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STREICHRESULTAT

Volker Strohm, ChefredaktorAussergewöhnliche klimatische Rahmenbedingungen rechtfertigen aussergewöhnliche Texteinstiege. So sei es im „Sommer“ 2011 durchaus erlaubt, in dieser Kolumne einen Gedanken an die kommende Skisprungsaison zu verschwenden (wobei jene Athleten ja bekanntlich auch im Sommer auf Grasmatten statt Schnee hüpfen). Folgendes Szenario: Simon Ammann steht beim letzten Springen der Vierschanzentournee bereit. Die Ausgangslage: Von den Sprungrichtern gabs beim vorletzten Sprung ungenügende Noten – nicht, weil der Sprung schlecht war, sondern weil sie Ammann in diesem bevorstehenden letzten Durchgang keinen sauberen Flug zumuten. Die effektiven Noten, die er in wenigen Augenblicken für seine Leistung erhalten wird, zählen notabene nicht mehr für die heutige Veranstaltung, weil nicht das Hier und Jetzt, sondern die kurz- und mittelfristigen Aussichten des Schweizer Topathleten für die Bewertung entscheidend sind. Alles klar? Wohl kaum.

Genau nach diesem Schema funktioniert allerdings ein Vorgang, bei dem viel Geld auf dem Spiel steht. Sehr viel Geld. Sie nennen sich Ratingagenturen – und sind, zumindest im Falle der grossen drei, in New York beheimatet. Seit Wochen und Monaten stehen sie für das Verteilen ihrer „Haltungsnoten“ in der Kritik – genau genommen eigentlich seit 2008. Damals, beim Zusammenbruch der US Investmentbank Lehman Brothers, hatten sie dieser bis zum Schluss die Treue gehalten und eine Höchstnote verteilt. Anders als beim Skispringen ist das keine 20, sondern ein simples „AAA“, auch „Triple-A“ genannt. Seither schwingt bei jeder Notengebung eine gehörige Portion Misstrauen der Investoren mit. Und spätestens als im Juli aus mehr oder weniger heiterem Himmel das sparwillige Portugal eine weitere Herabstufung ereilte, war auch bei der Politik das Fass zum Überlaufen gebracht.

Von Ignorieren bis Abschaffen reichte das Spektrum der Forderungen – und viele fragten sich: Weshalb haben Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch eine solche Macht erhalten? Wie konnten die Amerikaner auf einen Marktanteil von deutlich über 90 Prozent kommen? Und wie seriös sind Notengebungen, die von profitorientierten Unternehmen stammen? Der Hilferuf der europäischen Politik ist dahingehend peinlich, weil die „Akte Ratingagenturen“ über viele Jahre hinweg auf die lange Bank geschoben wurde – bei Schönwetter interessieren Schirme und andere vorbeugende Massnahmen bekanntlich nicht. Bereits in den Neunzigerjahren gab es Bestrebungen, die allesamt im Sand verliefen. Zunächst die deutsche Kreditwirtschaft mit Bertelsmann, dann das hessische Wirtschaftsministerium mit der Deutschen Börse. Schon damals entstand die Idee, einen sogenannten „Bonitätswächter“ der Europäischen Zentralbank anzugliedern. Idee verworfen. Etwas weiter schafften es die Franzosen: Der Kreditversicherer Euler Hermes besitzt mittlerweile die Genehmigung, Ratings anzubieten. Mehr nicht. Jetzt keimen Pläne, in Frankfurt eine europäische Ratingagentur anzusiedeln, als potenzieller Standort wurde auch die Schweiz genannt.

Allen Ideen haftet ein grosser Makel an: „Die Glaubwürdigkeit solcher Resultate ist zweifelhaft, zumal sich auch schon Wirtschafts- Nobelpreisträger über die Berechnung von Ausfallwahrscheinlichkeiten auf Staatenebene den Kopf zerbrochen haben“, wurde eine Studie der Uni St. Gallen mit dem Titel „Ratingagenturen als Krisentreiber“ in den Medien zitiert. „Es wäre also an der Zeit, die Vorgehensweise von Ratingagenturen genauer zu überprüfen, das heisst, ob valide und logische nachvollziehbare Modelle die Ratings rechtfertigen oder ob es sich vielmehr um subjektive Meinungen mit katastrophalen Folgen handelt“, so der Ökonom und Mitverfasser Björn Griesbach in der „Basler Zeitung“.

Mit anderen Worten: Die Ratingagenturen spielen in der Schuldenkrise eine ebenso seltsame wie gefährliche Rolle. Das Nachtreten gegen am Boden liegende Staaten würde im Fussball mit einer roten Karte geahndet werden. Ebenso scheinheilig sind die Verurteilungen seitens Politik: Sie hat die aktuelle Situation ja kräftig mitverschuldet. Der neue Aktivismus, um einen breiteren Markt für Agenturen entstehen zu lassen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass – geht nicht erneut vorher der Schnauf aus – bis zur Realisierung noch Jahre vergehen werden. Auch bei einem Skisprungrichter nimmt niemand die erste „20,0“ ernst. Sie wird zum Streichresultat. «

Eine Kolumne von Volker Strohm, Chefredaktor

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