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DIE OLFAKTORISCHE WELT DES BLAISE MAUTIN

„Denn die Menschen konnten die Augen zumachen vor derld_no03_pdfteaser_03
Größe, vor dem Schrecklichen, vor der Schönheit und die Ohren verschließen vor Melodien und betörenden Worten. Aber sie konnten sich nicht dem Duft entziehen. Denn der Duft war ein Bruder des Atems.“
Patrick Süskind: Das Parfum

Text: Sandra-Stella Triebl

Unser Leben ist von Duftsequenzen durchsetzt. Ein Stoff, so flüchtig und doch so omnipräsent, dass man sich ihm nicht entziehen kann. Ein Sommerregen hat seinen Duft so wie ein Glas schwerer Amarone den seinigen hat. Dass man sich gut riechen kann, hat seinen wahren Kern und liegt darin begründet, dass unser Gehirn zuerst einen Duft aufnimmt und ihn dann mit bekannten Düften vergleicht und bewertet. Anschliessend gehen die Informationen weiter ans limbische System, dem Zentrum der Emotionen und Erinnerungen. Soweit die Theorie. Doch spätestens nach der ersten Lektüre von Süskinds „Das Parfum“ versteht man, wie olfaktorische Welten zur Faszination, zur Obsession werden können. Ladies Drive trifft in Zürich den Pariser Parfumeur Blaise Mautin und taucht mit ihm in seine Welt ab. Eine äusserst spannende und amüsante Reise beginnt …

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In der Zürcher Kronenhalle soll ich ihn treffen, diesen Schmelztiegel an lokaler Prominenz und unbezahlbarer Kunst zum Anfassen. Doch weit und breit kein Blaise Mautin. Der französische Parfumeur, der für die Präsentation seiner eigens für das Zürcher Park Hyatt kreierten Beautyserie die Schweiz besucht, lässt auf sich warten. Jeder Herr, der ohne Begleitung die Kronenhalle betritt, wird gemustert. Doch keiner wendet sich suchenden Blickes in die Runde und so warte ich geduldig. Wie er wohl aussieht, der Parfumeur aus Paris? – Ich muss die ganze Zeit an Grenouille denken, den mordenden Jüngling aus Patrick Süskinds „Das Parfum“, auf der Suche nach dem perfekten Duft. „Oh, Sandra, I have to kiss you“, schallt es plötzlich mit deutlich französischem Akzent laut über den Tisch hinweg und meine Gedanken werden abrupt beendet. Bevor ich es mir anders überlegen kann, werde ich verbusselt und sehe mich einem knapp 40-jährigen Mann gegenüber, mit dunklen, zurückgegelten Haaren und elegantem Anzug. Sein Gesicht ist rundlich, die Augen aufgeweckt und lachend, seine Gestik überschwänglich, irgendwie ausladend. Er hatte sich bekleckert und wollte sich natürlich nicht mit einem Fleck auf dem weissen Hemd einer Dame gegenüber zeigen.

Wir sitzen zwischen einem Miró und einem zauberhaften Chagall.

Bei der Menüauswahl wünscht er sich etwas Landestypisches oder eine Spezialität des Hauses. So empfiehlt man ihm das Wiener Schnitzel, zu welchem er gleich einen halben Liter Weisswein bestellt. Ich brauchte nur eine einzige Frage zu stellen und schon sprudelte mein Vis-à-Vis wie ein süsslich-lieblich vor sich hinplätschernder Gebirgsbach aus flüssigem Honig. Fröhlich erzählt er mir von seinen Laboratorien in Paris, die nur einen Steinwurf vom berühmten Arc de Triomphe entfernt liegen und natürlich von seinen Lieferanten, die sich, wie bei Süskind, in Grasse befinden. Seine Wortwahl ist blumig wie ein Flacon „L’air du Temps“. Inmitten des Verspeisens seines Schnitzels und den Erzählungen aus Grasse und Paris ergreift er über den Tisch meinen Arm und meint: „Oh, look at this Chagall! How amazing!“ Ich sehe mich einem Fremden gegenüber, der mit seinem melodischen Ausdruck in der Stimme jedem ein Lächeln auf die Lippen zaubert, denn seine Freude ist beinahe kindlich, direkt, die Faszination für die hier hängenden Kunstwerke ehrlich. Blaise Mautin steckt einen mit seiner Art so sehr an, dass man ihm mit einem Dauergrinsen im Gesicht gegenübersitzen muss. „Ich liebe es für Hotels zu arbeiten. Das ist keine kommerzielle Arbeit. Das ist Kunst“, urteilt er über seinen jüngsten Job fürs Park Hyatt und erzählt dabei stolz, dass er schon fürs Brenner’s in Baden-Baden und die Hyatts in Madrid, Paris, Moskau, Washington, Istanbul, Baku und eben Zürich gearbeitet hat. „Das stell ich mir aber schwierig vor. In Moskau riecht man sicher anders ein als in Istanbul oder eben Zürich“, sage ich spontan. Der Parfumeur nickt langsam und anerkennend. „Ja, in der Tat“, antwortet er bedächtig. „Es ist ein enormer Unterschied. Istanbul ist orientalisch mit russisch-türkischen Facetten, kraftvoll und dennoch modern. Zürich ist frischer, ein Spa-Duft, sehr subtil und bisexuell.“ Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, am Zürcher Duft schnuppern zu dürfen, denn im Moment kann ich mir noch nicht so plastisch vorstellen, wie ein „bisexueller“ Duft riecht. Aber meine Neugier ist definitiv geweckt.

Die Idee, ein Parfum zu kreieren, kam Blaise Mautin während seiner Tätigkeit in einem Spielzeugladen. „Ich dachte, es wäre ein perfektes Give-away für die Kunden.“ Damals war er 22 und arbeitete in seinem ersten Job als Türboy. Als, wie er selbst sagt, privilegiertes Kind wollte er ganz unten beginnen: „Denn alles im Leben ist eine Lektion“, so der Parfumeur weise. Gesagt, getan. Und schon bald wurde den Kunden des Pariser Spielzeugladens als Give-away eine Parfumkreation des Hauses geschenkt. Der junge Blaise Mautin begann eine Parfumeurschule zu besuchen und wusste schnell: Das ist seine Welt.

Mittlerweile ist er seit bald acht Jahren „Maître Parfumeur“. Einen Duft zu kreieren sei eine Passion wie die Malerei, „jeder Duft ist ein Zeichen“, sagt der 39-Jährige ganz leise, sodass man intuitiv den Kopf senkt und sich in seine Richtung beugt. „Hier haben wir den Geruch von Kartoffeln, Kaffee, von Intimität. Das ist mir sehr sympathisch!“

Angesprochen auf Süskinds Werk „Das Parfum“, beginnen seine Augen zu leuchten, seine Stimme wird geheimnisvoll: „Das Interesse des Parfumeurs, von anderen geliebt zu werden, das hat mich unglaublich fasziniert! Jeder Parfumeur träumt vom perfekten Duft. Doch er existiert nicht, sondern ist der Ausdruck des Geliebtseinwollens.“

Plötzlich dreht er sich zum Kellner um, der uns den Kaffee bringt, zupft ihn liebevoll am Ärmel und verlangt nach den intensiv riechenden Maiglöckchen vom Nebentisch. Doch leider ist das nicht möglich. „Die Herrschaften am Nebentisch feiern einen Geburtstag, das sind nicht unsere Maiglöckchen, sondern die der Jubilarin“, erklärt dieser lächelnd. Irgendwie kann man diesem Blaise Mautin nur schwer einen Wunsch abschlagen. Maiglöckchenduft sei etwas Banales, anders hingegen Gardenien aus Tahiti: „Sie sind mein Geheimnis!“, sagt er mit leicht zusammengekniffenen Augen und spitzem Mund.

Wieso Frauen stets zuckrig-fruchtig und Männer herb riechen müssen, möchte ich wissen. „Das ist absolut kulturell bedingt!“, antwortet er. Für Frauen werden meist Noten wie Patchouli eingesetzt, von der Komposition her sind Frauendüfte fragiler. „Ein süsslich liebreizender Duft ist sehr präsent und sehr verführerisch. Auch ein Mann will verführerisch sein. Aber nicht auf diese Weise! Nicht zuckrig! Er will mehr Diskretion in seinem Duft“, erklärt Mautin den Unterschied.

Während wir die Kronenhalle Richtung Zürcher Seepromenade verlassen, erzählt mir Mautin von seinen Auftragsparfums. Einmal, so erzählt er mit grossen Augen, habe er sogar mal Düfte für einen sehr reichen Mann entwerfen dürfen: „Für seine Frau, seine Tochter. Und seinen Helikopter!“

Nach ein paar Schritten setzt sich Mautin hin und beobachtet mit heller Begeisterung die Haubentaucher, Enten und Schwäne, die sich der Promenade entlang tummeln. „Ach, ist das herrlich hier!“, schwärmt er und sieht irgendwie glücklich aus.

Blaise Mautin ist ein Genussmensch. Er liebt alle schönen Dinge. Kunst, Musik, Wein und Schweizer Schokolade. Er singt unter der Dusche und geniesst das Leben, seine olfaktorische Welt. Als wir weitergehen, bleibt er an einem blühenden Strauch stehen und taucht seine Nase tief in die Blütendolden hinein. „Riecht gut!“ Ich tue es ihm gleich. Der süsse Blütenduft übertüncht für einen Moment lang den Geruch der vorbeifahrenden Autos und den Asphaltgestank der nahen Baustelle. Gerüche können einen immensen Einfluss auf das Unterbewusstsein haben. Nicht umsonst setzten bereits die Frauen in der Antike gewisse Duftessenzen zur Unterstützung ihrer Verführungskunst ein – die aphrodisierenden Mittelchen wie Sauerampfer oder Alraune sind seit jeher bekannt.

Doch Düfte spielen insbesondere in der Kindheit eine wichtige Rolle. Blaise Mautins Kindheit duftet nach der Küche der Maman, die dort so leckere Saucen zubereitete, nach Honig und nach dem Parfum der Mutter: Chanel No. 5. Und die Schweiz? – Die duftet natürlich nach dunkler, herber Schokolade, die er so sehr liebt. Und erstaunlicherweise mag er selbst den Geruch von Büchern und den neuer Autos. So etwas Flüchtiges wie ein Duft kann so manches auslösen, so zahlreiche Assoziationen und Erinnerungen hervorrufen und kann erstaunlich viel bewegen. Dabei arbeiten die Parfumeure mit einer Basis von 220 verschiedenen Noten: „Man benutzt aber meist nur 80“, so Mautin. „Ein Duft mit sechs unterschiedlichen Noten ist klarer. Will man aber mehr ausdrücken, soll er mysteriöser, tiefer sein, benötigt man mehr Produkte.“ Die Geheimnisse um die verschiedenen Essenzen verrät er natürlich ebenso wenig wie ein Zauberer seine Tricks. „Aber wenn man einen romantischen Abend möchte, kann ich Patchouli empfehlen. Orange ist harmonisierend, Ylang Ylang wiederum eher verführend“, gibt Mautin dann doch preis. Diese Ingredienzien sind übrigens auch in seinem fürs Park Hyatt Zürich kreierten Shampoos, Bodylotions oder Duftkerzen zu finden.

Unser Weg führt uns nun weg vom See, durch das hektische Stadttreiben, zurück Richtung Hotel und neigt sich seinem Ende entgegen. Schade, wie ich finde.

„Jedes Parfum ist ein Bébé. Eine Erinnerung“, sagt er zum Abschied. Er umarmt mich herzlich und bedankt sich für den langen Spaziergang am Zürichsee. Ich werde mich noch sehr, sehr lange an den Menschen Blaise Mautin und seine Welt erinnern. Da bin ich mir absolut sicher. Und das Park Hyatt duftet seit dieser Begegnung für mich irgendwie … anders …

www.blaisemautin.com
www.zurich.park.hyatt.ch

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