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GROSSE NAMEN, GROSSE FRAUEN: CLAIRE WILLIAMS

Claire-Williams-in-the-pitEINE FRAU IN POLE POSITION

Claire Williams, stellvertretende Teamchefin des Formel 1-Rennstalls Williams über ihr Leben auf der Überholspur

Williams ist in der Formel 1 ein name mit grosser Tradition. Seit 1973 fährt die Mannschaft aus dem britischen Grove in der Königsklasse des Motorsports. Sein erstes Team gründete Sir Frank Williams bereits 1969, 1979 feierte er mit dem Schweizer Clay Regazzoni im Cockpit den ersten Sieg. Im darauffolgenden Jahr gewann Alan Jones den ersten von insgesamt bislang sieben Fahrertiteln. Über 100 Grand Prix-Siege stehen auf dem Teamkonto, in der Konstrukteurs-WM gewann Williams sogar neun Titel. In diesem Jahr tritt das Team mit dem Brasilianer Felipe Massa und dem Finnen Valtteri Bottas an und ist aktuell so erfolgreich, dass es hinter dem Mercedes Werksteam und dem Weltmeister der vergangenen Jahre, Red Bull Racing, auf Platz drei liegt. Testpiloten sind der brasilianische GP2-Pilot Felipe Nasr und die Schottin Susie Wolf. Chef des Teams ist eine Frau – Claire Williams. Gerade erst hat sie ihren 38. Geburtstag gefeiert. Sie ist zierlich und nicht besonders gross, doch alle schauen zu ihr auf. Ihr härtester Kritiker und zugleich grösster Verehrer – ihr Vater, Sir Frank.
1999 machte sie ihren Abschluss an der Universität Newcastle in Politikwissenschaften. Zunächst war sie dann in der Pressestelle des Silverstone Circuit tätig. Erst 2002 begann sie im Formel 1-Team ihres Vaters in der Kommunikationsabteilung zu arbeiten. Vor dem Grossen Preis von Grossbritannien hat sie eine offene Einladung ausgesprochen: „An alle Mädchen und Frauen, die liebend gerne in der Formel 1 arbeiten wollen – es gibt keinen Grund, warum Frauen das nicht schaffen können, als Fahrerinnen, Technikerinnen, schickt mir eure Lebensläufe!“

Sir-WilliamsLadies Drive: Claire, wie war es, mit einem Vater aufzuwachsen, der ein berühmter Formel 1-Teamchef ist?
Es war unglaublich. Ich empfinde es nach wie vor als ein sehr grosses Privileg. Es ist fantastisch, dass ich in diese Familie hinein geboren wurde! Ich bin natürlich in der Welt des Motorsports gross geworden, und in dieser Zeit war dies noch eine sehr starke Männerdomäne. Ich finde, inzwischen hat sich das schon etwas geändert. Es gibt sehr viel mehr Frauen in unserem Sport, in einer Vielzahl von verschiedenen Jobs.

Fühlst du dich manchmal wie „einer der Jungs“? Wurdest du von deinem Vater eher wie ein weiterer Sohn aufgezogen?
Nein auf keinen Fall! Ich bin seine einzige Tochter, er hat nie mit mir geredet, als wäre ich einer der Jungs. Und ich war auch kein ‚Tom Boy‘. Ich war nur ein kleines Mädchen, das in einer von Männern dominierten Welt aufgewachsen ist.

Hast du mit Autos gespielt oder bist du ins Ballett gegangen?
(Strahlt und lacht laut) Oh ja, ich war im Ballett! (Lacht)

Natürlich ist klar, dass man nicht einfach Teamchef wird, nur weil man in die Familie hinein geboren ist, das funktioniert nicht mehr …
Danke dir.

Du musstest dich intensiv während einer langen Schul – und Studienzeit darauf vorbereiten. Wie ging es dann weiter, zuerst hast du ja für Silverstone Circuit gearbeitet?
Genau, und dann wurde bei Williams ein Job als Junior-Pressesprecher frei. Der damalige Marketingleiter Jim Wright rief mich an und sagte, wir wollen, dass du bei uns arbeitest. Ich lachte und sagte: ‚Dad dreht durch. Auf gar keinen Fall – er wird mich niemals im Team arbeiten lassen. Hast du ihn gefragt?‘ Und Jim sagte: ‚nein, ich habe nicht gefragt, aber mach dir keine Gedanken, das ist okay.‘ Ich sagte ihm: ‚Warum rufst du nicht Dad gleich an und fragst ihn, ob es okay ist, und dann sagst du mir Bescheid?‘ Drei Minuten später klingelte mein Telefon wieder und es war Jim. Er sagte: ‚Er hat nein gesagt.’ Tatsächlich hat er sehr viel mehr als nein gesagt. Er hat gesagt: ‚no bloody way‘. Ich sagte Jim, dass ich das schon vorher gewusst habe. Er sagte, ich solle mir keine Gedanken machen, er würde sich darum kümmern Dad umzustimmen. Aber es dauerte tatsächlich mehrere Monate, bis er ihn davon überzeugen konnte.

Sir-Williams-with-his-daughter-Claire-WilliamsWolltest du denn diesen Job unbedingt?
nun, ich war eigentlich recht zufrieden in meinem Job. Ich glaube, ich dachte, wenn Dad zustimmt, ist es gut, wenn nicht, ist es auch okay. Wir wurden in unserer Familie so erzogen, dass wir eigentlich nie erwarteten, jemals bei Williams zu arbeiten. Dad war immer sehr gegen Vetternwirtschaft. Er vertrat eigentlich eher die Philosophie: ‚Geh hinaus in die Welt, suche dir selber etwas und mache etwas draus.‘ Dad stimmte letztendlich zu und ich bekam den Job. Aber mir wurde eine schrecklich lange Probezeit auferlegt. Sechs Monate lang hatte ich das Gefühl, von ihm wie ein Hund behandelt zu werden. Aber auch das war für mich okay, ich glaubte, so sollte es sein. Dann arbeitete ich mich in der Kommunikationsabteilung acht Jahre lang hoch. Ich hatte eine grossartige Zeit, und es half mir sehr, alle verschiedenen Bereiche des Teams kennen zu lernen. Wenn man in diesem Bereich arbeitet, muss man sie alle kennenlernen. Man muss mit den verschiedenen Abteilungen zusammenarbeiten, und natürlich auch mit vielen unterschiedlichen Menschen. Dann war ich auch bei den rennen vor Ort, habe mit den Fahrern und den technischen Mitarbeiterin gearbeitet. Es war wichtig, dass ich auch die Autos und die Technik verstehe. Das zusammen in Kombination mit der Tatsache, dass ich ja quasi im Motorsport aufgewachsen war, war dann meine eigentliche Ausbildung. Das hat mir alles geholfen für die Position, die ich heute innehabe.

Wie ging es dann weiter?
In den letzten drei Jahren ging alles plötzlich sehr schnell. Ich war Leiterin der Kommunikationsabteilung. Dann wurde ich recht schnell befördert und nacheinander Leiterin der Finanzabteilung, dann der Investor relations, dann der Sponsorship-Abteilung. Danach Direktorin des gesamten Marketing und der Kommunikation, dann Commercial Director und dann Vizechefin des Teams und das alles innerhalb von zwei Jahren. Ich glaube, ich hatte innerhalb von zwei Jahren sechs Beförderungen.

Wie gesagt, es hat sich einiges in der Formel 1 geändert. Wenn du dich zum Beispiel heutzutage bei den Sitzungen mit den Teamchefs umschaust, da sitzen du und Monisha Kaltenborn. Hast du das Gefühl, dass die alteingesessenen Herren euch beide anders behandeln als sich selbst untereinander?
Wie hat Monisha diese Frage beantwortet? (Lacht)

Das sage ich dir, nachdem du geantwortet hast.
(Lacht) Ich fühle mich nicht anders. Ich weiss nicht, ob das so ist, weil ich einfach blind dafür bin oder weil ich damit aufgewachsen bin. Ich sitze nie dort und habe das Gefühl, dass ich in irgendeiner Art und Weise anders behandelt werde als die Gentlemen, die mit mir zusammen am Tisch sitzen. Ich denke, dass sie uns behandeln, wie sie auch die anderen Männer am Tisch behandeln. Es sind Geschäftstermine.
Ich habe noch nie am Tisch gesessen und gedacht, ich bin eine Frau und das sind lauter Männer. Ich bin da, um den besten Job zu machen, den ich für Williams machen kann, um mein Team in die bestmögliche Position zu bringen. Das ist das Einzige, was ich denke, wenn ich an diesem Tisch sitze.

Jetzt kann ich es dir verraten, Monisha sagte etwas ganz Ähnliches. Sie sagte auch, die Begrüssung sei vielleicht etwas anders und freundlicher als bei den Männern untereinander.
(Lacht) Es gibt natürlich deutlich mehr Begrüssungsküsschen als bei den Männern untereinander. Es tut mir fast schon leid, dass sie das tun müssen.

Hast du denn den einen oder anderen Ratschlag für den weiblichen Nachwuchs?
Das ist ganz einfach, es ist wirklich die Ausbildung, die Schule, das Studium. Ich wünschte, ich hätte mich in der Schule mehr angestrengt. Es ist mir vieles leicht gefallen, aber ich wünschte, ich hätte beispielsweise mehr Sprachen gelernt. Und eine ungeteilte Aufmerksamkeit. Man muss sich wirklich konzentrieren und zielstrebig arbeiten, um dahin zu kommen, wo man hin will. Ich spreche mit vielen Kindern und Jugendlichen und bekomme einige Geschichten mit, was sie alles anstellen, um Jobs zu bekommen. Einige dieser Kids sind so zielstrebig, aber es ist so schwierig, einen Job zu kriegen. Ich bewundere sie wirklich. Natürlich hatte ich Glück, in diese tolle und in unserem Job sehr professionelle Familie hinein geboren zu werden. Wenn ich diese Geschichten höre, versuche ich ihnen zu helfen, denn sie haben es verdient.

Wir führen jedes Jahr in der Fabrik ein Ausbildungsprogramm für Studenten im Alter von etwa 16 Jahren durch. Normalerweise nehmen wir etwa zehn Schüler auf. Letztes Jahr waren von diesen zehn Schülern sechs Mädchen, das ist unglaublich, es ist toll. Die Welt ändert sich. Mädchen wollen Jobs lernen, die traditionell immer Männerjobs waren. Das ist fantastisch, und das Fahrerlager reflektiert dies inzwischen auch.

Weiterführende Informationen: www.williamsf1.com

Text: Inga Stracke
Foto: Williams F1 Team

Dieser Artikel erschien in der Ladies Drive No. 27 im März 2014. Wenn Sie das Magazin bestellen möchten, gehen Sie bitte in unseren Online-Kiosk.

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