Swiss Ladies Drive GmbH
Haufen 201 | 9426 Lutzenberg
Schweiz
___________________________________
Chief Editor & Publisher
Sandra-Stella Triebl, Lic.Phil.I
sst[at]swissladiesdrive.com
___________________________________
General Manager
Sebastian Triebl
st[at]swissladiesdrive.com
__________________________________
Sekretariat
info[at]ladiesdrive.tv
+41 79 88 44 373
__________________________________
Redaktion
redaktion[at]ladiesdrive.tv
+41 79 88 44 373

Inserate
Sandra-Stella Triebl, Lic.Phil.I
stella[at]ladiesdrive.tv
__________________________________
Franchise
Swiss Ladies Drive GmbH is licensing the magazine Ladies Drive worldwide now.
For conditions please contact:
Sebastian Triebl
seb[at]ladiesdrive.tv
__________________________________
Disclaimer
Die Swiss Ladies Drive GmbH und das Magazin Ladies Drive sind
nicht verantwortlich für die Funktionalität und Inhalte externer Links!

3

26. RAID SUISSE-PARIS

plakat_rspBasel – Karlsruhe – Reims – Versailles, 
und der Geburtstag einer Legende mit den drei magischen Buchstaben GTI

18. bis 21. August, 88 Oldtimer, rund 620 km Ralley, durch wunderschöne Landstriche und Ortschaften – automobile Kultur. Ladies Drive war dabei, im Team Volkswagen Frauenpower. Passt!

Wir fahren zwar keinen eigenen Oldtimer, aber dafür ein Kultauto – 40-jährig, rot, 230’000 km auf der Haube. Den VW Golf 1 GTI, den Verkaufsschlager, der seit 1976 eine ganze Generation beschäftigt.

Das Fahrerbriefing mit den letzten Informationen zur RAID besucht. ✓
Technische Kontrolle bestanden. ✓
RAID-Schild, Seiten- und Heckkleber regelkonform montiert. ✓

Den Golfball am Schalthebel und das Sportlenkrad mit den drei gelochten Speichen fest im Griff starten wir um 13:31 als Nummer 79 im Rundhof der Messe Basel. Nach dem Posieren auf dem legendären RAID-Podium ziehen wir unsere Runde unter Applaus der begeisterten Ralley- und Oldtimerfans. Leise rieselt der Regen. Die vor uns gestarteten Veteranen-Fahrer spannen in den offenen Versionen Schirme auf.

Zuerst noch einige Hintergrundinfos:

Es gibt drei Kategorien: Vétérans – die grossen Klassiker; Tourisme – die grosse, traditionelle Kategorie des RAID, hier sind wir eingeteilt; openRAID – ohne Prüfungen. Wir erhalten jeden Tag ein neues Roadbook mit Angabe der generellen Durchschnittsgeschwindigkeit und der exakten Kilometer pro Etappe. Total sind fünf Etappen zu fahren. Ein umfangreiches Veranstaltungsreglement, das vor Antritt studiert werden musste, ist die Grundlage der RAID.

Die effektive Startzeit der Tages-Etappe wird jeweils ins Bordblatt eingetragen. Die Soll-Ankunftszeit am Ziel müssen wir errechnen. Wir haben ein Zeitfenster von 12 Minuten, innerhalb dem wir die Durchfahrtskontrolle passieren müssen. Dies bei Etappenlängen von bis zu 220 km. Wenn wir vor Beginn oder nach Ablauf des individuellen Ankunftszeitfensters eintreffen, regnet es Strafpunkte.

Ziel des ersten Tages ist Karlsruhe. Wir fahren auf der französischen Seite dem Rhein entlang. Ein Schleppkahn begleitet unsere Fahrt. Nach Überquerung des Rheins werden wir bei der Einfahrt in den Ehrenhof des Barockschlosses Rastatt, erbaut rund 1700 und angelegt nach dem Vorbild von Versailles, unter Beifall empfangen. Wir sind schon ein bisschen stolz, die erste Etappe so gut geschafft zu haben. Viele bestaunen unseren vierreifigen Begleiter. Erzählen, dass sie auch eine Golf 1 gefahren haben, oder sich immer einen wünschten, vor allem als GTI. Und was macht er? Der Oldie posiert fürs Selfie von zwei jungen Groupies.

Als wir unser individuelles Auswertungsblatt zum ersten Tag erhalten, kommt beim Anblick der hohen Anzahl Strafpunkte etwas Frust auf. Denn es ist nicht einfach alles nur Friede, Freude, Eierkuchen. In allen Etappen werden wir unterwegs immer wieder für Sonderprüfungen angehalten. Sportlicher Wettbewerb ist gefragt, nicht auf Geschwindigkeit, sondern auf Zeit. Nervös berechnen wir bei den Gleichmässigkeits- und Navigationsprüfungen so rasch wie möglich Distanz oder Zeit, und versuchen bei den Schlauchprüfungen von max. 100 Metern (Zeitmessung wird durch auf dem Boden liegenden Druck-Schläuchen erfasst) genau auf die Hundertstelsekunde einzufahren. Tönt alles viel einfacher als es ist! Bei den Prüfungen wird pro über- oder unterschrittene 1/10 Sekunde 1 Strafpunkt belastet. Pro 1/10 Sekunde!

Unser Sorgenkind: Die Hidden-End Prüfungen. Die Startzeit wird ins Bordblatt eingetragen und wie erhalten eine Schnitttabelle. Wir müssen die Strecke unterteilt nach jeweils genau vorgegebenen Geschwindigkeiten durchfahren. An einem geheimen Ort wird dann die Zieldurchfahrt elektronisch gemessen.

Am zweiten Tag folgt der Start beim prächtigen Schloss Karlsruhe. Das Ziel: Die Champagnerstadt Reims. Über romantischen Strassen durch die südliche Pfalz fahren wir nach Frankreich und geniessen beim nächsten Halt im Château Utzschneider, Sarreguemines, Café und Croissant. Dann geht es an die Mosel. In der eindrücklichen Abbaye des Prémontrés, Pont-à-Mousson, schlemmen wir am legendären Freitagsbuffet eines Maître Traiteur de France. Durch die Champagne wechseln sich lange, schnurgerade Strassen mit stark kurvigen Abschnitten ab. Unser 40-jähriger GTI beschleunigt wie ein jugendlicher, mit Leichtigkeit, begleitet von seinem charakteristischen kernigen Sound.

Nach dem Etappen-Abschluss geht es zum wohlverdienten, köstlichen Champagner bei Champagne MUMM. Ein Shuttlebus-Service bringt uns dann ins auch heute sehr gute Hotel mit feinem Abendessen. Auswertungsblatt zum zweiten Tag: Nur noch weniger als 1/10 der Strafpunkte vom ersten Tag. Jähhhh!

Es ist Samstag, der dritte und letzte Ralley-Tag. Heute ist ein spezieller Start – vor den Kulissen des Tribünen- und Boxenlagers der ehemaligen Rennstrecke des Grand Prix de France, dem Circuit de Reims-Gueux. Die letzten 227 km liegen vor uns. Man hört fast noch die heulenden Rennmotoren von früher. Oder sind das die startenden Oldtimer, die wahrscheinlich örtlich inspiriert teilweise kräftig Start-Gas geben?

Wir wechseln von der Champagne in die Ile-de-France, dann geht’s Richtung Paris, durch Rebberge und Felder. Heute gibt es individuelles Picknick mit Lunchbag, bei uns mit wundervollem Blick auf eines der riesigen Weizenfelder. Zur Auflockerung muss eine Etappe mit spiegelverkehrten Angaben, sowohl der Ortsnamen als auch der Richtung selbst, gefahren werden. No problem, wir haben einen Schminkspiegel dabei…

Das Ziel des 26. RAID SUISSE-PARIS: Ein prachtvoller Park mit einem grossen Château vor den Toren von Paris. Das Château de St. Jean de Beauregard, ein privates Schloss aus dem 18. Jahrhundert. Wir reihen uns zur genau richtigen Ankunftszeit ein, und…Zielflagge! Beim traditionellen „Fin du RAID Apéritif“ Im Schlosshof stossen wir etwas müde aber glücklich auf dieses nicht alltägliche Erlebnis an.

Unsere letzte Fahrt führt uns Richtung Hotel beim Schloss Versailles, dem Schloss aller Schlösser. Die mit den tragischen Ereignissen in Paris verbundene Unsicherheit hat die Organisation dazu bewogen, die Zielankunft von traditionell Paris nach Versailles zu verlegen. Nun heisst es Abschied nehmen von unserem treuen RAID Begleiter. Er hat die gesamte Strecke ohne irgendeinen Mucks problemlos geschafft. Der Golf 1 GTI wird jetzt wie viele anderen für die Rückreise in die Schweiz verladen. Adieu!

Am Abend werden beim festlichen Dîner de Gala die Gewinner je Kategorie bekannt gegeben und geehrt. Es gibt aber auch innerhalb des Gesamtklassements Sonderwertungen, so unter anderem Der RAID Ladies’Cup, der seit 1993 vergeben wird. Wir sind sechste geworden, was eigentlich gut tönt. Aber ehrlich – von sechs Teams… Wir konnten halt die vielen Neulings-Strafpunkte vom ersten Tag nicht mehr korrigieren. Mit Blick auf das Gesamtklassement standen wir aber gar nicht so schlecht da.

Am Sonntagmorgen heisst es Abschied nehmen. Wer in die Schweiz zurückfährt, kann dies individuell oder auf einer festgelegten Route begleitet von der TCS Patrouille machen. Die internationale Oldtimerrallye mit grosser Tradition war ein tolles Erlebnis. Wunderschöne Autos, unvergessliche Landschaften, die wir sonst nicht kennen gelernt hätten, wertvolle Leute. Vor allem auch den RAID-Funktionären gilt ein grosser Dank für die professionelle Durchführung.

Der uns von Volkswagen vertrauensvoll für die RAID übergebenen 40-jährige Golf 1 GTI war der Hit. Nicht nur für uns. Schon beim Tanken auf dem Weg zur RAID, dann bei der Durchfahrt der Dörfer, in den Etappenzielen, überall gingen die Daumen hoch. Den der Golf GTI war schon als 1 die Nummer 1 auf der Wunschliste vieler. Und bei mir: Als Golf 1 GTI Fahrerin in jungen Jahren kamen während der Ralley Erinnerungen an eine tolle Zeit auf.

Den VW Golf GTI gibt es zwischenzeitlich in der 7. Generation. Bei der Lancierung eine Revolution – wendig, schnell, draufgängerisch, ein Sportwagen – wurde er bald auch ein Tuning-Objekt. Das nächste GTI Facelift ist noch für 2016 angekündigt. Das Jubiläumsmodell zum 40. Geburtstag heisst Golf GTI Clubsport und hat 265 Pferdestärken.

Damals bei der Lancierung hiess es in einer an die weibliche Kundschaft gerichteten Pressemeldung, um die potentielle Kundschaft für den ’normalen‘ Golf nicht zu verschrecken: „Auch zum Einkaufen in Schrittgeschwindigkeit ruckfrei zu fahren“. Wir haben uns an das Schritttempo nicht gehalten, aber wir gingen an der RAID ja auch nicht einkaufen.

 

Text: Bettina Fritschi
Foto: Bettina Fritschi, Dominique Zahnd

Comments are closed.