Swiss Ladies Drive GmbH
Haufen 201 | 9426 Lutzenberg
Schweiz
___________________________________
Chief Editor & Publisher
Sandra-Stella Triebl, Lic.Phil.I
sst[at]swissladiesdrive.com
___________________________________
General Manager
Sebastian Triebl
st[at]swissladiesdrive.com
__________________________________
Sekretariat
info[at]ladiesdrive.tv
+41 79 88 44 373
__________________________________
Redaktion
redaktion[at]ladiesdrive.tv
+41 79 88 44 373

Inserate
Sandra-Stella Triebl, Lic.Phil.I
stella[at]ladiesdrive.tv
__________________________________
Franchise
Swiss Ladies Drive GmbH is licensing the magazine Ladies Drive worldwide now.
For conditions please contact:
Sebastian Triebl
seb[at]ladiesdrive.tv
__________________________________
Disclaimer
Die Swiss Ladies Drive GmbH und das Magazin Ladies Drive sind
nicht verantwortlich für die Funktionalität und Inhalte externer Links!

3

GENERELL UNKONVENTIONELL

„Muss ich grauhaarig sein und einen Dutt tragen? – Es gibt doch noch mehr als Weibchen oder Karrierefrau.“ld_no02_pdfteaser03

Annette Kluge ist Professorin für Organisationspsychologie an der Universität St. Gallen, sie liebt Motorräder und Autos, vor allem das Ford Mustang Cabriolet und den neuen Audi A5, sie ist 40 Jahre alt und hat einen 22- jährigen Sohn. „Ich habe meinen Sohn schon als Kind mit an die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt mitgenommen. Wir sprechen gerne über Autos.“, erzählt Annette Kluge, als wir uns das erste Mal in ihrem Büro über den Dächern von St. Gallen treffen. „Ein tolles Produkt haben Sie da gemacht.“, so die Professorin lächelnd. „Ich habe vor kurzem an einer Tankstelle ein Motorradmagazin gekauft, weil ich gerne Motorrad fahre. An der Kasse hat man mich ungläubig gefragt, ob denn dieses Magazin auch noch dazugehöre. Manche Menschen trauen uns Frauen offenbar nach wie vor nicht allzu viel zu.“
Text: Sandra-Stella Triebl

Um den Artikel als PDF anzuzeigen, klicken sie hier.

Annette Kluge ist Professorin für Organisationspsychologie an der Universität St.Gallen, sie liebt Motorräder und Autos, vor allem das Ford Mustang Cabriolet und den neuen Audi A5, sie ist 40 Jahre alt und hat einen 22-jährigen Sohn. „Ich hab meinen Sohn schon als Kind mit an die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt mitgenommen. Wir sprechen gerne über Autos“ erzählt Annette Kluge, als wir uns das erste mal in ihrem Büro über den Dächern von St.Gallen treffen. „Ein tolles Produkt haben Sie da gemacht“ so die Professorin lächelnd. „Ich hab vor kurzem an einer Tankstelle ein Motorradmagazin gekauft, weil ich gerne Motorrad fahre. An der Kasse hat man mich ungläubig gefragt, ob denn dieses Magazin auch noch dazu gehöre. Manche Menschen trauen uns Frauen offenbar nach wie vor nicht allzu viel zu“.

Daraufhin entbrennt zwischen uns eine äusserst angeregte Gender-Diskussion: Was erwartet man(n) von Frauen. Was traut die Gesellschaft Frauen zu. Was trauen sich Frauen selbst zu? – Inwiefern haben Frauen weniger Talent für technische Belange? – Inwiefern beeinflusst uns die Sozialisation, was ist erlernbar, was vererbt und damit genetisch dispositioniert?„Eine Freundin von mir, die ebenfalls Psychologie studiert hat, hat mir als wir vor kurzem telefoniert hatten von ihren Kindern berichtet. Sie hat Zwillinge. Einen Jungen und ein Mädchen im Alter von eineinhalb Jahren. Sie hat erzählt, dass ihr Mädel immer mit der Puppe rumrennt und der Sohn mit dem Werkzeugkoffer. Der wunder Punkt ist allerding, dass wir an der Uni immer lehren, dass ein solches Verhalten nicht generell vererbt, sondern ebenso erlernt wird. Aber wenn beide die freie Wahl haben, womit sie spielen, greift ihre Tochter stets zur Puppe und der Sohn zum Werkzeug.“
Einen Moment lang schauen wir uns still und ratlos an. Sind wir Menschen von unseren Genen derart beeinflusst?
„Um das klären zu können, müsste man mal untersuchen, inwiefern auch Kinderbücher und Zeichentrickfilme sowie das Familienleben und die Förderung die Kinder erfahren, ihr Verhalten beeinflusst.“, analysiert Annette Kluge. Donald Duck macht den Abwasch zum Beispiel? – Wir schaun uns wieder an, nickend, fragend. So schnell können wir wohl auf all diese Fragen keine Antworten finden.

Ladies Drive: Sind Frauen selbst daran schuld, dass Sie weniger häufig Karriere machen, als Ihre männlichen Kollegen?
Annette Kluge: Ich denke, im Moment befinden wir uns in einer Übergangsphase, wo man das nicht mehr so einfach sagen kann. Wenn ich Artikel darüber lese, dass Frauen kein Machtmotiv kennen würden, ist das nicht korrekt. Frauen sind vielleicht etwas weniger geübt Machtspiele zu betreiben. Oft sagen sich Frauen vermutlich auch, „das tu ich mir nicht an – Familie ist auch toll.“. Für Frauen gibt es zudem mehr sozial akzeptierte Karrierewege während es für Männer weniger Alternativen gibt – da muss quasi Karriere gemacht werden.

Ladies Drive: Gibt es vielleicht auch zu wenige gute Rollenmodelle für die Frauen?
Annette Kluge:
Ich habe einen Kollegen an einer anderen schweizer Uni, der mich immer einladen möchte, um zu zeigen, dass Wissenschaft auch weiblich sein kann (lacht)…muss ich jetzt grauhärig sein mit Dutt? – Es gibt doch etwas zwischen Weibchen und kaltblütiger Karrierefrau.

Ladies Drive: Und wie schaffen Sie es, dass man Sie nicht als kaltblütiges Karriereweib wahrnimmt?
Annette Kluge:
Man kann sich Strategien aneignen, um mit seinen männlichen Kollegen ins Gespräch zu kommen und das Eis zu brechen…ich spreche mit meinen Kollegen z.B. gerne  über Fussball und Sport und frage wie ihr Verein gespielt hat. Man kann aber natürlich auch wie Schneewittchen warten, bis man im Strassencafé entdeckt wird. Ich will damit sagen: Man darf nicht warten, dass sich andere ändern – man muss selbst die Änderung herbeiführen.

Ladies Drive: Guter Punkt! Wieso sehen sich Frauen häufig in der Rolle des Opfers, anstatt konstruktiv an einer Lösung des Problems zu arbeiten?
Annette Kluge:
Die Opferrolle hat einen Zweck, die nebenbei bemerkt auch sehr verbindend sein kann. Klagen verbindet. Es ist eine bequeme Position zu sagen, ich brauche Hilfe und komme selber da nicht raus. Ich denke, da beginnt viel schon im Elternhaus. Wenn man ermuntert wird, sich notfalls auch mal gegen Obrigkeiten zu widersetzen, wird man sich anders entwickeln, als wenn man gehalten wird, sich an Autoritäten zu orientieren.

Ladies Drive: Die Eltern prägen unser Rollenbild natürlich stark…
Annette Kluge:
Ein immer noch gängiges Rollenbild ist das einer Frau, die eine Dazuverdienende ist, die ja immer noch reich heiraten kann.

Ladies Drive: Apropos verdienen – in der Schweiz verdienen die Frauen immer noch weniger als die männlichen Kollegen in derselben Position – wir liegen da im internationalen Vergleich irgendwo auf Rang 40 zwischen Usbekistan und Jamaika…
Annette Kluge:
Das man als Frau weniger verdient, da muss man auch erst mal drauf kommen! Ich hab stets das Gespräch mit männlichen Kollegen gesucht und einfach offen nachgefragt. Ausserdem sollte man auch immer wieder nach objektiven Kriterien fragen: Nach welchen Kriterien kommt zum Beispiel ein Bonus zustande. Hierfür sollte man sich auch durchaus vorher juristisch schlau machen, um eine ernst zu nehmende Gesprächspartnerin zu werden.

Ladies Drive: Wie lösen wir Probleme wie die Lohnungleichheit, wenig Frauen in Spitzenpositionen etc?
Annette Kluge:
Was hilfreich ist, ist zum einen einer guter Mentor im Hintergrund – das muss kein Profi sein, aber jemand der sich auskennt im Business. Zweitens braucht es in grossen Unternehmen häufig eine schützende Hand von unten wie auch von oben. Und: Man muss Leute für seine eigene Sache gewinnen und aktiv von seinen eigenen Leistungen berichten. Ich erfahre immer wieder, dass Frauen nicht über ihre Erfolge sprechen. Eine Taktik ist hier beispielsweise, beiläufig das eine oder andere zu erwähnen, was man gerade gut gemacht hat. Oft muss man seinen Vorgesetzten einfach auch erzählen, woran man gerade arbeitet und dass das gut klappt – das hat nichts mit Selbstbeweihräucherung zu tun. Das muss man lernen und üben!

Ladies Drive: Sie gehören ja immer noch zu den Ausnahmen in unserer Gesellschaft: Gutaussehend, Professorin mit 40, haben Spass an Motorrädern und Autos, haben in der Automobilindustrie gearbeitet…wie sehen Sie sich selbst?
Annette Kluge:
Ich bin sehr furchtlos . Ich habe vor verschiedenen Dingen Respekt, aber nie Angst. Ich habe selber nie erfahren, dass meine Eltern an mir zweifelten.  Ich habe gelernt, dass ich vieles mit Disziplin,  harter Arbeit und  mit Humor erreichen kann.

Ladies Drive: Frauen in der Automobilindustrie sind ja noch seltener als in anderen Branchen, oder?
Annette Kluge:
Mädchen haben mit rosafarbenen Puppenwagen zu tun und nicht mit Technik. Da fängt es schon an. Man unterstellt Kindern Interessen und kauft ihnen entsprechendes Spielzeug – man geht mit dem Jungen beispielsweise ins Technik Museum. Ich bin alleredings der Überzeugung, dass Frauen einen anderen Umgang mit Technik haben – für Frauen muss etwas funktionieren – aber man muss es nicht auseinandernehmen und wieder zusammensetzen können.

Ladies Drive: Wie werden Ihrer Meinung nach die Frauen in der Automobilindustrie wahrgenommen?
Annette Kluge:
Wenn man als Hersteller eine Frau als Kunde möchte, dann am liebsten eine sportlich dynamisch knackige Frau. Aber keine Mutti, die im Porsche zum Einkaufen fährt. Man muss sich erst einmal eines vergegenwärtigen: Autos haben mit Leidenschaft und Emotionen zu tun. Wenn man sich anschaut wie BMW wirbt, steht der Traum von Fahren mit Unabhängigkeit im Vordergrund – das sind oft tendenziell eher männliche Attribute. Nehmen Sie die Werbung vom VW Tiguan zum Vergleich! Hier werden mal ausnahmsweise beide Geschlechter gleichermassen angesprochen. Das ist ein interessanter Clou, wobei wir hier ein neues Frauenbild antreffen – Heidi Klum als erfolgreiches Model, Mamma und Businessfrau. Früher gab es vor allem das Bild der Frau, die sich mit Unmengen von Shoppingtüten herumschlägt und diese im Kofferraum unterbringen möchte. Ich denke, das kann doch heute kein halbwegs intelligenter Mensch mehr ernst nehmen!

Ladies Drive: Wobei wir wieder bei den Rollenvorbildern wären…
Annette Kluge:
Wir brauchen erfolgreiche Frauen – Grey’s Anatomy, Sex and The City tragen dazu bei, die Vielfalt an Weiblichkeit auszudrücken. Der demografische Wandel hat eingesetzt – da wird die Zeit für uns arbeiten! Das heisst, die Branche wird früher oder später die Frauen ernst nehmen müssen…

Ladies Drive: Sie sind auch Expertin im Bereich `kognitive Anforderungen für das Führen von komplexen Systemen`. Können Sie mit dem Vorurteil aufräumen, Frauen seien von Ihrem Geschlecht her weniger talentiert Autos zu lenken?
Annette Kluge:
Autofahren hat ja viel mit Erfahrung, Übung und Training zu tun. Kongitive Einschränkungen gibt es keine – das ist Quatsch. Man sagt den Frauen doch nach, sie seien multitaskingfähig – beim autofahren muss man diese Fähigkeit auch einsetzen – so betrachtet müssten Frauen also besonders talentiert sein, ein Auto zu lenken.

Ladies Drive: Und welche Autos lieben Sie?
Annette Kluge:
Oh…ich mag Autos, die sehr sportlich sind. Mein Traumauto wäre entweder ein Ford Mustang oder ein Audi A5. Beim Kauf tendiere ich allerdings zu Praktikabilität und geringem Verbrauch.

Ladies Drive: Was bedeutet Ihnen das Auto?
Annette Kluge:
Absolute Freiheit und Autonomie. Ich bewege mich eigentlich nie ohne mein Auto – ich mag fliegen und bahnfahren nicht. Das Auto ist für mich auch das wichtigste Hilfsmittel, mich umgehend von einem Ort wegbewegen zu können.

Ladies Drive: Welchen Lebensstil möchten Sie ausdrücken mit der Marke, die Sie fahren?
Annette Kluge:
Getreu dem Motto: Lieber den Pelz nach Innen tragen. Das passt zu meinem Selbstbild. Understatement wär mir wichtig. Also hochmotorisiert – aber nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Ladies Drive: Was werden wir wohl in 10-20 Jahren fahren? Gibt es dann noch Autos, so wie wir sie heute kennen?
Annette Kluge:
Menschen werden sich wohl kaum von ihren geliebten Autos lösen. Aber sie sind wohl eher bereit, sich Verkehrskonzepten anzuschliessen – denken Sie die Szenen in  Minority Report  oder I-Robot. Wir werden es erleben…

www.opsy.unisg.ch

Leave a Comment