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LUC DONCKERWOLKE. DESIGNER. KÜNSTLER. VISIONÄR.

“Wir möchten mit Seat die Frauen noch stärker ansprechen als bisher”lld01_01-1

Luc Donckerwolke ist eine derart faszinierende Persönlichkeit, dass wir gar nicht so recht wissen, wo wir beginnen sollen. Bei seinen Arbeitgebern vielleicht? – Er kreierte schon für Bugatti, Lamborghini, Audi, Skoda und nun für SEAT. Bei seinen Kreationen? – Dazu zählen unter anderem der Lamborghini Murciélago und Gallardo, der Audi A2 und A4 Avant, der R8 Le Mans, der Skoda Octavia oder die atemberaubende SEAT Studie „Tribu“, welche letzten Herbst an der IAA in Frankfurt vorgestellt wurde. Oder beginnen wir bei seiner Kreativkraft? – „Etwas wirklich Neues zu schaffen, geht nur durch die Augen eines anderen“. Dieser Satz macht Luc Donckerwolke so besonders. Er wagt es, Autos mit den Augen eines Architekten, eines Schmuck- oder Fashiondesigners zu sehen – oder eben, mit den Augen einer Frau. Ladies Drive durfte Luc Donckerwolke, als einer der ersten Medienverter der Schweiz, in seiner neuer Kreativstätte in Martorell über die Schulter schauen.
Text: Sandra-Stella Triebl

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Martorell, das Zuhause der spanischen Traditionsmarke SEAT. Seit November steht auf dem Areal des Autoherstellers ein neues Gebäude: Das Designcenter von Luc Donckerwolke, seines Zeichens Chefdesigner von SEAT. Man empfängt uns herzlich. Unkompliziert. Ein grosser Glastisch schmückt sein zurückhaltend eingerichtetes Büro, an den Wänden Comiczeichnungen – eine von Donckerwolke’s Lieblingsbeschäftigungen. Von seinem Büro aus blickt man direkt in die Werkstatt, wo graue Abdeckplanen die neusten Kreationen von SEAT verhüllen. Hier sieht jeder jeden – das Kreativzentrum in Martorell ist ein wahrer Glaspalast. Neugierig blicken wir uns um. Dann erscheint er, geschätzte Mitte 40, elegant gekleidet und mit einem sanften Lächeln auf den Lippen. Unprätentiös und warmherzig. „Danke, dass Sie uns hier empfangen“ beginne ich. „Aber gerne“ erwidert er und beobachtet uns neugierig, wie wir unsere erste Ladies Drive Ausgabe auspacken und auf den Tisch legen. „Das ist spannend, was Sie da machen“ kommentiert er und ergänzt: „Man kann nur neue, interessante Lösungen auf den Markt bringen, wenn man die Parameter ändert. Etwas Neues zu schaffen, geht nur durch die Augen eines anderen. Die meisten Autos werden doch von Frauen gekauft oder der Kauf wird von Frauen beeinflusst, auch demografisch bilden sie  den grössten Teil der Bevölkerung“. Die Entwicklung von Autos wird heute grösstenteils von Männern realisiert, dies sei nicht ideal, so der SEAT Chefdesigner und kündigt gleich an, Frauenkarrieren bei SEAT künftig noch stärker zu fördern. “Wir müssen im Designprozess mehr Facetten haben. Der grösste Fehler wäre allerdings ein „Frauenauto“ zu lancieren. Das entspricht meiner Meinung nach eher einem Klischee-Auto, das einem fast schon karrikaturierten Bild einer Käuferschicht entspricht“ konstatiert Donckerwolke und fügt an: „Es gibt kein Frauenauto, es existiert nicht! Es gibt lediglich eine andere Art der Betrachtung in Esthetik und Funktion. Es geht dabei aber nicht nur um Farben. Es braucht doch mehr als eine Schublade unter dem Sitz für die Highheels“. Man spürt, dass Luc Donckerwolke ein Auto entwickeln möchte, das Frauen anspricht, ohne allerdings dabei in die Verlegenheit zu kommen, klischeehafte Ideenregister ziehen zu müssen. Umdenken ist angesagt. „Wenn Sie ein getuntes Auto sehen und da sitzt eine Frau drin, ist man doch schon irritiert.  Da muss die Automobilindustrie umdenken – das hat man bisher leider mit zu wenig Energie getan“ so Donckerwolke’s Analyse.

Seit 15 Jahren zeichnet Luc Donckerwolke professionell Autos – eigentlich ist der Posten des Chefdesigners von Lamborghini doch der Traumjob schlechthin, möchte man denken. Doch der gebürtige Belgier denkt da anders. Er langweile sich schnell, gibt er zu. „Meine Designer produzieren zwischen 5 – 25 Skizzen pro Tag. Ich mache selber welche…man hat so viele Ideen – wenn ich die nach immer der gleichen Methodologie auswähle wird alles austauschbar. Je mehr ich mein eigenes System hinterfrage, desto interessanter werden meine Designs“. Diese Ausführungen geben erste Einblicke in das Wesen eines Designers, der im Grunde seines Herzens ein Künstler ist und nichts als seine Kunst im Visier hat. Während er bei Lamborghini in Italien in einem Turm aus dem 14. Jahrhundert gelebt hat, bewohnt er hier ein topmodernes Haus aus Glas und Beton an der Künste. „Das ist nicht mein Traum“ erzählt er uns stirnrunzelnd. Aber es musste sein, weil er den Kontakt und die Nähe zum Werk und seinen Mitarbeitern braucht. Nein, ein Chef sei er nicht. Luc Donckerwolke lächelt fast verlegen und blickt stolz um sich. „Ich bin nicht auf die Welt gekommen um Chef zu sein, ich will Designer sein…ich bin auch kein guter Manager. Ich brauche eine administrative Unterstützung, die mich entlastet. Und ich brauche Kontakt zu meinen Leuten, will kurze Wege und Prozesse – deshalb ist bei uns alles aus Glas“.

Luc Donckerwolke ist hier eigentlich mehr zu Hause, als in seinem Designerhaus an der spanischen Meeresküste. Seine Arbeit ist sein zu Hause, seine Kollegen bei SEAT seine Familie. „Hier habe ich eine Identität, draussen bin ich niemand, da muss ich mich stets ein bisschen verstellen. Nur bei meiner Arbeit kann ich ich selbst sein“.

Seine Offenheit ist entwaffnend.

Die Mission, die sich ihm nun in Martorell stellt, ist zum einen eine neue Designphilosophie zu kreieren und gleichzeitig zum Qualitätsführer zu avancieren. „Wir reden da von mehr Schärfe, von Emotionen, von Spannung – das sind Themen, die ich als SEAT Gewürze sehe“. Luc Donckerwolke’s Ton wird bestimmter. „Wir arbeiten an den SEAT Modellen für das Jahr 2010. Die Modelle von 2010 haben ein sogenanntes Designfreeze bekomme. Das geschieht jeweils 2 Jahre vor Fertigung. Dies bedeutet wiederum, dass diese Autos bis 2017/2018 auf der Strasse sein werden“. Wir ahnen langsam, in welchen Zeithorizonten man beim Autodesign denkt und agiert. Wer heute für das Jahr 2017 Autos kreiert, muss ganz schön visionär sein. Damit SEAT innovativ und visionär sein kann, hat sich Luc Donckerwolke Kollegen seiner bisherigen Arbeitgeber Lamborghini, Audi und Bentley nach Martorell geholt. Sie unterstützen ihn, entlasten ihn auch im administrativen Bereich, sodass er das machen kann, was er so sehr liebt: „Mit Autos spielen. Ich kann kaum glauben, dass mir seriöse Menschen Geld dafür zahlen, dass ich zeichne und mit Autos spiele“. Sein Grinsen wird breiter und breiter. Doch plötzlich verfinstert sich seine Mine. Er wird nachdenklich, neigt den Kopf zur Seite. „Aber mein Start hier war nicht ganz einfach. Als ich hierher kam, sollte ich plötzlich über 100 Menschen führen. Deshalb hab ich den Job gleich zweimal abgelehnt – nicht wegen SEAT, sondern weil ich wusste, dass ich alles neu lernen müsste“. Man spürt, dass der Abschied von Italien und seiner Lamborghini Familie schwer fiel, mit der er übrigens noch täglich telefoniert. Sechs Monate habe er verloren, weil er sich bei SEAT erst mal um Administratives kümmern musste und keine Zeit mehr für Designs hatte. „Ich hatte eine totale Krise. Dann hatte ich diese Inspiration den Finanzcontroller von Lamborghini zu holen. Erst durch seine Hilfe hab ich wieder begonnen zu leben zu denken“ und zu zeichnen. Luc Donckerwolke will nur eines: Kreativ sein. Er selbst analysiert seinen Kreativ-Tiefpunkt zu Beginn seiner Karriere bei SEAT wie folgt: „Ich denke, ein Designer hat keine anderen Ambitionen als zu designen, etwas zu kreieren und wieder zu zerstören, zu schauen, wie etwas funktioniert…es ist kein Job. Man geht nicht ins Büro und beginnt mit einer Tätigkeit. Designer ist man ständig. Man muss ständig Dinge sehen und hören, das Unterbewusstsein muss Ideen aufnehmen, die sich transformieren. Ich gehe nie nach Hause und höre auf zu arbeiten“. Da ist er wieder. Der Künstler in Luc Donckerwolke, der stärker ist als alles andere in ihm. Einen Moment lang ist es ganz still im Büro des berühmten und mehrfach ausgezeichneten Designers. Wenn er nicht arbeiten kann, fühlt er sich sanktioniert, sagt er, ist unglücklich. Doch gerade Tiefschläge und Krisen sind es, die die Batterien von so manch kreativem Menschen wieder aufzuladen vermögen. Luc Donckerwolke erlebte drei grosse Krisen in seinem Leben. Zuerst als er als 4jähriges Kind an Diphterie erkrankte. Im Krankenbett begann er plötzlich zu zeichnen und entdeckte so seine Passion erstmals für sich selbst. Eine zweite folgte nach dem Ingegnieurstudium. Nach seiner Diplomarbeit besuchte er die Eltern in Bolivien. Dort steckte er sich mit Hepatitis an. Es war auch diesmal eine Krankheit, die ihn, ans Bett gefesselt, zum zeichnen brachte. Was ihn wiederaufatmen liess? – Sich von seiner Krise zu befreien. Die Umstände derart zu verändern, dass er wieder sich selbst sein konnte. Und so erging es ihm auch diesesmal. „Mir geht es jeden Tag besser. Ich sitze auf meinem eigenen Stuhl, habe mein eigenes Team und bald sieht man auch meine eigenen Produkte. Am Automobilsalon in Genf stelle ich erstmals meine Familie vor“. Seine Augen strahlen. Man spürt wie sehr er sich auf die Reaktionen und die Präsentation seiner ersten eigenen SEAT Modelle freut. Für Luc Donckerwolke gehört  allerdings ein gewisster Grad an leidvoller Erfahrung zum Kreativprozess. „ Kreativität entsteht nicht am Strand unter blauem Himmel“. Um kreativ sein zu können, muss man den Kopf immer auch ein bisschen in den Wolken haben und wenn man darüber hinaus auch noch innovativ sein soll, darf einen die Zukunft in keinster Weise erschrecken: „Man kann keine Visionen von Menschen erwarten, die Angst haben. Man muss immer träumen. Man muss immer abwesend sein. Das ist für die Menschen, die mit einem leben nicht einfach“. Das Leben eines Kreativen kann also auch ganz schön einsam machen. Was einen entschädigt ist die Energie, die man während des kreativen Aktes empfindet, die man spürt, wenn seine eigenen Ideen Realität werden.

Und Donckerwolkes Ideen werden noch in diesem Jahr Realität. Seine Vision: Ein Auto zu bauen, das sich noch besser an den Lifestyle der Kunden anpasst, ein Design, dass Anleihen aus dem Bereich Schmuck und Fashion nimmt. Und da werden wir hellhörig. Ein Auto ist für viele Frauen mehr als nur ein fahrbarer Untersatz – das weiss auch Luc Donckerwolke schon längst. „Frauen wissen mehr was sie brauchen als Männer – normalerweise. Männer wissen das etwas nicht bequem ist, wissen aber nicht warum. Männer denken an die primäre Funktion. Frauen denken mehr an die Erfüllung eines gewissen Komforts, wenn die Funktion erfüllt ist“. Deshalb brauche man die Sichtweise von Frauen sehr nötig im Automobilbau. Doch wieso verspricht sich der Designer so viel von der weiblichen Intuition? – „Weil das Esthetikgefühl von Frauen jeden Tag herausgeforder ist. Ein Mann kann durchs Leben gehen ohne je zu wissen, ob etwas esthetisch ist“. Luc Donckerwolke lacht befreit. Doch der weibliche Nachwuchs ist nur limitiert vorhanden. Weniger als 3 Prozent beträgt der Frauenanteil an den Industriedesignschulen. Der SEAT Chefdesigner hat einen Plan B: „Ich werde in anderen Bereichen, bei den Schmuck- oder Modeschulen Ausschau halten“.

Und wir ahnen es, als er diese Worte ausspricht, dass bereits mehr als nur eine Idee dahinter steckt. Tatsächlich verrät uns Luc Donckerwolke schon kurze Zeit später, dass er ein gemeinsames Projekt mit Angel Custodio von Custo Barcelona plant. So will SEAT in Zukunft neue Marktsegmente erschliessen, denn das Auto alleine wird dazu nicht reichen, ist Donckerwolke überzeugt. Seine Augen blitzen, als er uns von den gemeinsamen Plänen mit Custo erzählt. Ob er sich vorstellen könnte auch selbst Kleider zu designen? – „Ich schau erst mal wie Angel Custodio das macht. Aber es ist nicht unmöglich. Aber das kann nur funktionieren, wenn ich weiss, das der Beitrag in diese Welt die gleiche Qualität haben kann, wie die meiner Designs für Autos“. Da spricht ein Perfektionist, der seine Mission im Leben nicht darin sieht, etwas halbherziges zu machen. Luc Donckerwolke will sich einbringen. Mit Haut und Haar, Herz und Verstand – und vor allem mit Seele und all der Kreativität, die sich in jeder Faser seines Körpers verbirgt.

2008 ist das Jahr, in welchem wir Luc Donckerwolke’s Familie kennenlernen dürfen. Wir sind gespannt darauf.

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