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RISIKEN DER ZUKUNFT 2

Risiken Der Zukunft WIESO DER HOMO OECONOMICUS UNSEREN PLANETEN NICHT RETTEN WIRD WIE UMWELTTHEMEN, DER KAMPF UM RESSOURCEN, MIGRATION UND WEITERE SPANNENDE THEMEN UNSERE ZUKUNFT BEHERRSCHEN WERDEN

Er bezeichnet sich selbst scherzhaft als Hofastrologe der Swiss Re. Das ist eine gehörige Portion Understatement. Dr. Reto Schneider gehört nicht nur einer Menge Think Tanks an, darunter auch einer Arbeitsgruppe, welche für das WEF Davos die Risiken der Zukunft evaluiert. Er ist einer der hellsten und visionärsten Köpfe, was die immer vernetztere Welt und die darin aufscheinenden Probleme und künftigen Herausforderungen angeht. Dieses Mal haben wir Dr. Reto Schneider in Bezug auf die Zukunftsrisiken rund um die Gesundheit unseres Planeten auf den Zahn gefühlt.

Ladies Drive: „Grün“ ist sexy geworden. Die Diskussionen über CO2, Energieschleudern, die Umwelt haben an Heftigkeit zugenommen. Inwieweit spüren Sie diesen Trend auch bei der Swiss Re?

Dr. Reto Schneider: Nun – in der Forschung haben wir diesen Themenblock seit zwei Jahren auf unserer internen Agenda. Bis 2011 planen wir entsprechende Expertentagungen, die Themenkreise wie Green Buildings, den Einsatz von Smart Grids (miteinander vernetzte Geräte, Anmerkung der Redaktion) und erneuerbare Energien behandeln sollen. Für uns stellt sich nun aber die Frage, wie wir das auch im Business selbst umsetzen können.

Soll heissen?

Wir versuchen beispielsweise für unseren Hauptsitz in Zürich grüne Energien zu beziehen. Das ist derzeit primär Wasser, Sonne, Wind. Doch wenn man weltweit grünen Strom einkaufen will, geht das nicht. In den USA, in Asien wird das äusserst schwierig.

DOCH WENN MAN WELTWEIT GRüNEN STROM EINKAUFEN WILL, GEHT DAS NICHT.

Grüner Strom ist also noch in weiter Ferne, vor allem wenn wir das plötzlich alle nutzen wollen? Nun, es gibt noch unendlich viele ungelöste Probleme, die mit der Abfallproblematik der Atomkraftwerke beginnen und selbst bei der Windkraft gibt es Herausforderungen. So ist beispielsweise wenig bekannt, dass Windkraft nicht regelmässig Strom liefert. Wenn man ein Windkraftwerk aufstellt, muss man ein Kraftwerk mit fossilen Stoffen im Hintergrund laufen lassen, damit man die Spitzenzeiten beim Verbrauch überbrücken kann. Letzten Endes hilft es kaum, wenn man dann das Elektroauto mit Strom aus einem Kohlekraftwerk lädt. Die Probleme in diesem Bereich sind weitreichender, als man sich häufig vorstellt.

Der grüne Hype beschleicht ja auch seit Jahren die Automobilindustrie. Wie verfolgen Sie das aus Sicht eines Risikoforschers?

In der Schweiz haben 6 auf 10 Menschen ein Auto – in Amerika 8 auf 10 – in China und Indien ist dieser Wert unter 2. Wenn Indien und China nun entscheidet, dass man die Bevölkerung mit Autos ausrüstet, werden über kurz oder lang 4 Milliarden Autos auf diesem Planeten rumdüsen. Es nutzt also wenig, wenn wir hier Autos lancieren, die zwei Liter weniger Verbrauch aufweisen, wenn wir auf der anderen Seite des Globus derart viele Autos mehr dazu bekommen. Oder ein anderes Beispiel: Wir fahren mit zweieinhalb Tonnen Blech im Stau einen im Schnitt 80kg schweren Menschen spazieren. Effizienter wäre hier die Reduktion des Gewichts, unserer Autos: Wenn wir nämlich alle nur noch mit maximal 80–100km/h fahren würden, bräuchte es auch aus unfalltechnischer Sicht kein Stahl oder Aluminium mehr. Dann würde ein viel leichterer Hightech-Kunststoff genügen. Dieser hätte einen deutlich tieferen Verbrauch zur Folge.

Welche Schritte wären denn nötig, gerade weil unsere Umwelt in Bezug auf diese Probleme derart komplex ist?

Eigentlich nur einer: Es brauchte eine Veränderung der Lebenseinstellungen jedes Einzelnen. Und es braucht übergeordnete Lösungen. Sehen Sie, wenn wir nun inden Städten alle auf Elektroautos umsteigen würden, wäre das zwar die sinnvollste Lösung in Bezug auf die Effizienz der Mittel – aber wir würden einfach in unseren Elektroautos im Stau stehen. Man hat weniger Feinstaub und CO2 – dafür kreiert man neue Probleme. Es braucht auch hier übergreifende Konzepte in Bezug auf die Städteplanung. Ein weiteres Beispiel hierfür: Man hat in Städten wie Zürich den Ausbau des öffentlichen Verkehrs vorangetrieben. Dies hat zur Zersiedelung geführt. Dies wiederum zu längeren Transportwegen, dies zu mehr CO2-Belastung. Es wird Zeit, dass wir unsere Probleme aus einer höheren Warte betrachten.

Gibt es denn Ansätze, die Probleme dieser Welt zu lösen, die die globale Natur unserer heutigen Herausforderungen bewältigen können?

Ja – es gibt das „Global Footprint Network“. Es berechnet, wie viel Energie man im Leben benötigt – oder wie viele Planeten wir bräuchten, um unserem heutigen Lebensstandard im Westen gerecht zu werden. Wir würden heute gemessen an der Energie, die wir verbrauchen, eigentlich schon eineinhalb Planeten zum Leben benötigen. Wenn alle Menschen mobil sein wollen, Fleisch essen, würden wir in 40 Jahren bereits zweieinhalb Planeten in Anspruch nehmen müssen. So kanns nicht weitergehen.

Was müsste man aus Ihrer Sicht denn ganz konkret ändern?

Politik und Wirtschaft denken häufig zu kurzfristig. Und es stellt sich in diesem Zusammenhang wohl die Frage, wer es sich heute leisten kann und will, einen langen Planungshorizont zu haben. Das Problem ist meist, dass Umweltschutzmassnahmen immer zu Gunsten einer florierenden Wirtschaft untergeordnet werden. Damit haben wir eindeutig einen Zielkonflikt …

Das Problem ist meist, das Umweltschutzmasnahmen imer zu Gunsten einer florierenden Wirtschaft untergeordnet werden.

Den, unseren Planeten nachhaltig belebbar zu halten versus Umsätze?

Allerdings!

Und wie könnte man diesem begegnen?

Man müsste von staatlicher Seite her intervenieren. Leider findet in der Politik schlussendlich häufig ein Kompromiss statt, der keiner mehr ist. Bei der CO2- Diskussion ist das gut erkennbar: Wir bemerken, dass unser Boot ein Leck hat und wir drohen zu sinken. Wir stellen fest, dass das Loch derart gross ist, dass 1000 Liter pro Minute ins Boot gelangen. Nun sagen wir: Wir lassen doch einfach nur noch 700 Liter pro Minute Wasser reinlaufen. Am Schluss sinken wir aber dennoch! Der Wille, etwas zu ändern, muss auf menschliches Verhalten abzielen!

Den Planet reten musSpass machen.

Gut – wie kriegen wir die Menschen dazu, ihr Verhalten zu ändern?

Ich selbst bin ein genussorientierter Mensch. Ich würde meinen, das Ganze muss Spass machen. Den Planet retten muss Spass machen. Sonst mache ich es nur unter Androhung von Zwang und Strafe. Heute ist auch der dynamische, schöne Mensch empfänglich für „grüne“ Dinge. Aber nur dann, wenn er es schön findet, Spass daran hat.

Und wie könnte man konkrete Anreize schaffen?

Eine Verbilligung der Krankenkassenprämie, wenn ich mich mit einem Fahrrad bewege, wenn ich Mitglied eines Sportvereins bin, kann eine Verhaltensänderung erleichtern, auch wenn es keine Garantien gibt. Wäre die Cumulus-Karte mit der Krankenkasse verlinkt und man würde bemerken, wie viel Brokkoli oder Fischstäbchen man kauft, würde es vermutlich auch einen Impact haben. Man kann den Wettbewerb ausnutzen und beispielsweise die Energieverbräuche transparenter machen – hier kommt dann die grosse Stunde der Smart Grids. Oder vielleicht gibt es künftig eine Brille, die mir Daten über mein Umfeld reinprojiziert und mir so hilft, gewisse Entscheide bezüglich Mobilität oder Ähnlichem zu treffen und damit den optimalsten Einsatz der Mittel zu begünstigen.

Wo liegen die grössten Risiken?

Gemäss Expertenmeinungen wird uns das Öl vermutlich nicht so schnell ausgehen – es wird aber teurer zu fördern, es wird mehr Umweltverschmutzungen geben. Die Frage bezüglich Risiken wird vielmehr sein: Wer hat Zugriff? Es wird zu Kämpfen, Kriegen um Ressourcen kommen. Es kann kaum sein, dass alle denselben Lebensstandard haben auf diesem Planeten. Wir müssen uns also schon im Vorhinein überlegen: Wie gross darf die Kluft zwischen satt und hungrig sein, durstig und nicht durstig, arm und reich sein? Wann beginnen die Menschen zu migrieren, zu kämpfen? – Das hat der Club of Rome in den 1970ern schon gesehen.

Sie sagen, weder Wirtschaft noch Politik denkt derart langfristig. Gibt es denn überhaupt Kreise die globale Lösungen erarbeiten?

Ja, die gibt es auch in der Schweiz. Es gibt ein Health Lab, ein Think Tank – es gibt andere, die die Mobilität von morgen anschaun, die Agro-Wirtschaft. Sie existieren. Die Schwäche von allen ist die Vernetzung.

Braucht es private Mäzene, die statt in Kunst in die Vernetzung globaler Think Tanks investieren?

Es bräuchte etwas Ähnliches wie eine Bill-Gates-Stiftung zum Erhalt des Planeten. Man könnte sagen: Es ist wichtiger, dass der Planet in einem nachhaltig belebbaren Zustand erhalten bleibt, damit es sich lohnt gegen Malaria zu kämpfen. Das grösste Problem an globalen Ansätzen ist, dass man schnell in Konflikt mit nationalen Grenzen gerät.

Das heisst, wir haben globale Probleme, aber weder Finanzen noch Strukturen, diese zu lösen?

Alle Probleme sind globaler Natur – das kann man nicht im Schweizer Silo lösen. Es braucht laÅNnderübergreifende Lösungen. Die Menschheit ist aber leider keine Gemeinschaft – es gibt Streit, Kriege, kurzfristige Eigeninteressen …

Das Problem ist eigentlich fast unlösbar oder geben Sie uns Hoffnung?

Es gibt mit Sicherheit keine einfachen Lösungen. Es wird schwierig, kompliziert, langwierig. Aber man sollte nicht resignieren, es vielmehr als Herausforderung sehen. Es gibt immer noch Wachstumspotenzial – nicht mit veralteten Technologien, sondern mit neuen Lösungen. Es braucht einen Innovationsschub.

Kennen Sie aus Ihren Thinks Tanks einige Ansätze, die in diese Richtung gehen?

Es gibt das Konzept der „Cradle To Cradle“ – die Idee, die hier dahintersteckt ist es, dass ein Produkt, wenn es nicht mehr gebraucht wird, für einen anderen Verwendungszweck gebraucht werden kann. Man kann es auseinandernehmen, anderweitig benutzen, teilweise rezyklieren. Das wird teilweise heute schon gemacht, und zwar mit den Flugzeugsitzen im Airbus A340. Man schreddert diese und benutzt sie nach dem Gebrauch als Substrat fürs Pflanzenwachstum.

Der Homo oeconomicus wird unseren Planeten also nicht retten. Eher ein Innovator?

Absolut. Und die Menschen müssten Politiker wählen, die ein weitsichtigeres Problembewusstsein haben. Eines, welches über die eine Legislaturperiode hinaus geht. Auch hier: Vieles liegt am Individuum. Wir alle können viel bewegen. Wenn wir wollen … es sollte uns nur nicht so gehen wie derzeit Obama in den USA, wo die Menschen spüren, dass das, was man ihnen versprochen hat, nur eintrifft, wenn man selbst einen Beitrag dafür leistet. Die Menschen müssen auch dafür bereit sein. «

Weiterführende Informationen: Global Footprint Network

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