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EINE ERBSCHAFTSSTEUER WÄRE FATAL!

18 Andrea Berlinger Schwyter_Andrea Berlinger SchwyterIm Juni 2015 kommt die umstrittene Erbschaftssteuer-Initiative vors Volk. Bei einer Annahme der Initiative müssten Erbschaften ab zwei Millionen Franken und Schenkungen ab 20‘000 pro Person und Jahr mit 20 Prozent besteuert werden. Schenkungen sollen gar rückwirkend auf Anfang 2012 besteuert werden. Das führt zu einer riesigen Bürokratie bei den Unternehmen und beim Staat.

Besonders Familienunternehmen wären bei der Übergabe an die nächste Generation von einer solch hohen Erbschaftssteuer betroffen. Während die Befürworter von einem „Trend zur Feudalisierung” sprechen (Zitat Jacqueline Badran, SP Zürich), warnen die Gegner davor, dass insbesondere Familienunternehmen und KMU geschwächt werden. Ladies Drive wollte genauer hören, welche Folgen eine solche Steuer konkret für ein familiengeführtes KMU hat – und fand in der Toggenburger Unternehmerin Andrea Berlinger Schwyter eine vehemente Gegnerin der Initiative. „Wir sind mit dem starken Franken ohnehin genug gefordert. Diese Initiative würde eine weitere Verschärfung unserer angespannten Situation bewirken.“

Wir besuchen die 46-jährige Andrea Berlinger, die das Unter- nehmen 2008 in 6. Generation zusammen mit ihrem Mann von ihren Eltern übernommen hat, im idyllischen Toggenburg. 150 Jahre Firmengeschichte, eine ganze reihe von Innovationen und eine faszinierende Diversifizierung finden sich hier unter dem Dach des geschichtsträchtigen Hauptsitzes der Berlinger Unternehmung. So stammen beispielsweise die Dopingtests für Sportler bei der Fussballweltmeisterschaft oder bei der Olympiade aus dem Hause Berlinger – ebenso wie diverse elektronische Temperaturüberwachungsgeräte. Erstaunlich, hatten Andreas Vorfahren 1865 doch mal als erste Baumwollweberei der Region begonnen und Handel mit edelsten Jacquardstoffen betrieben, die damals sogar nach Indien exportiert wurden. Als ich an einem verschneiten Winterabend das Sitzungszimmer am Firmensitz im ländlichen Ganterschwil betrete, richtet Andrea die Vorhänge und lächelt verschmitzt: „Ich bin eine Perfektionistin.“ Die sympathische Mutter von zwei Kindern mit dem offenen Gesicht und den klaren Gesichtszügen zeigt mir die Ahnengalerie. „Bei Sitzungen sage ich häufig zu Kunden, dass ich mich noch mit den Vorfahren absprechen muss“, erklärt sie und lacht herzhaft.

„Wir wollen ja über die Erbschaftssteuer sprechen und gleichzeitig mehr über Sie und Ihr Unternehmen erfahren“, beginne ich. Die Reaktion könnte nicht schneller erfolgen: „Ja, die Erbschaftssteuer-Initiative ist Mist. Verzeihen Sie meine Wortwahl in dieser Klarheit. Aber der hohe Frankenkurs beschäftigt und belastet uns. Wir haben unsere Mitarbeiter beruhigt, auch wenn wir Kunden haben, die uns bereits signalisiert haben, dass sie Aufträge derzeit prüfen müssten. Dazu kommt die Erbschafts- steuer-Initiative, die schwerwiegende Folgen für die vielen Familienunternehmen in der Schweiz hätte. Denn deren Liegenschaften und Anlagen sind schnell mal mehr als zwei Millionen wert. 80 Prozent der Firmen in der Schweiz sind in Familienhand. Ihnen durch eine solche Initiative Steine in den Weg zu legen, wäre fahrlässig.“ Dass die CEO der Berlinger & Co AG das elterliche Unternehmen dereinst führen würde, lag nicht unbedingt auf der Hand. „Ich habe die Handelsschule absolviert und landete im Hotelfach – doch wann immer ich zu Hause war, half ich im Betrieb oder gar beim Umbau unserer Liegenschaft mit. Die Verbundenheit mit unserem Familienunternehmen war damals schon sehr gross.“ Der Drang, etwas Eigenes zu machen, sei für sie dann 1992 der entscheidende Grund gewesen, in die Firma einzusteigen. „Ich bin in diesem Unternehmen gross geworden – für mich gab’s schon als Kind nichts Schöneres, als wenn mein Vater von einer Geschäftsreise zurückkam. Seine Erlebnisse haben früh meine Begeisterung für eigene Projekte geschürt. Das ist wie ein Virus“, erzählt die Unternehmerin voller Leidenschaft.
Dank über Generationen bestehender Passion schafften es Andrea und ihre Vorfahren, Dinge, die nicht mehr erfolgreich waren, loszulassen, sich zu diversifizieren und somit mit stetig neu- en Innovationen aufzuwarten. Das hat der Familie über Jahrzehnte andauernden unternehmerischen Erfolg eingebracht. „Mein Grossvater erfand ein Schrägband, das nicht ausfranst und im Schlauchverfahren produziert wird. Es wurde für BH- Umrandungen eingesetzt – da haben wir unter anderem mit Triumph kooperiert. Über die Firma 3M haben wir einen Chemie- streifen entdeckt, der die Temperatur misst und bei Impfstoffen eingesetzt wird, um eine Überhitzung anzuzeigen. Wir haben dieses Produkt weiterentwickelt, sodass unsere Geräte heute nicht nur die Temperatur überwachen, sondern auch anzeigen, wo und wann genau auf dem Transportweg eine Überhitzung stattfand.“ Andrea Berlinger zeigt mir begeistert ihre neuesten Produkte – darunter auch die aktuellen Dopingtests für Sportler mit den wohl allen bekannten A- und B-Proben. Die 46-jährige Unternehmerin spricht mit Begeisterung über die faszinierende Produktreise, die das Familienunternehmen in den letzten 150 Jahren hingelegt hat. Innovationen voranzutreiben erfordert aber auch immer finanzielle Mittel. Mittel, die durch eine Erbschaftssteuer gefährdet wären. Denn muss ein Unternehmen bei einer Geschäftsübergabe an die nächste Generation bis zu 20 Prozent seines Werts an Steuern abliefern, fehlt wichtiges Geld, um Innovationen voranzutreiben, Investitionen in neue Anlagen zu tätigen oder gar Arbeitsplätze zu schaffen. Viele Betriebe müssten wohl für die Begleichung der Steuer ein Darlehen auf- nehmen, weil sie gar nicht so viel Geld flüssig haben. „Die Initianten blenden komplett aus, dass viele Unternehmer beinahe ihr gesamtes Vermögen in den Betrieb investiert haben. Da liegen nicht mehrere hunderttausend Franken in der Kasse“, empört sich Andrea Berlinger und fügt an: „Das ist die erste Initiative, zu der ich mich öffentlich äussere. Wo ich das Gefühl habe, ich muss was tun, bevor es zu spät ist!“.
Weshalb sich Andrea Berlinger politisch exponiert? – Sie sieht das unternehmerische Erbe der letzten 150 Jahre in Gefahr. „Es ist mitunter die Triebfeder meines Mannes, der ebenfalls im Unternehmen tätig ist – und natürlich auch meine – dieses Unternehmen einmal als Ganzes weitergeben zu können. Es geht uns also um ein Gesamtkunstwerk – sonst würden wir nicht so hart arbeiten! Wenn die Erbschaftssteuer käme, müssten wir jetzt schon Geld zur Seite legen. Geld, das wir dann nicht haben, um zu investieren und Innovationen voranzutreiben! Ausserdem müssten wir das beiseitegelegte Geld auch wieder versteuern. Damit würden wir insgesamt sogar mehr als 20 Prozent Erbschaftssteuer bezahlen.“
Es sei schade um jeden Franken, der vom Unternehmen wegfliesse, wenn es um die langfristige Existenz der Firma gehe. Die blonde Unternehmerin schüttelt den Kopf. „Gerade in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen wir Unternehmer gegen die Konkurrenz bestehen können. Sonst ist man schnell weg vom Fenster.“
Die Initiative sehe zwar für Unternehmen Ermässigungen vor, wenn der Erbe das Unternehmen zehn Jahre lang weiterführt, aber konkrete Zahlen sucht man im Initiativtext vergeblich. Diese würden erst nach einer allfälligen Annahme der Initiative festgelegt. Die Unternehmen würden also über Jahre hinweg im Unklaren gelassen, was für sie gilt. Diese Unsicherheit sei für die Planung einer nachfolge Gift. „Ich kenne keinen Unternehmer, der diese Initiative unterstützt. Alle sind schockiert – das wäre ein wahrer Schlag für die Schweizer Wirtschaft.“ Auch die Liquidität eines Unternehmens wäre von dieser Initiative beeinträchtigt, ist Andrea Berlinger überzeugt. „Gerade bei der Übergabe einer Firma braucht es neue Ideen – und dafür wird frisches Kapital benötigt. Die Nachfolgegeneration verfolgt meist andere Ansätze, will sich selbst einbringen. Aber die zusätzliche Last, die mit dieser Erbschaftssteuer auf deren Schultern zu liegen käme, wäre fatal.“

Rechtzeitig zum Thema Nachfolge klingelt Andreas Handy. Die 12-jährige Tochter hat gekocht und möchte wissen, wann die Mama eintrifft. Gerade auch mit Blick auf ihre Tochter schliesst die engagierte Unternehmerin:
„Ich möchte am Ende meines Berufslebens sagen können, dass ich das Unternehmen vernünftig weitergeben kann. Ohne Last und ohne das Gefühl, dass es aussichtslos ist. Man soll mit Elan und Freude etwas erschaffen. Und wenn man sein Lebenswerk durch eine dumme Entscheidung oder Idee in Gefahr sieht, muss man seine Stimme erheben. Ich äussere mich in diesem Fall, weil ich glaube, dass es gut ist, wenn auch andere die Erbschaftssteuer und deren Folgen durch meine Augen sehen können.“

Weiterführende Informationen: www.erbschaftssteuer-nein.ch, www.berlinger.com

 

Die Redaktion von Ladies Drive stellt sich gegen die Initiative und empfiehlt ihren Leserinnen und Lesern, ein aktives „Nein“ in die Urne zu legen. Weshalb? Weil sie die Nachfolgeregelung vieler Familienunternehmen stark gefährdet und Damit dem Wirtschaftsstandort Schweiz schadet.

Text: Sandra-Stella Triebl
Foto: Dominik Golob

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