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EINMAL INS LEBEN UND ZURÜCK

MarrakeschMarrakesch
Text: Sandra-Stella & SebastianTriebl
Fotos: Sandra-Stella & SebastianTriebl
La Mamounia, Kasbah Tamadot, Royal Mansour

”Ein Vorteil von Reisen in neue Gegenden ist das Durchbrechen des Ominösen. Die neuen Orte fügen sich nicht in alte Bedeutungen ein. Für eine Weile öffnet man sich wirklich. Alle vergangenen Geschichten, das eigene übervolle Leben, das an seinem Sinn erstickt, bleibt plötzlich hinter einem, als hätte man es irgendwo in die Verwahrung gegeben und während es sich da stille hält, geschieht lauter Ungedeutetes. Das Neue.”
Elias Canetti

Irgendwie scheinen Pools inspirierend für mich zu sein. Sie strahlen Ruhe aus, geben mir die nötige Musse, die Gedanken zu entfalten. Wieder mal sitze ich an einem solchen, um meine Reisenotizen zu ordnen. Hinter uns haben wir knapp zwei Tage Marrakesch. Im „La Mamounia“, dem historisch gesehen ersten Hotel der Stadt, welches ursprünglich wegen der nah gelegenen Bahnhofsstation errichtet wurde. Diese Reise hatte genau nach unserem Gusto begonnen: Ein ruhiger Flug, Abholung vom Chauffeur im Daimler, in welchem zur Einstimmung sanfte Musik lief, dann ein charmanter Empfang des Hoteldirektors, welcher uns sogleich, ganz traditionell, Ziegenmilch mit Orangenblüten und Datteln als Willkommensgruss reichte. Wir liessen uns dankbar auf die flauschig­weichen Sessel in der Lobby des Mamounia fallen und blickten uns erst mal um. Eine grosszügige, hohe, aber in dunkle Violett­Nuancen gehaltene Eingangshalle mit unzähligen Bildern, Lampen und Leuchten, welche einen dank des gedämpft gehaltenen Lichts unweigerlich einzulullen vermögen. Bereits das Entrée saugt einen auf mit marrokanischer Musik, hüllt einen in eine dunkle Atmosphäre, offenbart gleichzeitig eine herrliche Architektur mit diversen Zieselierungen bei den Lampen aus Eisen und Silber, den verspielten Formen aus Gips und Marmor, grün­weiss, orange und braun, einzeln oder als durchgängiges Farbenspiel. An den Wänden tummeln sich wunderschöne Fliesen in Rauten und Mosaiken. Wohin das Auge blickt, es entdeckt eine neue Variation etwas bisher Gesehenen.
„Sie möchten sich sicher erst mal frisch machen, oder?“ – Wir nickten stumm, bereits tief in die Welt des Mamounia eingetaucht. Über dunkle, lange Gänge, die aussehen wie in einem orientalischen Palast, gelangen wir in unsere zuckersüsse Suite mit Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, die Kasbah­Moschee im Westen, im Osten unendlich scheinende Palmhaine, direkt zu unseren Füssen die beginnende Medina von Marrakesch mit ihren Ton in Ton mattrosafarbenen Häusern, die ineinandergeschachtelt erscheinen wie Kartonhäuser. Ich setze mich erst mal auf den Balkon und geniesse die untergehende Sonne, welche die Szenerie in ein geheimnisvolles Licht hüllt; wo mal hier, mal dort Lichter und Laternen aufblitzen und welche in der heissen Abendluft umher tanzen wie verliebte Glühwürmchen. Der Wind weht den süsslichen Duft des uralten Mamounia­Gartens, der sich unter uns ausbreitet, zu uns, dazwischen gesellt sich der verführerische Hauch frisch gebackenen marrokanischen Brotes. Ich benetze unweigerlich meine Lippen und atme endlich wieder mal tief durch, schliesse die Augen. Keine Anrufe, keine To­do­Listen, keine Pendenzen. Nicht heute. Nicht jetzt.
Just in jenen Moment des Zaubers der Stille fällt ein lautes Knacken und Knistern. Durch die Lautsprecher auf dem nächstgelegenen Minarett überfällt uns der erste Ruf des Muezzin. Dann bald der zweite und nur wenige Augenblicke später der dritte. Innert Sekunden hallen die Rufe der ganzen Stadt zu uns herüber, klingen je nach Wind mal nah, mal fern. Die Gebete und Gesänge durchqueren und durchkreuzen sich lyrisch, schwellen an und ab, scheinen sich wie in einem grossen Chor zu guter Letzt wieder auf eine Linie begebend ineinander aufzulösen und erneut von vorne zu beginnen.
Ich sitze da, erstarrt ob der durchdringenden Klänge, ob dengeheimnisvollen, mir unverständlichen Worten, ob den mysteriösen Echo, welche die Hotelfassade gegen die Altstadt wirft, ob der Intensität der Stimmen, ob der Inbrunst, die mich zutiefst bewegt, berührt und erfüllt. So wie die Rufe kamen, verschwinden sie auch wieder in der indigoblauen Nacht und über Marrakesch legt sich für einen kurzen Moment ein Innehalten, ein Schleier der Stille, bevor dieser durch das Hupen eines Taxis durchbrochen wird. Zurück bleibt das muntere Zwitschern der Vögel im Park, das Lachen und Rufen der spielenden Kinder in der Nachbarschaft, das Klappern der Hufe der Kutschen draussen auf der Strasse, das Heulen einer Polizeisirene, das Grummeln der Motoren in den bunten Strassen der Millionenmetropole.
MarrakeschWillkommen in der Welt von Marrakesch, dachte ich mir. Das war vor zwei Tagen.
Mittlerweile sind wir zwei Abendessen, einen Lunch und eine Hotelbesichtigung weiter. Das erste Dinner servierte man uns im hoteleigenen La Marocaine, wo wir, hungrig und gierig, wie wir waren, von einer Salat­ und Vorspeisenplatte übermannt wurden, die sich in vielen kleinen Schälchen und Töpfchen über unseren doch ansehnlich grossen Tisch ergossen. „Ist das nur die Vorspeise?“ wollten wir vorsichtig wissen. Man nickte uns zu und konnte sich das Grinsen nicht ganz verkneifen. Hier ein süsser Gurkensalat, dort konfierte Tomaten, Kürbis mit Mandeln, Oliven, grüne und schwarze in grosser Zahl, eingelegte Melanzane, Linsen und vieles mehr. So erlaubte uns schon der erste Gang, in die marrokanische Welt einzutauchen.
Hinter uns lag auch ein Lunch im „Le Français“ mit wunderbar knusprig gebratenem Fisch vom Grill (sollten Sie hier mal zu Gast sein, fragen Sie allerdings unbedingt, ob es frischen Apfelkuchen gibt – einfach himmlisch!), ach ja, und ein Hamam­Besuch. Man fühlt sich wirklich selten so sauber, so Schlangen­ähnlich gepeelt, geschrubbt, gewaschen und gewienert und natürlich wie neu geboren wie nach einem Hamam. Und die Hotelführung zeigte uns die Schönheit dieses nach drei Jahren eben wiedereröffneten Bijoux, welches von Jacques Garcia, einem Pariser Architekten und Historiker mit viel Bedacht renoviert wurde.
Ja, und zwischendurch verschlug es uns in die alte Stadt, die Medina, weil wir uns ohne fremde Hilfe doch einmal aufmachen wollten, alles zu erkunden. Fälschlicherweise etwas irritiert und durch die fremde Kultur etwas verwundert, ist uns das Gewusel, der Ameisentiegel, der Berber Markt, das Mekka für Kleider, Lederwaren, Schmuck, Gewürze, Teppiche und vieles mehr erst mal etwas suspekt, denn in diese Welt taucht man ein wie in einen Untergrund. Weshalb dies so ist, erfuhren wir erst ein paar Tage später. Dieses erste Eintauchen erschien uns doch ein wenig seltsam, vor allem wenn man sich an die vergleichsweise ruhige Bahn­ hofstrasse in Zürich gewohnt ist. Wir versuchten uns bei den ersten Gesprächen, in die wir verwickelt wurden, sogleich ein zweites Ich zuzulegen. Wir handelten, was das Zeug hielt, sprachen die Unwahrheit über unsere Herkunft, verschleierten unseren derzeitigen Aufenthaltsort, schlüpften in eine völlig neue Identität. Weil wir des Arabischen nicht mächtig waren, kam uns irgendwann die glorreiche Idee, uns mit einem harsch ausgesprochenen „Chuchichäschtli“ aus der Affäre zu ziehen. Die Araber verstanden unseren Dialekt tatsächlich nicht und liessen das Verkaufsgespräch verdutzt und abrupt beenden, auch wenn wir an der Scharade eigentlich schon allmählich Gefallen gefunden hatten. Machen Sie einfach nicht denselben Fehler wie wir und lassen Sie sich nicht schon vor dem Hotel von einem vermeintlichen Angestellten ansprechen, der dann auch noch ganz zufällig dieselbe Route wie Sie vor seinen Füssen hat und sich natürlich höflicherweise als Beschützter aufspielt, um Sie vor Tunichtguten und Dieben zu bewahren. Da wir unserem vermeintlichen Gärtner allzu schnellen Fusses durch die Irrungen und Wirrungen des Berbermarktes folgten und am Ende nicht bereit waren, Geld auszugeben oder Trinkgeld zu opfern, setzte man uns kurzerhand mit den Worten „Zum Hotel einfach an der Ecke links halten“ aus – inmitten von Handtaschen und Teppichen, inmitten den Hunderten von kleinen Gassen und Gässchen. Wir hatten es ja geahnt, liessen uns aber nichtsdestotrotz etwas treiben. Irgendwie gelang es uns, den „Ausgang“ wieder zu finden und letzten Endes waren wir froh und glücklich, alleine den Weg zurück zum Platz Djemaa el­Fna gefunden zu haben, von wo aus wir in das dunkle Gewusel eingetaucht waren. Unser eigentliches Glück war das WM­ Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien, welches in jedem der winzigen Läden über die Bildschirme flimmerte. Da die Marokkaner lautstark mit der deutschen National­Elf mitfieberten, war die Stimmung locker und die Aufmerksamkeit vieler Verkäufer sichtbar abgelenkt, sodass wir gänzlich unbehelligt wieder unser Hotel erreichten. Der Untergrund hatte uns wieder ausgespuckt! Völlig verschwitzt kehrten wir in die Oase des La Mamounia zurück, wo wir uns von der Regendusche den Strassendreck vom Leibe wuschen.
Apropos Hotel … Churchill, der hier regelmässig weilte und eine Suite sein Eigen nannte, pflegte zu sagen, La Mamounia sei der schönste Flecken Erde, den es gibt. Das können wir nachvollziehen … denn die architektonische Verspieltheit, die wir hier in Marokkos neuen Luxustempeln finden, ist facettenreicher als 1001 Nacht. Am letzten Abend geniessen wir (ohne Mücken und Fliegen, die wir hier zu unserer grossen Freude kaum antreffen) noch einmal das Farbspiel, als es Nacht wird über der terracottafarbenen Stadt. Die Lampen leuchten hier eher orange, nicht weiss wie bei uns zu Hause. Dazwischen zeichnen sich die Umrisse der hohen Palmen zusehends schwarz gegen den dunkelblauer werdenden Abend­ himmel ab. Es duftet nach Gewürzen. Minze. Kreuzkümmel. Safran. Frischem Brot. Churchill hatte schon Recht. Was für ein atemberaubender Flecken Erde.Marrokan Salad
Das Telefon in der Suite klingelt uns zurück aus den süssen Tag­ träumen. Die Guest­Relation­Managerin möchte wissen, ob es uns gefällt. Was für eine Frage!
Nach drei Tagen Mamounia, wo wir einen herzlichen und zuvorkommenden Service zwischen hauptsächlich französischen und arabischen Gästen genossen haben, wo wir uns bei den faszinierendsten Leckereien verwöhnen lassen durften wie etwa einem unglaublichen Büffelmozzarella­Soufflée (sollten Sie mal hier sein, ein Muss – alles andere wäre eine Sünde!), war es Zeit für ein weiteres Highlight.
Ein Jeep sollte uns raus aus der Stadt bringen, Richtung Atlas­ gebirge. Eine Stunde Fahrt entfernt von Marrakesch erreichen wir über Serpentinen, die uns an Bergüns Bergstrassen erinnern, das Anwesen von Sir Richard Branson. „Et voilà!“, meint der Fahrer. Neben der staubig­roten Erde der Strasse thront ein wahres, kleines Schlösschen mit verwinkelten Gärten und bereits in der Lobby, die winzig klein ist, wissen wir kaum, wohin sich unser Blick zuerst verlieren soll. An den antiken Luster über unseren Köpfen? Hinaus in den üppig bepflanzten, bunt blühenden Garten, der einen Hauch von Toskana verbreitete? Vorbei an Lavendel­, Rosmarin­ und Thymianhecken führt man uns zum Pool und von da aus in unser neues Daheim für die nächsten zwei Tage. Wer antikes Interieur und Designobjekte mag, wird hier eine wahre Schatztruhe finden.
Als wir uns mal wieder an den Pool legten und meine Beine das seichtwarme Wasser berührten, schweifte mein Blick über das Gebirge und hinüber ins Dorf auf der anderen Talseite. Es erinnerte mich an den Film „Babel“ von Alejandro González Iñárritu. Wie wir später erfahren, wurde eben dieser Hollywoodstreifen auch ganz in der Nähe gedreht.
Die wahre Schönheit von Richard Bransons „Kasbah Tamadot“ begreifen wir jedoch erst im Morgenlicht des nächsten Tages. Wenn man beim Frühstück das mächtige Atlasgebirge bestaunt und die Hügel, die daliegen wie frische Sahnehäubchen, auf denen kleine grüne, rundliche Büsche wachsen, die sich milchig grün gegen das fahle Morgenlicht absetzen, kann man begreifen, weshalb es auch den Millionär immer wieder hier hin zieht. Auf der anderen Seite des Tals ist das wiederkehrende Iah der Mulis zu hören und fünfmal am Tag die Gebete. Das Dorf beherbergt gerade mal zweihundert Seelen. Ihre Häuser sind organisch in rotorange in die gleichfarbige Erde der Berghänge gebaut. Im Tal, wo ein kleiner Fluss sich durch das Kiesbett schlängelt, wird Vieh und Mensch getränkt und gebadet. Mulis, Pferde, Kamele, Kinder, Hunde – alles bunt gemischt und angesichts der trockenen Hitze sind hier allesamt fröhlich, erfrischendes Nass auf der Haut zu spüren.
Ein warmer, Kräuterduft­getränkter Wind weht. Als Branson seine Weltumrundung im Heissluftballoon plante, begann er mit seinen Eltern wiederkehrend das Atlasgebirge zu bereisen. Eines Tages entdeckte seine Mutter das kleine Einod Kasbah Tamadot und Branson kaufte es dem damaligen Besitzer, einem italienischen Antiquitätenhändler, mitsamt allen Preziosen, die sich in und um das Haus befanden, ab. Heute ist es ein kleines Retreat, mehr als hundert Menschen der lokalen Berberbevölkerung aus den umliegenden Dörfern finden hier Arbeit. Gäste suchen in einem der 18 Zimmer, der sechs Berberzelt­Suiten oder der Präsidentensuite nach Erholung. Es ist ein ganz anderer Luxus als der eines Mamounia. Denn viel Action ist hier nicht zu erwarten. Es gibt Muli­Trekkings Richtung Nationalpark, Ausritte per Pferd, per pedes und natürlich die Möglichkeit, mit dem Heissluftballon aufzusteigen – ansonsten ist in Kasbah Tamadot vor allem eines angesagt: Ruhe geniessen, abschalten, die gute Luft einatmen. Ach ja, und natürlich das leckere Essen. Ein Spaziergang durch den traumhaften Garten voller Pfirsiche, Birnen und Äpfel, Kräuter und Blumen, die lieblich süss duften und sogar hier oben noch ein paar vereinsamte Bienchen anzulocken vermögen, lädt die Batterien schnell wieder auf.
Die familiäre Atmosphäre führt dazu, dass man hier kein einziges Mal seine Zimmernummer sagen muss. Man kennt seine Gäste, mit denen die lokale Bevölkerung einen vornehmen aber charmant unperfekten Umgang pflegt. Nicht alles ist „comme il faut“, doch genau das ist es, was dieses Haus für uns so besonders und lebendig hat werden lassen. Es ist ein Hotel zum Leben, wo gelebt wird. Wo man überrascht werden darf. Wo man kein Abendessen am selben Platz einnimmt. Aber wo es selbst im Sommer schon mal ganz schön kühl wird, weshalb man alle Gäste mit einem dunkelbraunen, flauschigen Mantel bestückt. So sehen wir aus wie eine Truppe von Obi­Wan Kenobi aus Star Wars. Möge die Macht mit uns sein. Oder wie man hier sagt: Inschallah (so Gott will)!Kashba Tamandot
Zum letzten Frühstück in Kasbah Tamadot kredenzt man uns marokkanischen Minztee (natürlich zuckersüss), Fladenbrot und Berghonig. Das Atlasgebirge zeigt sich verträumt diesig und vor dem Hotelgebäude spielen die Kinder Fussball, während im Hintergrund eine Herde mit mindestens 300 Ziegen vorbeizieht. Was für ein Bild! Ifran, unser Fahrer, bringt uns nach Marrakesch zurück. Über verschlungene Wege und Bergstrassen verlassen wir die Idylle des Atlas und kehren zurück in die bebende und von der Hitze glühende Stadt.
Es war Zeit für das letzte Highlight. Und: Safe the best for last, heisst es doch so schön. Also liessen wir uns überraschen, ob nach all diesen schönen Erlebnissen nun doch noch eine Steigerung möglich wäre.
Als wir das Royal Mansour betreten, verschlägt es uns den Atem. Mein Verstand sucht unweigerlich nach Worten, um die Struktur der Gebäude, die mehrschichtige, facettenreiche und Bienenwaben­ ähnliche Architektur, die Schönheit der Gärten, der Räume und Materialien wiederzugeben. Es fällt mir schwer. „Willkommen im Masterpiece des marokkanischen Königs.“ Das sagt doch eigentlich schon alles aus, nicht wahr? – Stellen Sie sich das unglaublichste Zusammentreffen an Handwerkskunst, typischer marrokanischer Farben und Formen, exklusivstem Interior Design und übermächtigster Architektur vor, und legen Sie noch etwas oben drauf. Das mal drei, hoch sieben. Dann können Sie vermutlich verstehen, weshalb uns die Worte fehlten.
Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit eröffnete das Royal Mansour am 1.6.2010. Es ist quasi eine Medina in der Medina. Die ummauerten Gärten umfassen insgesamt 53 Riads. Nur damit wir uns richtig verstehen: Uns „gehörte“ für zwei Nächte ein ganzes, zweistöckiges Riad. Inklusive Butler mit weissen Handschuhen. Aber mal der Reihe nach.Royal Mansour
Der junge König hat die Vision, Marrakesch zu einer Luxus­ Destination zu machen. Und das Royal Mansour ist das Sahnehäubchen von all diesen Bestrebungen, welches zeigen soll, welch grossartige Handwerkskunst Marokko zu Tage bringen kann. Um mir wirklich einen Überblick über die grosszügigen Raumverhältnisse zu verschaffen, kam ich nicht umhin, mir das Ganze mal auf einem Blatt Papier aufzuzeichnen. Im Parterre ein Entrée mit Salon, WC, kleiner Küche (für den Butler) und einem riesigen Relax­Sofa sowie ein kleines Atrium mit Brunnen. Im ersten Stock ein Schlafzimmer, wie ich es in Bezug auf die Erlesenheit der Materialien und die Verarbeitung der Details noch nie gesehen habe. Ein begehbarer Schrank versteht sich von selbst, die Schubladen des Schminktisches sind mit echtem Straussenleder ausstaffiert und das Badezimmer lädt mit einer riesigen Marmorbadewanne zum Verweilen ein. Im zweiten Stock dann das Highlight mit einer idyllischen Terrasse, einem Planschpool, einem Berberzelt für romantische Privat­Dinner sowie einem Blick über die Dächer der Medina, bei welchem einem nicht nur wegen der grossen Hitze der Atem stockt.
Hier wohnt es sich wahrlich königlich. Genau richtig für eine Prinzessin wie mich, obwohl mich die weissen Handschuhe des Butlers Pico (der in seinem früheren Job einige GAP­Filialen in den USA managte) doch immer wieder irritierten, und wir ihm eigentlich die Füsse hätten küssen können für all die Leckereien, die er uns zum Frühstück servierte.
„Was wünschen Sie gerne, Madame?“ „Gerne frisches Brot zum Frühstück …“ „Ich sage dem Koch, er soll Ihnen eine leckere Auswahl an frischen marokkanischen Broten machen, ja?“ „Gerne!“ „Und vielleicht frische Früchte, oder lieber einen Fruchtsalat?“ „Ja, gerne!“ „Dazu ein Crèpe, ein Pain perdu, lieber etwas Joghurt?“ „Ähm, ja. Genau. In dieser Reihenfolge. Gern!“ „Sehr gerne, Madame. Sonst noch etwas?“ Mir wäre beim besten Willen bald nichts mehr eingefallen! Was wir hier erlebten, war das Nonplusultra in Sachen Privacy und Exklusivität. Es ist tatsächlich, als wäre man beim König selbst zu Gast. Ist man ja irgendwie auch. Spätestens wenn der weiss Behandschuhte Ihnen distinguiert ein Sorbet von weissem Pfirsich reicht, warmen Honig zum Frühstück oder der Drei­Sterne­Koch (mit 10 Gault­Millau­Punkten dekoriert) Ihnen Orangenbällchen zum Dessert serviert, welche im Mund explodieren und Minze, Orangensaft und ein kleines Stückchen Dattel freigeben, dann wissen Sie: Das haben wir uns verdient und ich garantiere Ihnen, dass Ihre Mundwinkel sich nicht mehr daran hindern lassen, gen Norden zu wandern! Und wenn Sie nach dem Hamam, welcher im Royal Mansour gleich noch mit dem Besuch eines Chiropraktikers verbunden ist, eingecremt und eingepudert wie ein kleines Bébé wieder in ihrem weichen Bett liegen, sind Sie einfach nur noch glücklich.
Und: Das Royal Mansour hat die besten Guides, die wir Ihnen empfehlen können. Driis Zidani El Alaoui, unser marokkanischer Fremdenführer (und ehemaliger Barmann der In­Disco P1 in München), der noch ein paar Wochen zuvor mit Hugh Grant inkognito mit Umhang durch die Medina wandelte, vermochte uns noch einmal eine ganz andere Seite dieser Stadt zu vermitteln, eine nicht minder spannende aber weichere.
„Die Muslime glauben ja, böse Geister steigen keine Treppen und gehen nicht um die Ecke. Deshalb findet ihr in den Riads so viele Stufen und in den Gassen der Medina zahlreiche Ecken!“ Mit diesen Worten beginnen wir unsere zweite Tour durch die Altstadt Marrakeschs. Was wir beim ersten Durchgehen als Untergrund wahrgenommen haben, ist die für diesen Kulturkreis typische blinde Architektur, die sich in ihrer Pracht und Schönheit erst eröffnet, nachdem man sie im Innern der Häuser entdeckt hat. Das lichtdurchflutete Zentrum der Riads sind die Innenhöfe, welche die einzelnen Wohnelemente über schmale Treppen miteinander verbinden. Nichts für böse Geister eben! So sehen wir das 500’000­ Menschen­Wirrwarr plötzlich mit ganz anderen Augen, denn wir erahnten hinter jeder Fassade die versteckte Schönheit dieser Stadt. Kein Wunder, wurde und wird dieses Marrakesch von so vielen kreativen Köpfen, wie auch Yves Saint Laurent, der hier im Jardin Majorelle seine letzte Ruhe fand, geliebt und verehrt. So lotst uns Driis nicht nur zu den faszinierendsten Galerien, wo schon Berühmtheiten wie Herbert Grönemeyer einkauften, sondern auch zu dem Mann, bei welchem Giorgio Armani höchstpersönlich seine Kaftans nähen lässt. Ein Erinnerungsfoto mit Giorgio oder Naomi Campell beweisen dies eindrücklich. Wenn Sie einen edlen, flauschig­weichen Kaschmirmantel mögen, ein Kaftan wie eine Preziose, die sie zur ultimativen Augenweide krönen, dann sind Sie hier genau richtig. Spätestens wenn all die sich noch im Bau befindlichen Luxushotels in Marrakesch ihre Gäste aus aller Welt beherbergen, dürfte das Geschäft des umtriebigen Mannes in der Medina erst recht brummen.
Endlich kann ich all das Gewusel so richtig geniessen und atme erst mal tief ein, während wir gemütlich durch die Medina schlendern. Der säuerliche Duft von Oliven wird abgelöst vom fruchtig­süssen der dargebotenen Aprikosen, nur wenige Minuten später dringen intensive Ledernoten in unsere Nase, dann wiederum staubig Wollenes, bevor wir uns gänzlich relaxed wieder auf dem Platz Djeema el­Fna wiederfinden, zwischen all dem bunten Treiben, den unzähligen Essensständen, Geschichtenerzählern, Schlan­ genbeschwörern, Affendresseuren, den Henna­Malerinnen, Arganöl­Verkäufern, zwischen Touristen und Einheimischen, die hier hektisch durch die Menge eilen, dort entspannt in einem der Cafés einen Minztee schlürfen. Ich bleibe mittendrin stehen und blicke mich um. Nur gerade mal drei Flugstunden weg von Zürich, und dann das! Das Leben um mich bebt, zittert und vibriert. Es ist ein faszinierendes Destillat des marokkanischen Lebens. Sinnlich. Mystisch. Und so schön erfrischend anders. „Ey, Ey, Mam! Come here, Orange­Juice for you Mam! Mam?“ – „Shukram!“, winke ich ab und der Mann, der bis zu den Ohren hinter seinen Orangenbergen verschwindet, zuckt mit den Schultern.

Diese Reise ist wie hier erlebt buchbar bei: www.legendstravel.ch

 

 

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