Sie reist nach Marokko und Kambodscha, um im Kinderspital mitzuhelfen und bei Herzoperationen mit dabei zu sein. Berührungsängste kennt sie nicht – Angst hat sie höchstens davor wegzusehen. Die Rede ist von einer zukünftigen Ärztin, die sich als Botschafterin der Kinderherzstiftung Corelina für eine bessere Welt einsetzt. Und von der amtierenden Miss Schweiz Laetitia Guarino, die ihr Herz am rechten Fleck trägt.

Ladies Drive: Sie kommen gerade von einer privaten Reise nach Kambodscha zurück. Wie können wir uns Laetitia privat vorstellen?
Laetitia Guarino: Das Wichtigste für mich sind Natürlichkeit und Authentizität. Ich spiele keine Rollen, daher gibt es zwischen der privaten und der öffentlichen Laetitia auch keinen Unterschied. Ich bin aufgeschlossen und fröhlich, mag Tiefgang und mache mich gerne für Dinge stark, die mir am Herzen liegen.

Sie engagieren sich also auch in Ihrer raren Freizeit caritativ. Würden Sie sich als Philanthropin bezeichnen?
Ich bin ein Mensch, der viel Liebe und Achtung für diese Welt in sich trägt und dem das Wohl anderer stark am Herzen liegt. Als Miss Schweiz habe ich die Möglichkeit, die Bevölkerung auf Dinge aufmerksam zu machen, welche dringend Aufmerksamkeit benötigen! Also ja – möglicherweise bin ich eine Philanthropin. Ich bin der Meinung, dass jeder von uns die Möglichkeit hat, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen

Haben Sie auch eine raue oder rebellische Seite?
Klar, wer hat die nicht? Wie die meisten Italienerinnen habe ich einen starken Charakter und manchmal einen sturen Kopf.

Wie macht sich der bemerkbar?
Ich wehre mich gegen Dinge, die ich als Unrecht empfinde. Wenn ich nicht hinter etwas stehen kann, tue ich es nicht. Da kann man sich schon mal einen Zahn an mir ausbeissen.

Wovon träumen Sie?
Irgendwann möchte ich eine grosse Familie haben. Ausserdem wünsche ich mir eine Arbeit, die mich erfüllt und natürlich eine gute Gesundheit.

Was macht Ihnen Angst?
Auf meiner Reise durch Kambodscha habe ich Armut, Hunger, Krankheit und Verzweif lung gesehen. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich das Privileg habe, in der Schweiz zu leben und nicht von Existenzängsten verfolgt zu werden. Trotzdem macht mir die Grausamkeit auf dieser Welt manchmal ziemliche Angst.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Frau, als Mensch, als amtierende Miss Schweiz?
Ich bin eine normale junge Frau, welche die wunderbare Chance erhalten hat, ihre Meinung öffentlich zu äussern und gehört zu werden. Das macht mich sehr glücklich.

Wie definieren Sie Ihre Weiblichkeit?
Als Miss Schweiz bekomme ich immer wieder die Möglichkeit, mich dank wunderbarer Kleidung und tollem Make-up sehr weiblich zu fühlen. Aber die unerschütterliche Weiblichkeit kommt von innen. Es sind meine innere Haltung und meine Intuition, die mich weiblich machen.

Inwiefern ist das anders als bei älteren Frauen?
Da gibt es keinen Unterschied, denke ich. Weiblichkeit kann man nicht in Jahren ausdrücken. Meine Grossmutter ist extrem weiblich, stark und wunderschön, auch wenn sie 50 Jahre älter ist als ich.

Was würden Sie anders machen?
Es gibt doch immer wieder Dinge, die man rückblickend anders machen würde. Das gehört einfach zum Leben dazu. Trotzdem kann ich heute hinter meinen bisherigen Entscheidungen stehen. Sie haben mich zu der Person gemacht, die ich bin.

Wie stehen Sie zu Feminismus, Emanzipation, Lohngleichheit etc.? Sind das in Ihren Augen aktuelle oder altmodische Themen?
Nein, das sind nach wie vor sehr aktuelle Themen. Selbst in der Schweiz verdienen Frauen heute immer noch um ca. 20 Prozent weniger als Männer in der gleichen Funktion. Es ist wichtig, dass wir uns weiterhin für unsere Rechte stark machen.

Welche Ziele haben Sie? Was wollen Sie im Leben hinterlassen?
Ich will Ärztin werden und auf diese Weise meinen Beitrag zu dieser Welt leisten. Hinterlassen möchte ich Nachkommen, die sich hoffentlich weiterhin für eine bessere Welt einsetzen.

Was macht Ihnen Freude? Was sind Ihre Leidenschaften?
Kochen hat für mich etwas Meditatives. Ausserdem mache ich gern Sport, um mich auszupowern, treffe gerne meine Freunde und höre viel Musik.

Worüber regen Sie sich gesellschaftlich oder politisch auf?
In Europa konzentrieren wir uns vorwiegend auf Themen, die uns unmittelbar betreffen. Das ist auch in den Medien zu erkennen. Wir sollten unsere Aufmerksamkeit vermehrt auch auf Länder richten, denen es schlechter geht als uns.

Lockt Sie Geld?
Nein. Mit Geld kann ich mir kein Glück kaufen.

Kamen Sie schon mal in die Situation, sich für Geld oder Herz zu entscheiden?
Noch nicht. Ich würde mich aber immer für das Herz entscheiden.

Wie stellen Sie sich Ihr Leben nach Ihrem Jahr als „Miss mit Herz“ vor?
Ich werde mein Medizinstudium fortsetzen. Das ist mir sehr wichtig. Den Missen- Titel werde ich abgeben. Das Herz behalte ich allerdings.


Text: Claudia Gabler