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RISIKEN DER ZUKUNFT 3

Risiken Der Zukunft Unter der Lupe – Der Global Risk Report des WEF

Als Mitglied der Arbeitsgruppe, welche für das WEF den Global Risk Report erstellt, verrät uns Dr. Reto Schneider, Leiter des Emerging Risk Teams bei der Swiss Re, welche Zukunftsrisiken uns in den nächsten Jahren beschäftigen dürften.

Ladies Drive: Als Mitglied einer Arbeitsgruppe des WEF evaluieren Sie mögliche Risiken der Zukunft. Was hat sich im vergangenen Jahr geändert und welche Risiken dominieren im aktuellen Global Risk
Report des WEF?

Dr. Reto Schneider: In diesem Jahr liegt der Fokus auf der „perceived likelihood“ – das heisst, wir analysieren die kollektive Wahrnehmung einer Gruppe von Menschen hinsichtlich verschiedener Risiken. Die Antworten aus dieser Menge beinhalten eine gewisse Wahrheit, welche man als „wisdom of the crowd“ bezeichnen kann. Daraus wurden neue Cluster gebildet und es haben sich folgende drei Hauptrisikogruppen herauskristallisiert:

a) Gesellschaftsrisiken und im Speziellen die riesigen ökonomischen Unterschiede zwischen Arm und Reich: Je grösser diese ökonomischen Unterschiede sind, desto schlechter ist dies für ein friedliches Zusammenleben und eine florierende Weltwirtschaft. Hinzu kommt, dass man mit einer globalen wirtschaftlichen Machtverschiebung rechnet. In der Vergangenheit sind vor allem Gelder aus den westlichen Wirtschaftsländern in die Entwicklungsländer geflossen. Zurzeit zeichnet sich aber eine Umkehr dieser Geldflüsse ab und es fliessen vor allem aus den BRIC-Ländern Brasilen, Russland, Indien und China Gelder in den Westen.

b) Schattenwirtschaft: Illegaler Handel, Korruption und gefälschte Produkte.

c) Water-Food-Energy-Nexus: Hier stehen die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser, die damit zusammenhängende Nahrungsmittelproduktion sowie die Energiesicherheit im Zentrum der Aufmerksamkeit, weil sie stark voneinander abhängig sind. Im Wissen, dass es den globalen Klimawandel gibt, führen lange Trockenheitsperioden oder heftigere und häufigere Überschwemmungen zu stark schwankenden Ernteerträgen, was sich in den betroffenen Gebieten nachteilig auf die Versorgungssicherheit von Nahrungsmitteln auswirkt.

Geld hat einen direkten Einflus auf die Lebensdauer der Menschen. Vereinfacht gesagt – wer reich ist, lebt länger.

Was bedeuten diese ökonomischen Prozesse für die Bevölkerung, welche Veränderungen kommen auf uns zu?

Ein grosses Thema ist die Alterung der Gesellschaft: Wir werden älter – Frauen leben länger als Männer. Global gesehen gibt es demzufolge immer mehr Frauen und immer weniger Männer – hier gibt es viele interessante wirtschaftliche Zusammenhänge. Zum Beispiel: Geld hat einen direkten Einfluss auf die Lebensdauer der Menschen. Vereinfacht gesagt – wer reich ist, lebt länger. Dies ist sehr deutlich bei den Mortalitätsraten erkennbar. In Myanmar sterben 98 von 1’000 Kindern – in Norwegen nur vier.

Wie steht es um den Zusammenhang zwischen Kindersterblichkeit und der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes?

Dazu gibt es klare Statistiken mit traurigem Inhalt. Über eine Milliarde Kinder leben in Armut, mehr als die Hälfte der Menschen muss mit zweieinhalb Dollar pro Tag auskommen, eine Milliarde Menschen sind unterernährt und haben kein Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nur ca. zwölf Prozent der Weltbevölkerung leben in Nordamerika und Westeuropa und führen ein Leben, wie wir es von unserem Alltag her kennen.

Wer sind die Verlierer dieser wirtschaftlichen Konstellation?

In Südostasien und südlich der Sahara leben am meisten arme Menschen. Geld bestimmt, wie bereits erwähnt, über die Lebenserwartung und Gesundheit. Mir ist klar, dass dies keine attraktiven Aussagen sind, aber es sind Fakten, die offen ausgesprochen werden müssen, denn dieser Zustand sollte nicht einfach so akzeptiert werden.

Wo wird die Alterung der Gesellschaft die grösste Rolle spielen?

Es gibt Wachstumsprognosen, die besagen, dass sich die Gesellschaft in China und Indien am stärksten verändern wird. In beiden Ländern leben jeweils über eine Milliarde Menschen. Während China u.a. wegen seiner Ein-Kind-Strategie künftig eine alterslastige Alterspyramide ähnlich derjenigen des Westens aufweisen wird, wird das kinderreiche Indien hingegen weiter wachsen und in etwa 20 Jahren China bezüglich Einwohnerzahl überholen.

Da muss man sich schon fragen: Wie stellen wir uns auf eine Welt ein, in der es immer weniger Nachkommen gibt und somit die Anzahl der Werktätigen sinkt, gleichzeitig aber die Anzahl der älteren Menschen massiv ansteigt?

In diesem Zusammenhang erscheinen gewisse Diskussionen über die Verhinderung des Zuzuges von Ausländern in die Schweiz beinahe grotesk, weil wir wohl ohne „fremde Hilfe“, sprich ohne Zuzug von ausländischen Erwerbstätigen unser eigenes Alter gar nicht ausreichend werden finanzieren können. Damit wird auch sofort klar, dass die Einwanderer bleiben müssen, damit das Ganze funktionieren kann die Wirts chaft ist primär auf den jungen Menschen ausgerichtet. In der Werbung hat sich das Bild bereits geändert und der ältere Mensch ist salonfähig geworden.

Was bedeutet das zunehmende Alter für die Mobilität? Darin liegt wirtschaftlich gesehen viel Wachstumspotenzial, unter anderem auch für die Autobranche, um die es in diesem Heft ja im Besonderen geht. Hier scheint aber ein gewisser Nachholbedarf zu sein, denn wo sind heute die Autofirmen, die sich auf einen Autofahrer einstellen, der zwischen 70 und 100 Jahre alt ist und noch Auto fahren will? Welche Assistenzsysteme müssen hier integriert werden und wie wird man den Bedürfnissen eines älteren Autofahrers gerecht?

Schaut man sich heute die Armaturen an, sind diese häufig zu klein und zu filigran und oftmals herrscht ein Informationsüberfluss vor. Seniorinnen und Senioren werden damit häufig überfordert und somit nicht angesprochen, denn die Wirtschaft ist primär auf den jungen Menschen ausgerichtet. In der Werbung hat sich das Bild bereits geändert und der ältere Mensch ist salonfähig geworden. Menschen im Seniorenalter sind heute viel aktiver, bewegen sich mehr, fahren in die Ferien – aber bitte mit grossem Display im Auto und den entsprechenden Fahrhilfen. Das Wirtschaftspotenzial für diese Gruppe ist längst noch nicht ausgeschöpft.

Wie sieht es mit der Finanzierung dieses aktiven Lebensstils im Alter aus?

Es ist eine Illusion, dass wir uns alle frühpensionieren lassen können. Im Gegenteil, die meisten werden länger arbeiten müssen. Auch wird man mittel- bis langfristig die Steuern anheben müssen, um Mittel generieren zu können, die das Leben im Alter finanzieren, besonders wenn wir an die Gesundheitskosten denken. Auch hier gilt wieder: Das Altwerden bietet auch ein Potenzial für die Lancierung von neuen Versicherungsprodukten im Bereich der Kranken- und Rentenversicherungen und der privaten Vorsorge.

Ist die Nahrungsmittelsicherheit ebenfalls ein wichtiges Zukunftsthema?

Absolut. Der wachsende Bedarf an Nahrungsmitteln führt zu verschiedenen Konflikten: Um Nahrungsmittel herzustellen, braucht es Energie, doch die Energieproduktion belastet die Umwelt. Wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist nachhaltige Produktion, mit oder ohne genetisch veränderten Pflanzen – ebenfalls ein heisses Eisen! Es will sich nicht jeder von Algen und Quallen ernähren. Es ist jedoch völlig unrealistisch, dass jeder Erdenbürger sich nach westlichem Vorbild vorwiegend von Fleisch ernähren und sich täglich ein Steak gönnen kann, welches, nebenbei erwähnt, in der Produktion sehr energie- und wasserintensiv ist.

Und welche zukunftsrelevanten Aspekte müssen wir in Bezug auf Politik und Wirtschaft berücksichtigen?

Das Schliessen der „Global Governance Gap“ bleibt ein wichtiges Thema. Es braucht Gesetze und Regeln, die stabil und für viele Länder und Institutionen verbindlich sind. Falls im einen Land etwas erlaubt, in einem anderen Land das Gleiche verboten ist, mag dies kurzfristig ein Wettbewerbsvorteil sein. In einer globalisierten Wirtschaft kann dies aber auf Dauer nicht gutgehen. Wir müssen jedoch nicht immer weit weg schauen. Das Ausbalancieren von Ungleichheiten ist auch bei uns in der Schweiz ein Thema, zum Beispiel gleicher Lohn für gleiche Arbeit für Männer und Frauen. Chancengleichheit im Bildungswesen und die Verfügbarkeit von guten medizinischen Leistungen für alle.

Wer entwickelt eigentlich den Global Risk Report?

Der Global Risk Report basiert auf Interviews mit Experten aus aller Welt – diese sind jedoch vornehmlich männlich. Es stellt sich tatsächlich die Frage, ob sich bei einem höheren Anteil von weiblichen Experten die Risikowahrnehmung und die Prioritätensetzung verändern würden.

Die männliche Wirts chaft spricht über die weibliche Welt . Insgesamt gesehen müsste man die Ökonomie als Ganzes emanzipieren.

Das wäre doch sehr interessant für die Zukunft …

Durchaus, unsere Expertenumfrage entspricht sicherlich einem Abbild der Wirtschaft, jedoch nicht unbedingt demjenigen der Gesellschaft. Die männliche Wirtschaft spricht über die weibliche Welt. Insgesamt gesehen müsste man die Ökonomie als Ganzes emanzipieren – wie es scheint, bekommt die Quotendiskussion gerade wieder Auftrieb.

Was würde es der Wirtschaft bringen?

Frauen haben vermutlich häufiger einen mittel- bis langfristigen Planungshorizont – dies würde helfen, um die grossen globalen Risiken, die langfristig und komplex sind, anzugehen. Für die erwähnten Risiken gibt es keine einfachen Lösungen. Qualitäten wie Ausdauer und Hartnäckigkeit, Weitsicht, soziales Engagement und Gerechtigkeit sind in diesem Zusammenhang gefragt. Dies sind Qualitäten, die oft den Frauen zugeschrieben werden. Auch beim Thema Nachhaltigkeit wären weibliche Fähigkeiten gefordert.

Etwas mehr weiblicher Input würde also auch dem WEF guttun. Interessiert sich Klaus Martin Schwab, der Gründer und Präsident des WEF, für diese Fragen? Es scheint auf jeden Fall so. Auf der Webseite findet man Informationen zum Thema „Women Leaders and Gender Parity“

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