LA VITA E BELLA– AM WUNDERSCHÖNEN GARDASEE

Der grösste See Italiens lockt mit gutem Wind für Surfer, leckerem Essen, zahlreichen Ausflugszielen, schönstem Panorama und der Gemütlichkeit, wie wir sie aus Gina-Lollobrigida-Filmen her kennen. Ganz locker mit der Vespa von einem Dorf zum nächsten tuckern. Ein kleiner Spaziergang an der Promenade von Bardolino oder Garda. Dazwischen eine Pizza an der Piazza mampfen. Dolce far niente an einem der steinigen Ufer. Und abends ein Glas Gustoso, eine Rebsorte, die hier traditionell angepflanzt wird und lässig prickelt wie ein junger Prosecco.

Das Leben zwischen ultralangen Spaghetti, Pane mit zu wenig Salz, einem Gläschen Wein und der italienischen Sonne hat was. Etwas unglaublich Entschleunigendes. Ein Adriano-Celentano-Song auf den Lippen, den man mangels Liedtextkenntnissen stumm und beschwingt vor sich hin summt, das ist „la vita è bella“.

Um es mal in Anlehnung an den deutschen Kabarettisten Gerhard Polt auszudrücken: Der Gardasee lockte mich bislang wenig, wie alles, was mir zu massenhaft erschien. Doch abseits der grossen Touristenströme im Sommer verführte uns der Gardasee mit seinem Retro-Charme – und einem neuen Spa-Hotel in Bardolino. Dem Hotel Spa Suite & Terme Aqualux, einem Haus der Kategorie Eco-Chic – offiziell ein 4-Sterne-Haus.

Also machten wir uns auf, den Gardasee mal von einer neuen Seite her zu erkunden. In der brütenden Nachmittagshitze erreichen wir das erst im März 2012 eröffnete Eco-Hotel, wenige Gehminuten entfernt von der Veroneser Seite des Lago di Garda. In der weitläufigen Parkanlage finden wir 113 Zimmer, davon 33 Suiten. Das Haus besteht, mit Ausnahme der Lifte und Treppen, komplett aus Holz. Es wird beispielsweise geothermisch beheizt und wurde durch sein Nachhaltigkeitskonzept entsprechend als Klimahotel zertifiziert.

Die Zimmer selbst sind in dunklem Holz gehalten, die Farben aus der Palette der Natur entliehen wie Braun, Crème, Grau oder Bordeaux. Im Aqualux ist der Gast übrigens Teil des Konzepts: So soll beispielsweise der Abfall gleich selbst getrennt werden. Verschiedene kleine Mülleimerchen stehen uns in einem der Holzschränke dafür zur Verfügung. Wer das Zimmer verlässt, muss auch auf Strom und Klimaanlage verzichten – sein Blackberry oder iPhone aufzuladen, funktionierte für uns also primär in der Nacht. Aber wir wollten diese kleinen mobilen Monster ja eigentlich ohnehin ignorieren. Normalerweise sperrt mein Mann meinen Blackberry in den Safe ein, ohne mir den Code dafür zu verraten. Ich versuche derweil, während er in der Dusche ist, sämtliche Geburtstage als Code einzugeben, um diesen endlich zu knacken. Doch meist gelingt es mir nicht. So parken wir unser fahrendes Büro also brav im Safe – und legen uns dafür an den wunderschönen Pool des Aqualux.

Besagte Pool-Anlage des Spa-Hotels liegt in einem zauberhaft angelegten Garten mit landestypischen Olivenbäumen, Hortensien und unendlich vielen Oleandern in diversen Farben. Der zweistöckige Holzbau des Hotels schmiegt sich dabei wie eine Arena um den blumenübers.ten Park, dazwischen, leicht erhöht, ein grosser Pool und mehrere kleinere Schwimmbecken und Jacuzzis, wo man sich bequem in die Liegen fläzen kann. Und für die landestypische Verpflegung kulinarischer Gelüste steht uns unter anderem eine Bar oder ein etwas eleganteres À-la-carte-Restaurant zur Verfügung, wo wir uns am ersten Abend einen grossen Teller Risotto mit Minze und Erdbeeren sowie einem Schuss Likör einverleiben. Mmmmmh!

Beim Frühstück wird das Eco-Konzept dann deutlich spürbar: Bio- Eier, Bio-Joghurt, alles soweit möglich, ausser Nutella, aus nachhaltigem Anbau.

Eigentlich müsste man sich während des ganzen Urlaubs keinen Meter aus dem Haus bewegen – dank mehreren Restaurants, einem Spa mit allen Annehmlichkeiten, der variantenreichen Poollandschaft. Aber uns treibt es an den See und in die verschlafenen Dörfer an den weichen, bewaldeten und grünen Hügeln des Lago di Garda. Mit unserem Testwagen, einem Porsche Panamera Diesel, schlängeln wir uns also über die schmalen Küstenstrassen und bewundern prunkvolle alte Villen in Gelb und Rot hinter golden-eisernen Toren, säulenartige Pinien, riesige Ahornbäume und mittelalterliche Burgen. Der Gardasee bietet Design-Afficionados und traditionellen 5-Sterne- Luxus-Liebhabern tatsächlich eher wenig, es ist lediglich ein gutes Dutzend an der Zahl. Aber die Mischung aus dem typisch norditalienischen Charme, kombiniert mit diesem Hauch Mittelalter, auf dem See ältere Segelboote und an den Küsten Besucher mit ähnlichem Jahrgang, haben irgendwie was von einem coolen Vintage- Flair und ich wähne mich melancholisch, nostalgisch im 1952er Streifen „Die Schönen der Nacht“.

Wir verlassen die Küstenstrasse und erkunden eines der Dörfer auf dem Rücken der Hügel – und können den Ausblick auf den Gardasee kaum fassen. In der Abenddämmerung flimmert die Luft, die in diesen Tagen fast schon Karibikniveau erreicht, geheimnisvoll überdem schwarzblauen, stoisch daliegenden See. Dazwischen leuchten die weissen und pinkfarbenen Oleanderblüten wie kleine, im Wind tanzende Lampions. Mit einer Pizza Bianca und einem Glas Lugana geniessen wir den Sonnenuntergang über der sich zur Ruh legenden Landschaft. Lugana, übrigens eine tolle Spezialität der Region – eine Cuvée aus Gustosa-, Trebbiano- und Chardonney-Trauben mit viel Frische und wenig Säure. Ich atme die frische Luft des Windes, der über die Hügel fegt, ein. Unser Pizzaiolo klappt derweil seinen Ofen mit grossem Geschepper auf und es weht dieser verführerische Duft von frisch gebackener, knuspriger Pizza, geschmolzenem Mozzarella, frischen, süssen Tomaten und herben Kräutern, Oregano, Majoran, Basilikum, herüber. Und ich atme wieder tief ein, während sich meine Mundwinkel ganz von alleine nach oben ziehen. Es fühlte sich fast wie eine Meditation an.

Die Hotels und Restaurants tragen hier Namen wie „Capri“, „Ideal“, „Casa Marinella“, „Hotel Erika“ oder „Speck del Garda“.

Am nächsten Tag setzen wir unsere Erkundungsfahrt fort. Bergseitig säumen Natursteinmauern unseren Weg, seeseitig wirft der blaukitschige Lago kleine Wellen ans Ufer. In einem Garten, den wir für einige Sekunden beim Vorbeifahren einsehen können, stehen alte Hollywoodschaukeln in blauem Spaghettiplastik, als wären sie ein Relikt vergangener Tage. Es folgen Häuser in Safrangelb, Beige, Rosa, Terracotta und Weiss, dazwischen erneut Oleander in Weiss, Rosa und Rot. Die Hotels und Restaurants tragen hier Namen wie „Capri“, „Ideal“, „Casa Marinella“, „Hotel Erika“ oder „Speck del Garda“. Die Luft ist blütenerfüllt, die Motoren der Autos und Vespas wummern dahin. Das Leben kennt keine Hektik – ausser beim Anpreisen der Waren oder der eigenen Pizza. Aber da verziehen wir uns lieber in stille Seitengassen, ruhige Dörfer, kleine Bars und Restaurants abseits der grösseren Touristenströme. Nur einmal wagen wir uns mitten rein in den Trubel – und zwar ins nur 25 km entfernt gelegene Verona. Valpolicella und Milano lockten uns ebenso als Ausflugsziel – aber es sollte die Opernstadt Verona sein, in die wir uns stürzen wollten. Angekommen bestellen wir uns voller Wollust am erstbesten Stand der altertümlichen Stadt ein Eis. Zwei Kugeln sollen es werden. Doch die von der anstürmenden Touristenmenge wohl etwas überforderte junge Frau hinter den Gelati-Kübeln stapelt uns eher den schiefen Turm von Pisa aufs zierliche Waffelhörnchen, welches unter der grossen Last von triefendem Vanille- und Schokoladeneis zusammenzubrechen droht. So kommen wir nicht weit und das überaus leckere Eis tröpfelt über unsere Finger gen Boden.

Die junge Frau hinter den Gelati-Kübeln stapelt uns den schiefen Turm von Pisa aufs zierliche Waffelhörnchen, welches unter der grossen Last von triefendem Vanilleund Schokoladeneis zusammenzubrechen droht.

Hektisch suchen wir nach einer Möglichkeit, die Hände zu waschen – und graben in der Handtasche nach Taschentüchern. Als wir uns umsehen, beobachten wir mindestens zehn weitere Pärchen, die derselben Herausforderung versuchen, mehr oder weniger entspannt Herr zu werden. Irgendwie ein putziges Bild! So endet unser Verona-Abenteuer dann doch schneller als gedacht. Aber es zieht uns zurück an den beschaulichen Gardasee. Die Zeit verrinnt derweil wie Sand zwischen unseren Händen. Wir decken uns noch mit süssen, grünen Oliven aus der Region und Lugana ein – um den Geschmack unserer Ferien mit nach Hause nehmen zu können. Zum Abschied trinken wir einen Prosecco bei Riva del Garda, während uns der Lago in seiner ganzen Schönheit zu Füssen liegt. Wir beobachten eine Weile die Kite-Surfer und machen uns, wie immer etwas wehmütig, auf den Heimweg, der uns über Bozen und Innsbruck Richtung Heimat führen soll.

Im Trentino blinzeln die Häuser der putzigen Dörfer schlaftrunken mit kleinen Äuglein Richtung Sonne – und ich mit. Sei nicht traurig, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es schön war. Ist zwar nicht italienisch. Aber dennoch wahr. «

Weiterführende Informationen: www.aqualuxhotel.com


Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Sebastian Triebl & Aqualux