46a Bea Petri_IMG_1364Es ist nicht so, dass mich dieses Alter ungemein freut, es ist vielmehr der Anlass als solches, der mir wieder einmal die Gelegenheit gibt, meine Liebsten einzuladen und mit ihnen ausgiebig zu feiern. Das macht wirklich Spass. Sonst ist das älterwerden gerade für Frauen eine ernste Sache.

Nehmen wir ein paar Ikonen, die ebenfalls um die sechzig sind: Isabella Rossellini zum Bei-spiel, die jahrelang das himmlische Gesicht und Aushängeschild für die Firma Lancôme war. Oder Sharon Stone, die seit „Basic Instinct“ den Inbegriff der femme fatale, das schöne blonde, erfolgreiche Ding ohne Unterhose unter dem Rock, verkörpert. Und natürlich Donatella Versace, die immer wieder wegen ihrer Sucht nach Schönheits-operationen und den ent-stellten Gesichtszügen belächelt wird. Alle drei sind wie ich um die sechzig. In einem Interview zum Thema er-zählt Stone von ihrem seriösen Leben ohne Alkohol, täglichem Sport und glutenfreiem Essen. Sie hat sich den ultimativen Gesundheitsstempel aufgesetzt, eine Sharon Stone hat keine Fett-polster und auch keine Falten. Zwischen Rossellini und Lancôme kam es hingegen zum grossen Streit und der Vertrag wurde nicht mehr verlängert, weil ihr Gesicht für das Unternehmen zu alt war – sie war damals erst vierzig. Donatella Versace will es hingegen mit sechzig noch ein-mal als Modell versuchen. Was für eine traurige und gleichzeitig monströse Entstellung der Wirklichkeit.

Es sind NICHT die Falten, die das älterwerden schwer machen, sondern das Wissen, die nächste Generation zu sein, die stirbt.

Sicher ist, dass uns die Kosmetikindustrie ewige Jugend versprechen möchte. Das ist ihre einzige, aber kostspielige Botschaft, und die Frage ist berechtigt, ob sie nicht eine einzige Lüge ist.

Keine Crème lässt Falten verschwinden und kein Serum lässt uns einfach frisch und munter aussehen, auch nicht, wenn sie mehrere hundert Franken kosten. Die Angebote gewisser Kosmetikfirmen in diesem Bereich sind aus meiner Sicht äusserst fragwürdig und überschreiten den guten Geschmack deutlich. So wurden kürzlich Vorhautzellen von Babys in Schönheitsprodukten angeboten, nachdem früher bereits Schneckenschleim oder Verjüngungskuren mit Eigenblut erfolgreich eingesetzt worden sein sollen. Dies behauptet jedenfalls Kim Kardashian (34), von der ich nicht einmal wusste, wer sie genau ist, was sie tut und welche Bedeutung sie für unsere Welt hat. Erfahren habe ich dann, dass sie aus reichem Haus kommt und immerhin schon eine Auszeichnung als schlechteste Nebendarstellerin in einem Film erhalten hat.

Mich widern diese Geschichten und Versprechungen an und ich frage mich, wo unsere Ethik im Umgang mit der natürlichen Entwicklung und dem Ablauf des Lebens geblieben ist. Ja, es ist so, älter werden ist nicht ein-fach. Es ist ein Prozess, den jeder von uns erfährt und in den wir uns immer wieder hineinleben müssen. Äusserlich und innerlich, physisch und psychisch. Es sind aber definitiv nicht die Falten im Gesicht, die das älterwerden schwierig machen, sondern es sind die Freunde oder die Eltern, die man zum Beispiel durch Krankheiten verliert, und das Wissen, dass man die nächste Generation sein wird, die sterben wird.

In diesem Bewusstsein versuche ich meinem Leben Kraft und Inhalt zu geben, statt falschen Versprechungen und teuren Illusionen zu erliegen. Zum Beispiel mit meinem Projekt in Afrika (www.nasmode.com), das jungen Frauen und Männern eine Lebensperspektive ermöglicht. Und ich freue mich über meine ständig wachsende Lebenserfahrung, die ich in meinem persönlichen Umfeld gerne weitergebe, wenn sie gefragt ist. Sei es im professionellen Bereich für angehende Unternehmer und Maskenbildner oder für mir nahestehende junge Menschen in anderen spannenden Lebensfragen. Und seit drei Jahren bin ich auch Grossmutter. Ich liebe meine Enkeltochter innig und finde es unglaublich süss, wenn sie mich umarmt und mir „Mimmi“ in die Ohren flüstert. Trotzdem fühle ich mich noch nicht als Nonna, wie meine Mutter sie im gleichen Alter verkörperte. Ich habe ihre damalige Ruhe noch nicht in mir und Spielplätze langweilen mich. Ja, zum Glück werden wir heute bedeutend frischer älter. Wir verdanken dies aber nicht der Kosmetikindustrie, sondern den ständig verbesserten Erkenntnissen über Ernährungsfragen, über genügend Bewegung und unserem grossartigen Gesundheitssystem. Und gerade weil ich auch die Lebensumstände in Afrika kenne, empfinde ich es als besonderes Privileg, hier zu leben und sechzig werden zu dürfen.

Meine Tipps für 60-Jährige:

  • Augenpartie nicht mit Make-up oder Puder abdecken. Die Mimikfalten werden durch das Abdecken noch mehr hervorgehoben.
  • Regelmässige Gesichtsbehandlung bei der Kosmetikerin mit Brauenzupfen und überflüssige Haare im Gesicht entfernen lassen (zupfen oder wachsen).
  • Regelmässige Pedicure und Manicure. Mit gepflegten Füssen fühlt man sich besser und auch Hände mit Altersflecken dürfen die wunderbaren, trendigen Nagellackfarben tragen.
  • Starke, farbige Lippenstifte lassen ein Gesicht frisch aussehen. Nicht zu dunkle Farben auswählen, denn diese lassen Sie streng wirken.
  • Sonnenpuder über Stirn, Wange, Nase und Kinn leicht mit dem Puderpinsel verteilen.
  • Einen Vergrösserungsspiegel beim Schminken einsetzen.
  • Sich bei Tageslicht schminken.
  • Regelmässiger Besuch beim Coiffeur – mit 60 können, aber müssen die Haare noch nicht grau getragen werden und sie müssen auch nicht kurz geschnitten sein, nur weil man diese Altersgrenze erreicht hat!

Text: Bea Petri
Fotos: David Biedert