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WAS BEDEUTET DIE ECOPOP INITIATIVE?

Rupa Mukerji10 % des Gesamtbudgets oder rund 200 Millionen soll die DEZA für die sogenannte freiwillige Familienplanung einsetzen. Und: Die Nettozuwanderung in die Schweiz soll auf 0.2 % der ständigen Wohnbevölkerung limitiert werden. Das wollen die Initianten der Volksinitiative „Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen“ (Ecopop-Initiative), über welche das Schweizer Stimmvolk am 30. November abstimmen wird. Das Ziel des Vereins Ecopop, der hinter der Initiative steht, ist die globale Reduktion des Bevölkerungswachstums. Die Initianten argumentieren, dass dadurch unsere Lebensqualität konserviert oder gar verbessert würde.

Rupa Mukerji kann über die Kurzsichtigkeit dieser Agenda nur den Kopf schütteln. Rupa ist gebürtige Inderin, hat ein Post Gradual Diplom in Rural Management und ist Geschäftsleitungsmitglied der Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas. Sie erklärt uns, warum sie und Helvetas die Initiative klar ablehnen.

Ladies Drive: Teilen Sie die Sorgen der Initianten, dass das starke Bevölkerungswachstum einen enormen Druck auf die natürlichen Ressourcen auslöst?
Rupa Mukerji: Grundsätzlich kann ich diese Sorge verstehen. Aber wie die Initianten gegen das Bevölkerungswachstum vorgehen wollen, ist komplett falsch. Der konstruierte Zusammenhang zwischen unserer Lebensqualität und hohem Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern ist abstossend und irreführend. Es ist unbestritten, dass es beispielsweise nicht die arme Bevölkerung in Entwicklungsländern ist, die stark konsumiert und unsere Ressourcen sowie die Umwelt am meisten belastet – sondern die hochentwickelten Staaten. Ecopop denkt, dass man durch die Zuwanderungsbeschränkungen für die Schweiz unseren Lebensraum schützt. Das ist nicht nachvollziehbar, bringt der Umwelt global gesehen keinen Vorteil und ist egoistisch. Abgesehen davon gibt es einen Punkt der Initiative, der mich als gebürtige Inderin, als Frau, noch viel stärker betroffen macht: Der zweite Teil der Initiative ist aus Sicht der Entwicklungshilfe verfehlt. Erstens stört mich persönlich, dass die Frauen in Entwicklungsländern ausschliesslich als Baby produzierende Maschinen gesehen werden. Zweitens fehlt der Initiative eine langfristige Agenda – sowie ein wirklicher Plan für die Implementierung. Ich meine, 200 Millionen sind richtig viel Geld in der Entwicklungshilfe. Wenn man nun vorhat, mit dem Geld Kondome sowie Informationen über Gesundheitszentren zu verteilen, ist das kurzfristig gedacht und sogar unnötig. Beides wird von vielen Regierungen ohnehin seit Jahren zur Verfügung gestellt, und dass Frauen ungewollt schwanger werden, hat meist nichts mit einem nicht vorhandenen Kondom zu tun. Das Geld wäre also verschwendet – und fehlt dort, wo man es wirklich braucht. Helvetas bekämpft deshalb diese schädliche Initiative, gemeinsam mit weiteren Entwicklungsorganisationen, aktiv.

Hatten Sie die Möglichkeit, sich mit den Initianten auszutauschen?
Ja – und ich bin sehr dankbar über diese Möglichkeit. Alec Gagneux, Mitinitiant von Ecopop, hat sich mit uns getroffen. Der Ansatz der Initianten ist getrieben von einer einzigen Agenda. Der ganze Bereich Bildung fehlt, ebenso konkrete Überlegungen zur Umsetzung. Wir sehen unter anderem dank Studien der Weltbank, aber auch der UnFPA oder unseren eigenen Helvetas- Projekten, also aus der Praxis, wie wichtig Bildung für Frauen in Entwicklungsländern und deren positiver Einfluss auf das Bevölkerungswachstum im Sinne einer Konsolidierung ist. Ich habe diese Evidenzen mit Alec Gagneux geteilt – aber er hat alle Daten und Studien angezweifelt. Es gibt beispielsweise eine spannende globale Studie der Weltbank, die besagt, dass nur in einem Prozent der Fälle nicht vorhandene Verhütungsmittel oder fehlende Informationen zur Familienplanung den Grund für das Bevölkerungswachstum in diesen Ländern darstellen. Das mit Abstand grösste Problem ist noch immer der soziale Druck – oder dass den Frauen schlicht die Stimme innerhalb der Familie fehlt. Viele Frauen haben kein Recht auf ihren Körper, auf ihre Entwicklung – geschweige denn auf die Familienplanung.

Ist diese Idee, weltweit das Bevölkerungswachstum zu reduzieren, beispielsweise über das Verteilen von Kondomen, aus Ihrer Sicht also eher naiv?
Nun, ich möchte sagen, die Idee der Initiative ist sehr männlich. Es ist nicht das, was Frauen in Entwicklungsländern wirklich brauchen. Die Idee der Ecopop-Initiative ist also: Schmeissen wir mal Geld dahin und dann soll das Problem gefälligst weg sein. So geht das nicht! Gesellschaften, Populationen und Bevölkerungswachstum sind etwas sehr Komplexes, es braucht eine Agenda mit Weitblick über 20, 30 oder gar 40 Jahre. Einfache Lösungen und vor allem kurzfristige gibt es nicht – das ist eine Illusion, die sogar kontraproduktiv sein könnte für die Schweiz – und die Probleme in den Entwicklungsländern selbst sogar massiv verschlimmern wird. Ich möchte Ihnen das an einem ganz konkreten Beispiel erläutern: In den 1970er-Jahren hat man in vielen Ländern das Problem des zu starken Bevölkerungswachstums erkannt – wie beispielsweise in China, Peru oder Indien. In diesen Ländern hat man Menschen aus Einkaufszentren praktisch entführt und sie in einem Lastwagen unter unmöglichen Bedingungen zwangssterilisiert. Mädchen wie Jungen. Viele junge Menschen starben dabei. Viele dieser Fälle wurden dokumentiert und kamen auch vor Gericht. Wenn nun die Schweiz also nach Indien geht und sagt: Hier ist Geld und tut was gegen das Bevölkerungswachstum, wird das die Menschen an diese schlimmen Vorfälle erinnern. Das würde in vielen Ländern sehr negativ wahrgenommen werden und würde die letzten 60 Jahre gut gemachte Entwicklungsarbeit der Schweiz torpedieren. Zudem muss man wissen, dass solche Regulierungsmassnahmen immer nur die ärmsten der Bevölkerung treffen. Denn für die reichen gibt es immer eine Ausnahme. Das ist Realität.

Ist es denn so, dass, wenn genug Verhütungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die Menschen weniger Kinder haben, weil sie eben selbst ihre Familie planen und sich entfalten können?
Ich erzähle Ihnen hierzu gerne eine kurze Geschichte – aus der Praxis. normalerweise hat man in Indien Kinder, wenn man verheiratet ist. nach viereinhalb Jahren Ehe haben die Frauen meist ihre zwei oder drei gewünschten Kinder – und lassen sich direkt nach der Geburt sterilisieren. Einige Bundesstaaten in Indien haben deshalb eine Bevölkerungsentwicklung, die vergleichbar ist mit der Schweiz, generell mit Europa. Wie kam diese Entwicklung zustande? – Weil man in Bildung investiert hat. Mit einfachsten Massnahmen: Man hat Mahlzeiten für Schulkinder eingeführt. So schickten auch die ärmsten ihre Kinder, und damit auch die Mädchen, plötzlich in die Schule – damit diese zumindest eine Mahlzeit pro Tag kriegten. Frauen, die nun also eine gewisse Ausbildung genossen haben, die aber noch immer Bäuerinnen auf dem Dorf sind, haben sich zu „Saving Groups“ zusammengeschlossen. Die Frauen haben dank der Schulbildung begriffen, dass sich ein Mehrwert aus solidarischer Einheit gewinnen lässt. Entsprechend haben die Frauen sich organisiert, sich gegenseitig unterstützt und gestützt. Solche Phänomene beobachten wir überall auf der Welt, nicht nur in Indien. Also: Frauen müssen selbstbestimmt leben können
– durch Bildung verbessert man die Fertilitätskontrolle und nebenbei erhöht sich auch das gesamte Entwicklungsniveau dieser Gesellschaft.

Das heisst, de facto haben sich die Populationen in vielen Entwicklungsländern also ohnehin stabilisiert?
Genau – sogar in Bangladesh. Es gibt Ausnahmen – auf dem afrikanischen Kontinent, dort vor allem in Mali oder Niger. Das muss man im Auge behalten und entsprechende Massnahmen auf den Weg bringen, so wie in Asien eben auch, wo der langfristige Erfolg dokumentiert ist.

Wie schätzen Sie die Popularität der Initiative ein?
Nun – ich denke, man muss die Schweizer Stimmbürger aktiv und verständlich über die Inhalte der Initiative aufklären – dann werden sie auch entsprechend an der Urne entscheiden. Man sollte informieren, anstatt Ängste zu schüren. Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang das Investieren in die Bildung von afrikanischen Kindern und Jugendlichen – insbesondere in Afrika müssen die Jungen teilweise mit einer Arbeitslosenquote von 70 % leben. Wir müssen diesen jungen Menschen eine Perspektive schaffen – mit Bildungsprogrammen. Denn Perspektivenlosigkeit ist sehr gefährlich für jede Gesellschaft.

Eine letzte Frage noch zur Einkindpolitik – Ecopop spricht sich zwar dagegen aus, sagt aber gleichzeitig, dass sie beispielsweise in China einen positiven Effekt hatte. Ist das aus Ihrer Erfahrung korrekt?
Die Einkindpolitik und deren Konsequenzen sind nun sichtbar. In China steigen die Arbeitskosten. Die Landwirte in China haben in gewissen Provinzen ein Durchschnittsalter von 55 Jahren. Entsprechend muss China heute in Afrika investieren, um Nahrungssicherheit fürs eigene Volk zu haben. Kurzfristig hat die Einkindpolitik also den gewünschten Effekt gebracht – aber langfristig, in diesem Falle nach 45 Jahren, hat sie schwerwiegende Folgen. Hinzu kommt der Druck vieler Gesellschaften, männliche nachkommen zu haben. Das heisst, durch selektive Abtreibungen weiblicher Föten hat sich die Sex ratio dieser Gesellschaften dramatisch verändert. Das ist auch in Indien gut sichtbar. Es gibt Bundesstaaten, in denen 850 Mädchen auf 1’000 Jungen kommen. Das heisst: Es gibt zu wenig Frauen, die man heiraten könnte. Das führt wiederum zu erhöhtem sexuellen Druck auf Frauen … Sie sehen, Eingriffe in die Entwicklungspolitik können weitreichende Konsequenzen haben.

MACHEN SIE SICH IHRE EIGENE MEINUNG ZUR ECOPOP-INITIATIVE.
Folgende Links haben wir für Sie zusammengestellt:
www.ecopop.ch
www.helvetas.ch
Helvetas Factsheet  (Direkter Link zum Positionspaper von Helvetas zu Bevölkerungswachstum und Ecopop)
www.eidgenoessische-abstimmungen.ch
www.admin.ch (Themen – Chronologie Volksinitiativen)
www.gapminder.org

www.alliancesud.ch

Machen Sie sich Ihr eigenes Bild von den Zusammenhängen. Wir von Ladies Drive stellen uns gegen Ecopop – und befürworten Aktivitäten mit einem langfristigen und sensiblen Ansatz, der die rechte und die Würde der Menschen wahrt, Frauen ein Recht auf ihren Körper verschafft und jungen Menschen Perspektiven geben kann.
ladies drive sagt ecopop nein

www.ecopopnein.ch

Text von Sandra-Stella Triebl
Fotos: Helvetas/Michele Limina

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