Susanne Toren

Vor dem Hintergrund des volatilen Jahresauftakts bei Aktien, der zunehmenden Nervosität der Finanzinvestoren gegenüber etlichen Emerging Markets und der Krim-Krise nimmt das Interesse an Gold allmählich wieder zu. Statt umfangreicher Abflüsse aus Gold-ETFs, die den Goldpreis 2013 massiv unter Druck gesetzt haben, können hier nun wieder Nettozuflüsse beobachtet werden. Die Nachfrage nach Goldmünzen und-barren blieb ohnehin über das gesamte Jahr hinweg überaus lebhaft. Nach der jüngsten Erholung des Goldpreises bieten auf kürzere Sicht aber die weissen Edelmetalle mehr Potenzial als Gold. Von der sich allmählich nun auch in Europa erholenden Autoindustrie dürften insbesondere Platin und Palladium stark profitieren.

Rekordhohe Nachfrage nach Platin
Der Platinmarkt wies bereits 2013 ein globales Angebotsdefizit von über 600’000 Unzen auf, den höchsten Fehlbetrag seit 14 Jahren. Verantwortlich hierfür war eine rekordhohe Nachfrage, hinter der sowohl eine starke Industrienachfrage ausserhalb des Automobilsektors als auch ein lebhaftes Investmentinteresse standen. Für 2014 gehen wir von einem neuen Nachfragerekord aus, getragen von einer an Fahrt gewinnenden Autokonjunktur in Europa sowie von einer – angesichts der im Quervergleich günstigen Bewertung – sich verstärkenden Platinabnahme durch die Schmuckindustrie. Zum erwarteten Preisanstieg dürften gleichzeitig immer wieder zu beklagende Förderausfälle beitragen. Hauptförderer ist mit einem Anteil von rund 75 % am Weltmarkt Südafrika, dessen Platinförderung bereits 2013 auf ein 13-Jahres-Tief gefallen war und wo Minen seit Jahresbeginn erneut bestreikt werden. Hierdurch verlieren die Minenbetreiber täglich fast 10’000 Unzen Platin. Zudem zeichnet sich keine rasche Einigung bei den Tarifverhandlungen ab, da rund die Hälfte der Platinminen schon beim derzeitigen Platinpreis von rund 1’450 USD /Unze kaum mehr rentabel wirtschaftet.

Palladiumpreis von Autoindustrie stimuliert
Am Palladiummarkt erwarten wir für 2014 ebenfalls ein etwas grösseres Angebotsdefizit als im Vorjahr. Dies ist weniger auf ein geringeres Angebot als vielmehr auf eine weiterhin anziehende Nachfrage nach Palladium zurückzuführen – getragen von der amerikanischen und asiatischen Autoindustrie. Anders als die europäischen Autohersteller, die für die Katalysatoren ihrer dominierenden Dieselmotoren vor allem Platin verwenden, werden in den USA und China vor allem Palladium-Katalysatoren für die dort mehrheitlich verkauften Benzinmotoren benutzt. Die Katalysatorhersteller stehen dabei hinter über 70 % der gesamten Bruttonachfrage nach Palladium von 9.5 Mio. Unzen. Trotz Wachstumsverlangsamung in China gehen Experten für 2014 von einem weiteren 10%igen Anstieg der dortigen Fahrzeugverkäufe aus. Nachdem die Preise 2013 kaum gestiegen waren, erwarten wir eine merkliche Verteuerung von Palladium in den nächsten Monaten.

Der Glanz der Edelmetalle kehrt also allmählich zurück …


Text: Susanne Toren, Senior Economist bei der Zürcher Kantonalbank
Fotos: ZKB