Und so geht das gaaaaaanz einfach.

Was heisst eigentlich Disruption? – Ich verstehe darunter eine Art Erdbeben. Eine Erschütterung, die Bestehendes umwirft und uns dazu treibt, beruflich betrachtet Zusammenhänge, Hintergründe, Abläufe – unsere Produkte und Dienstleistungen – neu zu überdenken. Denn in unseren schnelllegiben Zeiten ist eigentlich nur noch eines wirklich sicher: dass sich alles verändern wird. Und zwar in nie dagewesener Geschwindigkeit.
Deshalb meine ich mit „Disrupt Yourself“ eigentlich nur so viel: raus aus der gemütlich-warm-sicheren Komfortzone. Rein ins Ungewisse.

Also – was soll man tun, um sich selbst aus dieser Komfortzone zu schütteln?

Hier mein selbst erprobter und ultimativer 15-Punkte-Disrupt-Yourself-Masterplan:

1) Sei keine Rapunzel! 
Sei dir gewahr: Keiner hat dich euch gewartet und wird je auf dich warten. Kein Ritter auf dem weissen Pferd, kein künftiger Partner, kein künftiger Chef wird vorbei reiten und zu dir aufblicken und sagen: Wo warst du denn…? Get used to it! Also Ladies – wollt ihr gesehen werdet, steht auf und macht euch bemerkbar.

 

2) Sei keine Superwoman! 
Ja, ja. Ein grosses Kapitel. Versuche dich nicht ständig zu optimieren. Versuch auch nicht einfach nur zu funktionieren. Sei einfach mal „out of order“. Jawohl! Leg dich ins Bett, wenn du krank bist. Gib Schwächen zu – so wie beispielsweise Inga Beale, CEO von Lloyd’s of London es wiederkehrend tut. Ihre Erkenntnis: Wer die ganze Zeit behauptet er oder sie ist perfekt, kann alles, weiss alles, macht sich angreifbarer als wenn man auch mal Schwächen zeigt. Das nenne ich übrigens auch Erwartungsmanagement: Wenn ihr immer funktioniert, erwartet man das auch von euch. Nehmt also auch nicht jeden Task entgegen, den man euch auf den Tisch schiebt. Ein wertvoller Mitarbeiter, eine weitsichtige Führungskraft, darf lernen Nein zu sagen oder nennt die Bedingungen der Erfüllung von zusätzlichen Do To’s im Sinne von: „Wenn ich das nun tun soll, kann ich dies und jenes erst später erledigen“. Zieht also ruhig mal Grenzen und sagt: „Geht nicht“. 
Wenn ihr das nicht tut wird man euch a) immer mehr auf den Tisch schieben und b) werdet ihr langsam aber sicher ausbrennen. Und wer dann einfach irgendwann nicht mehr kann (unter einer Krankheit, einem Burout leidet), dem wirft man dann vor, er könne keine Prioritäten setzen. Funktioniert ihr also noch – oder lebt ihr schon? – Und nur nebenbei bemerkt: Ihr könnt eine Hammerfrau sein – aber ihr müsst nicht dauernd Heldentaten vollbringen 🙂 – Entspannt euch und atmet mal wieder tief durch. Seid verletzlich. Traut euch, denn den Mutigen gehört die Welt!

 

3) Belebt eure innere Pippi Langstrumpf! 
Macht euch die Welt doch einfach mal wie sie euch wirklich gefällt. Wisst ihr denn überhaupt noch, was euch wirklich glücklich macht? Lebt ihr das Leben, dass ihr euch als Kind, als Teenager, als Studierende mal vorgestellt habt? Also schlaft doch mal anders rum im Bett und legt wieder mal die Füsse aufs Kopfkissen. Und vielleicht machts ja sogar Spass mal was total „Sinnloses“ zu tun!

 

4) Macht öfters schon früh Morgends Grimassen und lacht über euch selbst! 
Klingt saumässig dämlich – aber ist in Tat und Wahrheit super lustig. Muss ja keiner sehen. Und wenn eure innere Stimme sich nun zur Wehr setzt und mäkelt: „Wie alt bin ich denn! Ich bin doch eine ernstzunehmende Führungskraft – ich schneide sicher keine Grimassen…!“ – dann seid ihr wahrlich im Herzen gealtert.

 

5) Traut euch raus aus der Komfortzone! 
Die Welt wird nicht in der Komfortzone erobert. Punkt. Oder zieht ihr es vor, dass ihr denselben Wein trinkt, in dasselbe Hotel in den Urlaub fährt, dieselbe Hautcreme benutzt, dieselben Songs hört, dieselben Serien schaut, dieselben Kleidermarken kauft…bist ihr gestorben seid…? Etwas eindimensional, oder? Mir schlafen schon beim dran denken die Füsse ein. Das Leben ist viel mehr als Sicherheit – ja es endet sogar mit Sicherheit tödlich. Bis es soweit ist, solltet ihr jeden Atemzug geniessen. Seht das Ganze als Abenteuer. Als Spielplatz. Also raus mit euch aus der Komfortzone. Mit kleinen Schritten – Hauptsache man tut es.

 

6) Sucht unbequeme Situationen bewusst auf und beobachtet euch!
Wir haben alle die Tendenz (vor allem unter Stress) standardisiert zu reagieren und weitere Problemfelder grosszügig zu umschiffen. Das Thema ist indes: Wenn wir uns im Leben immer nur ducken, ungern konfrontieren und wenn dann höchst emotional werden, allen Streitigkeiten ausweichen und uns lieber auf dem Absatz umdrehen mit dem Satz auf den Lippen: „Sowas brauch ich nicht!“…tja dann laufen wir Gefahr, dass wir uns immer und immer wieder denselben Problemen stellen müssen. Erinnert ihr euch an den Film „Und täglich grüsst das Murmeltiert“? – Jeden Morgen erwacht man in demselben Tag. Der Albtraum hört nur dann auf, wenn man sich dem Leben stellt. Den unbequemen Seiten. Den Konflikten. Seinen Abgründen. Der dunklen Seite. Traut euch. Taucht hindurch – und beobachtet euch aufmerksam, wie es euch dabei geht – und wie schnell sich alte Dramen plötzlich in Wohlgefallen auflösen.

 

7) Holt euch Menschen ins Leben, die mit Sicherheit nicht eurer Meinung sind!
Wir sprechen doch ständig von Diversität und wie wichtig sie ist. Doch tun wir das privat eigentlich auch? Leben wir in einem diversen Umfeld – oder doch ständig unter Gleichgesinnten, die dasselbe tun und analog denken? – Menschen mit anderen Meinungen zu begegnen ist zuweilen tierisch anstrengend – aber inspirierend wie sonst was!

 

8) Nicht reden. Tun! 
Und wenn es nur ein klitzekleiner Schritt ist. Dasselbe gilt fürs Managen von komplexen oder chaotischen Situationen. Wer wie ein Ölgötze vor dem Chaos steht und es anstarrt, löst keine Probleme sondern lässt sich von ihnen Gefangen nehmen. Fangt einfach irgendwo an etwas zu tun – sobald der Anfang getan ist, werden euch Flügel wachsen.

 

9) Schafft euch ein Alter Ego das all jene Eigenschaften hat, die ihr an euch selbst vermisst!
Und lebt alles aus, was ihr euch im „wirklichen“ Leben nie trauen würdet. Beyoncé soll das beispielsweise getan haben, um vor Publikum auf den Punkt performen zu können.

 

10) Versucht mal genau dann ein Lächeln aufzusetzen, wenn alles zum (pardon!) kotzen ist! Ihr könnt euer Gehirn damit nämlich ganz schön austricksen. Wenn ihr lächelt, hat das Gehirn automatisch das Gefühl ihr seid glücklich und aktiviert entsprechende Glückshormone. Einfach mal ausprobieren.

 

11) Seid Wasser (manchmal stelle ich mir auch Vodka vor wenns ganz übel ist)! Was ich damit meine: bildet keinen Widerstand gegen das Leben. Im Aikido ist es auch so: leitet die Energie des Angreifers an euch vorbei. Und seid Wasser!

 

12) Denkt noch vor dem Frühstück an 6 total umögliche Dinge! 
Eines der schönsten Zitate aus Alice im Wunderland. Eine nicht mal so banale Übung – denn was im Leben ist nun wirklich total unmöglich? Ein spannendes Gedankenexperiment.

 

13) Schafft mal ganz bewusst Unordnung! 
Schmeisst eure Klamotten doch einfach mal nur in den Schrank rein…wie wärs? Wir Erwachsene sind uns einfach gewohnt, dass alles in Ordnung gehalten werden muss. Und denken tatsächlich: „what gets measured gets managed“. Schon klar. Erbsen zählen kann man schon wenn man wissen will wie viele man an Lager hat. Ich wünsche mir für euch indes ausnahmsweise mal jede Menge erfrischende Unordnung und lebendiges Chaos!

 

14) Verabschiedet euch davon, allen gefallen zu wollen. 
Und nein: das macht euch noch lange nicht zum misantropischen Arschloch. Ich sage nicht, ihr sollen euch nicht um andere kümmern. Ich meine vielmehr: Kümmere dich mal wieder um dich selbst. Everybody’s Darling? Vergiss es! Gefalle dir selbst. Nicht im Sinne von selbstverliebt und egoistisch. Sondern mit sich im Reinen. Wenn man diesen Frieden in sich fühlt, mit sich – dann ist man reinen Herzens. Und nicht davon (an)getrieben, sich zu dekorieren, zu schminken, zu gefallen – um geliebt zu werden. Trau dich mal, dich selbst zu sein. Das reicht! Es ist alles, was du wirklich brauchst – und es ist wahrlich genug! Lebe nicht das Leben eines anderen. Lebe ausschliesslich dein eigenes. Werde versöhnlich mit Cellulite, Falten, Unansehnlichkeiten aller Art. Sehe es als Individualisierung. Schliesslich ist das nur deine Hülle und hat mit der wahren Essenz nichts aber auch gar nichts zu tun. Also pflege ruhig die Hülle, halten sie in Schuss – aber zelebriere sie nicht. Denn die Hülle wird irgendwann faltig, alt und wird dahin scheiden. Deine Essenz, das was dich ausmacht bleibt – und braucht kein Botox.

 

15) Lerne wieder das einfache Leben zu lieben. 
Entrümpeln statt anhäufen. Mein Ayurveda-Arzt sagte mir mal: „Trinken Sie viel Wasser und atmen Sie“. Und das war im übrigen seine Anweisung nach zwei Operationen mit Vorstufe Gebärmutterhalskrebs. Damals war ich Mitte Dreissig. Und entsetzt! Ich erwartete irgendwas. Aber nicht so was Banales. Simples! Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: in Tat und Wahrheit ist ein gesundes, glückliches Leben ganz schön einfach. Indem man sich lieb hat, auf sich und seinen Körper hört, ihn nicht immer als Gegner sieht, den man mit einem starken Willen bezwingen müsste sondern als Verbündeter, der einem nur helfen möchte. Sag was du denkst und tue was du sagst. 
Das einfache Leben ist es, was uns erfüllt. Nicht das überfüllte, was uns kaum Luft zum leben lässt.

 

Vielleicht lässt ihr euch ja auf den einen oder anderen Punkt ein. Berichtet mir, wie es euch damit ergangen ist!


Text: Sandra-Stella Triebl
Foto: istock/Timoph