AUDI S5 SPORTBACK IM TEST

Zurzeit denken wohl viele genau darüber nach. Dass sie eigentlich gern ’ne Postkarte schreiben würden mit den Zeilen: Ich bin dann mal schnell weg. Nicht weil man seiner Verantwortung nicht nachkommen mag, sondern weil man am liebsten weit weg von allem wäre. Doch so leicht ist die Pausetaste nicht zu finden, auch in einem Audi S5 Sportback TDI nicht.
Wir haben unseren Testwagen mitten im Lockdown gefahren. Entsprechend waren wir nur in homöopathischen Dosen mit unserem Gefährt unterwegs. TDI steht für Diesel. So manch Leserin wird sich hier verdutzt die Augen reiben. Darf und soll man das nach dem Dieselskandal überhaupt noch? – Die Argumente gehen offiziellerweise in folgende Richtung: Dieselmotoren weisen dank höherem Treibstoffbrennwert einen tieferen Verbrauch auf als Benzinfahrzeuge. Und stossen deshalb auch weniger CO2 aus. Die CO2-Vorgaben, anhand derer den Herstellern ab 2021 heftige Geldstrafen aufgebrummt werden, sind streng. Damit man die Zielvorgaben (95 g CO2/km gemäss Europa-Richtlinie seit 1. Januar 2020) als Hersteller nun einhalten kann, müssen Fahrzeuge mit niedrigerem CO2- Ausstoss her. Das gilt für Elektrofahrzeuge – aber eben, wie erwähnt, auch für Dieselfahrzeuge.
Unter den Automobiljournalisten entbrannte ob dieses Themas darüber hinaus innerhalb und ausserhalb der Redaktionen bereits ein heftiger Streit. Denn Audi S-Modelle waren doch eigentlich ursprünglich mal Benziner! Darf ein S-Modell deshalb nun neuerdings auch einen Dieselmotor haben? – Diese automobilphilosophischen Fragestellungen können einem als Benzin-im-Blut-Nihilisten eigentlich egal sein. Unser Testwagen fährt sich diskret bis dominant dynamisch. Die heutigen Diesel sind für einen Autolaien kaum mehr von einem Benziner zu unterscheiden. Das mag auch daran liegen, dass im Heck des S5 ein Subwoofer versteckt ist. Die Akkustiker von Audi wussten also ganz genau, wie man auch den härtesten Diesel-Kritiker beeindrucken kann.
Mal ganz abgesehen vom Motorensound sorgt ein Mildhybrid dafür, dass ein Teil der Energie wieder genutzt werden kann, um den Gesamtverbrauch zu minimieren.

Das stimmt auch das grüne Gewissen wieder etwas versöhnlich. Abgesehen davon ist die Verarbeitung des Audi S5 Sportback nahezu makellos, dasselbe gilt für Look-and-feel der Materialien, wo wir nicht wirklich was zu mäkeln finden.
Und beim Exterior-Design hat man beim aktuellen Facelift des S5 die Linien noch konsequenter nach vorn zulaufen lassen, wo sie allesamt auf den wabenförmigen Kühlergrill treffen. Am schönsten kommt nach meinem Dafürhalten die Designlinie in Grün-Metallic zum Ausdruck. Schwarz „schluckt“ bekanntlich die Kanten, Weiss lässt sie hingegen häufig zu hart wirken.
Deshalb gehören zu meinen Farb-Favoriten meist Erd-Nuancen, die der Designsprache zu noch mehr Lebendigkeit verhelfen, weil sie Kanten akzentuieren und gleichzeitig visuell modellieren. Und heikel sind die Erdfarben auch nicht. Praktisch soll ein Auto ja auch sein, ausser man hat erquickliche Freude daran, seinen Audi S5 jeden Samstag mit einer Oral-B zu reinigen. Es gibt ja Menschen, die eben diese Tätigkeit mit den Sand-Mandalas der tibetischen Buddhisten vergleichen. Auch hier wird etwas erschaffen – und dann wieder zerstört, wobei schon das Erstellen der Sandbilder in symbolische Handlungen eingebunden wird und nicht selten auch bei Heilverfahren Verwendung findet. Auch wird das Erstellen der Sandbilder in gewissen Kulturen von Ritualen und Gesängen begleitet, so war es zumindest bei den nordamerikanischen Ureinwohnern. Wenn ich meinen Nachbarn zu „Born To Be Wild“ mit seiner elektrischen Zahnbürste stundenlang auf Knien um seine Sportwagen rutschen sehe, bis alles perfekt ist, hat das wohlmöglich durchaus etwas von heilendem Zen. Von Loslassen. Wohl wissend, dass beim nächsten Regen alles wieder von vorn beginnt.

Aber bevor ich mit meinen Eindrücken wieder davongaloppiere, zurück zu unserem Quarantäne-Testwagen und zu meinem Fazit: Das Design des Audi S5 erfreut das Auge, der Motor gemeinsam mit dem Subwoofer die Ohren, die gründliche Verarbeitung den Tastsinn, und so gesehen kann man eine Fahrt im S5 durchaus eine sinnliche Erfahrung nennen. Übersinnlich wird es hingegen erst, wenn man nach der gründlichen Felgenreinigung auch noch meditiert. Jedem das seine. Und es gibt wahrlich Schlimmeres, als sich etwas, das man sich gekauft hat, mit Liebe zuzuwenden.

Nicht wahr?

 

UNSER TESTWAGEN IM TEMPO-ÜBERBLICK
Modell: Audi S5 Sportback TDI
Leistung: 347 PS
Kraftstoffverbrauch kombiniert: 7,0l–7,3 l/100 km (Herstellerangabe) CO2-Emissionen kombiniert: 190–182 g/km
Energieeffizienz: Kategorie D
Preis ab: CHF 86‘120.00
WWW.AUDI.CH

 

Text: Sandra-Stella Triebl     Fotos: Audi Pressefotos