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RISIKEN DER ZUKUNFT 6

„Wir sollten uns nicht fragen, ob einzelne EU-Länder den Staatsbankrott anmelden können oder nicht, sondern über welchen Zeitraum dies geschehen soll.“

Dr. Reto Schneider, Leiter Emerging Risk bei der Swiss Re über Staats-, Finanz- und Eurokrise – und die Krise des Kapitalismus sowie den bevorstehenden Wechsel der globalen Mächte. Dabei ist Reto Schneider überzeugt: Wer in Zukunft Sicherheit bieten kann, wird zu den grossen Gewinnern gehören!

Ladies Drive: Herr Schneider, derzeit werden die globalen Machtstrukturen stark hinterfragt, man geht gegen Wallstreet auf die Strasse. Was sagt der Global Risk Report des WEF Davos zum Thema Macht?
Dr. Reto Schneider: Wir sprechen darin von einem „Powershift“, also einer Machtverlagerung. Das heisst, wir bewegen uns weg von den etablierten Machtstrukturen. Die USA ist nicht mehr der alleinige Treiber und Garant für den wirtschaftlichen Fortschritt schlechthin. Das China global gesehen ein grosser Player ist, wissen wir längst, spannend hingegen sind Details, wie beispielsweise, dass in Brasilien offenbar weltweit am meisten Ferraris verkauft werden. Wir finden in solchen Zahlen Hinweise auf offensichtlich boomende Märkte und verfügbares Kapital. Es steht wohl auch fest, dass das grosse Wachstum künftig in den Schwellenländern und Entwicklungsländern stattfinden wird und wohl nicht mehr in unseren Breiten. Als Hoffnungsträger für wirtschaftliches Wachstum gilt weiterhin China, aber neu eben auch Länder aus Südamerika, Asien, in kleinerem Masse Afrika und Osteuropa, wobei wir von einem Zeithorizont von den nächsten 20 Jahren sprechen. Diese Aussicht wird die aktuellen Machtverhältnisse künftig auf den Kopf stellen.

Das heisst, die „alten Mächte“ bleiben stabil oder verlieren sie zusehends?
Wir hier in Europa bleiben wohl mehr oder weniger auf einem hohen Niveau stehen, wobei man in vielen Bereichen auch mit einer Stagnation rechnen muss. Trotzdem sollten wir uns mit den anstehenden Verschiebungen in den geopolitischen Machtverhältnissen befassen. Vor diesen Veränderungen fürchten sich die Menschen, denn niemand mag Veränderungen per se. Denn in der Regel bringen Veränderungen Unsicherheit mit sich, woraus sich neue Gewinner und Verlierer herausbilden werden. Wir befinden uns also tatsächlich in einem Umbruch!

Verändern sich auch die Machtverhältnisse innerhalb von Europa?
Angesichts der Eurokrise, den Schuldenbergen diverser Länder soll sich ja auch der Umgangston innerhalb der EU deutlich verschärft haben … Natürlich kann man sich fragen: Soll in Europa nun Deutschland oder Frankreich das alleinige Sagen haben und dadurch Macht über andere Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien ausüben? – Wer soll den Europäern nun den Weg aus der Krise weisen? Man spricht ja derzeit sogar davon, dass das Europaparlament mit mehr Macht ausgestattet werden soll, und zwar in dem Masse, dass sogar die nationalen Gesetze angepasst werden müssen, was faktisch einer Entmündigung der nationalen Hoheit gleichkäme. Dies erklärt wohl auch die zurzeit chaotisch verlaufenden Verhandlungen und die diversen Machtkämpfe. Letzlich geht es um die Selbstbestimmung und die Frage, ob Geld alleine befehlen kann – und wie ein Land „menschenwürdig“ aus der Schuldenfalle entkommen kann.

Wer soll den Europäern nun den Weg aus der Krise weisen?

Wenn sich die Machtverhältnisse, sei es innerhalb Europa oder auch global betrachtet, ändern, welche Einflüsse hat dies auf die Finanzmärkte?
Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, greifen wir zurück auf Szenarien, in denen wir Ereignisse simulieren und uns fragen, wie wir als Firma betroffen sein könnten und welches eine sinnvolle Abwehrstrategie darstellen könnte. Im Fachjargon nennt sich dies Stresstests durchführen. Konkret geht es um die Frage: Was geschieht, wenn sich gewisse Länder über das vernünftige Mass verschulden und demzufolge der Staatsbankrott droht? Die Frage, die wir uns stellen sollten, ist nicht: Soll ein Land Pleite gehen dürfen oder nicht? Sondern vielmehr: Über welchen Zeitraum soll dies geschehen?! Dass man Länder wie Griechenland sanieren muss, ist wohl jedem klar. Es geht nun aber darum, ob man den Griechen eine Chance einräumt, dies menschenwürdig zu bewerkstelligen. Wenn man das Szenario schnell herbeiführen will, sprich Griechenland als zahlungsunfähig erklärt, müssen Banken ihre griechischen Staatsanleihen auf unter 20 % abschreiben. Einige Banken werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen und drohen selbst daran zu Grunde zu gehen. Das wird einen negativen Einfluss auf die Finanzmärkte zur Folge haben und das ganze System wird darunter leiden. Wenn man nun aber die Verschuldung von Griechenland über mehrere Jahre hinauszögern kann, gelingt es vielleicht, die schwerwiegendsten negativen Folgen abzufedern. Derzeit werden alle Szenarien geprüft – aber niemand kann die Konsequenzen abschliessend voraussehen. Deshalb ist es doch auch so stossend, dass es nun Menschen gibt, die auf einen Staatsbankrott spekulieren – und damit wieder Geld machen. An diesem Punkt kommt der freie Markt und der Kapitalismus an seine Grenzen.

Da können wir ebenso von einem Machtmisbrauch sprechen.

Unterzieht sich die Swiss Re auch selbst einem Stresstest?
Ja, durchaus. Wir haben ein Rating, welches indirekt aufzeigt, in welcher Grössenordnung wir potentielle Katastrophen überstehen können. Ein Investor wird diese Kernaussagen im Geschäftsbericht genauestens studieren, denn er kann anhand dieser Angaben sehen, wie gross bspw. der Risiko-Appetit einer Unternehmung ist. Insbesondere die KMUs werden in Zukunft – die für sie wichtigen Bedrohungen in einer Risikolandkarte festhalten müssen und sich dabei fragen, wie sich die identifizierten Risiken zukünftig auf die Firma auswirken können. Anders gesagt: Auch jedes KMU sollte sich einem Stresstest unterziehen. Beispielsweise muss sich eine Möbelfabrik fragen, welche Art von Möbeln sie in Zukunft zu welchem Preis noch verkaufen kann und wo sie produzieren soll. Andere Firmen müssen sich fragen, welche Risiken sie eingehen, wenn sie beginnen, in zunehmendem Masse eigene Daten in fremde Hände zu geben, beispielsweise um mit „cloud computing“ die Kosten zu senken. Insbesondere in der heutigen Zeit, wo Kostensenken immer wichtiger wird, gilt es daran zu denken, dass es nicht nur um Kostenoptimierung geht, sondern auch um die Abschätzung der neu geschaffenen Risiken. Sicherheit wird es auch in Zukunft nicht billig oder gar gratis geben. Sicherheit sollte einen Wert darstellen und demzufolge ein Preisschild bekommen. Insofern könnte man auch behaupten: Wer in Zukunft Sicherheit bieten kann, hat Macht.

Was braucht es Ihrer Ansicht nach in Bezug auf die anstehende Finanz- und Eurokrise?
Steuerung und staatliche Führung, ohne dabei die Wirtschaft abzuwürgen, damit die Balance zwischen freiem Markt und staatlicher Kontrolle wiederhergestellt wird.

Braucht es also mehr staatliche Eingriffe?
Auf jeden Fall! Wir erleben im Moment eine Sozialisierung der Schäden – und der Privatisierung der Gewinne. Hier braucht es eine vernünftige Ratio, um die Verhältnisse wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wir sehen ja zurzeit neue Formen des Protestes an bisher ungewohnten Orten (London; New York; Zürich). Teilweise liegt die Erklärung für die Proteste wohl darin begründet, dass die Menschen das Gefühl haben, sie nehmen nicht mehr am Profit teil, sondern übernehmen nur noch die Schäden. Denn gewisse Banken scheinen primär nicht mehr an der Finanzierung der Wirtschaft interessiert zu sein, sondern immer noch nur an kurzfristigen Gewinnen mit hohen Risiken. In diesem instabilen gesellschaftlichen Zustand müssen sich die Politiker und Machthaber ernsthaft fragen: Weshalb gehen die Menschen ausgerechnet jetzt auf die Strasse? Haben wir den Unmut nicht kommen sehen? Ist die Kluft zwischen Armen und Reichen zu gross geworden? Dies ist im Übrigen ebenfalls ein Thema des Global Risk Report.

Hat die Schweiz da etwas besser gemacht als andere Staaten?
Ja, durchaus. Da können wir wohl stolz sein, dass wir ein Land geschaffen haben, in welchem noch viele Menschen ein gutes Leben führen können. Ein Bus-Chauffeur in Deutschland verdient vielleicht EUR 1’800,00 – in der Schweiz sind es an die CHF 6’000.00. Damit lässt sich trotz der hiesigen höheren Lebenshaltungskosten einfach besser leben. Wenn die Verhältnisse in einem Land derart eklatant sind, dass man trotz Vollzeitbeschäftigung seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten kann – dann stimmt definitiv etwas nicht mehr. Da können wir ebenso von einem Machtmissbrauch sprechen. Denn es gibt fast immer Profiteure, die sich an solchen Verhältnissen bereichern, sei es durch die Bezahlung von menschenverachtenden Dumping-Löhnen oder durch Fördern von Schwarzarbeit.

Gibt der Global Risk Report auch Lösungsansätze, wie wir aus diesem Schlamassel wieder rauskommen? Nein, zumindest nicht konkret. Allerdings wurde in diesem Jahr ein „risk response network“ ins Leben gerufen, um konkretere Schritte gegen die erkannten Risiken zu ergreifen. Dabei sollen die unterliegenden Probleme analysiert werden und nach Lösungsansätzen und Handlungsanweisungen gesucht werden. Die Lösungen für all die gegenwärtigen Herausforderungen wird man aber nicht alleine dem freien Markt überlassen können. Es ist besonnenes Handeln angesagt mit einer mittel- bis langfristigen Sicht auf die Dinge. Es geht dabei nicht um radikale und plötzliche Lösungen oder Aktivismus, sondern um balancierte Aktionen, welche die vergangenen Exzesse unterbinden und gleichzeitig eine Überregulierung verhindern. Das wird vor allem für jene, die von diesem System profitiert haben, eine bittere Pille sein. Es gilt nun das Beste aus allen Welten zu finden und zusammenzufügen.
Die Staaten vollständig zu entschulden, macht dabei ebenso wenig Sinn, wie das ungebremste Leben und Wirtschaften auf Pump weiterzuzelebrieren.

Es gilt nun das Beste aus allen Welten zu finden und zusammenzufügen.

Solange die Gier der Menschen nach Profit, Macht und Reichtum vorherrscht, wird sich ein anderes Verhalten schwer durchsetzen … Nun – es gibt Studien zum Thema: Unter welchen Umständen setzt sich in Gesellschaften altruistisches Verhalten durch. Man weiss beispielsweise, dass positives Verhalten auf mindestens drei weitere Personen Einfluss hat. Die Systemtheorie besagt, dass in dynamischen Systemen auch so eine Veränderung in der Gesellschaft und demzufolge hoffentlich auch in der Wirtschaft herbeigeführt werden könnte. «

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