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HAMAM

Wie uns der Hamam im Schweizerhof auf der Lenzerheide verführteHAMAM PDF

Text: Sandra-Stella Triebl & Sebastian Triebl, Fotos: Schweizerhof

Hamam – hm. Schon mal gehört. Ein im iranischen Kulturkreis, im arabischen Raum und in der Türkei wichtiger Bestandteil der Bade- und Körperkultur, lesen wir nach. Und so was soll’s als zeitgenössisch architektonisch umgesetztes Gesamtkunstwerk mitten in der eidgenössischen Alpenlandschaft geben? Zwischen Edelweiss und Bergseen? – Neugierig geworden, machten wir uns auf den Weg Richtung Lenzerheide, in den Hamam der Alpen.
Noch keine zehn Minuten auf der Lenzerheide, pilgern wir auch schon Richtung Wellness-Bereich, so dermassen neugierig sind wir, was uns an Design, Architektur und Dampfbad hier erwartet. Auf dem Weg zu den Umkleidekabinen besprechen wir noch strategische Entscheidungen des Verlages, diskutieren den bevorstehenden Redaktionsschluss und die unzähligen To Dos. Man verpasst uns am Eingang zu den Garderoben einen Pestemal, ein weisses, dünnes Baumwolltuch, welches uns im Hamam seidig verhüllen soll. „Darunter aber alles ausziehen“, flüstert die Empfangsdame leise. Ich lege meine Stirn in Falten, daran denkend, dass ich mal keinen Blackberry, kein Notizbuch zur Verfügung haben werde. Und dies für mehr als 30 Minuten. Meine Schultern, mein Nacken schmerzen – wie immer, wenn ich Stress habe. „Schaun wir mal“, denke ich mir.

Doch schon im Umkleideraum holen uns die Gerüche des Hamams ab, der Öle, die nach Zitrone oder Minze riechen. Wir werden von der Stille eingelullt, vom Zeremoniell, das weder pure Nacktheit zelebriert noch Badehosenzauber. Es hat eher was von Bade-Uniform. Der Pestemal macht uns alle so herrlich gleich. Schon unter der Regendusche vergesse ich die ersten To Dos und was daraufhin folgt, könnte man fast schon als pränatale Erfahrung bezeichnen.
Die Höhle, in die man in der Folge eintritt, verschlingt einen. Doch es ist weder Grotto-Stil noch stylischer Wellnessraum, was wir hier vorfinden. Clean und dennoch organisch, raumschiffartig. Cineasten könnten gar an die Stanley-Kubrick-Verfilmung 2010 denken. Die Wände, deren Materialität nicht auf den ersten Blick definierbar ist, scheinen rostig und überraschen mit einem warmen Farbenspiel, schimmernd, facettenreich, mal golden, mal rötlich, dann wieder schillernd blau oder grau.
HamamWir durchwandern die verschiedenen Räume – im ersten Messingschalen aus dem Orient, nur leichter Dampf zum Einstimmen. Der zweite Raum ist dann in helleres und kälteres Licht getaucht, für ein Handschuh-Peeling mit Seife. Spätestens im dritten hat man die Welt um sich vergessen. Im Bad erleben wir die totale Abschottung alles Weltlichen. Man spürt die Leichtigkeit, geniesst das Lichtspiel an den Wänden, taucht ein in die Architektur des dunklen Raums, der einen vergessen lässt. In Nummer vier erwartet uns dichter, warmer Dampf, bevor wir uns auf dem riesigen Nabelstein zur Ruhe legen – die Härte als Gegensatz zur Weichheit der Wärme, zum stilisierten Sternenhimmel an der Decke empfindend, der uns fühlen lässt wie Peter Pan. Wer nun noch nicht genug hat, darf sich in eine zentimeterdicke Schlammpackung hüllen oder eine Massage mit Ölen oder Schaum gönnen.
Nur widerwillig verlässt man dieses Kleinod der Glückseligkeit, diese dampfende Anonymität, wo alle Menschen gleich feucht und gleich weiss angezogen aussehen – und lässt es sich gleich noch mal gut gehen – im wieder europäisch hellen Ruheraum mit Trockenfrüchten und türkischen Süssigkeiten. Um wieder zu sich zu kommen, auszuruhen, mit Pfefferminztee die Lebensgeister in sich aufkeimen zu spüren.
Wider Erwarten bot mir der Hamam auch Zeit zum Nachdenken. Der Kokon hatte mich fest umhüllt, dabei alle meine Sinne geweckt und gleichsam reduziert. Ein Hamam, besonders dieser eine, ist kein Spa mit schönem Blick über die Stadt, wo man mit der Aussenwelt verhaftet bleiben kann. Man durchschreitet ein Abschottungsstadium nach dem anderen.
Seit dem Mittelalter kennt man den Hamam – und wir erst seit zweieinhalb Stunden! Wir sind beide hin und weg. Zum krönenden Abschluss geniessen wir das Zitronenöl, welches im Übrigen aus St. Moritz stammt, und so fliessen Hamamerlebnis und Gegenwart wieder allmählich ineinander über.
Mit noch immer deutlich verschrumpelten Fingerkuppen sitzen wir kurze Zeit später unserer Gastgeberin Claudia Züllig-Landolt gegenüber. Sie scheint es zu ahnen, fragt aber trotzdem neugierig: „Na, wie war’s?“ – Unsere Augen leuchten. Die Antwort bleiben wir ihr schuldig. Sie nickt verständnisvoll. Ein Hamam in den Alpen in einem Viersternehaus auf diese Weise umzusetzen braucht Mut.

Ladies Drive: Woher kam die Idee überhaupt? – Es gibt ja doch nach wie vor nur sehr wenige Hamams in der Schweiz …
Claudia Züllig-Landolt:
Unsere Inspiration entstand eigentlich beim Besuch des Hamams im Hotel Castell in Zuoz. Dieser persönliche Besuch hat uns schlichtweg beeindruckt. Ausserdem haben wir entdeckt, dass in einigen Design-Hotels in den USA zu dieser Zeit ebenfalls Hamams entstanden sind.
Ladies Drive: Wie lange haben Sie an dieser Idee gebrütet?
Claudia Züllig-Landolt:
Wir hatten einen Eigentümer innerhalb unseres Hotels, welcher gegen unseren geplanten Umbau, der vorsah, aus der Tennishalle ein Hotel mit Zimmern zu bauen, bis vors Bundesgericht ging. Dies kostete uns drei Jahre Zeit. Schlussendlich war es fast schon eine glückliche Fügung. In dieser Zeit kamen die ersten „Design-Wellnessanlagen“ in der Schweiz auf und so konnten wir auch die richtigen Schlüsse und Massnahmen für unser eigenes Berg-Spa daraus ziehen.
Ladies Drive:
Wo ist für Sie der schönste, der perfekteste Ort in Ihrem 500 Quadratmeter grossen Hamam?
Claudia Züllig-Landolt:
Für uns ist es der Moment, in dem man den Hauptraum betritt. Es ist einfach ein „Wow-Effekt“, ein Eintauchen und Abtauchen, aber auch der schlichte Ruheraum ist einzigartig für die Entspannung.
Ladies Drive: Sie haben also drei Jahre für den Hamam gekämpft, fünf Millionen Franken ausgegeben – wie war es, als Sie den Bau erstmals betreten haben?
Claudia Züllig-Landolt:
Als das Ganze begann, Formen anzunehmen und ich erstmals die Vision wahrnehmen konnte, sind mir fast die Tränen gekommen …
Ladies Drive:
Wie wichtig war Ihnen das Design, die Architektur des Hamams?
HamamClaudia Züllig-Landolt:
Es war von Beginn an zentral für uns, dass die Wellness-Oase über eine moderne Architektur verfügt. Da war natürlich die Zusammenarbeit mit Max Dudler ein riesiger Glücksfall, denn seine Architektur ist geprägt vom Minimalismus. Ausserdem war uns wichtig, die Kunst am Bau in die Architektur einzufügen. Den Innenraum inklusive Wasserbecken hat unser Freund, der Zürcher Mayo Bucher, künstlerisch gestaltet. Es handelt sich um eine spezielle Farbe, die je nach Lichteinfall in anderen Nuancen schillert. Es sind sogenannte Interferenz-Farben, die in mehreren Schichten aufgetragen werden und so perlmuttartig erscheinen.
Ladies Drive:
Haben Sie lange nach den richtigen Materialien gesucht?
Claudia Züllig-Landolt:
An einer Messe haben wir den Natura-Floor entdeckt, den wir anstelle des Marmors einsetzen wollten. Ansonsten haben wir uns mit Max Dudler ausgetauscht.
Ladies Drive:
Reagieren Frauen und Männer unterschiedlich auf den Hamam?
Claudia Züllig-Landolt:
Die Frauen sind meist eher spontaner und die Männer etwas zurückhaltender – vor allem wenn die Gäste einen Hamam noch nicht kennen. Doch das Hamam-Erlebnis ist vor allem als Paar, egal ob mit Partner oder Freunden, sehr angenehm. Nach der Eröffnung haben wir spezielle Frauen- und Männerabende angeboten. Nun, die Frauenabende, mit Musik und Häppchen bieten wir nach wie vor an drei bis vier Abenden pro Jahr sehr erfolgreich an. Ein Männerabend ist leider nie zustande gekommen – hier scheinen die Männer eher eine Hemmschwelle zu haben.
Ladies Drive:
Weshalb haben Sie sich für den Architekten Max Dudler entschieden?
Claudia Züllig-Landolt:
Unser ehemaliger Hallenbad-Erbauer hat den Kontakt zum Architekturbüro Max Dudler hergestellt und dieser hat sich spontan für die Idee begeistern lassen. Es war für uns somit ein überaus glücklicher Zufall, dass wir mit ihm zusammenarbeiten konnten. Wir sind auch heute noch nach wie vor glücklich, dass wir unsere Träume in dieser Art und Weise so umsetzen konnten. Perfekt für uns war ebenfalls die Kombination der Zusammenarbeit zwischen dem Architekten Max Dudler und dem Zürcher Künstler Mayo Bucher.

Max Dudler – eine Ikone unter den Architekten – hat ein inmitten der idyllischen Bergkräuterlandschaft auf der Lenzerheide eine arabisch inspirierte Dampfoase kreiert, die insbesondere durch klare Strukturen und ineinander spielende Materialitäten imponiert.
Man sagt über Dudler, dass er den Rationalismus der Gegenwartsarchitektur mit einem Schweizer Minimalismus durchsetze.

 

Ladies Drive: Inwiefern findet sich diese Aussage in Bezug auf Ihr Schaffen auf der Lenzerheide wieder?
Mark van Kleef (verantwortlicher Projektleiter bei Max Dudler):
Ein Hamambesuch stellt ein sehr sinnliches Erlebnis dar, geht einher mit Ruhe und Entspannung. Unsere Architektursprache kommt dieser Bauaufgabe enorm entgegen. Klare Raumeinteilungen rund um einen zentralen Raum sollen die Orientierung ermöglichen, der Gast soll Ruhe und Erholung finden und sich physisch auf die Räume einlassen, entsprechend sind auch die Materialien eingesetzt, hier reichen einige Farben und die künstlerischen Farbakzente des Künstlers Mayo Bucher vollends.
Ladies Drive:
Was war Ihnen bei der Kreation des Hamams für den Schweizerhof am wichtigsten?
Mark van Kleef:
Die Klarheit und die Proportion der Räume.
Ladies Drive:
Was war das Reizvolle an diesem Auftrag? – Vielleicht auch im Vergleich zum Bau eines Geschäftshauses oder Museums?
Mark van Kleef: Die physischen und psychologischen Aspekte eines Hamams sind sehr gross, Dampf, Wasser, die haptische und subjektive Wahrnehmung der einzelnen Besucher wird beansprucht, während störende Reize möglichst vermieden werden. Dies baulich umzusetzen, ist einmalig.
Ladies Drive:
Mit welchen Materialien haben Sie gearbeitet – und was lieben Sie an diesen Materialien besonders?
Mark van Kleef:
Der traditionelle Hamam ist in der Regel aus Stein und Keramik gebaut. An diese Tradition haben wir uns angelehnt. Uns lag es aber fern, eine historisierende Badewelt zu bauen, sondern wir haben eine zeitlose Umsetzung gewählt. Aus unserer Sicht ist diese Haltung langfristig und vermeidet eine beliebige modische Erscheinung, welche oft schnelllebig ist.
Ladies Drive:
Im Vergleich zu anderen Hamams fiel uns auf, dass wir selbst den Besuch als eine Art „pränatale Erfahrung“ erlebt haben. Die feuchte Wärme, die Dunkelheit, auch die räumliche Enge …, können Sie dies nachvollziehen?
Mark van Kleef:
Das sinnliche Erlebnis soll in allen Facetten im Vordergrund stehen, hierzu braucht es nur wenige Leitlinien für die Umsetzung, das Lichtspiel ist eine davon, die räumliche Abfolge beim Hamam-Besuch eine andere. Das langsame Aufwärmen des Körpers durch Wasser und Dampf ist als solches schon eine physische Erfahrung, wozu wir nur eine ruhige und zurückhaltende Architektur umgesetzt haben.
Ladies Drive:
Waren Sie selbst auch im Hamam auf der Lenzerheide?
Mark van Kleef:
Selbstverständlich, da bleibt nichts unversucht.

Der Schweizerhof war für uns ein wahres Gedicht – nicht nur aufgrund des architektonischen und physischen Erlebnisses im Hamam, sondern auch dank der warmherzigen Gastgeberin, der stilvoll designten Alpenchic-Zimmer und der wunderbaren Küche.
Man muss nicht immer in die Ferne schweifen, um in ferne Welten abzutauchen. Dies geht auch schon eineinhalb Autostunden von Zürich entfernt.

 

Weiterführende Informationen:

Hotel Schweizerhof Lenzerheide – www.schweizerhof-lenzerheide.ch
Max Dudler – www.maxdudler.ch
Mayo Bucher – www.mayobucher.com

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