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LANCIA-CHEFDESIGNER MARCO TENCONE

„In Zukunft werden Knöpfe in der Tür verschwinden, wenn wir sie nicht mehr brauchen.“ ld_no02_pdfteaser01
Ein Auto für Frauen zu designen ist gänzlich anders, als eines für eine primär männliche Kundschaft zu entwickeln. Dies sind die Worte eines Mannes, der es wissen muss. Marco Tencone ist Chefdesigner von Lancia und arbeitet seit 1993 im Centro Stile von Lancia in Turin. „Frauen bevorzugen dosierte Proportionen und eine feine Linienführung“, erzählt der nachdenklich wirkende Italiener im Ladies Drive-Interview und verrät uns auch gleich noch seine faszinierenden Visionen der Dematerialisation des Interieurs.
Text: Sandra-Stella & Sebastian Triebl

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Ladies Drive: Herr Tencone – uns beschäftigt immer wieder die Frage nach dem unterschiedlichen Zugang von Frauen und Männern zum Auto. Als Chefdesigner von Lancia, einer eher weiblich assoziierten Marke, können Sie uns diese Unterschiede sicher skizzieren…
Marco Tencone: Sie haben recht. Lancia wird innerhalb des Fiat Konzerns anders wahrgenommen als beispielsweise Alfa Romeo. Viele Damen bevorzugen innovative Formen, wollen aber nichts Übertriebenes, lieben eher wohl dosierte Proportionen. Beim Interieur steht die „sensazione generale“, so ein ganzheitliches Wohlfühl-Gefühl im Vordergrund. Frauen achten auch auf die vielen kleinen Details, lieben das Spiel zwischen kalten und warmen Farben, den Mix zwischen Stoff, Metall und Naturmaterialien wie Leder. Diese „Feminilità“, die Weiblichkeit hat also auch tatsächlich technologische Aspekte – nicht nur rein emotionale.

Ladies Drive: Wie erklären Sie sich die Existenz dieses Unterschiedes eigentlich?
Marco Tencone: Es liegt viel an den Genen. Frauen schauen einfach generell mehr auf Nützlichkeit, Details und Raumgefühl, haben häufig eine höhere Affinität zu Kultur. Ich nenne Ihnen gerne noch ein ganz praktisches Beispiel: Frauen bevorzugen beispielsweise eine höhere Sitzposition. So versuchen wir, diesen Fakt auch beim Design unserer Autos zu berücksichtigen, wählen entsprechende Linienführungen. Und das betrifft übrigens nicht nur die Offroader – Frauen mögen diese höhere Sitzposition offenbar auch, weil sie Schutz zu geben scheint.

Ladies Drive: Was lieben Frauen an Autos noch?
Marco Tencone: Gemäss unseren Erfahrungen beim Exterieur insbesondere den Ausdruck der Frontpartie. Jedes Auto hat ein Gesicht – Frauen mögens generell eher freundlicher, weniger aggressiv. Beim Interieur lieben Frauen eine angenehme Haptik und die Kombination von Materialien.

Ladies Drive: Gehen Frauen mit ihrem Auto denn auf eine gewisse Art und Weise feinfühliger um?
Marco Tencone: So könnte man es ausdrücken. Bei Männern beobachten wir häufig, dass sie, wenn sie sich in ein neues Auto setzen, erst mal das Lenkrad in die Hand nehmen, um zu sehen, ob sie dieses Gefährt auch lenken können. Frauen erfühlen ein Auto mehr.

Ladies Drive: Arbeiten denn eigentlich auch Frauen in Ihrem Team?
Marco Tencone: Ja, beim Interior Design und bei den Materialien. Sie bringen eine neue Dimension mit ein – das ist wichtig.

Ladies Drive: Die Autodesign-Welt war ja lange reine Männersache. Gibt es denn auch Star-Designerinnen?
Marco Tencone: (überlegt…nach einer längeren Pause) Ich würde keine kennen. Normalerweise sind Frauen bei den Materialien tätig, beim Interieur Design, doch immer häufiger auch beim Exterior Design. Den Grund hierfür kenne ich nicht. Vielleicht ändert sich das ja auch noch, genauso wie sich die Vorlieben für Autos ändern. Wo ich absolut überzeugt bin: Es gibt kein typisches Frauenauto. Ein Auto ist heutzutage Lifestyle.

Ladies Drive: Dann lassen Sie sich beim Design von Lancia vom aktuellen Lifestyle inspirieren?
Marco Tencone: Es gibt verschiedene Niveaus beim Design, unterschiedliche Inspirationen und Inspirationsquellen. Wenn ich designe, sehe ich die Funktion. Wie bei einer Kaffeetasse (greift nach seiner leeren Espresso Tasse). Ein Auto ist komplex, wie ein Körper, der durch Volumen und Grafik definiert und unterschiedlich interpretiert werden kann. So kann man auch gewisse Elemente unterstreichen, die dann femininer wirken. Es gibt beispielsweise Fahrzeuge von Alfa Romeo, die sehr maskulös, voluminös wirken – wie ein sportiver, muskulöser Körper. Lancia hingegen arbeitet eher mit weichen, sanften Linien. Die vermitteln mehr Eleganz. Wir setzen auf saubere, klare, nicht zu starke, also eher morbide Formen.

Ladies Drive: Dann müssten Frauen ja eigentlich den muskulösen Alfa lieben und Männer den zarten Lancia….?
Marco Tencone: Kann sein (grinst verschmitzt). Aber im Auto erkennt man sich wieder. Das ist wie eine zweite Haut oder ein Kleid. Deshalb, so meine These, sind Männer von muskulösen Formen angezogen, Frauen von Eleganteren.

Ladies Drive: Herr Tencone – was inspiriert Sie besonders?
Marco Tencone: Oh, das ist nicht so einfach. Viele, viele Dinge. In unserer Lancia Sprache arbeiten wir mit langgestreckten Kurven. In der Architektur finden wir das auch. Es gibt einen spanischen Architekten, Callatrava, der eine ähnliche Formensprache hat. Oder Philippe Starck. Kreativ zu sein ist eine generelle Lebenseinstellung, eine Haltung. Wichtig ist für Lancia eine Sprache zu finden, die Reichtum in der Einfachheit abbildet.

Ladies Drive: Sehen Sie sich eigentlich als Künstler, Designer, automobiler Architekt…?
Marco Tencone: Ein Designer ist ein seltsames Wesen – wir kombinieren ja viele Dinge und manchmal ist es mehr wie eine Mediation, die man herstellen muss zwischen diesen Dingen. Man braucht technisches und künstlerisches Potenzial. Aber auch ein Talent zur Mediation, weil die eigenen Ideale und das Machbare oft nicht übereinstimmen. Nur Künstler sein geht meist nicht – nur Techniker sein aber ebenso wenig.

Ladies Drive: In welchen Momenten fühlen Sie sich am glücklichsten während Ihrer Arbeit?
Marco Tencone: Wenn man mit der Arbeit an einem neuen Projekt beginnt, geht oft eine Art von kreativem Leiden voraus, das einen antreibt. Und da gibt es diesen Glücksmoment, wenn man etwas gefunden hat. Es gibt aber auch Momente, wenn man sein Design verteidigen muss. Das ist weniger schön. Ab dem Zeitpunkt des Design Freeze, wo man also die kreative Arbeit am Design beendet, ist es als tappe man in einem dunklen Tunnel. Man erwartet den Start der Produktion und dann sieht man endlich den Prototyp. Man ist unglaublich neugierig und nervös zu diesem Zeitpunkt – ich stehe regelmässig tausend Änste aus, dass alles nicht so aussieht, wie ich es mir gedacht habe, dass es gar hässlich sein könnte. Es ist wie eine „Opera D’ Arte“ – man lebt und leidet. Der nächste spannende Moment ist der, in welchem sich dein Design das erste mal auf der Strasse bewegt. Und da passiert es mir häufig, dass ich „meine“ Autos, wenn ich sie dann im Strassenbild wiedererkenne, neu entdecke und ganz schön stolz bin.  Aber der leidvollste Moment ist bei mir vor einem kommerziellen Launch eines neuen Modells. Dann spielt sich ein Film vor deinen Augen ab, der zwei oder auch drei Jahre Arbeit beinhält und man ist einfach nur froh und glücklich, wenn die Journalisten, die das Auto als allererste sehen, es auch mögen.

Ladies Drive: Wie schafft man es in seinen Designs visionär zu sein, etwas in der Zeit vorneweg zu nehmen?
Marco Tencone:
Wenn man in sich selbst nicht spürt, dass man die Kraft hat, etwas Neues, Visionäres zu gestalten, kann es nicht gelingen. In gewissem Sinne ist das schönste an unserer Arbeit, dieser Diskurs, der sich immer wiederholt– es ist wie eine Wiedergeburt.

Ladies Drive: Verraten Sie uns  Ihre persönliche automobile Vision für die Zukunft?
Marco Tencone: (seine Augen beginnen zu glänzen) Ich glaube, wir sind noch zu sehr an physische Dinge gekettet. Soll heissen: Da muss ein Navi hin, also ist da auch eines, ein grosses, obwohl es auf dem Markt längst viele kleine Navigationsgeräte gibt. Hier kommt ein Knopf hin, der ist immer da. All diese Dinge verschlingen Platz und lassen uns Designern kaum Raum, Neues zu entwickeln. Ich glaube, in Zukunft werden wir mehr an zwei Dingen arbeiten: Am Ambiente und daran, diesem Raum, den wir im Auto haben mit verschiedenen Stimmungen zu beleben – beispielsweise durch verschiedenartige Beleuchtungskonzepte. Der zweite Punkt ist das, was ich zu Beginn angesprochen habe: Eine Art von Dematerialisation. Es gibt Materialien, die durch einen elektrischen Impuls ihre Form verändern können. Das heisst, wir können in Zukunft genau die Funktionen abrufen, die wir gerade brauchen. Die Mikrotechnologie geht so stark voran, dass dies im Automobilbau realisierbar wäre und zwar bereits in wenigen Jahren. Das gilt auch für Tasten und Knöpfe.  Dies bedeutet dass man beim Design nicht mehr so viele Kompromisse eingehen muss, weil ein Knopf beispielsweise einfach in der Tür verschwindet, wenn wir ihn nicht mehr brauchen.

Ladies Drive: Wow…das klingt absolut faszinierend….gibt es noch mehr Designideen auf die wir uns freuen können?
Marco Tencone: Wir arbeiten gerade am Thema „Schlüssel“ – den trägt man ja schliesslich immer mit sich rum, legt ihn vielleicht sogar auf den Tisch.  Wenn das jemand wünscht, soll der Schlüssel ebenfalls zum Designstück avancieren: Ich möchte gerne den Schlüssel wie ein Schmuckstück kreieren. Diesen Freiraum haben wir bei Lancia. Wenn das also jemand mit Juwelen beschmückt haben möchte, sollte er es haben können…

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  1. Designerfrage? : Lancia

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