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RISIKEN DER ZUKUNFT 1

Risiken Der Zukunft TEILZEITARBEIT: UNDANKBARER JOB ODER VERKANNTES POTENTIAL? TEILZEITARBEIT: EWIGE UNGELIEBTE ODER ZUKUNFTSTRÄCHTIGES MODELL? TEILZEITARBEIT: BESSER ALS IHR RUF ODER DAS MODELL DER ZUKUNFT?

Wenn man von Teilzeitarbeit spricht, sind wir schnell beim Klischee schlecht bezahlter Jobs, wenig anspruchsvoller Aufgaben und Teilzeitmüttern. Ein Karrierekiller?

Zugegeben – in Teilen Realität, aber denken wir einmal weiter: Sind höhere Präsenzzeiten wirklich Garant für einen höheren Output? Verliert man mit dem überwiegenden Fokus auf Vollpensen nicht wichtige KnowhowTräger für das Unternehmen? Und wer sagt, dass leitende Funktionen nur in Vollzeit zu bewältigen sind? Vielleicht sind Teilzeitstellen auch eine angemessene Antwort auf die Gefahr des Ausbrennens und für die langfristige Mitarbeitergesundheit …

Wir haben einmal mehr mit Dr. Reto Schneider, Leiter des Emerging Risk Managements bei der SwissRe über den gegenwärtigen und zukünftigen Stellenwert von Teilzeitarbeit gesprochen. Dabei avancierte dieses Modell durchaus zum vollwertigen Mitglied einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt.

Ladies Drive: Herr Dr. Schneider, was kommt Ihnen als Emerging Risk Manager zum Stichwort „Teilzeitarbeit“ in den Sinn?

Dr. Reto Schneider: Spontan würde ich sagen, gibt es generell zu wenige Teilzeitarbeitsplätze. Bei weiterer Überlegung könnte man sogar schlussfolgern, dass ein mangelhaftes Angebot an Teilzeitstellen insofern ein Risiko darstellt, dass vorhandenes Potential an Wissen und Berufserfahrung nicht genutzt wird und brachliegt. Dabei denke ich vor allem an gut ausgebildete Frauen, die nach kürzerem oder längerem Unterbruch ihres Berufslebens einen Wiedereinstieg mit reduziertem Pensum suchen. Zudem kristallisieren sich auch gesellschaftliche Aspekte heraus, welche einen Einfluss auf das Angebot und die Nachfrage von Teilzeitarbeit haben werden.

An welche gesellschaftlichen Aspekte denken Sie dabei?

Ich denke an eine Trendkarte aus der Karteikartensammlung von W.I.R.E., welche die Abnahme der Haushaltsgrösse als globalen Trend beschreibt. Die Karte heisst die „IchGesellschaft“ und beschreibt eine Zukunft, in welcher der einzelne Mensch in den Mittelpunkt rückt: Weg von der Massengesellschaft hin zum Individuum! Weniger Ehen, mehr Scheidungen und ein längeres Leben ergeben einen Anstieg der alleine lebenden Singles. Weiter wird eine Gesellschaft skizziert, in welcher sich Menschen verstärkt der Selbstverwirklichung widmen und sich weniger solidarisch zeigen. Wenn sich schon die Konsumgüterindustrie, die Medizin, die Ernährung und die Freizeitindustrie auf die individuellen Bedürfnisse ausrichten, weshalb soll dies nicht auch für die Arbeitgeberseite gelten? Folglich dürften in Zukunft flexible Arbeitszeitmodelle und insbesondere Teilzeitarbeit zunehmend nachgefragt werden. Hinzu kommt, dass wir alle länger leben werden, und es stellt sich die Frage, wie wir dieses Leben – bei hoffentlich guter Gesundheit und Konsumfähigkeit – finanzieren können. Hier sind neue Ideen bei der Finanzierung unserer Sozialsysteme gefragt und Teilzeitstellenangebote könnten für Senioren durchaus eine neue Finanzierungsquelle darstellen.

„IN DEN KöPFEN VIELER VORGESETZTEN IST VERANTWORTUNG üBERNEHMEN IMMER NOCH AN DIE üBERNAHME EINER 100%-STELLE GEKOPPELT.“

Da scheint ja wirklich Bewegung in die Teilzeitdebatte zu kommen?

Vermutlich ja, aber kurzund mittelfristig wird es weiterhin relativ schwierig bleiben, spannende Teilzeitstellen zu bekleiden. Als Mann kann ich ja nur das kommentieren, was ich im beruflichen und privaten Umfeld sehen und mitverfolgen kann. Ich stelle lediglich fest, dass sich Teilzeitarbeitsmodelle ganz unterschiedlicher Beliebtheit erfreuen und häufig nicht wirklich gefördert werden. Da gibt es immer noch eine kritische bis ablehnende Haltung gegenüber Teilzeitstellen und Teilzeitarbeitenden.

Obschon viele Firmen Teilzeitarbeit ermöglichen und einige Branchen gar nur mit Teilzeitarbeitenden überleben können, stellt sich immer wieder die Frage der Chancengleichheit bei Teilzeitarbeitenden.

Und mit welchen Chancenungleichheiten sind Teilzeitstellen denn aus Ihrer Beobachtung behaftet?

In den Köpfen vieler Vorgesetzten ist Verantwortung übernehmen immer noch an die Übernahme einer 100%Stelle gekoppelt: Das heisst, Teilzeitarbeit wird tendenziell eher dort angeboten, wo wenig Verantwortung gefordert ist. Vielleicht schwingt unterschwellig auch der absolut ungerechtfertigte Gedanke mit, dass ein reduziertes Arbeitspensum auch mit reduzierter Leistung einhergeht. Meine Erfahrung jedoch hat gezeigt, dass man als Vorgesetzter eher die Überzeit im Auge behalten muss und dass Teilzeitangestellte tendenziell eher zu viel als zu wenig arbeiten. Ein weiteres Spannungsfeld ist sicherlich der Aspekt Karriere und Teilzeitarbeit. Ohne Weiterbildung wird Karriereförderung schwierig oder gar unmöglich. Wie viel Weiterbildung soll jedoch bei einem 80%, 60%oder 40%Pensum zugebilligt werden? Sie sehen, ein komplexes Thema …

Schwierig wird es auch, wenn die Teilzeitaufgabe noch Flexibilität punkto Arbeitszeiten verlangt.

Da haben Sie Recht. Im heutigen Arbeitsumfeld wird Flexibilität erwartet. Hier wird es speziell Frauen mit Kindern nicht immer leicht gemacht, denn Krippenplätze wollen vorgebucht sein. Muss zum Beispiel einmal ungeplant am Mittwoch statt am Montag gearbeitet werden, wird der ungenutzte Krippentag in Rechnung gestellt und der andere Tag zusätzlich verrechnet. Verweigert die Firma dann die Rückerstattung der Krippenkosten, geht die Flexibilität der Teilzeitmutter auf ihre eigenen Kosten.

Gibt es noch andere Aspekte, welche Ihres Erachtens für Teilzeitarbeitende ein echtes Problem darstellen können?

Da sollten eigentlich besser die Teilzeitarbeitenden selbst zu Wort kommen, aber auch hier kann ich gerne meine eigenen Beobachtungen beisteuern: Oft werden anspruchsvolle Stellen nur als 100%Stellen ausgeschrieben und die Ankündigung, nur 80% arbeiten zu wollen oder zu können, ist bereits zu Beginn der Bewerbung ein ShowStopper. Personalund Linienverantwortliche sollten in Zukunft genauer prüfen, ob durch diesen 100%Stellenfilter nicht allenfalls viel Potential für das Unternehmen auf der Strecke bleibt. Weiter besteht sicherlich die billige Versuchung, eher unattraktive Stelleninhalte – bezüglich Stellenbeschrieb und Arbeitszeiten – als Teilzeitjobs auszuschreiben. Als Folge finden gut ausgebildete Frauen oft nur Teilzeitstellen (sofern sie für diese überhaupt engagiert werden), für welche sie eigentlich überqualifiziert sind. Über kurz oder lang muss sich Unlust breit machen.

„ES SOLLTEN DIE BEREITS VORHANDENEN GUTEN ANSÄTZE GEBüNDELT WERDEN.“

Wie müsste dann echte Teilzeitarbeitsförderung aussehen?

Es sollten die bereits vorhandenen guten Ansätze gebündelt werden. Firmen sagen oft laut und gerne, dass ihre Mitarbeitenden das wichtigste „Asset“ darstellen. Hier müsste angesetzt werden. Eine Firma, die Teilzeitarbeit auch bei anspruchsvollen Jobinhalten fördern will, sollte eine Arbeitsumgebung schaffen, welche die Teilzeitarbeitenden unter Berücksichtigung der Kosten bestmöglich unterstützt.

Meiner Erfahrung nach sind Teilzeitarbeitende in der Regel sehr gut organisiert und diese Fähigkeit kommt auch der Firma zugute.

Dazu gehört jedoch auf Unternehmensseite, Karriereplanung auch unter Teilzeitbedingungen zu ermöglichen, flexible Arbeitszeitmodelle einzuführen und der Wille, mehr Leute mit Teilpensen als Mitarbeitende mit Vollpensen einzustellen.

Und am Ende heisst es dann wieder: Das ist zu teuer, wer soll das bezahlen?

Man sollte aufhören generell zu behaupten, dass Teilzeitangestellte zu teuer kämen. An dieser Stelle ist Transparenz gefragt und Lösungen, welche für den Betrieb und die Mitarbeitenden lukrativ sind. Selbstverständlich sind Stellenplafonierungen nicht eben geeignet, um Teilzeitstellen zu fördern. Auf dem Papier eingesparte Teilzeitprozente nehmen dem Vorgesetzten die notwendige Flexibilität. Billige Heimarbeitsplätze sind auch keine Lösung, weil oft der soziale Kontakt ausserhalb der Familie, das heisst am Arbeitsplatz und mit Kunden, gesucht und geschätzt wird.

„MAN SOLLTE AUFHöREN GENERELL ZU BEHAUPTEN, DASS TEILZEITANGESTELLTE ZU TEUER KÄMEN.“

Bislang ist Teilzeitarbeit ja leider fast ausschliesslich Frauensache. Wie steht es da um die Zukunft und die Gleichberechtigung?

Teilzeitarbeit darf nicht mehr nur als Frauensache angesehen werden. Teilzeitarbeitende – insbesondere auch Männer – sollten „gesellschaftsfähig“ werden. Mitarbeitenden, egal welchen Geschlechts, sollte es möglich sein, Stellen zu teilen und bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig zu arbeiten. Verfechtern von Konkurrenzverboten könnte entgegnet werden, dass sich dieses „Problem“ bei den immer beliebter werdenden FreelanceJobs nicht als solches darstellt.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es in Zukunft vermehrt Teilzeitstellen geben wird. Es wird aber auch für alle Beteiligten zur Herausforderung. Das Nebeneinander von Vollund Teilzeitmitarbeitenden stellt höhere Anforderungen an die Teams und im Speziellen an den Kommunikationsund Informationsaustausch. Die Vorgesetzten sind noch mehr aufgerufen, für faire Bedingungen und Arbeitsverteilung zu sorgen und die Mitarbeitenden bestmöglich einzusetzen.

Herr Dr. Schneider, ein letztes Wort an unsere Leserinnen und Leser?

Gerne. Ich wünsche allen, zu deren Lebenssituation es passt, den Mut, sich in die Teilzeitarbeit zu wagen! «

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