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ÖKÖ-PRODUKTE MÜSSEN HEUTE EINFACH SEXY SEIN!

Camilla FischbacherChristian Fischbacher zeigt erstmals Stoff aus PET-Flaschen

Was für eine schöne Vision: Aus unserem Abfall entsteht, wie Phoenix aus der Asche, etwas Neues, Kreatives. Aus unserem Müll ein Treibstoff und aus unseren leeren PET-Flaschen, ein Stoff. Seit ein paar Wochen ist auch Letzteres Realität. Dank der Innovationskraft und Hartnäckigkeit der Art Direktorin und Produktmanagerin des St. Galler Luxusstoffherstellers Christian Fischbacher wird nun aus den hässlichen Plastikflaschen eine attraktiv faszinierende Stoffkreation.

Wir treffen die künstlerische Leiterin des St. Galler Familienunternehmens am Hauptsitz in der Ostschweiz. Camilla Fischbacher wirkt müde und angespannt. „Das war ein Kraftakt. Ich bin nur noch müde und freu mich auf ein ruhiges Wochenende, wo ich endlich wieder mal ein Buch lesen möchte. Und schlafen …“
Die engagierte Mutter von drei Kindern hat eine kräfteraubende Zeit hinter sich. Innovation kann ganz schön anstrengend sein. Immer noch sichtbar fasziniert, erklärt sie mir auf Bildern, wie aus PET-Flaschen diese wunderschönen Stoffe werden und aus diesen wiederum atemberaubende Möbelstücke, so wie wir sie hier im Showroom von Christian Fischbacher in St. Gallen vorfinden. „Schau, die zerschneiden die Plastikflaschen in ganz kleine Stücke, bis so kleine Perlen entstehen. Diese werden behandelt, geschmolzen, und durch Druck entsteht am Schluss eine kleine, feine Faser, die allerdings so steif ist wie Zahnseide.“ Die Art Direktrice blättert in ihren Unterlagen, legt ihre Stirn in sorgenvolle Falten: „In dieser Qualität ist das natürlich nicht zu gebrauchen. Deshalb werden diese so gewonnenen Fasern erneut behandelt, und so wird das zu einem wollartigen Faden. Das ist einfach Wahnsinn!“ Ihre ohnehin schon feurigen Augen glänzen vor Freude, es geschafft zu haben.

Das Faszinierende an dieser Methode ist auf der einen Seite ganz klar: das Produkt selbst. Hinzu kommt, dass dieses Verfahren gezeigt hat, dass die Herstellungsmethode im Vergleich zur traditionellen Fabrikation von Polyesterstoffen deutlich energiesparender vonstattengehen kann.
„Das ist doch faszinierend, dass wir weder natürliche Ressourcen, noch wirklich viel Energie dazu benötigen!“ In der Tat eine beeindruckende Leistung.
Stolz erzählt sie sogleich von den verschiedensten Auszeichnungen, welche man mit „Benu PET“ bereits einheimsen konnte. Doch das ist längst nicht alles, was Christian Fischbacher zu bieten hat. Als würde dies für sich alleine nicht ausreichen, zeigt Camilla auch noch ihr zweites Baby, „Benu Yarn“. Dieser Stoff besteht aus rezyklierten Baumwolltextilien. „Unser Produzent in Spanien hat Berge von Stoff-Fetzen, die er so wiederverarbeiten kann.“ Dabei ist Benu Yarn ein perfektes Beispiel, das Innovationsträger hin und wieder mal auf Heinzelmännchen angewiesen sind. Denn der spanische Hersteller kam eines schönen Tages auf die Ostschweizer Firma zu, präsentierte seine Idee und war glücklich und froh, dass seine Idee tatsächlich verstanden wurde und auf offene Ohren stiess. „Ich war gleichzeitig schon dran am PET-Stoff mit unserem amerikanischen Hersteller und so war das perfekt!“, so die Produkt-Managerin weiter. Benu-Stripe, Benu-Cube

Während der Recycling-Stoff eine schnelle Geburt erfuhr, dauerte die PET-Story fast zwei Jahre. „Ich war auf der Suche nach etwas Neuem und forderte meinen Lieferanten auf, mir etwas zu zeigen, was sie mir normalerweise nicht offerieren würden. Ganz am Ende der Präsentation haben sie uns dann schüchtern die PET-Garne vorgestellt und ich wusste: das ist es, wow!“
Aber schon bald sollte sich herausstellen, dass die Idee zwar genial, der Stoff und die Farben, die daraus resultierten, jedoch den hohen Ansprüchen des Hauses Fischbacher nicht genügten. „Oh, das war eine zähe Geschichte. Die ersten Stoffe waren hart wie ein Brett und für uns als Premium-Marke einfach unbrauchbar. Ausserdem hat man uns Farben gezeigt, bei denen mir drohte, übel zu werden. Mattgrün, ein grauenhaftes Braun, ein fürchterliches Rot. Das sah aus wie die billigen Teppiche, die in den Motels liegen, damit du nicht siehst, wenn mal was daneben geht. Das ging gar nicht!“ Camilla Fischbacher verzieht ihr Gesicht und schüttelt ihre langen schwarzen Locken aus dem Gesicht.

Da die Mission auch für den Produzenten Neuland bedeutete, entwickelte sich die ansonsten so brandheisse Idee nur zögerlich, ganz zum Ärger der ambitionierten Art Direktorin. Die Innovation war also da, aber die konkrete Idee zur kreativen Umsetzung fehlte den US-Herstellern und benötigte auf dem Weg zu Fertigstellung eines perfekten Produktes noch eine Menge Unterstützung aus der Schweiz. Wie sollte das nun zu einem gemeinsamen, brauchbaren Produkt führen? – Für Camilla Fischbacher war es fast schon ein Leidensweg. „Am Anfang stand der Stoff selbst. Wir haben dem Produzenten befohlen, er solle uns die Stoffe, die Garne zukommen lassen, weil wir diese prüfen wollten. Unser Produzent arbeitete zum Beispiel stets mit farblich gemischten Garnen, während wir hier einfärbige bevorzugen. Also baten wir sie, mit nur einer Farbe zu weben. Dann haben wir natürlich für die Stoffe selbst ein Design kreiert, welches in unser Sortiment passen musste.“ Dabei beginnt man bei Christian Fischbacher stets mit sogenannten Grundfarb-Gruppen. Die attraktive Kreative zeigt mir stolz die finale Farbpalette, welche in warmen Erdtönen erstrahlt. „Unser grösstes Problem war allerdings der Griff, die Haptik. Das war lange Zeit einfach nicht angenehm. Also hat uns der Produzent fünf verschiedene Veredelungen präsentiert. Schlussendlich fiel unsere Wahl auf eine Veredelung durch Nanotechnologie. Das Schönste daran war eigentlich, dass der Stoff dadurch nicht nur weicher, sondern auch noch schmutz- und wasserresistent wurde.“ Die Anstrengungen, welche Camilla Fischbacher die letzten zwei Jahre durchlebt hatte, sind ihr in diesem Moment deutlich ins Gesicht geschrieben.

So konnte sich das innovative PET-Garn von einem technischen Stoff hin zu einem Wohnstoff entwickeln. „Das war ein wichtiger Schritt – denn wer will damit wohnen und leben, wenn die Haptik nicht stimmt?“ – Camilla Fischbacher war so beseelt von ihrer Idee, dass sie alle Warnungen und Unkenrufe in den Wind schlug. Selbst ihr eigenes Designteam schien zwischendurch den Glauben an den innovativen Stoff verloren zu haben. „Ich sagte meinen Designern immer, dass es doch leicht sei aus einer zarten Seide etwas Schönes zu kreieren. Das ist ja nichts Spezielles! Wenn man aber aus einem schwierigen Rohstoff etwas Zauberhaftes schaffen kann, muss das doch eine Herausforderung sein!“ Allen Widerständen zum Trotz schaffte es die gebürtige Perserin, den Stoff im Herbst der Weltpresse präsentieren zu können – nicht aber ohne einen letzten Nervenkitzel durchstehen zu müssen: „Kurz bevor wir die Stoffe als Weltpremiere in Tokio präsentieren wollten, rief uns der Produzent an uns sagte: es gibt keinen Vorhangstoff. Der ist in der Veredelung kaputt gegangen! Und ich dachte: das ist doch nicht möglich. Also wurde über Nacht neu gewebt.“ Es sei brutal gewesen, erzählt uns Camilla Fischbacher und nimmt einen Schluck Kaffee, als müsste dieser mithelfen die vorangegangenen Strapazen zu überstehen. Sie klappt die Präsentationsmappe zu und lehnt sich zurück, blickt um sich. Die Mission ist geglückt. Doch damit gibt sich die schöne Produkt-Managerin nicht zufrieden: „Es wäre schön, wenn diese PET-Stoffe zum Standard werden. So wie Trevira zum Beispiel.“ Sie atmet tief durch.

„Was sagen denn die Kunden dazu“, will ich wissen. „Es war so unglaublich! Ich hatte den Stoff in Zürich gerade ausgepackt als eine Juristin unseren Shop betrat, auf den Benu PET tippte und meinte, das nehme ich, das ist perfekt!“ – Stolz schwingt in ihrer Stimme nun deutlich hörbar mit, ein zufriedenes Lächeln huscht über das hübsche Gesicht. „Wir haben wirklich alles erlebt mit diesem Stoff, was nur irgendwie hat schiefgehen können. Einer unserer Produzenten ist sogar Konkurs gegangen, musste umziehen und konnte zum Glück aufgekauft werden. Mein eigenes Designatelier erlebte in dieser Zeit Personalwechsel … ach, es war wirklich immer irgendetwas. Manchmal hab ich schon gedacht: Was will mir das Universum damit sagen?“ – Sie lacht befreit und ist froh, dass sie die Sturheit besass, ihr Projekt durchzuziehen. „Ich glaube intern hatte man auch schon den Glauben daran verloren – aber man hätte nie gewagt es mir zu sagen. Jeder wusste, dass ich daran festhalten würde. Allerdings hat man mir tausende von Erklärungen geboten, weshalb sich der Stoff nicht verkaufen wird.“ – Argumenten wie, die Menschen seien noch nicht bereit dafür, das Thema sei zu kompliziert, entkräftete Camilla Fischbacher mit entsprechenden Massnahmen, schuf Trainingsprogramme für ihr Verkaufspersonal, liess Broschüren für die Kundschaft anfertigen, um den ganzen Herstellungsprozess transparent aufzuzeigen. Noch nie hätte man solch einen Aufwand betrieben. „Normalerweise präsentierst du eine neue Kollektion und sagst allen: ist das nicht schön? Und sie sagen: super! Bei Benu war alles anders.“ Irgendwie wird man schon beim Zuhören müde und neigt dazu, selbst die Stirn in tiefe Falten zu legen. Zum Glück, kann man nun behaupten, hat sich Camilla Fischbacher auf ihre Intuition, ihr Bauchgefühl verlassen. Es habe einfach Sinn gemacht „in the big picture“. Es war eine zeitgemässe Idee und attraktiv genug, denn man müsse doch allmählich umdenken, aufhören so verschwenderisch zu sein. „Das Problem ist nur, dass neue Kreationen heutzutage sexy genug sein müssen. Sie dürfen kein Müsli-Touch haben. Das reicht nicht mehr. Das ist der neue Trend des Öko-Chic, des ,industrial chic‘ der Sinn macht, weil diese Produkte nicht wesentlich teurer sind als herkömmlich produzierte. Erst durch diese Voraussetzungen wird etwas massentauglich, konkurrenzfähig.

“ Auf Schönheit verzichten will man eben doch nicht. Hat man jedoch die Wahl zwischen einem schönen ökologischen Produkt und einem attraktiven herkömmlichen Produkt, dann wird der Konsument beginnen, grüner zu denken und zu handeln. „Schönheit mit gutem Gewissen – das ist doch die perfekte Liaison. Jetzt hoffe ich, dass wir noch mehr Variationen mit PET-Stoffen zeigen können, um die Mission weiterzuentwickeln.“ Stehenbleiben ist offenbar für Kreative kein gangbarer Weg.
Als sich Camilla Fischbacher später von mir verabschiedet erzählt sie noch von einem Hersteller, der Stoffe aus Milch herstellen kann. „Aber im Moment kann ich nicht mit sowas ankommen“ und lacht herzhaft. Ich würde sagen, wir bleiben dran. Ganz unbedingt!

« Weiterführende Informationen:
www.fischbacher.com
www.benu.fischbacher.com

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