Seltsam – irgendwie wurde ich in den letzten Wochen immer wieder in Diskussionen verwickelt, die die Solidarität unter Frauen zum Thema hatten. Wir sprechen hier nicht von einer blinden, dummen Frauensolidarität unter ohnehin privilegierten Schweizerinnen. Sondern darum, dass sich viele Frauen von Geschlechtsgenossinnen angegriffen fühlen. Neid, Missgunst, Missachtung, Intrigen. Keiner spricht öffentlich darüber, aber unter vorgehaltener Hand hat jede so die eine oder andere erstaunliche Geschichte zu erzählen. Auch ich erinnere mich an erste Erfahrungen im Sandkasten meines Kindergartens. Ich frage mich daher: Ist das wirklich so ein Frauenproblem? Neid, Missgunst, Intrigen – gabs und gibt’s doch auch unter Männern. Nur in einer anderen Ausprägung. Und was sich schon festhalten lässt: Es gibt unter Männern alt gediente Netzwerke, die oft genug als „old boys networks“ tituliert werden. Männer bilden Allianzen. Auch wenn sie sich überhaupt nicht ausstehen können. Männer kritisieren sich aufs Schärfste. Und treffen sich doch auf einen gemütlichen Schwatz bei einem Glas Rotwein, begegnen sich mit einem Höchstmass an Respekt. Kritisiert man indessen eine Frau hat man im Normalfall eine Feindin fürs Leben. Und – dies zeigen sogar Studien der Harvard University – Frauen würden niemals Allianzen mit anderen Frauen bilden, die sich nicht mögen. Netzwerken bedeutet für einen Grossteil der Frauen: Freundschaften kreieren. Diese fürs Business „auszunutzen“? Nein – das geht für viele gar nicht! Ja, auch ich fühle diese Missgunst manchmal. Den Neid, den man sich bekanntlich ja verdienen muss. Aber ich spüre auch, das ich mir gegenüber sehr loyale Supporterinnen habe. Diese versuche ich mit aller Sorgsamkeit zu pflegen, wie einen kleinen Schatz. Ebenso meine männlichen Unterstützer und Mentoren. Egal ob mit Männern oder Frauen – ich pflege einen charmanten, ungezwungenen und liebevollen Umgang mit Menschen. Es gibt doch nichts Schöner, als sich wohl geneigt zu begegnen – und dies aus einer Grundhaltung heraus. Wenn es dann doch anders eintrifft und man Ablehnung, Neid und Missgunst erfährt: Inschallah! Nun – dann sei es so. Ich war die Aussenseiterin vom Kindergarten an bis zur Uni. Ich musste mich also früh mit dem Thema der weiblichen Ausgrenzung beschäftigen und lernen, einen Weg zu finden, damit umzugehen – und dem zu begegnen. Für mich hiess das, mein eigenes Ego wachsen zu lassen. Auf ein für meine Umwelt erträgliches Mass – auf ein Niveau jedoch, wo ich mich nicht mehr darum kümmern musste, was ein jeder von mir denken möge. Indem ich gelernt habe Dinge und Menschen loszulassen und allem im gleichen Atemzug stets offen gegenüberzustehen. Denn Dinge und Menschen können sich ändern – weil sich Rahmenbedingungen ändern. Ich kann mich erinnern, dass man mir in der Schule mal sagte, ich soll nicht so laut lachen, so derart albern sein und nicht immer in die erste Reihe stehen. „Sowas tut man als Mädchen nicht“. Tja. Heute weiss ich, dass laut lachen mir gut tut. Dass albern sein ein Wesenszug von mir ist. Auch wenns ab und zu nicht „business-like“ erscheinen mag. Und ich hab gelernt andere in der ersten Reihe stehen zu lassen. Wenn ich denn mal selbst in der ersten Reihe stehe, geniesse ich es, wie alles andere im Leben auch; wie viele andere kleine, ganz einfache Dinge. Ego, etwas worüber man unter Frauen ungern spricht – weil man befürchtet als arrogant abgestempelt zu werden. Ladies, pflegen wir doch etwas unser eigenes Ego – und das anderer Menschen, anderer Frauen! Lernen wir zu gönnen, weil wir selbst wissen, wie gut es uns geht. Und lernen wir, dass das wahre Glück, oft in ganz einfachen Dingen steckt.
Ich bin unendlich stolz, dass wir Ihnen auch in dieser Ausgabe wiederum so viele wundervolle Frauen zeigen können. Geniessen auch Sie es. Und geniessen Sie den Sommer bevor er vorbei ist!


TEXT: SANDRA-STELLA TRIEBL
MODEL: VICTORIA RISPY, PR-VERANTWORTLICHE
FOTOGRAF: LUC LAMAR
ASSISTENTZ: LYDIA ZECHNER & CAROLINE GUGGISBERG
STYLING: STELLA
MAKEUP & HAIR: DA[email protected]
REDAKTION: SANDRA-STELLA TRIEBL
RETOUCHING: SIBES