Eigentlich hätte ich schon aufhorchen müssen, als er sich so charmant aufdrängte, den Testwagen abzuholen. Er hasst nämlich Zugfahrten. Tatsächlich – das hätte mir auffallen müssen. Als er dann erst zwei Stunden später als angekündigt zurück in die Redaktion kam, hätte das als zweites Indiz gelten können. Aber er hatte Ausschau nach schönen Locations für unser Fotoshooting gehalten (und vermutlich hat er auch ein paar Extrarunden gedreht). Nun gut. Seit wir einen 911 Carrera 4S Coupé haben, mit 3,8-l-Motor und 385 PS, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe in der Aussenfarbe Grau-Metallisé, ist mein Mann so charmant wie George Clooney. Er geht freiwillig auf die Post, zur Bank, sogar mitten am Nachmittag zum Einkaufen. Und er kommt stets mit allerlei netten neuen Bekanntschaften zurück. Einmal traf er beim Einkaufen einen älteren Herrn, der sich eben einen 911 Carrera bestellt hatte und unsere neuste Version an den Felgen – ja genau den Felgen – erkannt hatte. Ein andermal wollte einer unserer Geschäftspartner nach dem Meeting den Erzählungen zufolge mit nach draussen auf den Parkplatz, um das gute Stück noch etwas genauer unter die Lupe nehmen zu können.

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Und so erfahre ich über unseren Testwagen das Meiste in vermittelter, überlieferter Form.

Auch wenn wir zu zweit unterwegs sind, bietet er sich, nein eigentlich drängt er sich auf, den Porsche zu fahren, indem er sich flugs den Schlüssel in die Tasche steckt, mir auf dem Weg zum Auto vorauseilt und mir dann auch noch selbstbewusst die Beifahrertür öffnet. „Bitte schön, Schatz.“ Mist. Er hats schon wieder geschafft, mich um den Finger zu wickeln. Als wohlerzogene Dame steige ich murrend, aber mich artig bedankend ein und nehme auf dem Beifahrersitz Platz. Und da sitze ich nun schon zum siebenundzwanzigsten Mal, muss mir anhören, wie toll der Carrera 4S (langsam finde ich es schon witzig, wie er dieses „S“ zu betonen pflegt) auf dem Asphalt liegt, dass die Kurvenlage doch wohl klasse sei (und in diesem Moment, als er mit Tempo 80 über die Bergstrassen auf unserer Hausteststrecke jagt, huscht dieses bübische Grinsen über sein Gesicht, dieser Ausdruck jugendlicher Freude) und wie toll diese wohl konturierten Sitze doch sind. Stimmt. Da kann ich zum ersten Mal auch was dazu sagen. „Schau mal, der hat eine Sitzheizung und eine Sitzbelüftung – kostet zwar 2530 Franken Aufpreis, aber das lohnt sich.“ Aha! Aber in der Tat, wenn schon Porschefahren, dann wohl mit belüfteten Sitzen. „Das Navi ist ausgezeichnet. Ich meine, schau dir mal diese Grafik an“, freut er sich. Oder „dieses dynamische Kurvenlicht ist schlicht fantastisch“, und ich denke mir dabei zustimmend, dass der Carrera aussieht, als würde er tatsächlich Leben in sich tragen, so wie er um die Kurven blinzelt. Ach, und mein lieber Gatte liegt mir ständig in den Ohren, dass er sich dieses Auto ja nicht in GT Silber Metallic, sondern in Meteorgrau Metallic bestellen würde. So, so. „Ich würd den in Schokobraun nehmen“, war meine Antwort, die von ihm mit einem verachtenden, strafenden Blick kommentiert wurde: „Macadamia Metallic heisst das, Süsse.“ Ach, ne. Richtig süss ist übrigens auch, wie er immer mit dem ausfahrbaren Spoiler spielt und schwärmt: „Dieses Auto auf einer Rennstrecke … das wäre was.“ Glaub ich sofort. Aber nicht mit mir auf dem Beifahrersitz. Da fahr ich dann schon gerne selbst.

Tja. Da ich noch auf einer Geschäftsreise im Ausland war, steht morgen nun der Termin für die Rückgabe des Testfahrzeugs auf dem Programm. Nun raten Sie doch mal, wer den Carrera 4S zurückbringen wird?

Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Sebastian Triebl