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PORTRAIT: AUMA OBAMA

In erster Linie ist sie Auma, eine Frau, der das Schicksal junger Menschen und besonders junger Mädchen und Frauen am Herzen liegt; eine Frau, die sich fulltime für ihre Vision – eine bessere Welt für alle – einsetzt. Und dann ist sie noch die Schwester des mächtigsten Mannes der Welt: Auma Obama über ihre Mission, über Respekt gegenüber Frauen, die Bedeutung von Mut und Perspektive, und wie sie täglich daran arbeitet, aus ihrer Chance Wertvolles für die Menschheit zu leisten.

Ladies Drive: Sie waren schon als Mädchen sehr selbstbewusst und „emanzipiert“ – wie kam es zu Ihrem Gerechtigkeitssinn Mädchen und Frauen gegenüber?
Auma Obama: Ich bin mir nicht sicher. Ich denke nur, dass ich mich als einziges Mädchen (meine Stiefmutter ausgenommen) schon sehr früh unter all den Männern in meiner Familie durchsetzen musste. Ich habe nicht verstanden, warum ich, nur weil ich ein Mädchen bin, anders behandelt werden sollte als meine Brüder, insbesondere mein älterer Bruder, der nur zwei Jahre älter ist als ich.

Die eigene Identität/das Individuum gewann schon früh für Sie an Bedeutung. Wie kam es dazu?
Hierzu kam es wiederum deshalb, weil ich mich als einziges Mädchen stets durchsetzen musste. Ich sah mich als Individuum mit eigener Identität. Mir war früh bewusst, wie wichtig es war, als Individuum wahrgenommen zu werden, egal, welches Geschlecht man hat. Dabei spielte meine Stiefmutter eine wichtige Rolle. Sie lehrte mich, dass man sich besonders als Frau selbst respektieren und von anderen Respekt verlangen muss.

„Charity begins at home! Ich muss erst bei mir anfangen. Nur so kann ich ehrlich anderen etwas geben, was ihnen weiterhelfen kann.“ Auma mit ihrer Großmutter

 

 

Sie kommen aus Kenia und sind nach über 20 Jahren und Stationen in Deutschland und England nach Kenia zurückgekehrt. Was bedeutet Heimat für Sie?
Für mich ist Heimat dort, wo ich mit Menschen bin, die ich liebe und die mich lieben. Heimat ist für mich nicht an einen Ort gebunden, sondern an Menschen.

Was bedeutet Familie für Sie?
Familie bedeutet für mich mehr als nur Blutsverwandtschaft. Familie bedeutet für mich Geborgenheit, Vertrauen, Vorsorge und bedingungslose Liebe. Diese Gefühle erfahre ich nicht nur von den Menschen, die mit mir verwandt sind, sondern auch von meinen engsten Freunden. Sie gehören, nach meiner Definition, auch zu meiner Familie.

Auma Obama – „Das Leben kommt immer dazwischen – Stationen einer Reise“, Bastei Lübbe, Taschenbuch, 318 Seiten
ISBN: 978-3-404-60662-7
Auma Obama wächst in Kenia auf, studiert in Heidelberg und Bayreuth, lebt 16 Jahre in Deutschland, später in England. Gemeinsam mit ihrem Bruder Barack bereist sie Kenia, ehe sie sein Aufstieg mehrfach in die USA führt. Das Leben in gegensätzlichen Kulturen löst Gefühle der Entfremdung und Einsamkeit in ihr aus und lässt ihr Bewusstsein für afrikanische Identität erwachen. Bald steht für sie fest: Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in ihrer Heimat ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft.

Warum setzen Sie sich für andere Frauen ein?
In erste Linie, weil ich auch eine Frau bin. ‚Charity begins at home!‘ Ich muss erst bei mir anfangen. Nur so kann ich ehrlich anderen etwas geben, was ihnen weiterhelfen kann. Ich will, dass die jungen Mädchen, die in unserem Programm sind, wissen (der Stiftung Sauti Kuu, die sich für junge Menschen einsetzt, siehe Kasten; Anmerkung der Redaktion), dass auch sie so viel wie ich erreichen können – und noch mehr. Diesen Mut will ich Frauen und Mädchen geben.

Warum ist das Thema Nachhaltigkeit für Sie so wichtig?
Nachhaltigkeit ist das A und O in meiner Arbeit. Ohne Nachhaltigkeit ist alles, was wir machen, nur kurzfristig und von wenig Bedeutung. Um jungen Menschen wirklich zu einer besseren Zukunft zu verhelfen, müssen wir so lange dabei bleiben und sie dorthin bringen, bis sie verantwortungsvolle junge Erwachsene sind, die ihr Leben bestreiten können und gesellschaftlich dazu beitragen, den Wohlstand ihrer Mitmenschen zu ermöglichen.

Einer der Sauti Kuu Jugendlichen, Kennedy, auf seinem Feld in Kenia.

 

 

 

In Ihrem Buch beschreiben Sie sehr offen das Tauziehen zwischen den Kulturen. Was konnten Sie für sich daraus mitnehmen?
Für mich war dieses Tauziehen zwischen den Kulturen eine Bestätigung dafür, dass Menschen verschiedener Kulturen sehr wohl miteinander leben und auskommen können. Ich musste mich schon immer – auch Kenia besitzt eine Vielfalt an Kulturen – zwischen verschiedenen Kulturen bewegen. In Kenia war das nichts Besonderes. In Deutschland und England dagegen waren die kulturellen Unterschiede krasser, und daher war es nicht immer einfach zu navigieren. Aber am Ende fühlte ich mich auch dort zwischen den Kulturen zuhause.

Einsamkeit und Armut sind keine Fremdwörter für Sie. Woher haben Sie die Kraft für Ihre Mission genommen, Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen?
Ich weiss es ehrlich nicht. Ich habe nur das Gefühl, dass ich die Arbeit, die ich mache, machen muss. Mir ist so viel gegeben worden, und trotz der harten Zeiten waren immer Leute da, die mir geholfen haben weiterzukommen. Auch ich will anderen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, diese Chance geben.

Sie haben in Heidelberg und Bayreuth Germanistik studiert und promoviert. Was animiert eine kenianische Jugendliche zu diesem Studium und zum mutigen Schritt, allein (und ohne Wissen des Vaters) nach Deutschland zu gehen?
Das war meine Liebe zur Literatur, denn ich habe schon immer viel gelesen. Damals hatte ich auch noch den Drang, etwas ganz anderes zu erleben, mich in einem anderen Raum zu bewegen. An einem Ort, wo ich mich frei entfalten konnte, ohne zurückgehalten zu werden, nur weil ich eine Frau bin. Ich habe die damalige studentische Freiheit gebraucht und dementsprechend genossen.

„Ohne Nachhaltigkeit ist alles, was wir machen, nur kurzfristig und von wenig Bedeutung.“ Auma Obama

In Heidelberg erhielten Sie im Jahr 1984 den ersten Brief Ihres Bruders Barack, des Sohnes der zweiten Frau Ihres Vaters. Sie schreiben, er jagte Ihnen damit einen riesigen Schreck ein. Wieso?
Der Brief, den ich bekam, hatte auf der Rückseite den Absendernamen „Barack Obama“, den Namen meines Vaters. Die Schrift war auch der meines Vaters sehr ähnlich. Als ich das las, wusste ich noch nicht, dass es sich um meinen Bruder Barack handelte. Der Schreck kam daher, weil mein Vater zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben war.

Sie schreiben, dass „Baracks Brief der Anfang einer Freundschaft war, die mir immer mehr bedeutet hat als eine nur geschwisterliche Beziehung“. Konnten Sie diese Freundschaft bis heute – trotz Ihres intensiven Engagements und dem Ihres Bruders – aufrechterhalten?
Ja. Er ist doch mein Bruder!

Sauti Kuu – Kiswahili für „Starke Stimmen” – ist eine Stiftung, die Kindern auf der ganzen Welt Perspektiven geben will. Initiatorin und Vorstandsvorsitzende ist die Kenianerin Dr. Auma Obama. Sauti Kuu möchte Kindern und Jugendlichen dazu verhelfen, trotz aller Schwierigkeiten das eigene Leben in die Hand zu nehmen und mitzubestimmen, was daraus wird. Dabei reicht es nicht, dass man sich ein besseres Leben wünscht. Es geht darum, auch annehmen zu können, dass man das Recht hat, ein besseres Leben führen zu dürfen, als man sich selbst zugesteht.
www.sautikuufoundation.org

Sie teilen die gleiche Vision: eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Inwiefern können Sie sich dabei gegenseitig inspirieren und einander helfen?
Wir vertrauen darauf, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt, um anderen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Die Unterstützung kommt daher, dass wir füreinander da sind.

In England, wo Sie mit Ihrem Ex-Mann und Ihrer Tochter lebten, hatten Sie das Bedürfnis, für Menschen und nicht für ein Produkt zu arbeiten, obwohl Sie gut verdienten und eine attraktive Stelle innehatten. Wie gelang es Ihnen, Ihrer inneren Stimme zu folgen und sich ganz der Arbeit mit jungen Menschen zu widmen?
Ich hatte das starke Gefühl, dass die Arbeit mit jungen Menschen das Richtige für mich ist. Ich wollte damit etwas bewirken, was junge Menschen weiterbringt. Das machte mich glücklich. Und so war es nicht schwierig, diesen neuen Weg zu gehen.

„Yes We Can” ist nicht nur der Wahlslogan Ihres Bruders, sondern auch jener der Mädchen und Kinder, die Sie früher bei der Hilfsorganisation CARE und seit 2011 in Ihrer eigenen Stiftung „Sauti Kuu – Starke Stimmen“ ermutigen und zu einem selbstbestimmten Leben in Eigenverantwortung führen. Was ist Ihre Vision und wie führen Sie die Kinder und Jugendlichen aus ihrer Opferrolle?
Unser Fokus liegt im ländlichen Raum. Dort unterstützen wir benachteiligte Jugendliche und deren Familien. Diese haben dadurch die Möglichkeit, aus eigener Initiative, und indem sie eigene lokale Ressourcen vor Ort optimal nutzen, ihr Leben dauerhaft zu verbessern. Wir versuchen, mit diesen Jugendlichen Wege zu finden und Strukturen zu schaffen, die – psychisch, sozial und finanzielle – zur Eigensändigkeit verhelfen. Wichtig ist dabei vor allem, jungen Menschen zu vermitteln, dass sie nicht Opfer ihres sozialen Systems oder ihrer Umwelt sein müssen. Ganz im Gegenteil: Wir geben sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe und helfen den Jugendlichen dabei, sich nicht mehr als Opfer zu sehen und finanziell unabhängig zu werden. Das geschieht zum Beispiel mit Hilfe von Agrarprojekten, durch Förderung der Schulbildung, durch Sport sowie durch Trainings zur Selbstverwirklichung.

„Ich habe nicht verstanden, warum ich, nur weil ich ein Mädchen bin, anders behandelt werden sollte als meine Brüder.“ Auma & Barack Obama

 

 

 

 

„Für mich hat sich eine Tür geöffnet, und auch ich will für andere Türen öffnen“, lautet der wunderbare Abschlusssatz in Ihrem Buch. Welche waren die wichtigsten Türen für Sie persönlich?

Für mich ist die wichtigste Tür die, die mir eine Plattform verschafft, stellvertretend für Kinder und Jugendliche zu reden, um ihnen dadurch eine starke Stimme zu geben, die gehört und geachtet wird.

Sie schreiben, dass Sie „als eine Obama jetzt eine echte Chance haben, einiges zu bewirken“. Inwiefern hat sich die Karriere Ihres Bruders Barack Obama auf Ihre Karriere ausgewirkt?
Ich habe eine eigene Stiftung, die ich ohne die weltweite Unterstützung, die ich bekomme, nicht so wirkungsvoll führen könnte. Diese Aufmerksamkeit habe ich meinem Bruder zu verdanken. Ich arbeite darüber hinaus täglich daran, aus dieser Chance mehr zu machen. Die Leute sollen sich für mich und meine Arbeit nicht nur wegen meines Nachnamens interessieren, sondern weil ich etwas Wertvolles für die Menschheit leiste, und zwar als AUMA (Obama).

„Wir helfen den jungen Menschen dabei, sich nicht mehr als Opfer zu sehen und finanziell unabhängig zu werden.“ Auma Obama und ihre Schützlinge in Alego-Kenia

 

Worunter leiden die Kinder und Jugendlichen, für die Sie sich einsetzen, am meisten?
Abgesehen von der Armut und den sozialen Missständen, mit denen die Kinder und Jugendlichen täglich zu kämpfen haben, leiden sie am meisten unter einem Mangel an Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu entfalten und ein eigenes Selbstwertgefühl zu entwickeln, das ihnen hilft, ihr Potenzial zu erkennen und zum Ausdruck zu bringen.

Welcher war Ihr schönster Erfolg mit Ihrer Stiftung?
Es gibt viele schöne Erfolge. Die kann man nicht alle in Zahlen oder grossen Taten messen. Für mich ist es ein Riesenerfolg, wenn mich ein junger Mensch, besonders ein Mädchen, welches mir bei den Aktivitäten zur Persönlichkeitsentwicklung nie in die Augen geschaut hat, ansieht, sich mit mir unterhält und ohne Angst eine eigene Meinung vertritt. Das ist der Anfang eines Selbstbewusstseins, welches das Fundament für das Bestreben nach einem besseren Leben bereitstellt.

Was wünschen Sie sich für „Ihre“ Kinder?
Ich wünsche mir, dass sie an sich selbst glauben, sich selbst lieben, und dass sie ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie wichtig sie sind, dass sie verstehen, dass sie ein Recht auf ein besseres Leben haben und dass sie aktiv mitwirken können, dieses bessere Leben zu realisieren. «

 

Weiterführende Informationen
Dr. Auma Obama, Spezialistin für ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit, Schwester des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama, studierte Germanistik und Soziologie in Heidelberg, besuchte die deutsche Film- und Fernsehakademie in Berlin und promovierte in Bayreuth, lebte 16 Jahre in Deutschland, später in England. Schliesslich kehrte sie nach Kenia zurück. Dort arbeitete sie fast fünf Jahre für die Hilfsorganisation CARE bei dem Programm „Sport für sozialen Wandel“. Im November 2011 wurde ihre eigene Stiftung „SAUTI KUU – starke Stimmen für eine starke Jugend“ in Deutschland gegründet. Die Stiftung basiert auf dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ und soll zukünftig junge Menschen auf der ganzen Welt motivieren und unterstützen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Interview: Claudia Gabler, Mitarbeit: Sandra-Stella Triebl, Fotos: Aus dem Buch „Das Leben kommt immer dazwischen“, Auma Obama, Bastei Lübbe GmbH & Co

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