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FILM REIF

15 Hauptreportage_Sophie Charlotte Andresen_Foto 2_Copyright Chantelle Gomez_neuromaencer KopieSie ist 24 Jahre jung und mit der digitalen Revolution aufgewachsen. Als Creative Consultant berät sie Filmgrössen wie Rupert Sanders, der gerade an einem neuen Science-Fiction Film in den Dreamworks Studios von Steven Spielberg arbeitet. Eine vielversprechende Karriere. Dabei ist die Laufbahn von Sophie Charlotte Andresen ebenso wenig geradlinig wie ihre Entdeckung der Weiblichkeit oder ihre Zukunftsideen.

Ladies Drive: Sophie, woran arbeitest du gerade?
Sophie Charlotte Andresen: Ich arbeite gerade am neuen Kinofilmprojekt von Ivan Engler, der 2008 den Science-Fiction Film „Cargo“ herausgebracht hat. Ich visualisiere für ihn Teile des Drehbuchs bzw. setze seine Ideen in Bilderwelten um. Für meinen anderen Kunden, die SBB, kuratiere ich momentan ein Ausstellungsprojekt zur Zukunft der Mobilität, das diesen Herbst im Zürcher HB zu sehen sein wird.

Wie kommt man zu so einem ungewöhnlichen Job?
Na ja, ich habe ursprünglich mal an der Uni Zürich Jus studiert (lacht). Aber wie sich herausgestellt hat, war das nicht so mein Ding. Ich bin 2013 für ein Erasmus Austauschstudium nach Berlin gezogen, hab mich aber dann vor Ort gleich mal gegen das Studieren entschieden und bin ganz in die Berliner Kunstszene eingetaucht. Mein damaliges Online-Projekt, der Blog „Neuromaencer“, mit dem ich bekannt geworden bin, war ursprünglich ein kreativer Zeitvertreib neben der Uni irgendwann hatte ich so viele Follower, und damit eine so grosse Internetpräsenz, dass ich Aufträge von Hollywood und anderen Klienten bekam. Heute arbeite ich freischaffend als Visual Consultant, berate also meine Kunden in visuellen Fragen wie zum Beispiel Zukunftsvisionen.

Was hat dich in deiner Jugend geprägt?
Mein Elternhaus hatte einen grossen Einfluss auf meine künstlerische Ader. Bei uns im Haus sind immer Kunst- und Grafikbücher rumgelegen, ich hab viel in Comics gelesen und hatte einen riesigen Malkasten von Faber-Castell mit Aquarell-Buntstiften. Die hab ich viel benutzt als Kind. Zur Freude meiner Eltern zuerst auf Hauswänden und später dann aber auch auf Papier. Neben Mangas (japanische Comics) wie zum Beispiel ‚Eden’ von Hiroki Endo, habe ich mich später auch für mehr im westlichen Stil gezeichnete Comics interessiert, wie zum Beispiel ‚Transmetropolitan’ von Warren Ellis. Ich habe sehr viel Zeit in den Comics- und Sci-Fi-Abteilungen in der Stauffacher Buchhandlung in Bern verbracht und bestimmt mein ganzes Taschengeld dort liegen lassen. Per Zufall bin ich dann auf die ‚Neuromancer’- Trilogie von William Gibson gestossen, nach der ich auch meinen späteren Blog benannt habe. Meine Schwester hat mich irgendwann mal mit nach Gruyeres ins Museum von H. R. Giger mitgenommen, dessen Ideenwelten mich heute noch faszinieren und der mich stark geprägt hat. Später habe ich mich primär für Science-Fiction- und Actionfilme interessiert. Dabei fand ich die post-apokalyptischen, dystopischen Welten wie in The Matrix oder auch The 5th Element am spannendsten, weil sie der realen Welt am wenigsten ähnlich sahen.

Klingt nicht sehr mädchenhaft …
Das ist wahr. Aber mädchenhaft war noch nie mein Ding. Ich hab als Kind wenig bis gar nicht mit anderen Kindern gespielt, ich war eher viel in meiner eigenen Welt und hab im Garten irgendwelche Dinge gebaut oder mich in Bilderbücher vertieft. Ich kann mich erinnern, dass ich bei meiner damaligen Tagesmutter den Barbie-Pferden immer aus Versehen die Plastikbeinchen abgebrochen habe beim Spielen. Ich war eher ein Wildfang (lacht).

Und wie war das später, als du in die Pubertät kamst?
Ich war eigentlich schon seit der Grundschule eher eine Einzelgängerin und hab mein eigenes Ding gemacht. Die Schule hat mich insoweit interessiert, als ich das vermittelte Wissen wie ein Schwamm aufsaugen konnte, aber mit diesen ganzen sozialen Grüppchenbildungen innerhalb der Klasse und derartigen Spässen hab ich mich wenig beschäftigt. Ich fand die Leute eher anstrengend, weil ich einfach nie reingepasst habe, und ich das natürlich auch zu spüren bekommen habe. Später, in der Uni in Zürich war der Konformitätsdruck weniger stark, die Leute haben einen eher in Ruhe gelassen. Es haben sich aber auch in meiner Unizeit in Zürich keine bleibenden Freundschaften gebildet, was vielleicht auch daran lag, dass ich mich nach einigen Semestern mit dem universitären System nicht mehr identifizieren wollte und Kontakte bewusst abgebrochen habe. Ich habe eigentlich erst hier in der Berliner Kunstszene Leute getroffen, mit denen ich mich wirklich gerne umgebe.

Wie muss man sich den Workflow in so einem sich wandelnden Umfeld wie der Berliner Kreativszene vorstellen?
Da ich freischaffend von zuhause aus arbeite und meine eigene Chefin bin, bin ich selbst verantwortlich für meine Projekte, meine Klienten und somit auch für deren Zufriedenheit mit meiner Arbeit. Das setzt auf der einen Seite natürlich viel Selbstdisziplin voraus, auf der
anderen Seite jedoch lässt es mir den Freiraum, den ich benötige, um kreative Konzepte für meine Kunden zu entwickeln. Ich denke, dass es sehr wichtig ist zu wissen, wo man selbst im Leben steht, seine eigenen Grenzen zu kennen, aber auch zu wissen, wann und wie man diese überschreiten kann, um sich weiterzuentwickeln.

Hast du Vorbilder unter den Generation X Frauen?
Je mehr ich in die Arbeitswelt eintauche, desto mehr nehme ich mir eigentlich meine Mutter zum Vorbild, die sich aufgrund ihres Berufes sehr gut mit der Corporate Welt auskennt und mir schon gute Ratschläge gegeben hat. Aber abgesehen davon bin ich nicht wirklich jemand, der sich andere Menschen zum ‚Vorbild’ im klassischen Sinn nimmt. Ich richte meine Entscheidungen im Leben lieber nach Werten aus, die mir wichtig sind, als nach spezifischen Personen.

Wie stehst du Themen wie Feminismus, Emanzipation, Lohngleichheit, Quote etc. gegenüber?
Meine Mutter hat sich in ihrer Studentenzeit in Berlin, als die Mauer noch stand, sehr aktiv für Frauenrechte eingesetzt. Und ich glaube, unser Frauenbild in der Gesellschaft wäre heute immer noch das gleiche von damals, wenn sich Frauen wie meine Mutter nicht dagegen aufgelehnt hätten. Mich hat dieser Kampf in meiner Gymnasialzeit sehr fasziniert, und ich habe mich in meiner Deutsch-Matur mit Frauenfiguren in der deutschsprachigen Literatur wie Verena Stefan beschäftigt. Neben generell radikaleren politischen Ideen habe ich auch angefangen, mich für radikale Ideen im Feminismus zu interessieren und bin als Konsequenz daraus dann auch Mitglied im Frauenraum in der Reitschule Bern geworden, weil ich politisch etwas bewegen wollte. Später an der Uni in Zürich hab ich mich dann aber nicht mehr aktiv mit dem Thema beschäftigt, weil ich es zunehmend schwierig fand, mich in der ganzen Diskussion wiederzufinden.

Wie empfindest du denn das ‚Weiblichsein’ der Frauen deiner Generation?
Ich erlebe in Berlin heute zunehmend eine Auflösung der Gender und möchte mich als Person und nicht über mein Geschlecht definieren. In meinem Umfeld empfinde ich gewissermassen eine Auflösung dieser starren Dichotomie von weiblich-männlich, und ich denke, dass sich diese Entwicklung verstärkt fortsetzen wird. In 50 Jahren werden wir uns darüber definieren, ob wir Mensch oder Maschine sind, und das Geschlecht wird keine Rolle mehr spielen.

Wovor hast du Angst?
Als Freischaffende bzw. Nicht-Angestellte bin ich jemand, der weniger soziale Sicherheit hat als jemand, der in einem vertraglich geregelten Angestelltenverhältnis steht und jeden Monat einen fixen Betrag ausgezahlt bekommt. Ich weiss in meinem Job nie im Voraus, welche Aufträge reinkommen oder welche Klienten ich in den kommenden Monaten haben werde. Mein Arbeitsleben ist von Unsicherheiten geprägt, und da sind Existenzängste natürlich vorprogrammiert. Ich arbeite deswegen sehr aktiv daran, mich im Alltag von meinen Zweifeln nicht dominieren zu lassen, weil mich diese Gedankenwelt zu sehr in meiner effektiven Arbeit lähmt.

Was bewegt dich?
Als durch und durch visuelle Person bin ich tagtäglich in meinem Job mit Bilderwelten beschäftigt, und das macht mich glücklich. Sich von Bildern in andere Welten, Zukunftswelten, tragen zu lassen, ist eine Fähigkeit, die ich mit dem Erwachsenwerden zuerst als verloren geglaubt hatte. Als Kind war ich meistens in irgendein Buch oder Comic vertieft und bin komplett eingetaucht in die Phantasiewelten, die mir oft auch mehr gefallen haben als die Realität, in der ich mich mit meinem Körper befand. Mit meiner Arbeit mit ‚Neuromaencer’ habe ich langsam zu dieser Fähigkeit, kreative Welten in meiner Phantasie zu schaffen, zurückgefunden und kann dieses Talent heute mit anderen Leuten wie beispielsweise meinen Klienten teilen.

Was regt dich auf?
Ich bin eine ziemlich radikale ästhetin und kann hässliche Dinge nicht ertragen. Wenn man seinen eigenen Geschmack gefunden hat, ist es sehr schwierig, davon zu abstrahieren, vor allem wenn man Leute berät, die andere Vorstellungen haben. Normalerweise kann ich meine Klienten allerdings von meiner visuellen Sprache überzeugen, schliesslich ist es ein wichtiger Teil meines Jobs, eine gewisse ästhetik zu vermitteln. Es gibt aber einfach so unglaublich viel schlechtes Design, von dem wir täglich umgeben sind, dass ich schon manchmal daran zweifle, ob es noch Leute mit gutem Geschmack gibt. Und genau deswegen würde ich mir wünschen, dass sich mehr Kreativschaffende das Mantra des Produktdesigners Dieter Rams ‚Weniger ist mehr’ einfach mal zu Herzen nehmen. Denn über nicht vorhandenen Geschmack lässt sich auch nicht streiten.

Wie siehst du deine Zukunft?
Ich habe in meinem Job schon so viele Zeiten, Zukunftsbilderwelten in allen Farben und Formen, geschaffen, die noch nicht eingetreten sind, da ist alles möglich und nichts planbar. Vielleicht sollten wir lieber eine künstliche Intelligenz statt einen Menschen fragen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Ich kenne meine Zukunft nicht, aber ich denke, es wird spannend (lächelt).

Text: Claudia Gabler

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