-Sudafrika_WTWTA_07Die Frage stellte sich mir schon, was der Mensch eigentlich braucht, um glücklich zu sein. Wärme, Liebe, Essen vielleicht? – Im Rocktail Beach Camp war alles im Überfluss vorhanden, denn die meist schüchternen und zurückhaltenden Zulu-Frauen, versorgten uns mit lokalen Delikatessen wie dem traditionellen Maisbrei, der einer weissen Polenta gleich kam, Gemüse-Tartes, Gurkensalat auf Orangenfilets und Kräutern mit scharfem Chili, knusprigem Zwiebel- Käse-Brot oder würzigem Fisch – alles mit viel Liebe zubereitet. Das Rocktail Beach Camp ist eine kleine Welt für sich, wo sich in 17 Zelten Familien und Einzelgänger, Taucher (denn es gibt eine Menge unangetasteter Tauchgründe), Naturliebhaber und Pärchen unterschiedlichster Herkunft und Alters wiederfinden.
Nach der vierten Nacht verlassen wir das Naturreservat bestens erholt und bereits knusprig gebräunt Richtung Richards Bay, einem kleinen, nahe gelegenen Flughafen, wo unsere Maschine nach Johannesburg wartete.

Zurück in Jo’Burg, wo sich alles – aber auch wirklich alles – nur noch um Fussball zu drehen scheint und man mit jedem Zollbeamten locker ein mehrstündiges Gespräch über die Bafana-Bafana (Südafrikas Nationalmannschaft) und deren Chancen eröffnen könnte, sollte nun also das „richtige“ Abenteuer beginnen. Ich war einigermassen aufgeregt, denn jedem, dem wir bislang erzählten, dass unsere Reise uns auch nach Botswana führen würde, riss die Augen auf, nickte anerkennend und kommentierte lediglich mit den Worten: „Wow – Botswana! That’s just amazing!“ Ausserdem bin ich kein Held der Lüfte und so wartete ich neugierig und ein wenig ängstlich, wie wohl die Maschine der Air Botswana aussehen würde. Wenn ich damals gewusste hätte, was mich im Busch noch alles erwartet, hätte ich mir das Adrenalin aufgespart …

Ich entspannte mich erstmals, als wir die wirklich nigelnagelneue Maschine der Air Botswana und die freundlich lächelnde Crew auf dem Rollfeld in Jo’Burg erblickten. Den gut zweistündigen Flug nach Maun verschliefen wir zur Gänze. Erst das Aufheulen der Propeller nach der Landung in Maun riss uns aus dem Schlaf.
Die Maschine stoppte direkt vor dem Flughafengebäude – einem etwas grösseren, braun-grauem Verschlag. Mit viel Charme und Freundlichkeit, die einem allerorts in Südafrika und Botswana begegnete, führte man uns zum Check-in der Fluggesellschaft Sefofane, die uns also mit den perfekt gepackten Soft-Bags Richtung Busch fliegen sollte. Während an den blau getünchten Decken, von denen der Putz abbröckelte und schwere Ventilatoren um die Wette quietschten, warteten wir ungeduldig auf den Fortgang unserer Reise. Keine halbe Stunde später erklärte uns auf dem in der Sonne glühenden Rollfeld ein indisch-stämmiger Pilot die wichtigsten Verhaltensregeln und flugs holperten wir in dieser kleinen fliegenden Seifenkiste zur Startbahn. Das erste Mal hüpfte mein Herz, als der Pilot beim Abheben mit wahrlich indischer Gelassenheit einem Schwarm Pelikane ausweichen musste. Aber ausser mir schien dieser Tatsache niemand Beachtung zu schenken – also konzentrierte ich mich darauf, das sich unter uns erstreckende Okavangodelta im Norden Botswanas zu inspizieren und schnell vergass ich, dass wir zwischen zwei Gewitterstürmen, Blitzen und Regen durch die Wolken tanzten. Denn wir blickten sprachlos auf das weite Land des Okavango mit seinen schimmernden Flüssen in Trinkwasserqualität, in welchen kleine grüne Büsche wie Wattebausche sitzen und der Landschaft ihren charakteristischen Stempel aufdrücken. Zwischen den schwimmenden kleineren und grösseren Inselchen, die sich während der aktuell herrschenden Regenzeit zeigen, erstrecken sich weite intensiv grüne Graslandflächen, auf denen man teilweise sogar aus der Luft grössere Elefanten- und Büffelherden beobachten kann. Nach einer halben Stunde Tanz in den Wolken setzten wir auf dem Airstrip, einer Landebahn aus Sand und Kalk, auf. „Welcome to Chitabe“, verkündete der Pilot über die knackende Tonanlage des Miniflugzeuges. Da waren wir also. In unserem ersten Wilderness- Camp!

Am Ende des Airstrips wartete bereits Luke, unser Guide für die nächsten zwei Tage. „Wir mussten eben noch die Büffel von der Landebahn verscheuchen“, erzählte dieser sogleich und schon in der nächsten Sekunde huschten drei Zebras über den Weg. Ich griff hektisch nach meiner Kamera, doch Luke lächelte nur. „You will have more chances to take pictures. Believe me! Just relax and enjoy!“ So nahmen wir seinen Rat an und genossen den Anblick unseres ersten afrikanischen Elefanten in freier Natur (einem jungen Bullen, der sich Abkühlung in einem der Schlammlöcher verschaffte) und sogen den intensiven Geruch von Gras, wildem Salbei und Kräutern in uns auf, was mich fast an den Duft eines Ricola-Kräuterzuckers erinnerte. Doch schon bald sollte ich jegliche Gedanken an Daheim vergessen haben.

Chitabe ElefantsIn Chitabe wartete bereits Manager Dawson, ein gross gewachsener, kräftiger junger Mann, der uns sogleich, mit einem langen Messer bewaffnet (wie wir später erfahren sollten, sei das ein untrügliches Zeichen für kleine Füsse!), in unser Zelt geleitete. Noch während wir über die hohen Holzstege spazieren, erzählt Dawson vom Tagesablauf hier im Busch: „Also, morgens stehen wir um fünf Uhr auf. Aber keine Sorge – es gibt tollen und frisch gemahlenen Kaffee vom Feuer. Danach werdet ihr rausfahren auf euren Morning-Game-Drive, kommt so gegen elf Uhr zurück und dann gibts erst mal einen Brunch. Im Anschluss habt ihr Zeit für Siesta bevors um drei Uhr nachmittags mit Tea-Time und Kuchen weitergeht, und ihr euch im Anschluss auf den Evening-Game-Drive begebt. Da bleibt ihr meistens draussen bis es dunkel wird. Wenn ihr einen Löwen oder einen Leoparden seht, kann das manchmal etwas dauern, bis ihr wieder zurück seid. Ab acht Uhr abends steht auf jeden Fall ein Dinner parat und wir essen dann gemeinsam mit unseren Guides und allen Gästen!“ Mit einem Lächeln auf den Lippen zeigt er uns dabei das Zelt, welches mit wunderschönen Zeichnungen, Drucken, Bildern und Schmuck aus Afrika dekoriert war und königlich zwischen zwei dicken Baumstämmen in ungefähr drei Meter Höhe thronte. „In den Camps ist immer alles auf Stelzen gebaut. Das ist wegen der Löwen und Elefanten. Deshalb nachts auch niemals alleine rumlaufen, o.k.?“ – Mehr als ein „Hm“ brauchten wir nicht heraus, erschlagen vom strukturierten Tagesablauf aber auch von der umwerfenden Schönheit der Savanne, die uns umgab. Lange Zeit zum Nachdenken war ohnehin nicht. In einer halben Stunde war bereits Tea-Time angesagt – und so blieb kaum Zeit für eine kurze Dusche. In unauffälliges Grün gewandet, tauchten wir in der Nachmittagshitze (typisch schweizerisch) pünktlich zu Kaffee, Tee und Kuchen in der Bar auf, die – wie alle gemeinsam genutzten Räume in den Wilderness-Camps – als offenes Baumhaus im afrikanischen Stil eingerichtet war. Vom leckeren Kuchen bringen wir kaum einen Bissen hinunter, so nervös und aufgeregt sind wir vor unserem ersten Game-Drive, der ersten Safari (was „Game“ auf Suaheli bedeutet). Endlich gehts los! Gemeinsam mit zwei amerikanischen Ärztinnen verlassen wir das von grossen Palmen umringte Chitabe-Camp. „Wir werden auf den Wegen bleiben, um die Tiere nicht unnötig zu beunruhigen. Wenn wir grosse Tiere sehen, vor allem Raubkatzen – keine hektischen Bewegungen, nicht aufstehen, nicht rufen“, mahnt Luke seine Safari- Anfänger und alle nicken artig. Nur wenige hundert Meter vom Camp entfernt dann unsere erste Sichtung: Eine Herde Elefanten, bestehend aus einigen älteren Bullen und mehreren Jünglingen, denen wir uns bis auf wenige Meter nähern können. Was für ein Erlebnis, die grauen Riesen in freier Wildbahn erleben zu können! Sie beäugen uns zwar, scheinen aber kaum beeindruckt zu sein, nehmen sie die Menschen in ihren Land-Rovern doch lediglich als grossen, seltsam riechenden Stein wahr, wie Luke später verrät. Ich zücke mit langsamen Bewegungen die Kamera und wage vor Ehrfurcht kaum auf den Auslöser zu drücken – das sollte sich mit zunehmender Routine etwas gelassener gestalten. Zu Beginn sind wir allerdings entund verzückt von jeder neuen Tierart, die wir erspähen: Impalas, Kudus, Paviane, Giraffen und wieder Elefanten, Zebras, Warzenschweine, Gnus, erneut Elefanten, Tsessebes (eine weitere Antilopenart), Schakale und wieder Impalas, ein Leopard, der gemütlich seinen Nachmittagsschlaf in einem der grossen Akazienbäume hält … wir wissen kaum, wohin wir unseren Blick zuerst wenden sollen – und allesamt so nah, als wären wir im Zoo – nur, dass ein Zaun fehlt und die Tiere ihren freien Willen haben. Fasziniert beobachten wir mehrere Dutzend Paviane aus nächster Nähe und sind beeindruckt über das gewaltige Gebiss und die neckischen Spielereien, welche die Paviane im Blätterdach der Bäume und damit in schwindelerregender Höhe vollführen, während einige Meter weiter zwei Giraffenköpfe aus dem Busch auftauchen. Auch dies gehört zu den schönsten Momenten unserer Afrikareise, denn die Giraffen ploppen häufig wie auf Knopfdruck aus dem dichten Blätterdach, wo sie gerade äsen und sehen mit ihren schwarzen Quasten auf den kurzen Hörnchen einfach schnucklig aus!

Noch unerfahren erstarren wir bei unserer ersten Safari-Fahrt in regelmässigen Abständen, wenn ein Elefantenbulle gemütlich am Jeep vorbei wankt und man genau weiss, dass wir mit unserem vergleichsweise kleinen, „grossen“ Land-Rover gegen seine sieben Tonnen Lebendgewicht keine Chance hätten. Die Zeit verfliegt und die Nacht überzieht das Okavangodelta mit ihrer Dunkelheit. So kehren wir überglücklich und trunken von unseren ersten Erlebnissen ins Camp zurück. „How was it?“, will Dawson wissen. „Just … amazing!“, und wir verstehen plötzlich. „Welcome to the bush“, antwortet er mit einem breiten Grinsen, wohl wissend, dass dieses Land uns mit seiner, die Sinne erweckenden Schönheit, bereits voll im Griff hatte.

Von da an war unsere Reise wie ein schöner, nie enden wollender Traum, und ich erlebte es nahezu wie in Trance. Das Erlebnis, all diese Tiere in Freiheit beobachten zu können, die Natur in all ihren bunten und duftenden Varianten zu erleben, zwischen Sausage-Trees, Mammut- und Amarulahbäumen zu wohnen, war wie eine Droge. So vergingen die zwei Tage in Chitabe wegen den Gesprächen am Feuer, den Gitarrenklängen von Dawson, den abenteuerlichen Geschichten aus dem Bush und dem gemeinsamen Lachen, als wären es ein paar flüchtige Augenblicke gewesen. Fast schon traurig nahmen wir von unseren amerikanischen Ärztinnen und den Menschen hier im Busch Abschied.

Sefofane flightMit dem kleinen Flughüpfer von Sefofane brachte man uns trotz Abschiedsschmerz ins zwanzig Flugminuten entfernte Savuti. „Hi, I’m Goodman, your guide! Do you want to relax in the camp or see a lepard?“ – Mit diesen Worten begrüsste uns der beflissene Guide Goodman als wir in den Vormittagsstunden auf dem Airstrip von Savuti landen. Ein Leopard, den man seit Jahren in dieser Gegend sichtet, soll eben zu einem Spaziergang aufgebrochen sein – und ja klar, wollten wir das sehen (wissen wir doch von erfahrenen Safari- Reisenden, dass solche Sichtungen nicht alltäglich sind)! Vorsichtig fahren wir über die sandigen Wege und erspähen nach kaum fünf Minuten Fahrt einen offensichtlich älteren männlichen Leopard, der vor unserem Auto her trottet und sich kurz darauf unter einem kleinen Dornenbusch fallen lässt, hechelnd, müde und erschöpft von der Jagd. „You guys are lucky!“, flüstert Goodman. Wir nicken erneut zustimmend und betrachten dieses wunderschöne und grazile Wesen mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.
Als wir dann auf dem Weg ins Camp noch den sehr scheuen und äusserst seltenen Rouna-Antilopen begegnen, sind wir vollends des Glückes.
Im Camp empfängt uns schliesslich Ngoku (eigentlich ein Engländer, aber seit zehn Jahren im Busch und damit samt afrikanischem Namen, den er von den Einheimischen bekommen hat, vollständig assimiliert) und Maatla, die Camp-Managerin, die uns ohne Umschweife erst mal zum Tee einladen. Also geniessen wir die Sicht von der Terrasse auf die neuerdings wasserbedeckte Ebene, welche sich am Fusse des Camps erstreckt. Wie man uns erklärt, war das Umland bis vor zwei Jahren staubtrocken – bis eine tektonische Verschiebung das Land geflutet und in eine zauberhafte Flusslandschaft verwandelt hat. Welch berauschender Blick! Uns wird klar: Diese Reise wird definitiv mehr als ein oder zwei Highlights haben.

Ein weiteres folgte sogleich am nächsten Morgen, als uns Goodman zu einer Stelle führte, wo eine grössere Muttertierherde von Elefanten gerne den Fluss zu überqueren pflegt. Und tatsächlich! Als wir die Flussbiegung erreichen, erblicken wir nahezu dreissig Elefanten unterschiedlicher Grösse und Masse – vom kleinsten Zwerg bis zur mächtigen Mamma. „Lasst uns Abstand halten – bei den Müttern ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste“, weiss Goodman. Doch auch aus hundert Metern Entfernung sind wir fasziniert und berührt zugleich als die Herde sich daran macht, den Fluss vor unseren Augen zu durchschreiten. Man sieht, wie sie ihre kleinen Ruten in die Höhe halten, damit die Krokodile sie nicht anknabbern und hört ihren schweren Atem, als sie mit den wenige Monate alten Babies zügig durchs Wasser stapfen. „Beautiful sound, isn’t it?“ – Wir wagen nicht mal zu nicken, sondern verharren ehrfürchtig vor diesem Schauspiel.

Nur wenige Minuten später sollte uns ein weiterer Glücksmoment beschert werden: Wild Dogs! Eine Gruppe von vierzehn Wildhunden hatte sich ganz in der Nähe niedergelassen und Goodman wird über Funk sogleich an die richtige Stelle gelotst. „Wow, you’re so lucky, man!“, lacht er während wir fasziniert ein Bild nach dem anderen knipsen. Die mittlerweile selten gewordenen Wildhunde mit ihren entzückenden braun-weiss-schwarzen Schecken sind offenbar kaum derart ruhig und schläfrig zu beobachten.
Auf der Fahrt zurück ins Camp säumen Gnus, Zebras, Warzenschweine und Impalas unseren Weg, während wir den Linyanti-Fluss entlang tuckern und nebst unzähligen Wasserlilien auch noch ein paar Flusspferde antreffen, die warnend ihre riesigen Mäuler aufsperren, um uns zu demonstrieren, welch starkes Gebiss sie vorzuweisen haben. Wir bezweifeln es keinen Augenblick!
Wenn man im Übrigen mit den Land-Rovern durchs Grasland hoppelt, scheucht man unzählige Insekten auf – was wiederum die blau-rot-weissen „Common Bee-Eaters“, eine flinke und zutrauliche Vogelart aktiviert, die sich diesen Umstand zu Nutze gemacht haben. Mindestens zehn von ihnen eskortierten uns regelmässig in diesen Gebieten, meist nur wenige Zentimeter neben dem Auto herfliegend und aufgeschreckte Insekten verspeisend. Was für eine Mensch-Tier- Symbiose … Common Bee Eater
Ein besonders faszinierendes Erlebnis wurde uns am zweiten und gleichzeitig letzten Tag in Savuti zuteil: Im dichten Wald, hinter einer engen Kurve treffen wir etwas überraschend auf eine Herde Elefanten, welches sich dazu entschlossen hatte, ausgerechnet mitten auf dem Weg die kärglichen Grasbüschel zu verspeisen. Doch nach der ersten Schrecksekunde beruhigten sich die Gemüter auf beiden Seiten rasch wieder, und auch der kaum einjährige, winzige Bulle, der uns mutig mit erhobenem Rüssel und flatternden Ohren entgegengeblickt hatte, widmete sich nun wieder mit Hingabe seiner Futteraufnahme. Noch nie waren wir den Dickhäutern derart nah gekommen. „We sit. We wait“, so Goodman. Eine andere Chance hätten wir ohnehin nicht gehabt, denn die Elefanten hatten uns mittlerweile zahlreich umzingelt.
Einmal mehr sind wir beeindruckt, wie nah man diesen Tieren kommen kann. Der Grund hierfür scheint naheliegend: die Tiere werden nicht gejagt und haben entsprechend weder Furcht noch Interesse an Menschen in Fahrzeugen. Hinzu kommt der mehr als umsichtige Umgang der ausnahmslos lokalen Guides, die im Übrigen bei unserem Veranstalter Wilderness-Safari äusserst umfangreiche und schwierige Prüfungen bestehen und mehrere Jahre Praxis aufweisen müssen, bevor sie Touristen führen dürfen. Angesichts der doch zahlreich vorhandenen Gefahren im Busch ist dieses Wissen ein wahrliches Ruhekissen.
Nach zwei lehrreichen Tagen verlassen wir auch dieses Camp mit viel Wehmut. Savuti mit seiner üppigen Vegetation, den Maputo-Bäumen (der Lieblingsspeise der Elefanten), dem saftigen Grasland entlang des Linyanti, der mit seinen Sumpflandschaften verzaubert, den flatternden Papyrusstauden und dem süsslichen Duft der Wasserlilien, der stets zu einem herüber weht, wenn man sich an den grünen Flussläufen aufhält, war ergreifend.

Die blutjunge Pilotin Denisee brachte uns schliesslich in einer sechsplätzigen Cessna zum letzten Halt nach Kwetsani, einem Camp welches sich im Westen des Mombo und Moremi Game Reserves befindet. Schon beim Anflug auf Kwetsani bezaubert uns die Schönheit des weiten Flutlandes mit seinen Lagunen, zahlreichen Inselchen und Sumpflandschaften. Nach dem zehnten Flug in zwölf Tagen bewegte mich das Zappeln der Maschine im Regen kaum mehr, und Sebastian hatte sich auf dem Co-Piloten-Sitz bereits mit den Grundlagen der Fliegerei vertraut machen lassen.
Hier erwartete uns Jonah, ein hochgewachsener, junger Tswana, der aus dem Süden der Kalahari-Wüste stammt, Ivan (ein gebürtiger Weisser aus Namibia mit irischen Eltern) und Ilze (eine Südafrikanerin mit entfernten deutschen Wurzeln), die uns neugierig in Empfang nehmen und sogleich den derzeit einzigen Gästen im Camp vorstellen: einem Pärchen aus Vichy. Auf einem kurzen Rundgang präsentierte man wie üblich auch den obligaten Pool, den alle Camps stets mit grossem Stolz herzeigen. „Bitte achtet bei uns allerdings besonders darauf, dass ihr nicht zum Pool geht, wenn die Elefanten da sind. Letzte Woche hat ein Elefant aus dem Pool getrunken. Blöd war nur, dass einer unserer Gäste drin sass!“, erzählt Ivan mit ernster Miene. „Gefährlich ist das nicht. Aber … vielleicht … etwas unangenehm!“ Eine von unzähligen süssen Busch-Geschichten, die sich um die Erlebnisse mit den wilden Tieren ranken und denen man offenbar getrost Glauben schenken kann.

TreehouseAus unserem Baumhäuschen, welches vorsichtig zwischen die Äste gezimmert wurde, blicken wir auf die weite Savanne mit ihren Palmen, den Affenbrotbäumen und riesigen cremefarbenen Termitenhügeln, die selbst aus der Ferne zwischen dem Grün der Vegetation herausblitzen wie grosse Champignons und der Landschaft einen so eigentümlichen Charme verleihen. Kwetsani mit seinen fünf verträumten Baumhäusern war von einer anderen, aber nicht minderen Schönheit im Vergleich zu den ersten beiden Camps. Die Manager Ilze und Ivan herzlich, Guide Jonah belesen und äusserst gebildet, das Essen schlicht und ergreifend köstlich (wie überall auf unserer Reise), wenn der Amarulah an dieser Stelle auch am reichlichsten floss. Doch der Reihe nach!

Nach dem ersten Morning-Drive erzählte uns Jonah leise flüsternd, dass er nun eine kleine Überraschung für uns parat hätte, bevors zum Brunch zurück ins Camp gehe. Wir verlassen mit dem schweren Land-Rover also die sandigen Wege und fahren quer übers Grasland zu einer Ansammlung von Büschen. „Anybody home?“, meint Jonah gedankenversunken, während wir neugierig die Hälse recken. Was war hier bloss zu sehen? Versteckt hinter Palmblättern und Baumstümpfen dann das Unglaubliche: eine Löwenmutter mit vier kleinen Babies! Wie wir erfahren, ist die Mamma in dieser Region geboren und entsprechend vertraut im Umgang mit Fahrzeugen, denn sonst seien säugende Löwinnen etwas vom gefährlichsten, was einem auf einer Safari begegnen kann. Verdutzt sassen wir da und konnten es kaum glauben, dass im Abstand von drei Metern 18 Tag alte Löwenbabies liegen, die noch etwas tapsig und ungeschickt auf ihrer Mutter herumkrabbeln, fauchend, zischend und winselnd. Auch Ivan und Ilze freuten sich mit uns, als wir beim ersten gemeinsamen Abendessen in blumigen Worten und epischer Breite davon erzählten.

Am letzten Abend unserer Afrikareise insistierte Jonah darauf, uns mit einem Mokoro, dem traditionellen Einbaum der Einwohner Botswanas, auf einem der zahlreichen kleinen Flüsse umher zu schippern. Dabei offenbarte unser junge Guide erstmals seinen wahren Traum vom Leben: Entweder Basketball-Star in den USA werden – oder Musiker! Eine Kostprobe auf Setswana (der Landessprache Botswanas) liess nicht lange auf sich warten und so sang er aus voller Kehle, als wir das stille, klare Wasser in der Abenddämmerung durchquerten. Kaum wieder festen Boden unter den Füssen, mahnte er jedoch überraschend zur Eile. „I heard a lion.“ Wir versuchten es angestrengt, doch das Einzige, was an unser Ohr drang war das Singen der Vögel und Quaken der Frösche. Ungefähr zwei Kilometer entfernt, und das Weibchen sei auch dabei. Einmal mehr fasziniert über die Fähigkeiten unserer Buschmänner hüpften wir erwartungsvoll in den Land-Rover. Wenige Minuten später plötzlich der Funkspruch: „The lions are near the camp!“ – Nichts wie los! Mit einer Lampe versuchte Jonah nun in fast schon kompletter Dunkelheit deren Fährte aufzunehmen, denn die Löwen lieben es, auf den ausgefahrenen Sandwegen, den die Offroader benutzen, zu spazieren. Dann hörten wir es. Das Brüllen des Löwen, welches unser Safari Mobil erschüttern liess, wie ein Donner! Die Härchen auf meinem Unterarm stellten sich auf, als hätte ich in eine Steckdose gegriffen. Im Licht der Lampe, die Jonah über das Grasland wandern liess, entdeckten wir sie. „Sie gehen nach Süden – ich werde versuchen ihnen in ein paar hundert Metern den Weg abzuschneiden.“ Also rauschen wir adrenalin-gedopt durch die Nacht, hoffend, ein paar Blicke auf die beiden erhaschen zu können. Nur kurze Zeit später hatte es unser Guide tatsächlich geschafft: Er wendet den Wagen und im Schein der Lampe schreitet ein stattliches Löwenmännchen, mit einigen Metern Abstand, ein Weibchen direkt auf uns zu. Im Schein der Scheinwerfer spaziert dieser gemütlichen Schrittes um das Auto herum, scharrt, den Kopf mit seiner mächtigen Mähne zur Seite geneigt, mit den Hinterläufen, blickt zu uns rüber – und lässt sich keine drei Meter entfernt genüsslich nieder, als würde er für unsere Fotos posieren wollen, während Jonah hektisch einen roten Filter vor seine Lampe montiert, um die Tiere nicht zu blenden. Wir geniessen den Anblick des in unsere Richtung blinzelnden und völlig entspannten königlichen Löwen während gut fünf Minuten, bevor dieser mit zusammengekniffenen Augen beschliesst, seinem Weibchen in das Dunkel der afrikanischen Nacht zu folgen. That’s … amazing!“, so der etwas verdutzte Tenor. Einmal mehr konnten wir kaum fassen, was eben geschah.Lion

„Das müssen wir feiern – ausserdem ist das euer letzter Abend im Busch“, hiess es dann nach dem Abendessen. „Wie wärs mit Amarulah? Ihr könnt nicht nach Hause, ohne Amarulah getrunken zu haben“, ist Ivan überzeugt und stellt uns ohne auf eine Antwort zu warten zwei Gläser mit dem Baileys-ähnlichen Getränk auf den Tisch. Auch unsere Freunde aus Vichy scheinen begeistert und verlangen mit charmantem, französischen Akzent nach zwei weiteren Gläschen „Amarulah“, um mit uns anzustossen. Der Abend wurde in der Folge der wohl ausgelassenste. Nicht wegen der unzähligen Amarulahs, denn die auszutrinken, dazu kamen wir eigentlich gar nicht mehr. Jonah hatte nämlich in der Zwischenzeit seinen Computer, ein Mikrofon und eine kleine Box aufgestellt. Mit einem eigens komponierten Soundtrack sangen wir allesamt „Time To Say Goodbye“ und „My Heart Will Go On“, unvergessen in Titanic, doch um ein Vielfaches unvergesslicher, wenn auch nicht minder tränenreich in Kwetsani.

Mit dem Gefühl, ausgelassen gelacht zu haben und die Wärme von so vielen zauberhaften Menschen empfangen zu haben, legen wir uns zur letzten Nachtruhe im Busch. In den frühen Morgenstunden dann jedoch noch einmal eine wirklich süsse Überraschung: Als wir aufwachen, entdecken wir ein beeindruckend ausgewachsenes Pavian- Männchen, das gemütlich an unsere gläsernen Eingangstür lehnt während sich ein winziges Pavian-Baby just in diesem Moment aufrichtet, mit der flachen Hand auf die Scheibe tapst und den Kopf neugierig hin und her bewegt, als würde es versuchen, uns noch in den Betten liegend zu erspähen. Tja, „where the wild things are“, eben.

„Oh, one part of our family will leave!“, säuselt Ilze, als wir bereits eine Stunde später mit gepackten Koffern im Jeep Richtung Airstrip sitzen. Lange winken sie uns hinterher. Durch die warmherzige und familiäre Führung der Camps entstand tatsächlich ein Zusammengehörigkeitsgefühl, welches einen nur schwer Abschied nehmen liess.

Wenn ich heute an Botswana denke und die Augen schliesse, sehe ich die grauen Riesen, die eine solch gewaltige Energie verströmen, ich höre sie atmen, wenn sie das Wasser durchqueren, ich rieche den sanften herb-süssen, erdigen Duft des wilden Salbeis, des Steppengrases, der durch die in der Regenzeit allnachmittaglichen Regenfälle freigesetzt wird, als würde man sich in einer Kräuterküche befinden, und ich schmecke den süssmilchigen Geschmack eines Amarulah, der einen in die afrikanische Nacht voller Sternennebel und funkelnder Lichter lullt.
Denke ich an Südafrika spüre ich die heisse Luft auf meinem Gesicht, der meeresfrische Wind, der meine Haare ins Gesicht wirbelt, ich rieche die salzige Hitze am Strand der Rocktail Bay und ich schmecke den erdig-beerigen Cabernet, von dem man, wie bei einer Grand- Cru-Sprüngli-Schokolade nur ein paar wenige Schlückchen benötigt, weil sein durchdringender Geschmack so herrlich lange andauert und vor allem erinnere ich mich gerne an die vielen lachenden Menschen, die wir überall auf unserer Reise antrafen und deren umwerfender Humor so herzerfüllt ansteckend ist.

Ich sehe Farben vor meinem geistigen Auge, an denen Tizian seine wahre Freude gehabt hätte, an deren Spiel und Nuancierung man sich nie im Leben sattsehen könnte, wie die nach einem Gewitter grell illuminierten und strahlenden Palmen im hellen gleissenden Sonnenlicht, an die wie vom kleinen Prinzen gezeichneten Regenbogen, die Weite und Unendlichkeit dieses Kontinents. Natur und Leichtigkeit des Seins – eine wahrlich schier unerträgliche Mischung. Wer sich auf diesen Kontinent einlässt, wird von ihm aufgesogen wie ein Schwamm, wird neue Sinne entdecken – und neue Leidenschaften.
Wir wissens doch, dass wir alle unendlich viel zu tun, aber kanns auch morgen erledigt sein? – Diesen afrikanischen Grove, der schlicht einen Hauch entspannter ist als der Arbeitstrott bei uns, ist uns seit unserer Afrikareise irgendwie geblieben. Hand aufs Herz. Wie oft haben Sie schon Dinge in Windeseile und unter Druck erledigt, die auch noch ein paar Stunden länger Zeit gehabt hätten? Eben.

Diese wärmende Leichtigkeit tragen wir seither in unseren Herzen. «

www.safariadventurecompany.com (Rocktail Beach Camp)
www.wilderness-safaris.com (Infos über alle Camps in Botswana)
Diese Reise ist wie hier erlebt buchbar bei: www.legendstravel.ch

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