SST-EditorialNach unserem Bargespräch Anfang April zum Thema „Der Weg zurück zum Glück“ habe ich mich gefragt, ob es a) Mut braucht glücklich zu sein, b) Mut braucht sich selbst zu sein (oder bei sich zu bleiben) und c) Glück braucht, um Mut zu haben. Wer von uns lebt, was er ist? Wer von uns wagt, und gewinnt eben nicht immer? Wer von uns ist in der tiefe seines Herzens glücklich? – Spannend, dass wir uns diese Frage überhaupt stellen müssen.

Ich erinnere mich gut an eine Botswana Reise. Wir sassen mit einigen jungen Frauen aus dem camp inmitten des Okawango Deltas, eine Flugstunde entfernt von der nächsten grösseren Stadt, am nächtlichen Feuer. Die jungen Frauen klebten an meinen Lippen als ich von der schweiz erzählte. Von der Bahnhofstrasse. Vom Bodensee. Von den gescheckten Kühen, den schneebedeckten Bergen. Für sie war die Schweiz all das, was sie sich in ihren kühnsten Träumen vorzustellen wagten: Reichtum. Glückseeligkeit auf immer. Lauter lachende Menschen. Doch als ich mit hochgezogenen Augenbrauen den Kopf schüttelte ob ihren Vorstellungen eines reichen Landes im Herzen Europas, verstanden sie die Welt nicht mehr. Ich erzählte davon, dass wir eine hohe Arbeitslast zu tragen haben, dass die Hälfte der ehen geschieden werden – und wir in punkto Suizid im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz belegen. Nein – das war nicht zu verstehen für sie. Ein so reiches Land, kein Krieg, keine Hungersnöte, genug arbeit und dann sind die Menschen nicht automatisch glücklich? Irgendwie gingen wir wohl alle an diesem Abend mit verstörenden Gedanken zu Bett. So fragte ich mich, ob ich als derart privilegierter Mensch, der mit dem Popo in der warmen Butter aufwachsen durfte, nicht schlichtweg dazu verpflichtet bin, glücklich zu sein. Und etwas von diesem glück weiter zu reichen. Und so schliesst sich der Kreis wieder zu unserem Bargespräch, wo ich mich dies erneut fragte. Denn als Rudolf Wötzel, ex-Lehmann Banker erzählte, wie leer und einsam er war, trotz hohem salär und hoher gesellschaftlicher anerkennung, wurde mir bewusst, wie sehr wir auch oder gerade hierzulande unser glück wieder in die eigenen Hände nehmen müssen. Wir haben es zu viel gebracht – ungelogen! Zu sehr viel wohligem Reichtum und Luxus. Doch es ist an uns, in all diesem erstickenden Luxus wieder unser persönliches Glück und das Wohl anderer zu finden. Ich möchte sie hier nicht dazu bekehren, keine prada-schuhe mehr zu kaufen. Sondern sich bewusst zu sein. Bewusst zu konsumieren. Und hin und wieder auch bewusst zu verzichten. Bewusst zu hinterfragen. Und zu spüren, was wir wirklich brauchen, um uns glücklich nennen zu können, ohne uns dabei selbst zu belügen. Haben sie den mut, sich selbst zu sein. Denn das Glück wohnt in uns allen. Wir müssen uns nur erinnern.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen sinnlichen, genussvollen Sommer – und eine inspirierende Lektüre unserer Ladies Drive-Ausgabe No. 26.

Sandra-Stella Triebl
Herausgeberin Ladies Drive


Text & Fotos: Sandra-Stella Triebl