Hin und wieder sind wir im Leben dazu angehalten, Entscheidungen zu treffen. Mal fallen sie uns leicht, mal etwas schwerer. Aber wir treffen sie. Denn es gibt wohl nichts Schlimmeres, als keine Entscheidung zu treffen, ganz egal, worum es sich handelt. Und wenn wir eben nicht handeln, bleiben wir stehen. Die Chinesen sagen zwar: Bist du in Eile, gehe langsam. Aber stehen geblieben wird auch hier nicht! Wir fällen Entscheidungen und geben unserem Leben, bewusst oder unbewusst, eine neue Richtung. Wie lange wir indessen brauchen, bis wir bereit sind, etwas zu entscheiden, steht wohl in den Sternen. Manchmal spüren wir nach wenigen Minuten, dass wir eine Situation nicht mögen, uns nicht wohl fühlen. Ein andermal dauert es Jahre oder gar Jahrzehnte, bis wir sehen, dass uns etwas nicht ganz so glücklich macht, wie wir es uns erhofft hätten.

Und bei Entscheidungen ist es oft genug so, dass das „Richtig“ oder das „Falsch“ erst zu einem viel späteren Zeitpunkt zu Tage tritt. Deshalb ist es ja eigentlich auch obsolet, sich den Kopf über Entscheidungen zu zermartern, auch wenn wir uns stets über die Konsequenzen unseres Tuns im Klaren sein müssen.

Und genau hier sehe ich die grössten Probleme mancher Leader: Sie entscheiden nur zögerlich – und wenn sie entscheiden, sind sie aufgrund eines Management-Turnus, der sie oft nur 2–3 Jahre in einem Land/auf einer Position belässt, schon längst in weiter Ferne, wenn es darum ginge, die Konsequenzen zu tragen. Was hier Abhilfe schaffen würde, wäre die vertragliche Verpflichtung, bei nachträglich eintretenden negativen Konsequenzen die Verantwortung tragen zu müssen. Doch zurzeit sind viele CEOs und Leader, insbesondere in internationalen Firmen, nach dem Prinzip „Ich bin dann mal weg“ angestellt. Hinter mir die Sintflut – oder was auch immer da kommen möge. Hauptsache „management by helicopter“: Mit viel Getöse einfliegen, Staub aufwirbeln und schnell wieder abziehen. Tja – so kanns tatsächlich nicht weitergehen. Kein Wunder, regt sich weltweit derzeit der Unmut gegen die „herrschende Klasse“. Wir befinden uns offenbar an der Schwelle zu einer neuen Wirtschafts-Ethik, einer neuen Form von Leadership, einer veränderten Wirtschaftspolitik … ob hier vielmehr der Wunsch Vater meines Gedankens ist, wird die Zukunft zeigen. Wer die Männer und Frauen an der Macht sind, was sie tun, wie sie agieren, wie sie denken – das werden wir Ihnen im Ladies Drive auch in Zukunft auf sinnliche Art und Weise vermitteln.

Und etwas möchte ich noch anfügen: Danke für die zahlreichen Zuschriften nach dem Editorial der letzten Ausgabe (Vier Stunden pro Woche): Es war überwältigend! Die einen gaben mir Recht, die nächsten wussten bereits, wie es geht (lesen Sie mehr darüber ab Ausgabe No. 17, erscheint im März 2012), und ein wohl etwas frustrierter Mann titulierte mich mit allen möglichen Ausdrücken ober- und unterhalb der Gürtellinie. Nun – wir wollen ja alle nicht nur vier Stunden arbeiten, um dann auf der faulen Haut zu liegen. Nichts zu tun, verliert schon nach kurzer Zeit seinen Reiz. Nein – es geht darum, seinem Herzen zu folgen, dem schnöden Mammon abzuschwören, die Dinge hinter sich zu lassen, von denen man nur denkt, dass sie einen glücklich machen, sie es in Tat und Wahrheit aber nicht tun; es geht darum, sich selbst zu sehen, in dem, was man tut – oder einfach nur um wieder etwas zu leben oder Platz für neue, kreative Ideen zu haben. All dies ist weder arrogant noch dumm, noch weltfremd. Wer nur arbeitet, um sich nicht mit sich selbst befassen zu müssen, der wird irgendeines schönen Tages in den eigenen tiefen und dunklen Abgrund blicken. Wenn Sie indessen 70 wundervolle Arbeitsstunden voller Glück pro Woche erleben – es sei Ihnen mehr als gegönnt!

Wir wünschen Ihnen von Herzen einen wundervollen Jahresausklang – und einen wunschgemässen Start ins 2012. Möge das neue Jahr für uns alle die eine oder andere schöne Überraschung auf Lager haben …

Herzlichst,
Sandra-Stella Triebl
Herausgeberin Ladies Drive


Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Luc Lamar