Ihr Reich ist das der verführerisch duftenden Kakaobohnen, üppig dekorierten Torten, aufwendig verzierten Pralinés, und vielmehr noch: Annette Bamert ist die Frau, die jeden Schokoladentraum erfüllt. Customized für jeden Kundenwunsch, egal wie ausgefallen. Wir treffen die Frau, von der wir annehmen, dass sie einen der Traumjobs auf diesem Planeten hat, in ihrem schlichten Office am Zürcher Paradeplatz. Inmitten von für Kunden angefertigten Schachteln, Boxen und Schoggiträumen dürfen wir mit staunenden Augen Platz nehmen.


Frau Bamert, erzählen Sie uns von Ihrem „Reich“?
Ich habe den tollsten Job der Welt, einen Schoggi-Job (lacht)! Ich bin Bereichsleiterin Kundenberatung bei der Confiserie Sprüngli, und wie der Name es schon sagt, geht es dabei um die Beratung und Betreuung von Kunden. Drei Abteilungen mit insgesamt 40 Mitarbeitenden kümmern sich um die Anliegen und Wünsche von Firmenkunden, Privatkunden und Bestellungen via Online-Kanal. Es ist jeden Tag immer wieder aufs Neue faszinierend, sehr kreativ und sehr abwechslungsreich. Ich fühle mich in diesem Job in meinem Element und kann hier sehr viel Herzblut hineinbringen.

Und im B2B-Bereich, welchen Kundenwünschen begegnen Sie da im Allgemeinen?
Es geht meist um ein grösseres Projekt, wie z. B. das Jubiläumsjahr eines Kunden oder ein exklusives und besonderes Geschenk für Mitarbeiter oder Kunden. Darüber hinaus geht es aber auch um die Entwicklung von Confiserie-Produkten an sich, die individuell auf den Kunden abgestimmte Verpackung sowie die weltweite Logistik. Auch der Online-Kanal wird in diesem Geschäft immer wichtiger.

Wir sehen in Ihrer Vita, dass Sie viele spannende Jobs im Luxusbereich innehatten, unter anderem in der Uhrenbranche, bei IWC oder A. Lange & Söhne, auch bei BMW. Haben Sie das Gefühl gehabt, Sie wollen jetzt irgendwo arbeiten, wo Sie auch mal was zu Essen nach Hause nehmen können?
(lacht). Meine Stationen waren immer im Luxusbereich, da ich immer dem Schönen und Hochwertigen zugetan war. Als ich dann das Angebot der Confiserie Sprüngli bekam, war ich sofort hell begeistert. Es war immer mein Traum, wieder für ein traditionsreiches Familienunternehmen arbeiten zu dürfen. Bei A. Lange & Söhne war ich beispielsweise bereits Marketingdirektorin in einem Familienunternehmen – und auch hier finde ich diese Struktur mit ihren traditionellen Werten wieder. Zudem war ich schon immer ein grosser Sprüngli-Fan und sehr beeindruckt über den Mythos und die faszinierende Aura, die diese Marke umgibt. Ich bin sehr stolz darauf, nun Teil der Firma Sprüngli zu sein, die Tradition und Innovation zu einem sinnlichen Vergnügen verbindet, umgeben von einem sehr motivierten Team und vielen tollen Menschen, die sehr eng mit der Firma und der Familie verbunden sind. Und die Marke Sprüngli steht ja schliesslich genauso für Luxus! Es ist sehr ähnlich zur Uhren- oder Automobilindustrie. Auch hier dreht sich alles um höchste Qualität und Handwerkskunst und den Anspruch, immer noch etwas mehr zu bieten.

Wie viel Schoggi essen Sie? Oder sind Sie nicht so der Schoggi-Tiger?
Doch, absolut (lacht). Ich esse viel Schokolade, jeden Tag!

Ähm … kann man bei Sprüngli arbeiten und nicht gerne Schoggi essen?
Also, ich habe noch keinen Mitarbeiter oder keine Mitarbeiterin kennengelernt, die Schokolade nicht mag …

Wie hoch ist eigentlich der Frauenanteil bei Sprüngli? Ich würde schätzen überdurchschnittlich hoch…
Ja, wir haben sehr viele Frauen. Nahezu 80 %.

Ist Sprüngli auch schön, weil es eine absolut sinnliche Komponente hat? Wenn ich beispielsweise an den Film „Chocolat“ mit Juliette Binoche denke …
Oh ja, es ist ein sehr sinnliches Geschäft – die Leidenschaft ist von der liebevollen Handarbeit über die detailgetreue Verpackung bis hin zum verführerischen Genuss zu spüren. Der Name Sprüngli steht indes nicht nur für Schokolade. Die Confiserie kreiert so viele Köstlichkeiten, wenn wir an Luxemburgerli denken, an Torten, Pralinés, Apéritif-Gebäck, Salate, Sandwiches, Cakes, an Mini-Patisserie, das ist schon eine sehr breite Produktpalette. Oder Spezialitäten wie die Truffes du Jour, die frischesten Truffes der Welt, oder die Grand-Cru-Kollektionen sind unerreicht. Ich finde es sehr faszinierend, was hier täglich geleistet und produziert wird. Vor allem die Begeisterung der Mitarbeiter, die in der Produktion täglich mit sehr viel Herzblut bei ihrer Arbeit sind. Sofort spürt man Passion, eine starke Emotion, eine tiefe Verbundenheit. Es ist nicht nur ein Produkt! Die Leute sind so stolz, diese tollen Produkte zu machen, und leben das auch. Darum kann ich mich auch so gut mit Sprüngli identifizieren. Man nimmt es mit allen Sinnen wahr.

Ist diese Branche deshalb so affin für Frauen…?
Früher war ja die Confiserie ein reiner Männerberuf. Heute wird er allerdings zur Mehrheit von Frauen ausgeführt. Diese Verschiebung ist wahrscheinlich von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Auch in der Uhrenindustrie hat es einen Anteil von mindestens 80 % Frauen. Das sind spannende Parallelen.

Inwiefern ist es eigentlich eine Challenge, auch marketingtechnisch, wenn es um das Verkaufen von solch sinnlichen Produkten geht? Ein Auto sieht jeder auf der Strasse, jeder weiss, wie es aussieht. Auch eine Uhr muss man niemandem erklären. Aber Schokolade, Confiserie – die muss man ja eigentlich schmecken…
Für mich ist es genau dieses einzigartige Geschmackserlebnis, was Schokolade zu einem so tollen und ehrlichen Produkt macht. Es verlangt keine Luftschlösser der Vermarktung – wenn man den Kunden zum Degustieren bringt, ist alles gesagt – der Genuss spricht für sich.

Wenn wir uns dem B2B-Geschäft zuwenden, sehen Sie ganz offensichtlich Potenzial in diesem Bereich…
Ja, absolut! Der B2B-Sektor existiert seit 15 Jahren – und wurde in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut. Wir sehen da heute durchaus noch viel Potenzial und haben heute ein sehr professionelles Team von 12 Mitarbeitenden mit einem hohen Know-how, auch grosse Kundengeschäfte abzuwickeln.

Mit Schokolade kann man tatsächlich fast nichts falsch machen. Wenn wir jetzt auf den Tisch schauen … Es ist viel mehr als Schokolade, es ist auch Verpackung und natürlich die kundenspezifische Kreation. Vielleicht können Sie hier ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern?
Wir haben das Glück, dass wir im B2B mit den tollsten Schweizer Unternehmen zusammenarbeiten dürfen. Firmen kommen meistens mit einem Projekt zu uns. Sei es, wie gesagt, ein anstehendes Jubiläum oder die Suche nach einem Weihnachtspräsent oder die Entwicklung eines Kundengeschenks. Und wir schauen dann mit dem Kunden, was er sich genau vorstellt, was für Länder, was für Nationalitäten angesprochen werden sollen. Der Fantasie sind hier fast keine Grenzen gesetzt.

Warum ist beispielsweise die Nationalität wichtig?
Weil wir oft religionsbedingt auf das Thema Alkohol schauen müssen. Im arabischen Raum beispielsweise darf man keinen Alkohol konsumieren, dafür aber liebt man sehr gehaltvolle Kreationen mit Gewürzen wie Ingwer, Datteln, Chili.

Was ist hier der Unterschied, was bevorzugen Frauen, was Männer?
Ich finde das noch schwierig, so pauschal zu beantworten. In meinem Freundeskreis frage ich ja oft nach, was denn so die Präferenzen sind. Früher dachte ich immer, Männer mögen eher dunklere Schoggi, Frauen eher milde. Aber das stimmt so nicht. Es kommt immer sehr auf die jeweiligen Vorlieben an.

Inwiefern erforschen Sie die Geschmäcker der verschiedenen Nationalitäten, Geschlechter und Kundensegmente?
Hier profitieren wir sehr stark vom sehr guten Know-how und Gespür unseres CEOs, Tomas Prenosil. Er reist sehr viel und lässt sich im Ausland gerne inspirieren. Er ist die treibende Kraft bei der Entwicklung neuer Kreationen. Ich bewundere ihn sehr für sein gutes Gespür für den Markt und die kommenden Trends.

Es existiert aber keine eigene Marktforschung bei Sprüngli?
Vielleicht nicht im klassischen Sinne mit einer eigenen Marktforschungsabteilung. Aber wir beschäftigen uns selbstverständlich sehr intensiv mit unserer Konkurrenz, mit den Marktentwicklungen, mit Trends und wir führen auch regelmässige Kundenbefragungen durch.

Wie schaffen Sie es, den Geschmack Ihrer Kundinnen und Kunden zu treffen?
Wir kennen selbstverständlich unsere Kundinnen und Kunden und wissen, was man von uns erwartet und was ankommt und was nicht. Aber zusätzlich muss man im Luxussegment ein tolles Produkt und damit das Bedürfnis gleich mitkreieren. Das ist ja gerade die Kunst im Luxusgeschäft, einzigartige, unverwechselbare und hoch qualitative Produkte zu kreieren, die sich total von der Konkurrenz abheben. Kunden wissen oft nicht, was sie wollen. Mit dem Grand-Cru-Praliné beispielsweise haben wir ein Produkt auf den Markt gebracht, bei dem jeder gesagt hat, das brauche doch keiner. Früher gab es Grand Cru nur als Schokolade. Dann hatte Tomas Prenosil die Idee, auch Pralinés in diese Richtung zu lancieren und heute ist es eine der beliebtesten Sprüngli-Spezialitäten.

Wenn Sie Trends ansprechen – wo findet man diese? Da sind Sie als Kundenberaterin im B2B-Bereich ja durchaus auch gefordert…?
Das ist Entdecken, Leben, Augen und Ohren offen haben. Sich immer wieder Neues einfallen lassen, was andere nicht haben. Vieles ist aber auch Intuition. Wir haben beispielsweise ein Praliné mit Handstempel entwickelt. Man stellt einen Reliefstempel her und kühlt diesen mit Trockeneis. Wenn die Schokolade noch warm ist, drückt man den Stempel in die Schokoladenmasse. Aber ganz vorsichtig. Das ist alles reine Handarbeit. Das ist etwas, das bei den Kunden derzeit richtig gut ankommt. Pralinés sind handgemacht, keines ist gleich wie das andere. Und der Kunde kann dazu stets eine Geschichte erzählen, nach dem Motto: „Handmade in Switzerland“.

Habt ihr schon einmal eine Anfrage gehabt, die ihr nicht umsetzen konntet?
Es gibt Grenzen, zum Beispiel wenn ein Kunde etwas will, was unseren Wertvorstellungen nicht entspricht: Wenn es etwas in einer bestimmten Farbe ist, wie ein pinkfarbenes Praliné. Würden wir nicht machen! Es soll Schokolade bleiben – und da wir ohne Farb- und Zusatzstoffe arbeiten, muss ein Kundenwunsch schon unseren Werten und Qualitätsansprüchen entsprechen.

Dann kommt jemand mit einer Idee, er will beispielsweise einen Ski haben in Form von einem Praliné. Dann muss noch eine Kirsche rein. Wie geht euer Prozess dann weiter? Geht es zu den Kreateuren?
Ja genau, es folgt ein klassisches Briefing an die Kreateure, die dann beginnen, verschiedene Ideen zu entwickeln, ausprobieren. Das ist ein Prozess, der mehrere Wochen dauern kann. „Customizing“ braucht Zeit.

Und wenn ein Kunde mal mit einer ganz abstrusen Idee kommt, wird dann einfach mal ausprobiert?
Wir hatten auch schon einen Kunden, der aus seiner Parfümlinie eine ganz bestimmte Duftnote in ein Praliné integrieren wollte.

Und das hat geklappt?
Unser Chef-Kreateur war zuerst überhaupt nicht begeistert von dieser Idee. Aber er hat dann doch eine Möglichkeit gefunden, diese Duftnote zu integrieren. Er setzte eine hauchdünne Marzipanschicht als Bodenelement ein, in welche er den Duft integrieren konnte. Marzipan ist ein guter Geschmacksträger und beim Essen hatte man den Hauch dieses Parfümduftes im Gaumen.

Gibt es eine besonders schräge, ausgefallene Geschichte?
Zum Beispiel die Inspiration durch ein Schmuckstück – das war sehr einzigartig. Einer unserer Kunden wollte etwas Süsses für seine arabische Familie herstellen lassen, das so aussieht wie ein typisches orientalisches Schmuckstück. Mit Farben wie Rubin, mit Keramik und Ornamenten. Und das haben wir dann originalgetreu als Pralinés nachgebildet. Das Resultat sah wunderschön aus! Oder eine andere Geschichte: Bei einem Nachbarn und guten Freund, einem bekannten Zürcher Juwelier, hängt an der Fassade zur Bahnhofstrasse eine grosse Taschenuhr. Zu seinem Jubiläum haben wir ihm genau diese Uhr in Schokolade nachgebaut – mit Marzipan als Zifferblatt, das Innenleben und die Zeiger aus Schokolade, veredelt mit Blattgold. Es sah wirklich extrem schön und täuschend echt aus. Als wir das Geschäft dieses Juweliers mit einem unserer Confiseure betraten und sie ihm feierlich überreichten, schrie er: „Jesses Gott, welcher Tubel hat mir da draussen die Uhr abmontiert!“ Das war richtig herzig (lacht). Unsere Schokoladen-Uhr steht jetzt in seinem Sitzungszimmer. Es ist ein richtiges Kunstwerk!

Wenn man also ein Abbild von seiner Liebsten aus Schokolade anstatt Bronze haben möchte, geht das auch?
Auch das wäre möglich (lacht).

Aber noch nichts im Stile eines Aktbildes? Schokolade hat durchaus etwas Erotisches…
(lacht). Auch hier haben wir unsere Richtlinien. Sexistische wie rassistische Themen sind Tabu. Allerdings haben wir im Tortenbereich bereits sehr viel Aussergewöhnliches kreiert. Zum Beispiel durften wir mal eine Torte für einen Schönheitschirurgen produzieren, welche Schönheiten aus Marzipan zierte, die leicht bekleidet aus der Torte ragten – sehr ästhetisch.

Und welches war ihr grösstes Projekt?
Wir hatten eines vor zwei Jahren. Es ging darum, in kürzester Zeit 360’000 Packungen à 25 Pralinés zu produzieren und diese in der ganzen Schweiz zu versenden. Wir haben dabei 9 Mio. Truffes innerhalb von 5 Wochen gefertigt. Das war eine logistische Meisterleistung. Also mussten wir parallel eine Produktion aufbauen. So etwas Grosses nochmals auf die Beine zu stellen, würde mich sehr reizen.

Was ist das Besondere an einem Kundengeschenk der Confiserie Sprüngli, welchen Added Value könnt ihr bieten?
Sprüngli steht für höchste Qualität, Frische und exklusiven Genuss. Wir stellen unsere Produkte jeden Tag frisch in kleinen Mengen her, in liebevoller handwerklicher Fertigung, und verwenden dabei keine Zusatzstoffe, Farb- oder Konservierungsstoffe. Unsere Höchstleistungen erbringen wir da, wo Individualität und Exklusivität gefragt sind. Einzigartige Kreationen von höchster Meisterschaft, handgefertigt durch unsere besten Confiseure. Der Kunde spürt: Man hat etwas speziell für ihn kreiert. Wenn man Sprüngli schenkt, schenkt man Wertschätzung. «

Weiterführende Informationen: www.spruengli.ch


Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Sprüngli