Haben Sie auch schon ein Patenkind in der dritten Welt? Oder sind Sie etwa Sponsorin von Bäumen im Regenwald? Zahlen Sie für gestresste Delphine und frierende Murmeltiere oder spenden Sie für notleidende Fussballclubs und Kinderuniversitäten?

1. GESCHENKE MIT UND OHNE KETTEN
Betrachten wir die Geschenke etwas genauer, dann sind sie manchmal nicht ganz so altruistisch, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte … Schenkt Apple den Primarschulen Work Stations, dann ist das ein genialer Schachzug, denn die Kids lernen, auf Macs zu arbeiten, und was wohl, liebe Leserin, werden diese Kids kaufen, wenn sie ihre ersten eigenen Laptops anschaffen? Warum wohl sponsert ein bekannter Politiker Ferienlager? Warum engagiert sich ein Dirigent für ein mittelloses Orchester? Warum heisst ein Spital „Sepp Muster Clinique of Good Health“? Warum gibt es anderseits zahlreiche anonyme Spenderinnen, die nicht genannt sein wollen und einfach im Hintergrund, diskret und unauffällig Gutes tun, da wo sie denken, dass es gerade Sinn macht und nottut.

2. SELBSTLOSES SCHENKEN ODER KALKULIERTES SPENDEN
Wir unterscheiden also zwischen „einfach-so“-Geschenken und solchen, die sich durchaus „lohnen“ für den Schenkenden, denn sonst würden die Stiftungen nicht aus dem Boden schiessen wie die Pilze im Herbst, und sie würden auch nicht die prominenten Namen der Stiftungsgeber tragen. Doch sind Geschenke mit Kickback-Effekt immer noch besser als gar keine Geschenke! Vieles wird erst durch die Grosszügigkeit liquider Wohltäterinnen möglich, sei es im Sozialen, in der Bildung oder der Kultur.

Wie so viele Trends kommt auch dieser aus den USA und das nicht von ungefähr, denn die Sozialsysteme in den Staaten sind weit weniger gut ausgebaut als bei uns. So ist die tertiäre Ausbildung der Kinder für eine Familie eine grosse bis untragbare Belastung – Universitäten kosten bis zu 50’000.00 USD pro Jahr und Kind. Spendenbeiträge der Alumni helfen, Stipendiate zu vergeben und Investitionen zu tätigen, um so die finanzielle Belastung für „Sub-Reiche“ zu erleichtern. Der Staat in kapitalistischen Systemen mit freier Marktwirtschaft sieht sich für weniger zuständig als sozialistische Staaten, und so werden potente Geldgeberinnen für sich nicht rentierende Parks, Zoos, Krippen und kulturelle Institutionen zuständig. So altruistisch Handelnde werden entsprechend gefeiert und verehrt, was ein ziemlich gutes Gefühl gibt. Natürlich haben geschäftstüchtige Institutionen auch in unserem Lande längst herausgefunden, dass gegen Anerkennung viel Geld zu holen ist, und so hat sich das „Fundraising“ zu einem neuen, lukrativen Geschäftsbereich entwickelt, in dem nicht nur ans Mit-, Pflicht- und Verantwortungsgefühl, sondern gleichzeitig auch an den Narzissmus der Wohltäter appelliert und deren Ego gestärkt wird.

3. WOLLEN SIE STEUERN SPAREN UND SELBST ENTSCHEIDEN, WAS GEFÖRDERT WERDEN SOLL?
Auch in der Schweiz gilt, dass teure Institutionen, vor allem kultureller Art, deren Finanzbedarf durch ihren hohen Anspruch an Bildung und Exklusivität nicht einfach so auf die Steuerzahler überwälzt werden kann, von mehr oder weniger anonymen Donatoren „leben“. Doch auch Spitäler und Schulen sind auf die Unterstützung Betuchter angewiesen. Gedankt sei’s ihnen an dieser Stelle, denn darunter sind viele, von welchen man weder den Namen, noch die Höhe ihrer Beiträge kennt. Ohne sie wären wir um einiges ärmer an gemeinnützigen Institutionen (übrigens können auch Sie bis zu 20 % Ihres Einkommens an steuerbefreite Organisationen spenden und damit von Ihrem Einkommen abziehen, was Ihnen echte, legale Steuerersparnisse beschert).

4. WO VIEL GELD IST, IST AUCH VIEL MACHT
Trotzdem bleibt bei all der Grossmut manchmal ein etwas schales Gefühl, denn bevor Millionen gespendet werden, werden auch Millionen „verdient“. Das grosse Lohngefälle, das in der Schweiz herrscht und kontinuierlich steigt, bringt Ungerechtigkeit mit sich. Viel von der Armut, mit der wir als Volk leben, wäre vermeidbar, wenn wir eine ausgeglichenere Rechnung hätten. Initiativen, welche vom tiefsten zum höchsten Gehalt einen Faktor 12 vorsehen, sind in der heutigen Zeit etwas extrem, aber so falsch nicht (ursprünglich war als Richtwert in Gehaltsmodellen ein Faktor 20 vorgesehen, d. h. wenn der/die schlechtestbezahlte Mitarbeitende CHF 1’000.00 verdient, dann verdient der/die Bestverdienende CHF 20’000.00. Heute haben wir Faktoren von über 1000!). Die sogenannten Einkommensmillionäre – von denen eine beträchtliche Anzahl in der Schweiz lebt – verdienen in einem Jahr so viel wie Durchschnittsmenschen in ihrem ganzen Leben. Darf man da nicht erwarten, dass sie ab und zu ein paar Krümelchen zurückspielen? Es ist zwar schön und edel, dass Bill und Melinda Gates Milliarden spenden – gleichzeitig wird ihr Unternehmen jedoch regelmässig vor Gericht verurteilt wegen unethischer Wettbewerbspraktiken.

5. UNFAIRE EINKOMMENSVERTEILUNG IST GEFÄHRLICH
Initiativen wie „Occupy Wallstreet“, teilweise auch der arabische Frühling, selbst der nicht ganz so religiös geprägte Krieg in Nordirland, die Anti-Apartheidsbewegung und die französische Revolution haben mit unfairer Geldverteilung zu tun, welche ihrerseits nur möglich ist, wenn Macht zentralisiert wird. Soziale Unruhen bis zu Bürgerkriegen sind direkt sichtbare Konsequenzen. Schleichende Unzufriedenheit, Loyalitätszerfall, Sabotage, Neid, Eifersucht bis zu Hoffnungslosigkeit und Depression sind ebenso spürbare Auswirkungen. Der Trend zur Ausnutzung durch Arbeitgeber, Staat, Sozialwerke und Versicherungen knüpft ebenfalls an die wahrgenommene Unfairness an. Gier und Angst verstärken sich gegenseitig.

 6. AUS DANKBARKEIT SCHENKEN
Menschen, welche vom Glück verwöhnt sind und Chancen im Leben bekommen und ergriffen haben, verspüren grosse Dankbarkeit gegenüber denjenigen, die ihnen geholfen haben, aber auch dem Leben und dem Schicksal selbst gegenüber. Geteilte Freude ist doppelte Freude und so ist es ihnen ein tiefes Bedürfnis, andere teilhaben zu lassen, wenn sie schon selbst so reich beschenkt worden sind. Geschenke zu machen aus Dankbarkeit, und manchmal auch,  um den anderen günstig zu stimmen, ist ein Instinkt, den auch Tiere kennen. Je besser es uns geht, desto mehr möchten wir, dass es unseren Mitmenschen auch gut gehen möge. Leider trennen wir dabei oft zwischen jenen, die wir mögen und begünstigen wollen und anderen. „Möge es ALLEN fühlenden Wesen gut gehen und mögen sie frei sein von Schmerz“, wünschen sich die Buddhisten und fühlen sich gefordert, jederzeit ihr Möglichstes dazu beizutragen, unabhängig von Sympathie und Antipathie. Schenken – nicht nur Geld, sondern ebenso wichtig: Zeit, ein offenes Herz, Mitgefühl und ein geduldiges Ohr – hilft, das Gefälle von Glück und Unglück, von Reichtum und Armut, von Gesundheit und Krankheit etwas auszugleichen. Selbstloses Schenken ist Dienst am Nächsten, so wie er/sie das im Moment am nötigsten braucht. Schenken ist nicht mehr als fair, solange es uns vergönnt ist, mehr zu haben als andere. Es geht dabei nicht darum, ein „Gutmensch“ zu sein, sondern einfach darum, das Wohl für die Gesamtheit zu optimieren. Wer glücklich ist, kann andere glücklich machen, wer leidet, verursacht Leiden in seinem Umfeld.

7. ARCHITEKTINNEN DES GLÜCKS
Erst wenn ich bereit bin, ohne Kalkül und Erwartungen abzugeben und zu teilen, ziehe ich Gutes an. Wollen wir „beim Universum bestellen“, dann wird dies umso erfolgreicher sein, je mehr wir auch uns selbst zu Schenkenden machen. Helfen wir anderen, dass es ihnen besser geht, dann geht es uns ultimativ selbst auch besser, denn „what goes around comes around“. Gehen wir davon aus, dass wir alle miteinander vernetzt und verbunden sind, dann helfen wir uns selbst, indem wir anderen helfen, oder anders formuliert: Wir profitieren davon, wenn es allen etwas besser geht. Die folgende Anekdote drückt dies sehr gut aus:

Ein Mensch, dessen gute und schlechte Taten sich die Waage gehalten hatten im Leben, erlebt eine Nahtoderfahrung und wird von Petrus durch Himmel und Hölle geführt. Da seine Zeit noch nicht gekommen war, kommt er jedoch wieder zu sich und erzählt seinen Nächsten: „In der Hölle hatten sie feines Essen, aber sie hatten Besteck mit 1 m langen Stielen, das an ihren Händen angewachsen war, und so konnten sie gar nichts essen. Sie versuchten es zwar immer wieder ganz verzweifelt, konnten aber den Mund nicht erreichen. So verhungerten sie inmitten der Fülle an exklusiven Mahlzeiten.“ „Und im Himmel?“, fragten seine Angehörigen. „Da war es genau gleich“, erzählte der Zurückgekehrte: „Besteck mit langen Stielen, an den Händen angewachsen und überall Delikatessen!“ „Ja, wo liegt denn da der Unterschied zwischen Himmel und Hölle?“, fragten seine Verwandten besorgt. „Im Himmel hatten sie gelernt, einander zu füttern“, meinte er mit einem verschmitzten Lächeln. «

 

* Christina Kuenzle ist Unternehmerin und betreibt mit ihrer Firma Choice Ltd. seit Jahren erfolgreiches Business & Executive Coaching. Als Gastautorin von Ladies Drive wird sie etwas von ihrem reichen Wissen in den nächsten Ausgaben an uns preisgeben.

www.choice-ltd.com


Text: Christina Kuenzle