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8 FRAUEN

Wie es ist, in einer Männerdomäne Karriere zu machen. ld_no05_pdfteaser01
Text: Lydia Zechner & Sandra-Stella Triebl

Ja, es gibt sie, die Frauen in der Automobilbranche. Es gibt Vertretungen, die von Frauen geführt werden, Verkäuferinnen, Motorenentwicklerinnen, Sound-Ingenieurinnen, weibliche Marketing- und Public-Relations-Profis, Trendforscherinnen und viele mehr, die sich die Automobilbranche als Berufsfeld auserkoren haben. Doch was treibt Frauen in Männerdomänen wie diese?

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Wie und in welchen Bereichen beschreiten sie ihre Karriere und welche Erfahrungen machen sie dabei? Woran liegt es, dass Frauen in der Automobilbranche nur marginal vorhanden sind?

Unsere acht Ladies zeigen: Die Branche sucht teilweise händeringend nach weiblichen Kräften und bietet allerhand Chancen und Möglichkeiten. Liegt es dann wohl eher daran, dass die Autobranche zu wenig glamourös erscheint, um Frauen als Arbeitnehmerinnen anzuziehen? Oder scheitert es einfach nur daran, dass wir Frauen uns zu wenig zutrauen?

Eine Reportage über acht Frauen, die allesamt ihren Weg in dieser Männerdomäne gemacht haben. Selbstbewusst, engagiert, zielstrebig – aber trotzdem unbeschreiblich weiblich.

• Sabine Kehm,  Medienberaterin von Michael Schumacher und Leiterin Kommunikation Ferrari Zentraleuropa
Die 44-jährige Sabine Kehm hat eine einnehmende Präsenz, strahlt Ruhe, Gelassenheit und damit erhabene Souveränität aus. Wir treffen uns im Hotel Dolder Zürich an einem Sonntagnachmittag, zwischen spielenden Kindern, Kaffee- und Kuchenduft, einer aus der Ferne erklingenden Harfenspielerin und sprechen erst mal über die Unterschiede in der Wahrnehmung von Autos zwischen Mann und Frau. „Ich bin keine Verfechterin von Trennungen“, beginnt sie zögerlich. „Aber ich denke, das würde auch jeder Küchenpsychologe sagen, dass die Geschlechter einen unterschiedlichen Zugang zum Auto pflegen. Es liegt viel an der Erziehung. Einem kleinen Jungen sagt man: Guck mal, ein Golf. Dem Mädchen erzählt man: Schau doch, ein Auto.“

Dass Sabine Kehm mal zwischen PS und Autos Karriere machen würde, hätte sie sich wohl in diesem Ausmass nicht gedacht. Ihr Name ist vor allem aus der Formel 1 bekannt. Der Einstieg war eher Zufall. 1994, kurz vor dem Deutschland-Grand-Prix, da gab es diesen jungen deutschen Fahrer Michael Schumacher, der plötzlich Siege einfuhr. „Ich arbeitete seinerzeit bei der ,Welt‘. Die Formel 1 existierte in der damaligen Sportberichterstattung nicht, war nicht opportun.“ Weil keiner der gestandenen Sportjournalisten Interesse zeigte, seinen Arbeitsplatz für die Formel 1 verlassen zu wollen, packte sie, die junge, unerfahrene Volontärin, mutig ihre Chance am Schopf. „Ich war komplett ahnungslos, aber ich wollte einfach diese Geschichte machen“, erzählt sie uns lächelnd. „Ich bin da ziemlich rumgestolpert an diesem Wochenende.“ Sie fand sich unter lauter Männern wieder, die sie im Pressecenter der Formel 1 interessiert und gleichsam irritiert beobachtet haben, wie sie es ausdrückt. „Es ist ja oft so – zunächst erfährt man eine subtile Zurückhaltung, danach wird die Zurückhaltung zum Gegenwind, aber wenn man da mal durch ist, spielt das Geschlecht keine Rolle mehr.“

Sie zeigte sich also mutig, unerschrocken, neugierig und nicht zu schade, andere um Hilfe zu bitten. Es kam eines zum anderen. Nach dem ersten Formel-1-Rennen folgte ein nächstes und übernächstes und auf diese Weise eroberte sie dieses Neuland mit Charme, Intuition und Cleverness. „Die Männer waren teilweise auch erst mal verwirrt über die Fragen, die ich in der Presserunde gestellt hatte, weil ich von den Fahrern nie wissen wollte, wie es war, als das Heck ausbrach. Es gibt doch viel interessantere Fragen als diese.“ Sie lächelt und nippt genüsslich an ihrem Kaffee.

Ihr offenbar sehr viel intuitivere Zugang zur Formel 1 blieb auch dem späteren Rekordweltmeister Michael Schumacher nicht verborgen. Trotzdem kam das Angebot für die attraktive Journalistin, die Medienarbeit für den charismatischen Rennfahrer zu übernehmen, sehr überraschend. Die Hintergründe, weshalb die Wahl auf sie fiel, blieben eigentlich bis heute im Verborgenen: „Michael hat mir immer gesagt, ich sei ihm einfach aufgefallen, man hätte gut über mich gesprochen in der Branche und ich glaube, er hat es geschätzt, dass ich zwar kritisch, aber immer fair über ihn geschrieben habe.“ Trotzdem fiel ihr die Entscheidung, ihren geliebten Journalistenjob an den Nagel zu hängen und die Fronten zu wechseln, nicht leicht. „Ich war gerade ein halbes Jahr bei der Süddeutschen Zeitung, dort, wo ich immer hinwollte. Deshalb fiel mir die Entschluss wirklich sehr schwer.“ Und die clevere Publizistin wusste natürlich nur zu genau, dass solch eine Job auch Gefahren in sich birgt, dass ein Fehler ihrerseits von den Medien rund um den Erdball thematisiert werden würde. Der Reiz, die Neugier, dank dieser Arbeit Einblicke in diese Formel-1-Welt zu erhalten, die nur wenigen Menschen vorbehalten bleibt, siegte letzten Endes. „Michael ist im direkten Gespräch und in der Zusammenarbeit äusserst geradlinig und hat mir einen ebenso einfachen Vertrag vorgelegt, dass ich nicht mehr Nein sagen konnte.“

So einfach indes die Arbeit mit dem Formel-1-Star war, so schwer war ihr Einstand in der täglichen Arbeit. „Gewiss gab es Menschen, die nicht begeistert waren, die mich durch teilweise durchaus interessante Aktionen versucht haben, zu vergraulen.“ Geschafft hat dies indessen bis heute niemand. Neun Jahre dauert die Zusammenarbeit mit Michael Schumacher nun schon. Seit Frühjahr 2007 ziert zudem die Funktion als  Kommunikationsleiterin von Ferrari Deutschland ihr CV, seit diesem Jahr von Zentraleuropa.

Die blonde Naturschönheit hat in einer Männerdomäne par excellence Karriere gemacht, ohne sich darüber den Kopf zu zerbrechen, welche Rolle ihre Weiblichkeit gespielt haben möge. Sie ist der Typ Frau, der sich mit Haut und Haaren für etwas einsetzt, was ihr begehrlich erscheint. Entsprechend könnte sie sich mit einer Quotenregelung, welche Frauen vermehrt in Führungspositionen hieven würde, so überhaupt nicht anfreunden: „Die Situation ändert sich nur, wenn sich die Frauen ändern“, sagt sie bestimmt und ergänzt: „Ich halte einfach nichts davon, mich hinzusetzen und zu lamentieren, dass wir Frauen nicht vorhanden sind. Ich würde sagen: Ja, dann – go for it!“ – Eine Quote würde den Frauen nur schaden, ist sie überzeugt.

„Ich halte nichts davon, mich hinzusetzen und zu lamentieren, dass Frauen nicht vorhanden sind.“

Doch würde die Autowelt anders aussehen, wenn mehr Frauen für Entwicklung und Design verantwortlich zeichnen würden? – „Ich denke schon. Vermutlich würden Frauen mehr Wert auf raffinierte Details legen, ohne den Fortschritt außer Acht zu lassen.“Frauen lieben an Autos nicht nur die Farbe und schöne Details – das weiss Sabine Kehm nur zu gut. In Europa sind es noch nicht allzu viele, aber in China sind bereits 25% aller Ferrarikäufer weiblichen Geschlechts. „Es gibt immer mehr Frauen, die eine eigene Karriere vorweisen können, die vermehrt schöne und starke Autos kaufen. Ich meine, ich sitze doch auch lieber in einem makellos verarbeiteten Auto, das auch noch super fährt, als in einer Gurke. Auch Frauen können sich für Technologie und Motoren begeistern.“ Sabine Kehm lächelt übers ganze Gesicht.
Man unterstellt Männern, die sich einen luxuriösen PS-Protz kaufen, gerne mal einen gewissen Kompensationshintergrund. Haben Frauen eigentlich dieselben Motive beim Kauf eines Ferrari? – „Von den Kunden, die ich kennengelernt habe, sind es die wenigsten. Sie haben vielmehr Spass an dieser Form von unbedingter Sportlichkeit und Reaktivität.“
Sabine Kehm ist eine talentierte Kommunikateurin. Das zeigen ihre stets eloquent und wohlformulierten Antworten deutlich. Im Kreise des weltweit bekannten Michael Schumacher wurde auch sie zum VIP. Als wir im Internet recherchieren, finden wir eine Unmenge an Berichten und natürlich auch ihre älteren Artikel bei der Welt und der Süddeutschen. Ihr Schreibstil ist metaphernreich, mit einem Fluss voller wortgewaltiger Bilder. Man spürt die leidenschaftliche Journalistin in und zwischen jeder Zeile. Doch obwohl sie nie auf die andere Seite, diese PR-Seite, wechseln wollte, schien ihr Entscheid vor mehr als neun Jahren gut gewesen zu sein.
Sabine Kehm schreibt auch wieder – Bücher mit und über Michael Schumacher und die lesen sich übrigens genauso elegant wie ihre damaligen Artikel.

Sabine Kehm über
Frauen in der Formel 1
: „Es ist ein Fakt, dass es weniger technikbewanderte und technikbegeisterte Frauen gibt. Das gilt ja auch für die Formel 1, in der wir kaum Frauen in den Technikberufen finden. Die Frauen wären durchaus in der Lage, es sind aber an der Basis  einfach zu wenige.“
Frauenautos
: Gibt es für mich nicht. Es gibt nur Autos, die von Frauen aus praktischen Gründen häufiger gefahren werden.“
die Zukunft von Ferrari
: „In 20 Jahren wird ein Ferrari noch immer begeistern und eben mit einem Treibstoff und einer Antriebstechnik fahren, die sich mit den äusseren Begebenheiten vertragen. Ferrari wird immer Autos mit technischen Innovationen bauen. Die Möglichkeiten und das
Know-how sind ja wie sonst nirgends vorhanden, nicht zuletzt dank der Formel 1.“
 
 

Laurence Schirmann, Marketing-Direktorin Renault Suisse SA
Die 44-Jährige studierte Politikwissenschaften in Paris. Heute kann sie auf mittlerweile 19 Jahre Berufserfahrung in der Automobilbranche zählen. Weshalb sie den Geisteswissenschaften den Rücken kehrte, weiss die gebürtige Französin noch genau: Die Karrieremöglichkeiten in der Autobranche hatten sie beeindruckt. Das Produkt „Auto“ entpuppte sich für Laurence Schirmann auch als höchst umfassendes Faszinosum: Es ist ein Transportmittel, aber ebenso ein Vektor der gesellschaftlichen Positionierung, ein Mittel zur Betonung seiner Persönlichkeit, ein persönlicher Lebensraum, gar eine „conditio sine qua non“ von Freiheit und Autonomie. „Die Implikationen des Produktes Auto sind sehr differenziert und berühren äusserst sensible Bereiche der Persönlichkeit.“ Eine sehr eloquente Art und Weise, die Faszination Automobil zu erläutern. Eine Faszination, die vor allem seit vielen Jahren von Männern kreiert und beeinflusst wird.

Hat man es als Frau tatsächlich schwerer?
Laurence Schirmann, die einzige Marketingfrau Europas in den Reihen von Renault, findet hierzu deutliche Worte: „Ja, es ist schwerer als Frau. Vor allem von einem praktischen Gesichtspunkt aus: Um in seiner Karriere voranzukommen, muss man bereit sein sich zu bewegen, ins Ausland zu gehen und dies ist für eine Frau und Mutter oftmals schwieriger als für einen Mann. Und schlussendlich haben Frauen in einer effektiv von Männern dominierten Branche noch weniger das Recht, sich Fehler zu erlauben.“

Bei Renault gibt es jedoch durchaus Frauen in Top-Management-Positionen, aber noch zu wenige, wie es Laurence Schirmann ausdrückt. Um mehr Frauen in die Branche zu bringen, würde sie auch nicht vor einer Quotenregelung zurückschrecken: „Man kann ein Unternehmen so dazu bringen, systematisch weibliche Kandidaturen in Betracht zu ziehen.“ Derzeit scheint eher das Problem zu sein, dass sich für bestimmte Bereiche gar keine Frauen bewerben.

Die Autobranche gilt nach wie vor nicht als Wunschdestinationfür viele Mädchen.

Vielleicht vermag selbst hier die derzeitige Krise etwas zu verändern. In den Köpfen der Frauen wie auch in den Chefetagen der Unternehmen.

Laurence Schirmann über
Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Führungskräften:
„Ich glaube, dass die Form des Team-Managements zwischen Frauen und Männern spürbar unterschiedlich sein kann.“
Frauen und die Quotenregelung:
„Ich begrüsse eine Quotenregelung innerhalb einer begrenzten Zeit. Das Unternehmen kann sich daran gewöhnen, systematisch weibliche Kandidaturen in Betracht zu ziehen.“
ihr Lieblingsauto:
„Ich bin eine Anhängerin von Modus, Scenic, Espace. Die Sitzposition ist ideal, alle Passagiere geniessen den Komfort und die Geselligkeit an Bord und das Fahrvergnügen entspricht dem einer Limousine. Für mich eine klare Sache!“
 

 

Sandra Grau, Marketingdirektorin Ford Motor Company Switzerland
Die Marketingdirektorin von Ford Schweiz ist eine filigrane Persönlichkeit, zurückhaltend und sanft in der Gestik. Das Auto entdeckte sie mit 18 Jahren, als sie sich ihren ersten fahrbaren Untersatz zulegte: „Das war ein Fiat Ritmo, ein hellblauer, den mir mein Onkel, der Autolackierer war, auffällig knallig gespritzt hat“, erzählt sie mit einem breiten Lächeln. „Das war super für meine Eltern – die wussten immer, wo ich war“, ergänzt sie lachend.
Sie ist eher durch Zufall in die Autobranche gerutscht. „Ich begann bei Ford Schweiz temporär und besuchte neben meinem Job Vorkurse für die Kunstschule. Ich entschied mich dann doch, bei Ford zu bleiben und eine Feststellung anzunehmen und betreute in der Flottenabteilung Grosskunden. Als dann die Einführung des Brand Managements bei Ford Schweiz erfolgte, übertrug man mir die Verantwortung über Kleinfahrzeuge wie Ford Ka und Ford Fiesta.“ Sie lacht erneut, als wir wissen wollen, ob sie sich darüber mal Gedanken gemacht hat, weshalb man ihr ausgerechnet die Kleinfahrzeuge anvertraut hat. „Es passte wohl einfach und lag auf der Hand, dass sich eine Frau besonders gut in die Zielgruppe reinversetzen konnte.“ Mittlerweile sind seit ihrem Einstand bei Ford 15 Jahre vergangen und sie war für viele Bereiche verantwortlich. Unter anderem wurde sie als erste Frau in der Schweiz Zonenleiterin. 4½ Jahre betreute sie in dieser Funktion Ford-Händler.

 

Fehlt den Frauen der Biss für eine Karriere in der Autobranche?
In dieser Zeit habe sich in der Autobranche viel getan, sagt sie überzeugt. „Früher waren die Frauen Sekretärinnen oder in ihrer Paradedisziplin, der Kommunikation, zu finden. Das ist heute schon deutlich anders. Bei Ford in der Schweiz werden beispielsweise auch volumenstarke Händlerbetriebe von den Töchtern der Gründer geführt – und das mit grossem Erfolg.“ Generell scheint bei der Ford Motor Company insgesamt eine positive Grundstimmung für Frauenkarrieren zu herrschen. „Wir haben zahlreiche Frauen in den Top-Managements – in Schweden hat eine Frau sogar die Position der Generaldirektorin inne.“
Tja, die Skandinavier … so weit sind wir in der Schweiz nun leider noch nicht.
Fast so selten wie eine „British Guyana“ sind Frauen dort wie da allerdings in der Funktion einer Verkäuferin – obwohl wir von den wenigen existierenden Beispielen wissen, dass Frauen dank ihres Empathievermögens absolut erfolgreiche Beraterinnen sein können. „Frauen gelten für viele noch immer als weniger kompetent in der Beratung bei einem Autokauf“, gibt die Marketingdirektorin zu. Doch 80% der Kaufentscheidungen, so zeigen Studien, werden von Frauen zumindest stark beeinflusst.

Frauen zeigen sich, wenn sie die Chance denn ergreifen, als durchaus erfolgreiche CEOs, Marketingleiterinnen, Verkäuferinnen. Dieser Erfolg könnte noch so mancher Frau in dieser Branche beschert sein. „Ich bin überzeugt, viele Hersteller würden gerne Frauen anstellen!“, so die Marketingspezialistin von Ford Schweiz. Fehlt den Frauen denn der Biss für eine Karriere in Männerdomänen? – „Als ich hier jemanden für die offene Stelle als Brandmanager gesucht habe, hat sich keine einzige Frau beworben. Ich denke, eine Frau, die Karriere machen will, versucht dies vermutlich eher in einer anderen Branche. Aber ich muss sagen, ich finde Finanzen nicht so sexy wie ein Auto zu vermarkten.“

Sandra Grau über
die Krise in der Autobranche
: „Auch die wird einmal vorübergehen. Den Fahrzeugmarkt wird es immer geben. Es werden die überleben, die am Schluss das richtige Angebot haben. Ford bietet eine umfangreiche Produktpalette mit vielen Neuheiten an.“
die Trends
: „Das Auto ist individualisierbar geworden. Es wird immer mehr zum Lifestyle. Zudem ist das Potenzial, Frauen anzusprechen, noch längst nicht ausgeschöpft.“
die Karriere von Frauen in der Autobranche
: „Ich bin überzeugt, viele Hersteller würden gerne Frauen anstellen. Aber die müssen sich auch trauen, ihre Bewerbung einzureichen.“
 

Doris Rindlisbacher, MAN ProfiDrive Trainerin
In den Hallen des LKW-Herstellers MAN ausserhalb von Zürich empfängt mich eine schlanke Frau mit warmer Stimme und freundlichen Worten. Doris Rindlisbacher ist weltweit die einzige LKW-Fahrinstruktorin, die MAN in seinen Reihen hat. Lastwagenfahrer, 40-Tönner und dieses zarte Wesen? Irgendwie kann ich mir das zu Beginn noch nicht so gut vorstellen.

Die 45-Jährige startete ihre Karriere nicht bewusst in der Automobilbranche. Eine Banklehre sollte es sein. Als sie sich nach der Lehre für die EDV-Abteilung interessierte, winkte ihre Personalchefin ab und wollte die junge Frau stattdessen an den Schalter einer Filiale der Zürcher Bahnhofstrasse stecken. „EDV geht nicht!“, hiess es. „Es gibt nur Männer dort“, war die Begründung. „Das hat meine Mutter überhaupt nicht eingesehen. Sie hat sich sehr für mich eingesetzt!“ So wurde Doris Rindlisbacher mit zarten 19 Jahren die einzige Frau unter 300 männlichen Mitarbeitern eines Rechenzentrums. „Aber ich war schon immer in Männerdomänen zu Hause, wenn auch ganz unbewusst“, sagt sie und überlegt eine Weile. „Manchmal fragen die Leute mich auch, ob das nicht enorm schwierig sei. Aber ich denke, man darf nur keine Angst haben!“ Nein, wie eine ängstliche kleine Elfe sieht die Powerfrau nun wirklich nicht aus. Eher wie eine bewundernswerte Frau mit einem souveränen Selbstverständnis.

Muss man denn als Frau in Männerdomänen ebenso taff sein wie die Männer? – Doris Rindlisbacher schüttelt den Kopf. „Man muss mit Ruhe und Gelassenheit an die Sache gehen. Erst mal schauen, zuhören, sich nicht gleich profilieren wollen“, so ihr Rat. „Man muss als Frau sicher mehr leisten.“ Und einstecken können ist auch so eine Sache. Allzu zart besaitet sollte man vielleicht nicht sein.

„Vielleicht haben Frauen Angst und trauen sich zu wenig.“

„Als ich mich in München bei MAN ProfiDrive als Instruktorin anmelden wollte, dachte man vermutlich erst, das sei ein Witz. Wie, Doris Rindlisbacher? Doris? Eine Frau? Das gibts nicht!“, sie lacht amüsiert über ihre Anfänge bei MAN, die kaum drei Jahre zurückliegen. Entmutigen lassen darf man sich von solchen Reaktionen nicht.
Wenn es doch offenbar keine Nachteile für Frauen in der Männerdomäne der PS und Motoren gibt, weshalb finden wir trotzdem so wenige? – Auch Doris Rindlisbacher sucht nach Erklärungen: „Vielleicht haben Frauen Angst, trauen es sich zu wenig zu. Ich hatte anfangs auch Bedenken, ich könnte zu wenig kompetent sein. Irgendwann merkt man allerdings, dass so mancher Mann auch nicht mehr weiss als man selbst“, sie lächelt geheimnisvoll, schweigt sich indes über die Details aus.
Mittlerweile fährt sie vollbeladene 40-Tönner, macht Bremstests, unterrichtet hart gesottene Trucker, wie sie kraftstoffsparender fahren können und hilft, selbst technische Probleme an MAN-Lastwagen zu lösen. Und beliebt wie geschätzt ist Doris Rindlisbacher mittlerweile bei so manchem Berufsfahrer. „Ich spreche mit ihnen meist über ihre Familie, Beruf und Hobby. Mit männlichen Ausbildern sprechen die Chauffeure über Schrauben, Motoren und Technik.“
Doch nehmen die Männer sie nach diesen drei Jahren Tätigkeit auch ernst? – „Ach, das müssen sie wohl oder übel. Es zeigt sich sehr schnell, dass ich etwas kann. Und wenn die Männer spüren, dass man etwas kann, hat man sie auch schon in der Tasche.“

Doris Rindlisbacher über
Frauen in Männerdomänen
: „Man muss nicht taffer sein als die Männer. Aber hin und wieder mehr Ausdauer besitzen.“
die Angst der Frauen in Männerdomänen
: „Ich glaube schon, dass Frauen Angst haben. Ich denke, sie sollten es sich einfach zutrauen. Oft spürt man, dass die Männer es auch nicht besser können. Sie tun Dinge einfach nur anders.“
die Faszination eines LKWs
: „Der rote 100-Tönner, der bei uns in der Halle steht, gefällt mir besonders gut, die Grösse, Kraft und Technik sind schlichtweg imposant.“
 

Caroline Mahieu, Managing Director LeasePlan Schweiz AG
Die attraktive Belgierin wuchs in Brüssel mit drei Schwestern auf. Die Eltern, beide Unternehmer, wappneten ihre Kinder bestens für ihre berufliche Zukunft, erzählt uns Caroline Mahieu: „Wir wurden motiviert, fleissig zu studieren und unseren Weg zu gehen.“
Caroline Mahieu ist heute in einem Seitenzweig der Automobilindustrie in leitender Funktion tätig. Einer Männerdomäne hoch zwei. Genauer gesagt befinden wir uns hier im Bereich des Fuhrpark-Managements. Das Thema Männderdomäne beschäftigte die 41-Jährige bislang allerdings ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie in dieser Branche fast schon Seltenheitswert besitzt: „Ich hab mir darüber nie Gedanken gemacht. Man sollte das Thema auch nicht überstrapazieren, um nicht zu sagen: für mich ist es gar keines.“ Was für die vorangegangenen Portraits gilt, trifft auch bei Caroline Mahieu zu. Der Weg in diese Branche war zufällig, nicht geplant. In Gent studierte sie erstmal Literatur- und Sprachwissenschaften, erlangte das Diplom als Dolmetscherin und ergänzte ihre Ausbildung danach ohne Pause mit einem MBA in Wirtschaftswissenschaften. „Ich trage beides in mir, habe vielseitige Interessen“, sagt sie lächelnd in ihrem schlichten Büro in einem Zürcher Vorort. Caroline Mahieu ist ein wahres Multitalent – sie spricht fünf Sprachen und hat innert kürzester Zeit im Unternehmen LeasePlan Karriere gemacht. 16 Jahre liegt der Eintritt in das Unternehmen nun zurück.
Für Caroline Mahieu ist das Wichtigste in Zeiten wie diesen, dass Kurzfristiges die langfristig gesteckten Ziele nicht gefährdet. Entscheidungen müssen getroffen werden – als Managing Director ist es damit häufig an ihr, diese Entscheidungen zu treffen anstatt welche auszuführen. „Manchmal ist es aber einfach unmöglich, Entscheide zu treffen, die für alle stimmig sind“, gibt sie zu. Frauen in Führungspositionen müssen damit dasselbe tun wie ihre männlichen Kollegen: Entscheide treffen, dessen Auswirkungen Menschen unter Umständen gar gegen sich aufbringen. „Manchmal muss es eben sein“, sagt Caroline Mahieu mit fester Stimme und legt ihre Stirn in Falten. „Man muss den Gedanken ablegen, es allen recht machen zu können. In solch einer Position ist das schlicht unmöglich.“

Hat man noch eine Chance, weiblich zu sein?

Caroline Mahieu hat mit Sicherheit genügend Selbstbewusstsein, um ihren Weg weiterzugehen. „Man muss mit sich selbst Frieden finden, sonst schlummert eine Unruhe in einem, die irgendwann ausbricht. Ein vitaler Geist in einem gesunden Körper sind die Basis für eine professionelle Höchstleistung.“
Es wird auch gemunkelt, Männer hätten ihre liebe Mühe mit starken Frauen. Wie empfindet Caroline Mahieu dies? – Sie erzählt uns von unterschiedlichen Erfahrungen. Nach einigem Hin und Her überlegen gibt sie zu: „Ich denke, es ist sicher so, dass manche Männer damit Mühe haben. Aber ich bin ja nicht nur Funktion, ich bin auch ein Mensch.“
Eine Quotenregelung beispielsweise in Verwaltungsräten käme für Caroline Mahieu im Übrigen nie in Frage. „Weil es grundsätzlich keine Antwort ist auf die Frage, die im Zentrum stehen sollte – nämlich, wer ist der Kompetenteste für diesen Job. Eine Quote wäre ja wieder ungerecht aus Sicht der Männer.“ Hingegen sollten sich Unternehmen viel eher dazu verpflichten, erklären zu müssen, weshalb es keine Frauen in ihren Verwaltungsräten gibt.
Durchaus ein sehr spannender Ansatz, den es lohnen würde, weiterzuentwickeln.

Caroline Mahieu über
ihr Verhältnis zum Auto:
„Es ist ein sehr pragmatisches, auch wenn ich eine Leidenschaft für alte Automobile habe.“
Frauen in Männerdomänen:
„Man braucht etwas Mut und Geduld, sich da hineinzuwagen. Aber die Chancen sind da.“
ihre persönliche Strategie
: „Man muss am Anfang manchmal etwas mehr Druck machen, damit man gehört wird. Ganz nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.“
 
 

Rita Forst, Executive Director, GME Vehicle Systems & Integration, General Motors Europe Engineering, Rüsselsheim
Rita Forst ist 53, hat zwei Söhne und eine ruhmvolle Karriere in der Automobilbranche hingelegt. Karrieren wie die ihre sollten Mut machen und zeigen: Frauen können alles – wenn sie es sich nur zutrauen.
„Ja, es war eine Mehrfachbelastung mit den Kindern“, gibt Rita Forst zu. Aber es sei die richtige Entscheidung für sie gewesen. „Ich glaube, ich hab das gut ausbalanciert“, sagt sie und etwas Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. „Es war auch hart“, gibt sie eine Sekunde später zu bedenken. „Ich würde trotzdem alle Frauen ermutigen, davor keine Scheu  zu haben.“
1977 hat die Ingenieurin ihre Laufbahn bei der Adam Opel GmbH gestartet, heute hat sie eine führende Position bei GM Europe Engineering inne. Sie sieht durchaus einen positiven, wenn auch verhaltenen Trend: „Wir beschäftigen immer mehr Frauen im Engineering und Design, der Software-Entwicklung oder den technischen Berechnungen wie CAD. Als ich die Hochschule absolvierte, war ich eine von zwei Frauen unter 100 Abgängern.“ Heute sind es zumindest 10 – 15%, weiss Rita Forst. „Ich beobachte, dass sich Frauen, die sich für solche Berufszweige interessieren, ein sehr grosses Engagement entwickeln und ihren Plan dann auch durchziehen.“
„Dass es sich Frauen weniger zutrauen, eine technische Ausbildung anzupacken, liegt am konservativen Denken“, ergänzt Rita Forst. „Wieso musst du dir das antun, das ist doch so schwer, hört man oft. Hier müsste die Gesellschaft einen Wandel vollziehen und solche Frauen unterstützen.“

Eben diese Unterstützung erfuhr Rita Forst schon früh durch ihre Eltern. So hatte sie auch nie das Gefühl, sie sei nicht auf dem richtigen Weg. Die Grundlage schaffte eine Industrielehre, danach studierte sie Maschinenbau und wusste genau, was sie wollte: Motoren entwickeln. Gleich nach dem Abschluss stieg sie ins Co-Engineering ein, konstruierte und entwickelte mit Leidenschaft und Hingabe Motorenbauteile. Beharrlich und ausdauernd zeigte sie aber nicht nur Passion, sondern auch Talent und den nötigen Fleiss. „Als Frau muss man in solch einer Branche seine Zuverlässigkeit und Kompetenz permanent unter Beweis stellen, ohne dabei die männlichen Attribute in der alten Management-Denke anzunehmen.“ Rita Forst weiss, dass dies kein einfacher Weg ist.

„Frauen müssen auch mal raus aus ihrer geliebten Komfortzone.“

 

Rita Forst verwendet in diesem Zusammenhang einen Terminus, der es uns angetan hat: die Komfortzone. „Wir Frauen machen das am liebsten, was uns liegt. Nicht das, was man machen sollte. Man muss auch einmal die persönliche Komfortzone verlassen, um seinen Horizont zu erweitern.“
Liegt es also doch an den Frauen? Müssen wir mehr agieren, statt zu reagieren und reklamieren? – Auch Rita Forst musste erst aus der Komfortzone treten, dachte selbst daran: „Wenn das keinen Spass mehr macht, dann hab ich eben Kinder.“ Was es allerdings braucht, sind weitergehende Veränderungen in der Gesellschaft, Lösungen, neue Rollenbilder. „Der Wandel hat begonnen“, sagt sie leise, aber voller Überzeugung. „Es gibt Dinge, die wir erst miteinander begreifen und umsetzen müssen“, und klingt dabei irgendwie sehr weise und besonnen.
Frauen gehören zu einer wichtigen Kundengruppe – entsprechend ist es nötig, Frauen auch auf sämtlichen Hierarchiestufen im Unternehmen zu integrieren. „Die Möglichkeiten sind da. Aber man muss sich im Klaren sein, welche Härte solch ein Laufbahn mit sich bringt.“ Ein Kuschelkurs ist es in der Tat nicht – das berichten uns alle Frauen. Es ist ein Weg voller Entbehrungen – das würde es wohl eher treffen.

 

„Ich gehe davon aus, dass die Autos der Zukunft teurer werden. Denn es gibt keinen Königsweg.“

Einen schwierigen Weg beschreiten derzeit wohl auch fast alle Automobilhersteller. Die Herausforderung besteht aus Sicht von Rita Forst nun vor allem darin, eine umweltverträgliche Technologie so schnell als möglich zu vernünftigen Preisen anbieten zu können, sie spricht in diesem Zusammenhang gar von einem grundlegenden Strukturwandel. „Ich gehe davon aus, dass die Autos generell etwas teurer werden.“ Denn derzeit läuft ein wahres Wettrüsten um die Verbesserung bestehender Technologien, sprich der Verbrennungsmotoren und der Erschaffung und Erforschung neuer Antriebskonzepte. „Wir müssen auf all diesen Technologien parallel und intensiv forschen. Das ist eine teure Geschichte, gerade in der Krise, in der man eher die Sparschraube ansetzt. Eigentlich müssten wir gerade jetzt investieren“, verrät uns die 53-Jährige.
Wir sprechen noch eine ganze Weile über die Frauen in der Branche, die Krise und ob diese mit mehr Frauen in entscheidenden Positionen wohl weniger schwerwiegend ausgefallen wäre. „Frauen hätten das wohl auch nicht verhindert. Aber sie hätten es abgemildert, hätten vermutlich eine andere Risikobewertung vorgenommen.“
Keiner weiss es und wird es je erfahren. Doch die Krise ist da, genauso wie die Chancen, sie zu lösen. „Packen wir’s an!“, sagt Rita Forst am Schluss unseres Gesprächs.

 

Rita Forst über
ihre Beziehung zu Autos und Motoren
: „Es war immer schon ein sehr emotionales Verhältnis – das war mit 18 so und hat sich auch mit den Jahren nicht verändert.“
den Stress, sich beweisen zu müssen
: „Das geht mir auch nach 30 Jahren nicht anders. Erst hab ich das als ungerecht empfunden. Aber es hat mich angespornt, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.“
sich selbst als Role-Model
: „Als Führungskraft muss ich ein Vorbild sein. Denn ich kann von niemandem etwas verlangen, was ich selbst nicht zu leisten vermag.“
 
 

Gabriele Kordes, KFZ-Fachfrau, Köln
„Wie, Frauen haben kein Talent für Technik? Wir können nicht parken? So ein Quatsch“, würde Gabriele Kordes bestimmt hierzu sagen. Die Handwerkerin wurde als erste Frau im KFZ-Gewerbe ausgezeichnet und dies gleich mehrfach – unter anderem mit einem Special Award der Deutschen Shell, KFZ-Betriebe und AKB-Bank oder dem Ehrenamtspreis der Stadt Köln. Zudem ist sie Initiatorin der „Frau ist mobil“-Internetplattform und engagiert sich mit dem Mut einer Löwin und der Hartnäckigkeit eines Terriers für die Anerkennung der Frauen in den Betrieben.
Der Frauenanteil im KFZ-Gewerbe liegt in Deutschland bei knapp zwei Prozent. Lediglich 1,4 Prozent aller in Deutschland tätigen Mechaniker sind Frauen. Und Meisterinnen gibt es unter den 3536 Absolventen des vergangenen Jahres weniger als ein Prozent. Erbärmlich wenig. Manchmal hört man hinter vorgehaltener Hand, dass man es den Frauen in den Betrieben, noch stärker aber Frauen in handwerklichen Berufen in der Autoindustrie doch sehr schwer macht. „Man braucht Wissen, muss von sich und seiner Arbeit überzeugt und bereit sein, sich nötigenfalls Respekt und Anerkennung zu verschaffen.“
Das klingt ebenfalls nicht nach Kuschelkurs. Gabriele Kordes ist eine starke Frau, die schon früh wusste, was sie wollte. „Mit 14 sollte es eine Ausbildung als Zweiradmechanikerin sein. Doch das klappte nicht und ich absolvierte eine Ausbildung als Bürokauffrau.“ Durch ihren ersten Ehegatten kam dann aber doch der Schritt in ein Autohaus. „Mein damaliger Mann war nicht immer begeistert von meinen Ideen, aber ich hab mich durchgesetzt, weil ich gesehen habe, dass ich richtig lag.“
Die Frau als Kundin entdecken, das ist die grosse Aufgabe vieler Garagen und KFZ-Betriebe. „Die Betriebe, die Frauen als Zielgruppe ernst nehmen, sind in der Minderzahl. Seit meiner Homepage habe ich in Deutschland einiges bewegt, aber es gibt noch viel zu tun.“ So würde Gabriele Kordes nicht nur beim Service, sondern auch beim Angebot im Showroom so einiges ändern: „Oft fehlen in den Betrieben beispielsweise kostenlose Getränke, ein Angebot für die Kinder mit entsprechendem Unterhaltungsmaterial wie Fernseher, Playstation, Maltafel, Kakao, Limonade, Wickelkommode und so weiter.“ – Eigentlich erstaunlich, kommen doch auch hin und wieder Väter mit ihren Söhnen in einen Betrieb.
Würden denn mehr Frauen in KFZ-Berufen und im Verkauf auch eine Veränderung der Branche bewirken? – Gabriele Kordes ist davon fest überzeugt. „Es würde sehr viel ändern. Es würden sicher auch mehr Frauen in den Showroom kommen, um sich von einer Frau beraten zu lassen. Die Hemmschwelle fällt.“ Zudem sei auch eine Verbesserung der internen Zusammenarbeit und Unternehmenskultur, aber auch positive Wirkung in der Außenkommunikation mit Kundinnen, Auftraggebern und potentiellen Bewerbern die Folge.
Vielleicht wären dann die Garagenbetriebe auch ästhetischer, mit freundlichen Farben, ebensolchen Beraterinnen und einer Atmosphäre, die einen Willkommen heisst. „Hier kommen halt wieder die Klischees zum Tragen. Wenn sich an dieser Einstellung jedoch nichts ändert – und die Krise wäre der richtige Zeitpunkt hierfür – werden diese Betriebe den Bach runtergehen.“

Gabriele Kordes über
den Zustand vieler Garagenbetriebe
: „Da muss sich zwingend was ändern. Schliesslich geht es um Service. Und man soll die Frauen in den Showrooms nicht nur im Sommer in ihren knappen Kleidchen wahrnehmen.“
über den Zustand der Branche
: „Sie sollten sich auch mal die TV-Werbung ansehen, die derzeit für Autos läuft. Manche geht einfach am Thema vorbei.“
die Bedeutung des Autos
: „Für mich bedeutet es Freiheit und Unabhängigkeit.“
 
 

Natanya Ford, Tonmeisterin Bang & Olufsen, derzeit an einem Projekt bei Aston Martin/England
Die 35-jährige Engländerin ist derzeit für ein Projekt bei einer der begehrtesten Automarken engagiert – bei Aston Martin. „Die Leute ziehen schon die Augenbrauen hoch, wenn ich sage, dass ich für Aston Martin arbeite. Schnelle Autos und Musik, das ist auch eine fantastische Kombination“, erzählt sie uns amüsiert. Natanya Ford hat bei der englischen Luxusmarke die Aufgabe, die besten Komponenten aus dem eigenen Hause gemeinsam mit Aston Martin bestmöglich zu verbauen. „Am wichtigsten ist die Platzierung. Die Boxen müssten so hoch wie möglich in der Tür und damit nah am Ohr des Fahrers platziert werden. Lautsprecher beim Knie bringen gar nichts!“, erklärt uns die charmante Engländerin. Doch die attraktive Mittdreissigerin ist mehr Musikerin, denn Technikerin. Seit ihrem vierten Lebensjahr spielt sie Violine, besuchte ein Musikgymnasium. „Mehr als das Bedürfnis, auf einer Bühne zu stehen, faszinierte mich bei der Musik das Momentum der Psychologie, der Akustik.“ Menschen sind komplexe Kreaturen, so geht es beim Hören immer um eine Kombination unserer Sinne. Hinzu kommt, dass das Hörempfinden sehr subjektiv ist. „Ich horche manchmal vier bis fünf Stunden, wie der Sound in einem Auto klingt, mache eine Pause und wenn ich zurückkomme, klingt alles anders.“

 

„Erst die Vibrationen des Basses machen Musik für uns spürbar.“

Ob die Violinistin und Tonmeisterin wohl einen Tipp für uns hat, wie wir den besten Sound in unserem Auto selbst inszenieren können?
„Am besten ist es, alles zurück auf neutral zu stellen, zu horchen, wie es klingt und dann jede Einstellmöglichkeit wie Bass, Mitten und Höhen einzeln so lange einpendeln, bis es einem gefällt.“ Oft müsse man nämlich auch darauf achten, wie mittig der Sound eingestellt sei, vor allem wenn man hochgewachsen ist.
Immer wieder mal begegnen einem indes die fahrenden CD-Player, welche bei jedem Basseinsatz dröhnen und vibrieren. Doch Natanya Ford hat eine einfache Erklärung hierfür: „Wenn man fährt, gibt es viele Nebengeräusche wie Reifen, Regen oder Wind. All diese Elemente wirken eigentlich störend. Die Frequenzen können dazu führen, dass man den Bass verliert, deshalb stellen viele Menschen den Bass erst mal auf volle Stärke ein. Aber man muss auch bedenken, dass man den Bass fühlen kann, im Bauch, im Rücken. Musik wird somit spürbar.“ Das ist aber nicht das, was Bang & Olufsen möchte, ganz im Gegenteil – hier pflegt man eine Philosophie, die komplett von einem dominierenden Bass weggeht. Die Gesamtkomposition von Höhen, Mitten und Tiefen ist vielmehr das Entscheidende.
Doch nicht nur Reifengeräusche haben eine Auswirkung auf den Sound. So verändern selbst die Sitzbezüge die Parameter – je nachdem, ob sie aus Stoff oder Leder bestehen. Schlimmer sei nur noch ein Cabriolet oder wenn im Auto mal eine, dann wieder vier Personen sitzen, so Natanya Ford. Deshalb versucht Bang & Olufsen verschiedene Settings für die neusten Aston Martins anzubieten, in denen all diese Variationen bereits bestens abgestimmt sind.
Auch die schöne Natanya Ford bewegt sich in einer Männerdomäne. „Bei Bang & Olufsen sind die Tonmeister mehrheitlich männlich, in der Automobilbranche ist die Dominanz ohnehin augenscheinlich. Das hat mir aber nie Probleme bereitet.“ Sie habe einfach nie darüber nachgedacht, ob sie anders ist oder nicht. Hart arbeiten und versuchen, das Beste aus sich rauszuholen, das ist ihr Erfolgsrezept. Nicht nur für eine steile, sondern auch glückliche Karriere. „Aber ich muss schon zugeben, dass diese Branche natürlich nicht die glamouröseste ist. Vielleicht ist es für viele Frauen keine wünschenswerte Karriere. Ich wollte das aber schon als Kind. Für mich ist es mein Traumjob.“ Und nach einigen Momenten nachdenklicher Stille ergänzt sie lächelnd: „Ich finde das auch viel spannender als die Modebranche.“

Natanya Ford über
das Soundgefühl in einem Aston Martin und in einem Audi
: „Das ist komplett unterschiedlich, denn hier spielt nebst dem Raum, der Platzierung der Lautsprecher etc. auch die Psycho-Akustik mit.“
guten Sound im Auto
: „Ich drehe in einem neuen Auto immer alles auf neutral und pegle dann die einzelnen Einstellungsmöglichkeiten so ein, wie es mir persönlich gefällt.“
die Männerdomänen Tonmeister und Autobranche
: „Vielleicht ist es für viele Frauen keine wünschenswerte Karriere. Ich muss sagen, ich geniesse es – man war immer zauberhaft zu mir.“
 

Weiterführende Informationen:

www.aral.de (Studie zum Thema Autokauf)
www.bang-olufsen.dk
www.frau-ist-mobil.info
www.ford.ch
www.renault.ch
www.leaseplan.ch
www.gm.com
www.man.de
www.ferrari.com

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